Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenstichwort → fremdwort
nachgeführt 5. 7. 2016

fremdwort

definition

In diesem zusammenhang geht es um alle wörter, die aus einer fremden sprache übernommen werden.

einzelne wörter

majonäse/mayonnaise

nummerieren

restaurant

spagetti

grundsatz

Wilhelm Bleich, Der deutsche Schreibzopf und dessen not­wendige Beseitigung, 1900, s. 34

12. Fremdwörter.

In deütscher rede und schrift ist jedes fremdwort zu vermeiden, das durch ein gutes deütsches wort erſezt werden kann, wi z. b. examen (durch prüfung), reſultat (er­gebnis), abſolut (durchaus, unbedingt), inscribiren (ein­schreiben), dispenſiren (befreien).

Di unvermeidlichen fremdwörter, welche der sprache des täglichen lebens ange­hören, ſind nach deütscher weiſe zu schreiben; z. b. möbel, schokolade, kasse, kapital, kontrakt, kredit, prozess, doktor, rezept, pazient, zenſur, zitrone, zigarre, zenti­meter.

Die integration der fremdwörter in grammatikalischer und ortografischer hinsicht («eindeutschung») ist ein zwangsläufiger, aber unterschiedlich rasch verlaufender prozess. Er ist oft mit einer übergangszeit mit varianten verbunden. In dieser übergangszeit gibt es oft dikussionen zwischen progressiven und retardierenden kräften.

Verschiedene sprachen übernehmen in sehr unterschiedlichem ausmass fremde wörter; das deutsche nimmt keine sonderstellung ein. Meistens wird (soweit möglich) die fremde lautung übernommen und die schreibung angepasst (aber nicht immer; vgl. die unterschiedliche behandlung von au bei restaurant).

kontra und pro integration

Deutsche Aka­demie für Sprache und Dichtung, Neue Zürcher Zeitung, 17. 4. 1955

Es gibt Gründe genug dafür, Wörter wie «fair» und «charme» gerade als Zeug­nisse fremder Kultur und Atmo­sphäre zu kenn­zeichnen, und das geschieht dadurch, daß die Zeichen fremder Schreib­weise beibe­halten werden.

Horst Haider Muns­ke, Lob der Recht­schreibung, s. 110

Vor allem in einem Bereich lebt jedoch die Fremd­heit der meis­ten Fremd­wörter fort, in der Ortho­graphie. […] Die Deut­schen bringen ihre be­sondere Wert­schätzung gegenüber Frem­dem auch in der Bei­behaltung von Aus­sprache und Schrei­bung ent­lehnter Wörter zum Aus­druck. […] Dies alles ist Teil unseres Sprach­bewußt­seins, an dem nicht zu rütteln ist.

Edmund Jaco­by, boersen­blatt.net, 15. 6. 2015

[…] die ideologisch vorbe­lastete Auf­fassung, dass „Fremd­wörter“ einge­deutscht („inte­griert“) ge­hören, [ist] noch nicht ganz tot.

neu Josef Lange, Münch­ner Mer­kur, 1. 7. 2016

Der damalige Ansatz, möglichst alle Wörter einzu­deutschen, hat sich als Irr­weg erwiesen. […] Man sollte Wörter so schrei­ben, dass man ihre Her­kunft er­kennt.

Man muss fremdwörter nicht verwenden, aber wenn man es tut, muss man sie wie alle anderen wörter behandeln.

  • Fremdsprachige schreibungen bedeuten eine erschwerung des schreibens.
  • Fremdsprachige schreibungen laufen dem prinzip der buchstabenschrift zuwider (regel), was wiederum dem lesen nicht förderlich sein kann.

Jacob Grimm, Deut­sches Wörter­buch, 1854, s. XXVI

Fällt von unge­fähr ein frem­des wort in den brunnen einer sprache, so wird es so­lange darin umge­trieben, bis es ihre farbe an­nimmt und seiner frem­den art zum trotze wie ein heimi­sches aus­sieht.

Konrad Du­den, Encyklo­pädisches Hand­buch der Päda­gogik, 1898, s. 767

Amtlich einführen lassen sich sol­che Schrei­bungen, wie „Büro, Guver­nör“, die uns noch fremd­artig anmuten, aller­dings jetzt noch nicht; aber es ist sehr er­wünscht, wenn weit­verbreitete Zei­tungen in der deut­schen Schrei­bung all­gemein ge­brauchter Fremd­wörter […] mit gutem Bei­spiele vor­angehen. Wir müssen dahin ge­langen, daß wir, wie es das Alt­hoch­deutsche und das Mittel­hoch­deutsche thaten, Fremd­linge, denen wir Heimats­recht geben wollen, in deut­sches Gewand kleiden.

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