Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2001-7-26

Der Bund für vereinfachte rechtschreibung nimmt stellung

Zu Karl-Heinz Requard, «Naheliegenden Vergleich als persönlichen Angriff mißverstanden», Süddeutsche Zeitung, 29. 5. 1998

Leserbrief, nachweis unter presse und internet

Abgedruckt in der Süddeutsche Zeitung vom 19. 6. 1998

Als präsident des Bundes für vereinfachte rechtschreibung — gegründet 1924! — habe ich angesichts des «sachlich naheliegenden Vergleichs mit der Rechtschreib­reform des Dritten Reiches» (brief von Karl-Heinz Requard in der SZ vom 29. mai) ebenfalls mühe, «herr meines feinsinns» zu bleiben. Eine halbe wahrheit ist bekanntlich schlimmer als eine ganze lüge.

Die ganze wahrheit ist die, dass es nicht nur in den vierziger jahren reform­bestrebungen gegeben hat, sondern auch in den zehner, zwanziger, dreissiger, fünfziger, sechziger, siebziger und achtziger jahren. Die reihe kann rückwärts fortgesetzt werden und vorwärts vermutlich auch.

Es ist wohl wahr, dass «verblüffende ähnlich­keiten» auszumachen sind. Es ist zum glück auch wahr, dass es zwar nicht gerade eine übereinstimmung, aber immerhin ähnlichkeiten gibt zwischen der heutigen neu­regelung und den zielen unseres vereins. Nicht ganz zufällig gilt das für die fremdwortfrage, für die niemand (keine andere sprache) zu keiner zeit (aus Meubel ist bereits Möbel geworden) eine andere lösung als die der grafischen integration gefunden hat. Unsere buchstaben­schrift wurde weder von unserem verein noch von irgendwelchen heutigen oder früheren politikern erfunden, aber sie ist eine erfindung des menschen. Sie muss gemäss den ihr inne­wohnenden prinzipien gepflegt werden, sowohl im interesse der funktion wie auch als kulturerbe.

Bund für vereinfachte rechtschreibung

Rolf Landolt, Zürich (vorsitzer)