Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2017-1-12

Wer ist wer in der reformdiskussion? Namen, zitate, anmerkungen.

Drosdowski, Günther

titel

prof. dr. dr. h. c.


biografie

geb. 15. 10. 1926, Osterode (Ostpreussen)

gest. 3. 12. 2000

1973 bis 31. 5. 1995 leiter: dudenredaktion Mannheim

1974 mitglied: wissenschaftlicher rat Institut für deutsche Sprache

1979 o. mitglied: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

1995 vorsitzender: wissenschaftlicher rat der dudenredaktion


Zitate

Günther Drosdowski, Ver­nünftiger schreiben, 1974

Fast sieht es so aus, als hätten wir uns von dem entfernt, was für Konrad Duden und andere noch eine selbst­verständlichkeit war. Die listen mit den reform­wünschen sind ge­schrumpft, und von einigen reformern wird heute sogar nur noch die einführung der gemäßigten kleinschreibung gefordert. […] Will man die recht­schreibung wirklich ver­einfachen und verbessern, will man, daß endlich ruhe im bereich der orthographie einkehrt, dann sollte die groß- und klein­schreibung nur in eine um­fassendere reform eingebettet sein.

Günther Drosdowski, Der Spiegel, 19. 6. 1995

Diese Reform ist kein großer Wurf aus einem Guß, sondern es ist eine kleine Reform der Vernunft, wie ich gern sage. Es gab zu viele wider­streitende Meinungen und In­teressen, deshalb müssen wir mit diesem Kompromiß zufrieden sein. Mehr war nicht möglich. Keiner der an dieser Reform Beteiligten ist mit allem ein­verstanden, jeder hätte gern irgend etwas anders gemacht.

Günther Drosdowski, brief an Theodor Ickler, 10. 11. 1996, zitiert nach rechtschreib­reform.com, 16. 12. 2000

Ich habe mich mit meinen Vorstellungen von einer ver­nünftigen Neu­regelung nicht durch­setzen können, bin immer über­stimmt worden - in der Rechtschreib­kommission und in den Arbeits­gruppen herrschten mafia­ähnliche Zustände. Einige Reformer hatten von der Ver­schriftung der Sprache und der Funktion der Recht­schreibung für die Sprach­gemeinschaft keine Ahnung, von der Grammatik, ohne die es bei Regelungen der Ortho­graphie nun einmal nicht geht, sowieso nicht. Sie miß­brauchten die Reform schamlos, um sich Ansehen im Fach und in der Öffentlichkeit zu ver­schaffen, Eitelkeiten zu befriedigen und mit ortho­graphischen Publikationen Geld zu verdienen. Selten habe ich erlebt, daß Menschen sich so un­geniert aus­ziehen und ihre fachlichen und charakterlichen Defizite zur Schau stellen. Es ist schon ein Trauerspiel, daß die Sprach­gemeinschaft jetzt ausbaden muß, was sich (es folgen drei Namen) und andere ausgedacht haben. Von dieser (inter­nationalen) Kommission stehen uns ja sicherlich auch noch Burlesken ins Haus, ein Rüpel­stück schon allein die Besetzung: Die­jenigen, die ihre Spiel­wiese er­halten wollen, schließen diejenigen, die etwas von der Sache verstehen und Kritik üben, aus, und Kultus­ministerien drängen auf Quoten­regelung! Wundert es Sie da, daß ich des Treibens müde bin?

Wolfgang Wrase, rechtschreib­reform.com, 19. 12. 2000

Wieso schrieb Günther Drosdowski nur einen re­signierten Brief an einen Gleich­gesinnten? Hätte er nicht die Autorität gehabt, die Reform mit ein paar Mit­streitern recht­zeitig zu beenden, mit einigen Presse­konferenzen oder auch nur mit der Drohung: „Wenn ihr mit diesem Quatsch nicht aufhört, bringe ich dem­nächst alles an die Öffentlich­keit, was hier ab­gelaufen ist!“?

A. Schmidt, Mannheim, rechtschreib­reform.com, 20. 12. 2000

Das Charakter­bild, das Prof. Ickler mit seiner Ver­öffentlichung des Briefes von Prof. Dros­dowski zeichnet, ist geradezu nieder­schmetternd. Er stellt ihn uns damit als einen Schwächling vor, der es nicht wagte, dem Treiben einer „Mafia“ von „Un­fähigen“ entgegen­zutreten, sondern sich einfach „über­stimmen“ ließ.

Theodor Ickler, sprach­forschung.org, 20. 6. 2007

Günther Drosdowski steht neben Markner und Birken-Bertsch im Mittel­punkt von Mentrups Kritik. Er wird auf vielen Seiten mit Hohn und Spott übergossen. Besonders verübelt er Dros­dowski, daß dieser seine Meinung zur gemäßigten Klein­schreibung im Laufe der Zeit ge­ändert hat.