Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2005-7-31

Der Bund für vereinfachte rechtschreibung nimmt stellung

Zu Manfred Papst, «Jetzt müssen die Lehrer Mut und Augenmass beweisen», NZZ am Sonntag, 31. 7. 2005

Nachweis unter presse und internet

«Behörden und Schulen werden also unterschiedlich schreiben!» Aber es wirds niemand merken! In diesem sinn widerlegt Manfred Papst seinen schreckensruf gleich selbst, indem er nicht weiss, wie «Süddeutsche» und «Spiegel» schreiben. Gewiss werden die einen «placieren» schreiben und die anderen «platzieren», aber das hat schon früher niemanden gestört. Irgendwann wird auch kein schüler mehr auf die idee kommen, «plazieren» zu schreiben oder «schrek-ken» zu trennen, egal, ob man eine 1-, 7- oder 100-jährige übergangs­frist definiert. Vielleicht braucht auch die verwaltung eine mehr als 7-jährige übergangs­frist, was solls. Aber eigentlich reicht in einer grossfirma wie einer bank oder der bundesverwaltung 1 monat. Von mitarbeitern darf man erwarten, dass sie flexibel sind und nicht vergessen, wes brot sie essen. Das gilt auch für die lehrer. Damit will ich aber nicht sagen, dass (wenigstens in der Schweiz) die lehrer nicht mit der nötigen umsicht an die sache herangehen, im gegenteil. Dazu hatten sie schon dank dem «erbärmlichen Flickwerk» von 1901 gelegenheit. In meinem fall haben die mittel- und hochschullehrer mit mut und augenmass sogar die übergangsfrist bei der einführung der substantiv­grossschreibung um 400 jahre und in anderen fällen die fraktur­übergangsfrist um 40 jahre verlängert.

Rolf Landolt, vorsitzer des Bundes für vereinfachte rechtschreibung (Zürich)