Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenstichwort → ß
nachgeführt 12. 12. 2016

ß

Pro

literaturcafe.de, 3. 7. 2008

»In der deutschen Rechtschreibung ist das ß durchaus unentbehrlich, und gegen seine Beseitigung, die in der neuen Schweizer Schulschrift leider durchgeführt ist, sollte sich jeder wehren.« Das schrieb der berühmte Typograf Jan Tschichold in seinem Meisterbuch der Schrift bereits 1952.

Hermann Unterstöger, Süddeutsche Zeitung, 28. 10. 2010

Immerhin verfügt das Deutsche im „ß“, dem „Eszett“ oder „scharfen S“, über eine Art Allein­stellungs­merkmal, wenn auch nur in seiner Schrift. Die Aussprache ist nämlich bei weitem nicht präzise genug, als dass sich aus ihr der rechte Gebrauch des „ß“ schlüssig herleiten ließe. […] Tatsächlich kann man mit Rückgriff auf die zweite Laut­verschiebung die These vertreten, dass nicht nur die Konjunktion „dass“, sondern auch der Artikel „das“ mit „ß“ respektive, nach der letzten Orthographie­reform, mit „ss“ geschrieben werden sollte […]. Ausgesprochen werden sie gleich, doch ist es eine zweifellos nützliche Übereinkunft, dem strukturellen Unterschied zwischen ihnen durch eine unterschiedliche Schreibung Rechnung zu tragen.

Kontra

Gottfried August Bürger, Gedichte, 1778

Das ß iſt ein hoͤchſt al­berner Buchſtab. Ein reines s oder ſſ kan uns die naͤmlichen Dienſte, wie andern Spra­chen, thun.

Entschliessung des deutschen germanisten­tages vom 14. 2. 1973

ß kann durch ss ersetzt werden.

Basler Zeitung, 29. 5. 2007, s. 3, rubrik Bazillus

Ein schlagendes Argument gegen das scharfe S hat der aus Deutschland stammende Basler Typograf Jan Tschichold, eine Welt­autorität notabene, schon vor über sechzig Jahren geliefert. 1943 schrieb Tschichold, das scharfe S sei eine «Monstrosität», weil es als Buchstabe aus der (bei den Nationalsozialisten beliebten) Frakturschrift schlicht nicht in die damals wie heute übliche Antiqua­schrift passe. Recht hatte und hat er. Aber wer liest heute schon das «Basler Schulblatt» von 1943, in dem Tschichold seine Erkenntnis versenkte?

Marcel Reich-Ranicki, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Der Buchstabe "ß" ist überflüssig, ich werde, ähnlich wie das Volk der Hirten und Bankiers, künftig "ss" schreiben.

Auswirkungen der neuregelung von 1996

Uwe Wittstock, Focus, 1. 8. 2011, s. 72

[…] ZDF-Journalistin und Sachbuchautorin Petra Gerster […]: Ich sehe das oft in meinem Redaktions­alltag. Viele jüngere Kollegen finden die ß-Regeln so schwierig, dass sie das ß gar nicht mehr benutzen und nur noch ss schreiben.

Bravo!

Worttrennung am zeilenende bei ss statt ß

Duden, die deutsche Rechtschreibung. 20. auflage, 1991

Duden, die deutsche Rechtschreibung. 25. auflage, 2009

In der Schweiz galt schon immer diese regelung. Nach 1996 – nicht vorher – tauchte in der Schweiz vereinzelt die alte dudenschreibweise auf (fundsachen).

Grossbuchstabe

Hermann Unterstöger, Süd­deutsche Zeitung, 28. 10. 2010

Das „ß“ fällt auch dadurch auf, dass es keinen Großbuchstaben zur Seite hat. […] Seit 130 Jahren wird über ein großes „ß“ nachgedacht, bisher ohne überzeugendes Ergebnis, was darauf hindeutet, dass es die Sprachgemeinschaft ohne Schmerz entbehren kann.

Rat für deutsche recht­schreibung, presse­mitteilung, 8. 12. 2016

Darüber hinaus empfiehlt der Rat den staat­lichen Stellen eine […] Er­weiterung des Regel­werks […]: Die Er­weiterung betrifft die Ergänzung um einen dem Klein­buchstaben <ß> ent­sprechenden Groß­buchstaben - nicht zuletzt, um für amtliche Zwecke, ins­besondere Personal­dokumente wie Personal­ausweis und Pass, die Ein­heitlichkeit der Schreib­weise z. B. von Personen­namen zu sichern.

Verweise

stichwort

das

presseartikel, internet

Peter Gallmann, Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben. Sprachspiegel, 8. 1996

Andreas Geldner, Das Dreierles-S. Stuttgarter Zeitung, 18. 7. 1998

Stine Wetzel, Die Geschichte des verlorenen Buchstabens. Tagblatt der Stadt Zürich, 29. 2. 2012

Oliver Jungen, Da ist Fraktur in meiner Buchstabensuppe! Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. 11. 2002

Sigfried Schibli, Der späte Sieg eines Aussenseiters. Basler Zeitung, 29. 5. 2007

Barbara Frolik, Wieso verwenden die Schweizer eigentlich kein ß? wordweb.ch, 27. 1. 2010

Liebe Rechtschreibreform! pfaelzischer-merkur.de, 12. 2. 2010

Inge Müncher, Die s-Regel der Rechtschreibreform kritisch betrachtet. stolzverlag.de, 13. 12. 2012

extern

Wikipedia, artikel «ß»

www.facebook.com/versaleszett