Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2017-12-1

Der Bund für vereinfachte rechtschreibung nimmt stellung

Glattalbahn

Zu GH, «Warum sind die Trams der Linie 10 mit Glattalbahn angeschrieben? Nach neusten Rechtschreibregeln müsste es Glatttalbahn heissen», Tagblatt der Stadt Zürich, 29. 11. 2017

Nachweis unter presse und internet

trambeschriftung

Es mag sein, dass der regierungs­rat  2002 beschlossen hat, «Glattal» zu schreiben, nur schreiben seine ämter in­zwischen meistens «Glatttal», ebenso die stadt Zürich («Glatttal­strasse») und die Neue Zürcher Zeitung. Auch bei Swisstopo taucht die neue schreib­weise auf: «Haupttal Glatttal (ZH)». Natürlich dürfen die «Verkehrs­betriebe Glattal» (VBG) schreiben, wie sie wollen; sie dürften sich sogar «Verkehrs­betriebe Mississippi­tal» nennen. Aber wenn sie sich sonst an den duden halten, könnten sie es eigentlich auch mit dem namen tun.

Haupttal Glatttal (ZH)

Es gibt keinen grund, land­schaften wie das tal der Glatt nicht regelkonform zu schreiben. Wer hat denn seiner­zeit be­schlossen, «Glatthal» (und «Lim­matthal» und «Sihlthal») nicht mehr mit th zu schreiben?

des neuen Buszentrums Glat-tal in Bassersdor

Alte leute und alte und junge firmen dürfen selbst­verständlich die neue recht­schreibung ignorieren (z. b. bis 1982 «All­gemeine Elektrici­täts-Gesellschaft AEG»). Mit den 3 t ist das aller­dings so eine sache. Die alte regel besagte, dass das 3. t bei der wort­trennung am zeilen­ende wieder eingefügt werden musste. Das machten die setzer (wenigstens die zürcher), als es sie noch gab. Aber heute ergibt sich zwangsläufig die trennung «Glat-tal». Ist das das, was der regierungs­rat will?

Dass die duden-regel 136 «unerheblich» ist, ist wohl wahr, denn es gibt sie längst nicht mehr. Nach der ersatz­losen streichung der drei­konsonanten­regel musste der duden in seiner 21. auflage irgendwie erklären, was jetzt gilt. Dazu diente eine nichtregel im sinn von: «Was man nicht tun darf (z. b. stehlen oder buch­staben weglassen), darf man nicht tun.» Für alte leute gibt es seit der 22. auflage (wir sind bei der 27.) nur noch eine bemerkung unter einer bindestrich-regel (169).

Der langen rede kurzer sinn: Die laune der VBG ist okay, aber die begründung ist ver­gebliche liebesmüh.