Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 13. 2. 2017 , 2. 1. 2017

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Bedeutung der schreibkompetenz

Amerikanische briefmarke

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Schreiben können – eine wurzel der demokratie.

NZZ am Sonntag, 24. 4. 2011

überschrift: Polizisten-Mangel: Die meisten Anwärter scheitern am Deutschtest

«Rund 50 Prozent der Ar­beit eines Polizisten be­stehen aus Schrei­ben», erklärt Mar­co Bisa von der Zür­cher Stadt­polizei.

neu ,

Das Bundes­kriminal­amt kann offene Stellen nicht besetzen, weil zu viele Bewerber am Deutsch­test scheitern […]. Grund dafür ist nach Angaben des BDK-Vor­sitzenden Andre Schulz vor allem der Rechtschreib­test im Aufnahme­verfahren, an dem viele der Bewerber trotz Abitur scheiterten.

Kontroverse

Für den Bund für vereinfachte rechtschreibung ist die mangelhafte beherrschung der rechtschreibung durch die bevölkerung ein wichtiges (wenn auch nicht das einzige) argument für reformen. Das wird von reformgegnern bestritten:

Petition von juristen zur beendigung des rechtschreibreformprojekts, 16. 2. 2004

Die tradierte Rechtschreibung wird praktisch von der gesamten Sprach­gemeinschaft beherrscht.

Die schreibkompetenz in zahlen

neu Süddeutsche Zeitung, 19. 8. 2000

Im Jahr 1912 ver­ursachte der Breslauer Lehrer Oskar Kosog mit dem Rechtschreib­diktat „Aus dem Testamente einer Mutter", seither Kosog­sches Diktat genannt, keine geringe nationale Auf­regung. Es be­teiligten sich daran 30 Lehrer, 2 Subaltern­beamte, 8 Frauen mit höherer Mädchen­schule, 10 Akademiker sowie 22 Stu­dentInnen. Man kann es nicht anders sagen, als dass das Ergebnis be­trüblich war: Je nach Gruppe kamen zwischen 13 und 24 Fehler heraus; der einzige Ober­lehrer, der sich an der Prüfung beteiligte, lag mit 18 Fehlern im Mittel­feld. Insofern ist es mehr als ver­ständlich, wenn sich der Schrift­steller Martin Walser weigert, an dem von der Zeit an­gezettelten Dichter-Diktat teil­zunehmen.

Schriftliche prüfungen 20-jähriger schweize­rischer rekruten mit unter­schiedlichen temati­schen schwer­punkten; 1954 erhebung der rechtschreib­kompetenz anhand von aufsätzen und briefen, bericht von dr. F. Bürki

Im ganzen ist die Zeichensetzung dasjenige Gebiet der Rechtschreibung, auf dem die grösste Unsicherheit herrscht.

Die klein- und grossschreibefehler machen …

… 37% sämtlicher Wortfehler überhaupt [aus]. Es ist nicht zu bestreiten, dass die Großschreibung eine wesentliche Fehlerquelle bedeutet.

Fridolin (Schwanden GL), 19. 5. 1994, zu einer befragung von armeerekruten (1991)

Ein Viertel hatte Mühe, den Sinn eines simplen Zeitungsartikels zu verstehen. Beim Diktat des Artikels 2 der Bundesverfassung konnten den Text bloss 10% der Romands, 29% der Deutsch­schweizer, aber immerhin 45% der Tessiner fehlerfrei wiedergeben.

WirtschaftsWoche Online (Wirtschafts­woche/Handels­blatt), 23. 4. 2007

Deutsche Manager haben massive Probleme bei Rechtschreibung, Kommaregeln und Satzbau. Nach einer Untersuchung der Freiburger Personal­beratungs­gesellschaft Saaman Consultants AG ent­halten gut drei Viertel aller Bewerbungs­schreiben und Lebensläufe von Führungskräften eindeutige Recht­schreib­fehler. Das hat der Vergleich von 250 Bewerbern für Stellen im Top-Management (Bereichsleiter, Hauptabteilungs­leiter) im Jahr 1997/98 mit der selben Anzahl von heute ergeben, wie Firmenchef Wolfgang Saaman heute mitteilte.

Umfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache, 13. 6. 2008

Die Rechtschreibkenntnisse der Bevölkerung jedenfalls haben sich in den letzten 20 Jahren nicht verschlechtert, aber auch – trotz Explosion der höheren Bildungs­abschlüsse in diesem Zeitraum – nicht verbessert. Wörter wie ‚Lebensstandard’ oder ‚Rhythmus’ konnte damals wie heute nur jeder Zweite bzw. knapp jeder Dritte korrekt schreiben. Und auch Jüngere, unter 30-Jährige, schneiden bei diesem Test nicht schlechter ab als Altersgleiche vor gut 20 Jahren.

grafik: rechtschreibkenntnisse

Birgit Hofmann, Südkurier, 15. 1. 2014

Wie emotional aufgeladen das The­ma ist, zeigte sich kürzlich, als der Ger­manist Uwe Grund und dessen Studie in einem Medienbericht mit der Aussa­ge zitiert worden war, dass sich seit der Rechtschreibreform die Fehlerquote in Schultexten verdoppelt habe. Grund selbst bezeichnet sich als unterrichts­historisch arbeitenden Germanisten, der aber eher unbekannt ist. Seine Vor­gehensweise, nämlich Schülerarbeiten aus den 70er-Jahren mit Daten aus den Jahren 2004 bis 2006 zu vergleichen, ist in Expertenkreisen umstritten. Die Zu­nahme der Fehler allein der Recht­schreibreform zuzuschreiben, hält Kerstin Güthert, Geschäftsführerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, für falsch. „Grund kommt 2006 zu dem Schluss, dass die Fehlerquote in Abi­turaufsätzen aus dem Jahr 2005 dreimal so hoch ist wie in Abituraufsätzen aus dem Jahr 1962 und doppelt so hoch wie in Abituraufsätzen aus dem Jahr 1978“, sagt sie. „Doch zwischen 1962 und 1978 hat es keine Reform der Rechtschrei­bung gegeben.“ Das Institut zur Quali­tätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin hat 2009 im Auftrag der Kultus­ministerien ermittelt, dass beispiels­weise die Lesekompetenz von Neuntklässlern in Brandenburg, Hamburg, Berlin und Bremen signifikant unter dem deutschen Mittelwert liegt, Bay­ern, Baden-Württemberg und Sachsen aber darüber. Weshalb die Kompeten­zen der Schüler so schwanken, hat aber noch keine Studie ermittelt.

dergrossediktatwettbewerb.de, 27. 2. 2013

Mit Spannung erwartet, fand am 27. Februar das große Finale des Diktat­wettbewerbs „Frank­furt schreibt!“ statt. Die Aula der Muster­schule wurde zur Rechtschreib-Arena, und die von 15 Frankfurter Schulen entsandten Teilnehmer kamen mehr als einmal ins Schwitzen. […] Tilman Jacob siegte im Feld der Schüler mit 19 Fehlern; die beste Lehrerin, Anneke Thaler, glänzt mit nur 10 Fehlern, und bei den Eltern darf sich Antje Freyberg mit 9 Fehlern des Sieges im Gesamt­placement rühmen. Die durch­schnittliche Fehler­quote – 49,9 bei den Schülern; 25,2 bei den Eltern und 24,6 bei den Lehrern – zeugt davon, welch hohe Anfor­derungen der amüsante und erfindungs­reich komponierte Text an die Schreiber stellte.

Verweis

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