Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2018-7-24

Der Bund für vereinfachte rechtschreibung nimmt stellung

Konrad Duden statt nationalsozialisten

Zu Jan Henrik Holst, «Der 1. August: Schicksalstag der Rechtschreibung», tichyseinblick.de, 1. 8. 2018

Der Entwurf von 1941 sieht außerdem vor, «für stimmloses s nach kurzem Vokal im Inlaut und Auslaut ss, nach langem Vokal ß zu schreiben …». Dies ist verblüffenderweise exakt das, was jetzt umgesetzt ist.


Das ist reine, böswillige demagogie. Selbst­verständlich haben die reformer nicht bei den national­sozialisten abgeschaut, sondern bei Konrad Duden. Gar nicht verblüffender­weise wurden dieses und anderes exakt an der ersten orto­grafischen konferenz im jahr 1876 beschlossen und von Konrad Duden in seiner «Zukunfts­orthographie» nicht nur erläutert, sondern auch angewandt (in fraktur ausſchließen, Ausſchluſs, daſs). – Gar nicht verblüffender­weise gibt es auch unterschiede: Die drei­konsonantenregel (in der Schweiz fast die einzige änderung von bedeutung) sollte 1941 nicht abgeschafft, sondern erweitert werden (auch «Schiffracht»). Das wurde auch nach dem krieg in einem Mackensen-wörterbuch praktiziert. Ebenfalls unter dem namen Mackensen publizierten reformgegner 2006 ein wörterbuch in alter rechtschreibung mit dem motto «unreformiert, undeformiert» (allerdings mit dreikonsonanten­regel gemäss vorreformduden). Wenn man also eine kontinuität suchen will, kann man sie auch hier finden!

Rolf Landolt

Am 24. 8. 2018 als leserkommentar veröffentlicht: www.tichyseinblick.de/meinungen/der-1-august-schicksalstag-der-rechtschreibung/#comment-487323