Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 15. 9. 2016 , 7. 1. 2016

Aus presse und internet

21. 12. 2014

: Meilensteine. , , Textleben
Handschriftliche Texte – also auch private Korrespondenz – schreibe ich in Alter Rechtschreibung. Sie ist logischer, sinnlicher, ästhetischer, sprach­freundlicher und einfach „richtiger” […]. Berufliche Korrespondenz und eMails tippe ich, wie alle Texte, die ich am Computer entwerfe, in gemäßigter Recht­schreibung. Meine Blogs wiederum schreibe ich zwar im Prinzip in gemäßigter Recht­schreibung, jedoch unter Umgehung der Regeln und Vorgaben, die ich als zu sprach­verunstaltend betrachte.

Auch wir umgehen alle regeln und vorgaben, die wir als zu sprachverunstaltend betrachten!

15. 12. 2014

: Wir stottern, weil die Software es so will. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 291, s. 15, Feuilleton
Man stolpert in letzter Zeit in Texten immer häufiger über sie: über­flüssige Leerzeichen, die sich zwischen Wörter drängen, zwischen die sie nicht gehören. […] Ist es eine späte Wirkung der Rechtschreib­reform?
Das bringen die nächsten 7 Tage. tz (tz.de), , s. 8, München + Region
[…] so bringt auch die kommende Woche wieder spannende Ereignisse […]. Montag: […] Zehn Jahre nach der Rechtschreib­reform zieht der ehemalige bayerische Kultus­minister Hans Zehetmair Bilanz.

6. 12. 2014

: Anbeißen oder nicht? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 284, s. C2, Beruf und Chance
Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung. […] Ein schlampiges Anschreiben fällt negativ auf, auch heute noch führen Rechtschreib­fehler in aller Regel dazu, dass der Kandidat von der Liste gestrichen wird – einmal abgesehen von Fehlern bei Getrennt- und Zusammen­schreibung, die seit der Rechtschreib­reform viele nicht mehr sicher beherrschen.

29. 11. 2014

neu : Nivellierung nach unten. Kronen-Zeitung, , Das freie Wort
Einiges zur Ver­unsicherung hat natürlich auch die Rechtschreib­reform und ihre teilweise Revidierung beigetragen. […] Und letztlich die Groß- und Klein­schreibung - sie ist in meinen Augen ein wesent­licher Bestand­teil unserer Kultur und sollte auf keinen Fall aufgeweicht werden […].

28. 11. 2014

neu Bad-mouthing. Blasphemy in Pakistan. The Economist,
“Blasphemy” can now include spelling errors by children or throwing away a visiting-card bearing the name “Muhammad”.

25. 11. 2014

: Deutschstunde: Ob Sie Ihren Nachbarn kennen lernen oder kennenlernen… Hamburger Abendblatt online (), , Meinung
Insofern war es eine der wichtigsten Taten der Rechtschreib­reformer zu bestimmen, Verb und Verb seien immer getrennt zu schreiben. Immer! 1998 schrieb man in den Schulen demnach schwimmen gehen, sprechen lernen, spazieren fahren, lesen üben und sogar kennen lernen, stehen lassen oder liegen bleiben. Diese Regel war eine enorme Erleichterung der Recht­schreibung. Die Schüler übernahmen sie ohne Schwierig­keiten, und wer dagegen an moserte, versuchte meistens nur zu kaschieren, dass er bereits die alte Schreib­weise nicht beherrscht hatte.

23. 11. 2014

: Umgangssprache wird salonfähiger. 20 Jahre Rechtschreib­reform. , , heute.de-Interview
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde heute vor 20 Jahren die Rechtschreib­reform auf den Weg gebracht. Alles schlimmer, alles besser? "Darüber gehen die Meinungen immer noch aus­einander", sagt Duden-Experte Werner Scholze-Stuben­recht im heute.de-Interview. […]

22. 11. 2014

: Nie wieder unbewusst. Der Journalist Dieter E. Zimmer wird achtzig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 272, s. 15, Feuilleton
Zimmers Bücher […] lüften seit gut vierzig Jahren den Verstand seiner Leser, ganz gleich, ob man ihnen nun von Anfang an oder erst am Ende zustimmt oder - selten, wie bei der Forderung, das "ß" abzu­schaffen, und überhaupt der Rechtschreib­reform - gar nicht.

15. 11. 2014

: Am Steuer des Sportwagens Lyrik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 266, s. 10, Feuilleton, Literatur und Sachbuch
Wenn sich der Rang eines Künstlers daran bemisst, ob er sich in einer unverwechselbaren Sprache einem elementaren Thema widmet, dann hat der Dramatiker und Lyriker Albert Ostermaier längst den Olymp deutsch­sprachiger Autoren erklommen. […] Ostermaiers neuer Gedicht­band "Außer mir" schließt nahtlos an seine vorherigen Arbeiten an. […] Bei ihm ist die Liebe noch Duell, und es zählen noch die alten Revolver­helden­stereotypen: "dein magazin des glücks / war schnell leer dein herz / entsichert und alles verschossen". Entsichert ist auch die Sprache. Konsequente Kleinschreibung, Verzicht auf Satzzeichen, starke Rhythmisierung, harter Zeilenbruch, das Anschmiegen des Schriftlichen an die gesprochene Sprache sollen die Lektüre in einen Flow überleiten.

14. 11. 2014

: Literarischen Anspruch schreibt Amazon klein. Seine Stellung im Konzern wurde unhaltbar: Der mit großem Aplomb eingekaufte Lektor Ed Park geht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 265, s. 10, Feuilleton, Literatur und Sachbuch
Das Internetversandhaus Amazon möchte auch Verlagshaus sein; zur Konzern­abteilung Amazon Publishing gehören dreizehn Eigen­verlage, darunter einer für "literary fiction" […]. Der Name des Imprints: Little a. Die Namenswahl ist ein literarischer Akt, eine Demonstration des Willens zum Stil. Klein­schreibung fungiert als Chiffre für die elegante Sparsamkeit der klassischen Moderne. Im Logo des Amazon-Imprints für den gehobenen Bedarf steht das Wort "Little" über einem großen kleinen a.

9. 11. 2014

: «Schule muss die Köpfe liefern.» , , Politik und Wirtschaft
Die Diskussion dreht sich um die zentrale Frage, ob die Schüler schreiben sollten wie die Zeitungen oder umgekehrt. […] «Es geht nicht an, dass Schweizer Schülern Schreib­weisen als falsch angerechnet werden, die sie täglich in der Zeitung lesen», sagt Stirnemann […].

Es ist toll, wenn die schüler zeitung lesen, und dann noch täglich! Und wenn sie dann noch auf nuancen der schreibung achten … Dagegen, dass sie täglich ein problem haben, spricht aber vor allem eine fest­stellung von Max A. Müller: «Geändert wurden […] ein paar Dutzend Fälle. Nicht einer von Bedeutung. […] Die von der Reform erfassten Fälle tummeln sich weit ober­halb des normalen Rechtschreib­elends an den Volks­schulen und wohl auch vieler Sek-II-Klassen.»

8. 11. 2014

Tagung vom 7. November 2014. (Schweizer Orthographische Konferenz), , Aktuell
Wie die unter­schiedlichen Bedürfnisse der Schule (beim Einstieg zum Schreiben) sowie der Medien und der Literatur (bei der Erleich­terung des Lesens) unter einen Hut gebracht werden können, soll zusammen mit der EDK unter­sucht werden.

Eine bahn­brechende idee – darüber hat sich noch niemand gedanken gemacht!

6. 11. 2014

: „Kommunikativ tobt im Internet der Weltkrieg.“ Der Standard (), , s. 27, Kultur
Raimund H. Drommel, Deutschlands bekanntester linguistischer Forensiker, befasst sich mit sprachlichen Tatorten. Der Sprachprofiler über das Internet, Gewalt und das Problem der Anonymität. […] Wie hat sich die Sprache der Chat-Generation oder Digital Natives aus der Sicht des Linguisten verändert? […] Drommel: Schon in der Antike hat man sich über den Niedergang der Sprache und den geringeren Sprachschatz der Jugend beschwert. Das Wechsel­spiel zwischen Trägheit und Ökonomie­bestreben einer­seits und dem Ver­ständigungs- und Differenzierungs­willen andererseits sorgt dafür, dass der Sprachschatz im Laufe der Entwicklung einer Sprache nicht geringer wird. […] Wir reden hier noch immer von einer natürlichen Sprach­entwicklung […]. Anders – und viel problematischer – verhält es sich da mit künstlichen Eingriffen in die Sprache – wie etwa durch die Rechtschreib­reform, der man Sprach­verfälschung und Reduktion des sprachlichen Differenzierungs­potenzials vorhalten kann.

29. 10. 2014

: Bildungsverfall als Ausdruck soziokultureller Krisenentwicklung. , , Autoren für Deutschland
Schon im Jahr 2000 hatte bei der Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren der PC den Büchern den Rang abgelaufen. […] Generell gilt, dass die Massen­medien längst zum zentralen Multi­plikator und „Vernetzer“ ästhetischer Muster der szene­typischen Selbst­inszenierung und Lebens­gestaltung geworden sind und damit die Ausbildung von Jugend­kulturen entscheidend bestimmen. Auf der anderen Seite hat sich in den Medien und Schulbuch­verlagen eine neue Spezies von Berufs­vulgarisierern und Profi­vereinfachern heraus­gebildet, die den allgemeinen Bildungs­rückgang massen­pädagogisch dolmetscht und markt­gerecht umsetzt. Aus der Not defizitärer Sozialisations­verläufe wurde eine profitable Tugend gemacht; auf ortho­graphische Kompetenz­mängel wurde mit einer gewinn­trächtigen Rechtschreib­reform geantwortet […].

Aha, wir sind entlarvt. Man muss aber zugeben, dass es ziemlich lang gedauert hat, bis den von O. Kosog 1912 beklagten ortho­grafischen kompetenz­mängeln («eine rechtschreibung, die selbst von den gebildetsten im volke nicht beherrscht wird …») nachgegeben wurde.

28. 10. 2014

: An Dormagener Straßen überlebt das scharfe „s“. Neuss-Grevenbroicher Zeitung (), , s. C2, Dormagen
Ute Waldeck von der städtischen Presse­stelle ist mit der Straßen­namen-Frage immer konfrontiert […]. „Aber seitens der Stadt­planung ist bislang stets an den alten Schreib­weisen fest­gehalten worden – mit der Begründung, dass der Stadtrat die Namen einst so beschlossen hat“, berichtet Waldeck. Die Beschlüsse waren allerdings vor der Rechtschreib­reform gefasst worden. Heißt: Sie müssten geändert werden. „Dazu bedürfte es aber eines offiziellen Änderungs­beschlusses durch die Politik“, sagt Waldeck. Dieser könnte zum Beispiel auf Initiative der Stadt­verwaltung gefasst werden. Derzeit ist ein solcher Schritt aber nicht in Sicht. […] „Nach meiner Einschätzung wollen die Bürger eine solche Änderung gar nicht“, sagt Waldeck. Vor allem ältere Menschen hätten keinen Zugang zu den Regeln der Rechtschreib­reform […].

22. 10. 2014

: Wie die Rechtschreibreform in die Köpfe kommt. Spiegel Online (), , Wissenschaft, Mensch
Ist eine Idee zum Scheitern verurteilt, oder setzt sie sich durch? Forscher haben ein Rechen­modell entwickelt, das die Chancen von Neuerungen vorhersagen soll. Ausprobiert haben sie es an einem besonders umstrittenen Fall: der deutschen Recht­schreib­reform. […] Die Wissenschaftler um Fakhteh Ghanbarnejad und Martin Gerlach vom Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden werteten dazu mehrere Millionen Bücher auf Google Books aus. Mithilfe der Software Ngram durch­suchten sie einen Teil der digitalisierten Bücher der vergangenen 200 Jahre nach einzelnen Wörtern, aber auch bestimmten Zeichen­folgen. Das Ergebnis ist: eine S-Kurve. […] Anhand der Doppel-s und ß-Schreib­weise konnten die Forscher zeigen, dass die Reform klar durch die äußeren Faktoren in der Gesellschaft angekommen ist. Der Lernprozess von Mensch zu Mensch spielte demnach kaum eine Rolle: Die neue Recht­schreibung war wenig ansteckend, sondern ist dank des äußeren Einflusses von Medien und Regel­werken innerhalb kurzer Zeit umgesetzt worden. Die hitzige Debatte in der Bevölkerung und eine Verweigerung gegenüber der Reform haben als innerer Faktor also keine entscheidende Rolle gespielt.

20. 10. 2014

: Sprachwelt. [Leserkommentar zu:] Braucht die Schloßstraße ein doppeltes s? (Rheinische Post), , NRW, Städte, Meerbusch
Die Kultusminister haben die Rechtschreib­reform den Schulen verordnet, nicht der Allgemeinheit. Daher kann jede Kommune selbst bestimmen, was auf ihren Straßen­schildern steht. Wir empfehlen, statt "Schloss­straße" […] weiterhin "Schloßstraße" […] zu schreiben. Das ist für die Bürger einfach besser lesbar.

18. 10. 2014

: Braucht die Schloßstraße ein doppeltes s? Rheinische Post (), , 69. jg., nr. 242, s. D1, Meerbusch
In der Schule lernen die Kinder, wie es nun richtig geschrieben wird. Doch bei einem Blick auf Meerbuschs Straßenschilder könnten sie an der einen oder anderen Stelle verwirrt sein. Denn die Schloßstraße in Strümp etwa schreibt sich weiterhin mit ß und nicht „Schloss­straße“, wie es richtigerweise heißen müsste. […] Auch Stadt­sprecher Michael Gorgs bestätigt: „Eigentlich sind diese drei Straßen­namen in Meerbusch falsch geschrieben.“ Dennoch sieht die Verwaltung keinen Anlass, die Schilder zu tauschen. „Bei solchen Dingen geht es um Verhältnis­mäßigkeiten“, sagt Gorgs. „Sollte es jedoch aus anderen Gründen nötig werden, dass wir ein Straßen­schild ersetzen müssen, werden wir auch die Recht­schreibung anpassen.“

26. 9. 2014

: Kampf um den Apostroph. Münchner Merkur, , nr. 222, s. 33, München
Die Wiesn – sie ist ein einziges Chaos. Auch und vor allem sprachlich. […] Ist es jetzt eine Maß oder eine Mass, aus der man trinkt? […] Seit der Rechtschreib­reform ist nun mal klar: Auf einen kurz gesprochenen Vokal folgt ein doppeltes „s“. […] von kaum einem Begriff gibt es mehr Schreib­weisen als von „Wiesn“. Es ist im Wesentlichen ein Kampf um den Apostroph.

25. 9. 2014

neu : Das überflüssige Binnen-I. Kronen-Zeitung, , Das freie Wort
Als die „Kronen Zeitung“ im August 2004 neben anderen Leser­zuschriften auch meine ersten skeptischen Leser­briefe zur bevor­stehenden Rechtschreib­reform ver­öffentlicht hatte, konnte ich nicht ahnen, dass zehn Jahre später eine heftige Sommer­diskussion, um einen „senk­rechten Strich“, ent­stehen würde […],

10. 9. 2014

: Setzen, sechs! Viele österreichische Lehramtsbewerber fallen wegen schlechter Rechtschreibung durch. Münchner Merkur, , nr. 208, s. 22, Weltspiegel
Bei den diesjährigen Aufnahmeprüfungen für die Pädagogischen Hochschulen in Niederösterreich ist knapp die Hälfte der 500 Bewerber durchgefallen, hauptsächlich wegen schlechter Rechtschreibkenntnisse. […] Laut einer Umfrage des Philologischen Fakultätentages unter Dozenten an 135 deutschen Fakultäten kann von „Sicherheit in Wort und Schrift“ oft nicht die Rede sein. […] Einige Experten führen die Probleme auf die durch die Rechtschreib­reform entstandenen Unsicherheiten zurück.

Andere experten führen die probleme auf die schon immer bestehenden unsicherheiten zurück, wie die kommasetzung in diesem artikel beweist.

9. 9. 2014

: ;-(. Das Semikolon wird heutzutage immer seltener verwendet – Das ist schade. Neue Zürcher Zeitung, , 235. jg., nr. 208, s. 22, Panorama
Wie schlecht es um das Semikolon steht, hat der Statistiker Tyler Vigen ermittelt. Er untersuchte sieben Bestseller, um heraus­zufinden, wie sich Sprache, Satzlänge und Inter­punktion über die Zeit verändert haben. Ergebnis: Während Jane Austen 1811 in «Sense and Sensibility» 13 Semikola pro 1000 Wörter einstreute (alle 3 Sätze eines), kamen 2005 in Stephenie Meyers Best­seller «Twilight» nur zwei auf 1000 Wörter (alle 55 Sätze eines) vor. […] Was es nicht besser macht: Semikola haben kaum Fürsprecher.

7. 9. 2014

: Guten Tag! , , Kolumnen
Die deutsche Sprache ist eine einzige Stolperfalle für Journalisten, und der Nährboden für Fehler ist seit der Rechtschreib­reform von 1996 nicht unbedingt kleiner geworden.

3. 9. 2014

: Fotovoltaik oder Photovoltaik? , , Blog
Deutsche Sprache schwere Sprache? Nein, nur wer vor mehr als 10 Jahren die Schule beendet hat, der macht nun ungewollt Schreibfehler. Die Rechtschreib­reform sorgte dafür, dass alle Welt Schreib­fehler sieht, wo eigentlich keine sind. […] 9,7 Mio Resultate für Foto­voltaik und 2,9 Mio für Photo­voltaik, wobei hier prominent Wikipedia plaziert ist. Das alles ist für den normalen Interessanten an Themen rund um die Solar­energie eigentlich nicht wichtig, aber für Shopbesitzer oder Blog­schreiber schon.

Wer vor mehr als 10 jahren die schule beendet und nichts mehr dazugelernt hat, der macht wohl noch schlimmere fehler.

31. 8. 2014

: Jahrhundertvergehen. , , Aktuelles (742 wörter)
Ob in riesigen Metall­buchstaben an Großmarkt­fassaden oder als Massenwaren­etikett an der Tür des Friseur­salons – landauf, landab lesen wir den Gruß "Herzlich Willkommen". Er ist nach der traditionellen Rechtsschreibung ebenso falsch geschrieben wie nach der reformierten. […] Nach 20 Jahren neuer Recht­schreibungen ist das Sprach­gefühl, die intuitive, vom Regel­wissen unabhängige Sprach­kompetenz, bei einem Groß­teil der Bevölkerung ausgehebelt. […] Der Rechtschreib­experte Peter Eisenberg sagte vor kurzem in einem Interview der Zeitung "Sprach­nachrichten": "Die sog. Orthografie­reform war nicht von der Sache her, sie war politisch motiviert. An der Recht­schreibung selbst gab es ja ... kaum etwas auszu­setzen." Die Mehrheit der Deutsch­sprechenden hat resigniert oder dämmert in einer Art Rechtschreib­demenz vor sich hin. Was nicht heißt, das Bildungs­niveau könne nicht weiter gesenkt werden. Auf einer Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung wurde allen Ernstes erwogen, das Wort "rangieren" mit "sch" zu schreiben. Zum Glück hätten sich "die Schweizer und Österreicher ... hinreichend dagegen gewehrt". […] Die reform­pädagogische Methode "Lesen durch schreiben", derzufolge die Erst- und Zweitklässler nur nach Gehör schreiben lernen sollen, ohne daß Lehrer und Eltern die Fehler korrigieren, führe, so der Schweizer Sprach­wissenschaftler Rudolf Wachter, zu "ortho­graphischer Verwahrlosung".

Auch die glühendsten anhänger der alten rechtschreibung vergessen sie langsam: Zweitkläßler, neu Zweitklässler.

11. 8. 2014

: «In China, Indien und Indonesien ist Deutsch sehr beliebt.» Die Sprachwissenschafterin Dorothé Salomo über den neuen Deutsch-Boom und zur Frage, warum die Grammatik dem Sprechen im Weg steht. Neue Zürcher Zeitung, , 235. jg., nr. 183, s. 36, Bildung und Gesellschaft
Können Schüler mit ihrem Lehrbuch-Deutsch überhaupt mit den neudeutschen Varianten der gleich­altrigen Mutter­sprachler etwas anfangen? [Salomo:] So schnell verändert sich das Deutsche nun auch nicht. Zudem passen sich Schulbuch­verlage oft ganz gut an: Briefe an die Tante werden durch SMS an die Freundin ersetzt. Dabei gibt es natürlich neue Herausforderungen: Kleinschreibung, Abkürzungen […] sind in einer SMS legitim — aber nicht im Schrift­deutschen. Insgesamt ist das Problem jedoch nicht das «Neu­deutsche», sondern, dass Schüler oft nicht Deutsch sprechen können. In meiner empirischen Studie habe ich heraus­gefunden, dass etwa zwei Drittel der Befragten eher in einer Übung den Akkusativ bilden können, als auf einer Party deutschen Smalltalk zu halten, weil in der Schule die Grammatik oft wichtiger ist als das Sprechen.

4. 8. 2014

: Akribisch. Der Chefkorrektor geht in Pension. Neue Zürcher Zeitung, , 235. jg., nr. 26, s. 8, Schweiz
Stephan Dové hat mit bewunderns­werter Akribie, Präzision und Geduld im immer hektischeren Redaktions­alltag dafür gesorgt, dass die NZZ im deutsch­sprachigen Raum sprachlich die Referenz ist. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Dové 2004 in den Rat für deutsche Recht­schreibung aufgenommen wurde, der sich der 1998 eingeführten und von vielen Verlags­häusern unkritisch übernommenen Rechtschreibe­reform annahm. Die NZZ hat diese nie voll­umfänglich akzeptiert […]. Am 1. August 2006 legte der Rat ein angepasstes Regel­werk vor […]. Es entsprach fast vollständig der von der NZZ bereits gepflegten Praxis. Es ist dies das Verdienst von Dové, der von Reform­gegnern wie -befürwortern für seine konsequente Haltung öfters unfein angefeindet wurde.

30. 7. 2014

: Straßennamen: Reformierte Schreibung oder nicht? , , Allgemein
Müssen Straßen­namen in Dokumenten erst dann nach den neuen Regeln geschrieben werden, wenn die Reform auch auf den Straßen­schildern und in Stadt­plänen ange­kommen ist? Die Antwort lautet natürlich: Nein!

25. 7. 2014

: Bericht zur Lage der deutschen Sprache: „Der Wortschatz ist umfangreich wie nie.“ (Flensburger Tageblatt), , Hamburg
Heinrich Detering, Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung, spricht im Interview über den ersten Bericht zur Lage der deutschen Sprache und über unbegründete Ängste vor dem Sprach­verfall. […] Herr Detering, die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat den ersten Bericht zur Lage der deutschen Sprache heraus­gegeben – das klingt wie ein medizinisches Dossier. Wie geht es dem Patienten denn? [Detering:] Dieser Titel soll eher ein kleiner ironischer Verweis auf den Bericht zur Lage der Nation sein und kam in Zeiten zustande, als wegen der Debatte um die Rechtschreib­reform eine all­gemeine Panik herrschte, dass die deutsche Sprache vom Verfall bedroht ist.

23. 7. 2014

: Fehler auf fast allen neuen Schildern. , , Hardtberg
Denn auf den Erläuterungen unterhalb der Straßen­schilder hat der Druckfehler­teufel mehrmals zugeschlagen. Da ist die Rede davon, […] Goerdeler und alle anderen seien "Wiederstands­kämpfer" gewesen.

17. 7. 2014

: Wertschätzende Großschreibung beim "Du" in allen Mitteilungen – auch in E-Mails; Essgewohnheiten tolerieren. Aktuelle Informationen des Arbeitskreises Umgangsformen International(AUI). (Düsseldorfer Abendblatt), , Panorama
Seit der letzten Rechtschreib­reform – also seit inzwischen Jahren! – gilt sowohl die Klein- als auch die Groß­schreibung der Anrede – sowie der entsprechenden Possessiv­pronomen in einem Brief im Du-Stil als richtig. Dennoch ist das nach wie vor offen­sichtlich weit­gehend unbekannt […]. Warum auch sollte lediglich der Mensch, der gesiezt wird, das Recht auf die groß geschriebene Höflichkeits­anrede “Sie” haben?

14. 7. 2014

Vor 10 Jahren: Kein Zurück. Münchner Merkur, , nr. 159, s. 7, Bayern & Region (42 wörter)
Das bayerische Kultus­ministerium lehnt eine Rücknahme der im Jahr 1996 eingeführten Recht­schreibreform ab.

8. 7. 2014

: Im Niemandsland zwischen Richtig und Falsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 155, s. 4, Politik
In nahezu allen Bundesländern wird in den ersten drei Schul­jahren weitgehend phonetisch geschrieben; im vierten Schuljahr hagelt es dann plötzlich schlechte Noten im Deutsch­unterricht, weil nun die korrekte Ortho­graphie zu bewerten ist. Vorher wurde lautgetreu geschrieben und nur verbal beurteilt. […] Die Schüler wachsen mit dem Gefühl auf, dass Rechtschreibung nicht so wichtig sei - und mit dem Zwiespalt, dass sie richtig geschriebene Worte in Büchern lesen und falsch geschriebene an der Tafel oder in Schulheften.

… und falsch geschriebene worte und wörter überall sonst: fundsachen.

3. 7. 2014

: Schrecklich. Deutsche Sprache. Rheinische Post, , s. C9, Leserbriefe
Die deutsche Sprache war so ausgefeilt, dass es keiner Rechtschreib­reform bedurfte. Und nun sollen Grund­schüler durch Laute an die Recht­schreibung heran­geführt werden („Kann man so schreiben lärn?“).

2. 7. 2014

: Neues Gotteslob: Nachhilfe für Katholiken. , , Holzkirchen
Wenn Gewohntes sich verändert, wei&ß erst mal keiner so recht, wo’s langgeht. Das war bei der Rechtschreib­reform so und ist es bei der Umstellung bei Bank­überweisungen. Jetzt müssen sich die Katholiken gefasst machen: Nach fast 40 Jahren erscheint ein neues Gotteslob. In Holz­kirchen gibt’s „Nachhilfe“ zur Eingewöhnung.