Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 12. 2. 2014 , 10. 5. 2013

Aus presse und internet

31. 8. 2011

: Verstand und Logik. Bieler Tagblatt, , s. 18, Leserforum
Wer weiss, wie ein Wort in der Weltsprache richtig geschrieben wird, mag nicht unbedingt genötigt werden, es verformt und neu eingedeutscht zu schreiben. Sowenig wie jemand, der Italienisch kann, nun Spagetti (statt Spaghetti) schreiben mag […]. Es gibt nicht immer «falsch» und «richtig» […]. Bei Rechtschreibung und Reform müssen Verstand und Logik nach wie vor eine gewichtige Rolle spielen.

Uns sagt der verstand, dass fremdwörter eingedeutscht werden.

30. 8. 2011

: Schulbuchtexte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 201, s. 8, Briefe an die Herausgeber
Gerade Sachtexte, von denen die Schulbücher voll sind, sind schnell nicht mehr aktuell genug […]. Wie schön für die Schulbuchverlage, dass der Schulträger oder die Eltern alle Jahre wieder neue Deutschbücher kaufen müssen. Nicht nur die revidierte Rechtschreibreform brachte den Verlagen bereits den gewünschten Gewinn.

29. 8. 2011

: Von Ladys, Babys, Partys, Teddys und vor allem Hobbys. Bieler Tagblatt (), , Gelesen
Bernd fängt auf der Internetseite motor-talk.de an: «Hallo, Motor-Talk gefällt mir richtig gut […]. Da fiel mir gerade was auf: Ich will ja nicht Erbsen zählen, aber in der Anleitung zu den Blogs leuchtet es einem schon gross vom Hintergrundbild entgegen: Hobbies. Im Englischen ist das ja korrekt, aber bei uns sind es Hobbys. […]» Und ConvoyBuddy […]: «Mit der Verhunzung gerade von aus anderen Sprachen adaptierten Begriffen durch die unselige Rechtschreibreform könnte man Bücher füllen. Lohnt aber nicht. Wenn es jemanden stört, dass ich immer noch Hobbies, Asphalt und Philosophie schreibe, stört mich das nicht.»
: Karl-Valentin-Abend mit Mario Weberg und Indra Janorschke in Steinbeck. (Bocholter-Borkener Volksblatt), , Unterhaltung
Semmelnknödeln gehörten einfach dazu, als am Samstagabend im Landhaus Bad Steinbeck Texte und Lieder von Karl Valentin auf Kulinarisches aus der Küche von Martina und Heiner Determeyer trafen. Das „n“ in der Mitte muss sein, weil ja die Knödeln nicht nur aus einer Semmel gemacht werden. So jedenfalls erklärte es der Münchner „Humorist, Komiker und Stückeschreiber“ Valentin (1882 bis 1948) einst seiner Partnerin Liesl Karlstadt. Und so vermittelten nun Dario Weberg und Indra Janorschke vom Dortmunder LiteraTourTheater die Valentinsche Rechtschreibreform den etwa 100 Gästen im Zelt des Landhauses.
Mangelware "Gute Bewerber"? , , Stories
Doch so gut der mündliche Auftritt oft ist, der schriftliche holpert manchmal ganz schön. Das fällt […] auch Markus Vogel auf. Er arbeitet für den Frankfurter Bildungsdienstleister Provadis, der für viele Industrie- und Dienstleistungsunternehmen den Nachwuchs sucht und ausbildet. Markus Vogel testet mit seinem Team jährlich über 2 500 Bewerber […]. Aufgrund dieser Tests hat er den Verdacht: Die Rechtschreibkenntnisse sind schlechter geworden. Doch ganz sicher ist sich der Mann diesbezüglich nicht: "Aufgrund der Rechtschreibreform sind heute auch viele Erwachsene bezüglich der richtigen Schreibweise mancher Wörter unsicherer als früher."

26. 8. 2011

: Schach. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 198, s. 8, Deutschland und die Welt
Nur der Vereinigten Staaten von Amerika wegen obwaltet vom Piloten-Slang bis zum Kongress-Jargon das Englische. […] Deutsche Erziehungs­berechtigte, die den Deutsch­unterricht für überflüssig halten, bestehen auch deshalb auf einer ordentlichen Verabreichung englischer Brocken, weil der Irrtum vorherrscht, die dahinter stehende Sprache sei einfach. Dabei ist schon der stubenreine Wortschatz riesig, die Fülle der schrägen, anzüglichen, anrüchigen, zotigen Redewendungen hingegen schier unermesslich. Auch ein fünfgliedriges Schulsystem würde an ihnen scheitern. Und dann die abwechslungsreiche Rechtschreibung!

23. 8. 2011

: Sprachforscher würdigt Loriot als "Meister der deutschen Sprache". , , Kultur
Als "Meister der deutschen Sprache, der ganz vorzüglich mit ihr gespielt hat", hat der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, Ludwig M. Eichinger, den verstorbenen Humoristen Loriot gewürdigt. […] Er war Ehrenmitglied des Rechtschreibrates, der 2004 aus Protest gegen die Rechtschreibreform gegründet worden war, und hatte sich damals öffentlich dagegen ausgesprochen, "unser wichtigstes Kommunikationsmittel so zu vereinfachen".
"Du dodl di. Do düdl dö" - die besten Sprüche von Loriot. (Passauer Neue Presse), , Bayern
"Die Rechtschreibreform ist gut...für Leute, die nicht lesen und schreiben können..."
neu : „Wir haben durch Loriot lachen gelernt.“ Reaktionen zum Tod Vicco von Bülows. (Rheinische Post), , Gesellschaft
Loriots Humor sei davon geprägt gewesen, Figuren durch ihre Sprache zu charakterisieren, sagte Eichinger, der auch Mitglied des Rates für Deutsche Rechtschreibung ist, am Dienstag auf dapd-Anfrage. […] Loriot war Ehrenmitglied des Rechtschreibrates, der 2004 aus Protest gegen die Rechtschreibreform gegründet worden war, und hatte sich damals öffentlich dagegen ausgesprochen, "unser wichtigstes Kommunikationsmittel so zu vereinfachen".

22. 8. 2011

: Deutsche Sprache, schwere Sprache. , , Lokalgeschehen
Auch Steffen Bärtl hadert mit der Rechtschreibreform „ Es kann eigentlich nicht sein, dass das Alte plötzlich gänzlich falsch ist, nur weil etwas Neues in Kraft getreten ist“, erklärt der Torgauer. […] Ich schreibe so, wie ich es in der Schule gelernt habe“, sagt Steffen Bärtl. „Mir stellt sich die Frage, ob die erneute Reform von 2004 wirklich notwendig war. […] Die Menschen kamen gut mit der Reform von 1996 aus, eine weitere Änderung hat die Bevölkerung nur noch mehr verunsichert und trotzdem keine sinnvolle Lösung gebracht“, ergänzt der Torgauer Autor.

20. 8. 2011

: Das ist die Liebe der Kannibalen. Autorenkult und große Alpenrepublik: Der liberale "Schweizer Monat" rüstet auf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 193, s. 32, Feuilleton
Die "Schweizer Monatshefte", einst von François Bondy geleitet und vor kurzem eine Bastion gegen die Reform der Rechtschreibung, haben ein radikales Lifting hinter sich. Die Redaktion wurde ausgewechselt, Sponsoren sind verschwunden, neue Freunde wurden gefunden. Geblieben ist der Liberalismus als Programm und Credo. Seit dem vergangenen Frühling heißt die Zeitschrift "Schweizer Monat", und als Herausgeber zeichnet René Scheu.
: Rat nimmt der Maffia einen Buchstaben. , , Heutzutage (748 wörter)
Zur Verwirrung in der Bevölkerung trug sicher auch bei, dass es 1996 eine Rechtschreibreform gab, die mehr Unklarheit stiftete als beseitigte. Dass Umfragen eine stetig steigende Zahl der Rechtschreib­reform­gegner ermittelten, hängt auch damit zusammen, dass es seit 1996 immer mal wieder eine Reform der Reform gab. […] In diesem Jahr wurden wieder leichte Änderungen verkündet. So wird nunmehr Maffia wieder mit einem F geschrieben, wobei es viele Menschen erstaunen dürfte, dass bis dato die Doppel-ff-Variante galt. Spagetti kann freilich offiziell weiterhin ohne h geschrieben werden. […] Die aktuellen Empfehlungen des Rates betreffen vornehmlich die Aufhebung von Zwangs­eindeutschungen. So wurden folgende Varianten­schreibungen gestrichen: Butike (für Boutique), Fassette, Kabrio, Katarr, Krem/Kreme, Kupee, Maffia, Maläse, Mohär, Myrre, Scharm (inkl. scharmant), Schikoree, Schose, Sketsch, Sutane, transchieren. Umgekehrt empfahl der Rat folgende Schreibungen: Caprice, Clementine, Crème, Schmand.

18. 8. 2011

Richtig schreiben - für mehr Erfolg im Job. (Wilhelmshavener Zeitung),
Texte fehlerfrei zu formulieren, scheint jedoch auch infolge der Rechtschreibreform immer schwieriger zu werden: Bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts gaben 64 Prozent von 1.820 Befragten an, dass die korrekte Schreibweise immer weniger beachtet werde. […] So ist es auch nicht ausgeschlossen, dass menschliche Korrektoren schon einmal einen "Vertipper" übersehen. Deshalb hilft der Duden mit seinen Büchern, seiner Software und seinen Onlineangeboten dabei, in Sachen Rechtschreibung auf Nummer sicher zu gehen.

16. 8. 2011

: Ohne Feinmotorik. Eine Druckschrift für Grundschüler. Neue Zürcher Zeitung, , 232. jg., nr. 189, s. 41, Feuilleton
Das Zauberwort der Reformer ist «Entlastung». Es spielte schon in den Debatten um die Rechtschreibreform seine zweifelhafte Rolle. Ein Referatsleiter im niedersächsischen Kultusministerium erklärte mir damals, man wolle die orthographischen Hürden für die Schüler herabsetzen, damit ihr Kopf frei werde «für Wichtigeres, stilistische Kompetenz zum Beispiel». Die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Es geht nicht darum, hürden herabsetzen, aber die obligatorische schule darf keine unnötigen hürden aufbauen. Vgl. auch Das aktuelle zitat.
: Feinschliff vor dem Roßtag. Die Bartholomäer Rentnergruppe kümmert sich um über dreißig Wagen und Kutschen. Gmünder Tagespost (), , Ostalbkreis
Jeden Dienstagvormittag treffen sich die „Amalienhofrentner“, wie sie sich selbst nennen, um zu restaurieren und zu reparieren. Dabei geht die Arbeit nie aus für die zehn Männer im Alter von 70 bis über 80 Jahre. […] Zum 14. Mal ist am Sonntag, 28. August, in Bartholomä der „Roßtag“, der mit „ß“ geschrieben wird, Rechtschreibreform hin oder her.

12. 8. 2011

: Biographie oder Biografie. , , besser Wisser
Es ist ein weiteres klassisches Beispiel, wie die Rechtschreibreform so vieles nicht wirklich vereinfacht hat, sondern nur dafür sorgt, dass man vollends verunsichert ist und noch weniger Bescheid weiß. […] Eine wirkliche Falschschreibung gibt es also nicht wirklich, sämtliche -graphie/-grafie Wörter können je nach gusto mit “ph” oder “f” geschrieben werden. Wer die griechische Nähe zum Ausdruck bringen will, sollte bei der alten Schreibung bleiben, wen Ursprünge nicht interessieren oder die “f”-Schreibweise als stimmiger in deutschen Texten empfindet, darf auch gerne über die Bibliografie die Kalligrafie und die Demografie sprechen. Und für all die, die nun immer noch keine Ahnung haben, ob es denn nun schöner aussieht, über eine Biographie oder eine Biografie zu schreiben, können ja auch einfach stattdessen das Wort Lebensgeschichte verwenden. Das ist nämlich deutschen Ursprungs, und wurde auch schon vor der teils so ungeliebten Rechtschreibreform genauso geschrieben.

11. 8. 2011

: Initiative wirbt für mehr direkte Demokratie. Holsteinischer Courier (),
Am Mittwoch, 17. August, und Donnerstag, 18. August, macht jeweils von 10 bis 18 Uhr der "Omnibus für direkte Demokratie" auf dem Großflecken Station. […] Nächster Schritt wäre dann 2012 ein Volksbegehren. Dort sind mindestens fünf Prozent oder rund 110 000 Unterstützer-Stimmen nötig. […] In Schleswig-Holstein schafften diese hohe Hürde bisher nur die Volksentscheide 1996/97 zum Buß- und Bettag und 1997/98 zur Rechtschreibreform.

10. 8. 2011

: Die optimale Sprache dem Kint mit Leffeln eintrichtern. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. N4, Natur und Wissenschaft, Geisteswissenschaften (1838 wörter)
Vor hundert Jahren starb Konrad Duden, dessen Ansichten zur Rechtschreibung nicht viel mit dem zu tun haben, wofür der Name heute steht. Die Geschichte seines Reformwerks steckt voller Merkwürdigkeiten. […] Seinem Ideal am nächsten kam die ziemlich lautgetreue italienische Orthographie, die er als Hauslehrer in Genua kennengelernt hatte. Als abschreckendes Gegenbeispiel dienten ihm die Unregelmäßigkeiten der englischen Rechtschreibung; das deutsche Schriftsystem verortete er zwischen diesen Polen. Es zu einer volksnahen, "demokratischen" Rechtschreibung weiterzuentwickeln, die bildungsferne Schichten von den Mühen komplizierter Regeln erlöst, war sein Ziel. […] Die soziale Begründung mit ihrer Gleichsetzung von Demokratie und Simplizität ist bis heute der Evergreen der Reformer. […] Zu Beginn der siebziger Jahre, als Duden zum Reformaktivisten wurde, stritten Germanisten und Lehrer schon seit Jahrzehnten über die Orthographie. Eigentlich waren diese Kontroversen überflüssig, denn es gab - ganz ohne amtliche Regelungen - eine leidlich funktionierende Schreibung, die trotz mancher Varianten schon weitgehend vereinheitlicht war. Sie hatte sich im Laufe der Jahrhunderte aus der Praxis der Schreiber, Drucker und Korrektoren entwickelt.
: „Wir machen alles außer Fiction.“ ,
Friedrich Küppersbuschs Firma probono produziert Talkformate und Unterhaltung. Vor der Kamera hat sich der Journalist und ehemalige Moderator mehr als rar gemacht. […] „Für mich ist Produktion das bessere Klavier“, winkt der 50-Jährige ab. „An einem Tag ein anspruchsvolles, politisches Talk-Format, am anderen eine große Kirmes zur Rechtschreibreform am übernächsten vielleicht was im Sport. Das passt für mich.“

9. 8. 2011

: Von jetzt an nur noch wie gedruckt. Wollen wir nach der deutschen Schreibschrift auch die lateinische verlernen? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 183, s. 30, Feuilleton
Sicherlich wäre es verfehlt, die deutsche Schreibschrift wieder generell in die Lehrpläne der Grundschulen aufzunehmen, es sei denn, als Zusatzangebot auf freiwilliger Basis. […] Für Germanistik-Studenten hingegen müsste die Beherrschung der deutschen Schreibschrift ähnlich dem großen Latinum bei Altphilologen obligatorisch sein. Die Lernenden werden mit der deutschen Schreibschrift auf gewisse Unverträglichkeiten mit der neuen Rechtschreibung stoßen: Der Ersatz des scharfen "ß" durch ein "ss" bereitet in der alten deutschen Schreibschrift Schwierigkeiten, denn da passt weder das doppelte runde "s" noch das doppelte lange "s". Hier müsste man es bei der alten Rechtschreibregelung belassen. Etliche Mitbürger, darunter bekannte Schriftsteller, bleiben ohnehin dabei.

Es gibt keine unverträglichkeit: «Schuß» wird zu «Schuſs» (duden, 25. auflage, seite 116).

8. 8. 2011

neu : Der Vater des Dudens. St. Galler Tagblatt Online (), , Panorama
Für Konrad Duden erfüllten sich nicht alle Hoffnungen. So konnte er die Kleinschreibung der Substantive nicht durchsetzen.
: Unbelehrbare Kulturautoritäten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 182, s. 6, Briefe an die Herausgeber (238 wörter)
In den sechziger Jahren wurden meine Kinder in der Grundschule gequält mit Mengenlehre, Ganzheitsmethode und anderen Neuerungen, ausgedacht von einer geltungs­süchtigen Bürokratie, damit es "die Kinder in der Schule und im Leben leichter haben"! […] Dann kam nach manchen anderen "kinderfreundlichen" Schulexperimenten die "Rechtschreibreform", die den Kindern das Schreiben bis heute nicht erleichtert hat und aller Vernunft zuwider von einer Buch-Lobby gegen den massiv geäußerten Widerspruch und gegen die überzeugenden Gegenargumente der allermeisten Sprachkenner, -nutzer und -liebhaber politisch durchgedrückt wurde und bestimmten Verlagen den erwarteten Geldsegen bescherte.

5. 8. 2011

: Aktuell. Oder schon akktuell? Der Rechtschreib-Irrsinn geht munter weiter. Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Feuilleton (245 wörter)
Bisher durfte der Rat für deutsche Rechtschreibung weitere Änderungen der reformierten Schulorthographie nur vorschlagen. Amtlich gültig wurden sie durch Beschluss der Kultusminister. Zu Beginn des Jahres ist das Statut des Rates in diesem Punkt geändert worden: Der Rat darf „kleinere Veränderungen des Wörterverzeichnisses“ vornehmen und hat davon auch sogleich Gebrauch gemacht […].

3. 8. 2011

: Glogger mailt …. … Ties Rabe, linker Schriftgelehrter. Blick am Abend, , nr. 148, s. 36 (96 wörter)
Kann sich noch jemand an den unsinnigen Streit über die Rechtschreibreform erinnern? Mit dem Ergebnis, dass man «Handy» auch «Hendi» schreiben darf?

Schreibweisen, die in keinem wörterbuch stehen, durfte man auch vorher verwenden, wenn man wollte.

: Politische Handschriften. In Hamburg ist ein Streit über das richtige Schreibenlernen in der Grundschule entbrannt, der über den Stadtstaat hinausweist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 178, s. 3, Politik
Nach den Ferien können die Grundschulen nun selbst entscheiden, ob sie weiterhin die Vereinfachte Ausgangsschrift (Schreibschrift) lernen oder eine Art Druckschrift, die man als Grundschrift bezeichnet und die vom Grundschulverband mit demselben Argument angepriesen wird, das auch die Einführung der Rechtschreibreform begründen sollte: mit erheblichen Vereinfachungen für die Grundschüler.

2. 8. 2011

: Ärgernis Rechtschreibreform. NZZ Folio, , nr. 8, s. 121, Leserbriefe (229 wörter)
Fünfzehn Jahre nach dem Beginn des Rechtschreib­experiments und nach zwei durch­greifenden Revisionen des ver­unglückten Regel­werks gibt es praktisch niemanden mehr, der das Unter­nehmen gelungen findet.

Und wer anderer meinung ist, ist eben ein niemand.

: Kopfnoten. Stiller Protest. Die Welt, , s. 3, Forum
Note 2. […] Der Schriftsteller Peter Schneider […] beruft sich auf sein „Recht auf Unbelehr­barkeit“ und schreibt manche Wörter einfach so, wie er es für richtig hält.

1. 8. 2011

: Wörter-Chaos 100 Jahre nach Dudens Tod. Zum 100. Todestag von Konrad Duden. Liechtensteiner Volksblatt, , s. 3
Lebenswerk: Eine einheitliche Rechtschreibung war das Ziel von Konrad Duden. 1996 wurde sein Traum zerstört. […] «Das orthografische Wörterbuch der deutschen Sprache» war der erste Duden, in dem das neue amtliche Regelwerk angewendet wurde. Seither galt das Nachschlagewerk als letzte Instanz in allen orthografischen Zweifelsfragen. Bis zur Rechtschreibreform 1996, als dem Duden dieser Sonderstatus wieder aberkannt wurde. Nach dem Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts gilt die amtliche Rechtschreibung nur für begrenzte Teile der Schriftproduktion. Alle anderen dürfen wieder nach ihrem eigenen Gutdünken schreiben. […] So herrscht nun wieder das Chaos im deutschen Sprachraum und die Verwirrung ist genauso gross wie zu Konrad Dudens Schulzeit.

Ein chaos richtet hier die journalistin an. Am geltungsbereich der amtlichen rechtschreibung hat sich nichts geändert.

: Schreibe, wie du sprichst. Vom Schulwörterbuch zum Erlebnisparcours: Heute vor 100 Jahren starb Konrad Duden, der Vater der Rechtschreibung. Badische Zeitung (), , s. 7, Kultur (813 wörter)
Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts sind die Regeln der amtlichen Rechtschreibung nur noch für Teile der Schriftproduktion bindend; alle anderen dürfen schreiben, wie ihnen Schnabel, Ohr oder Korrektursoftware gewachsen sind. Damit herrscht im deutschen Sprachraum wieder eine ähnliche Anarchie wie damals, als Konrad Duden mit seinem "Vollständigen orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache" erstmals Ordnung zu schaffen versuchte.

Nur noch? Wieder? Das deutsche bundesverfassungsgericht hat nichts geändert, sondern festgestellt, was immer gegolten hat.

: Hauptsache keine roten Kringel unterm Wort. Historiker über Sprache und Rechtschreibkorrektur. Deutschlandradio, Deutschlandfunk (), sendezeit: , sendung: Kultur heute
Die Rechtschreibreform 1996 hatte die Vereinheitlichung der deutschen Sprache im Jahr 1902 zum Vorbild, als der Duden für verbindlich erklärt wurde. Heute verließen sich viele nur noch auf die automatische Rechtschreibkorrektur am Computer, sagt Historiker Reinhard Markner.
: "Die Rechtschreibreform ist ein Fortschritt." Biologin systematisiert Regelwerk in einem Handbuch. Deutschlandradio, Deutschlandfunk (), , Campus & Karriere
Die Biologin Evelyn Schäfer hat die Rechtschreibreform im "Handbuch der deutschen Rechtschreibung" systematisiert. Sie hält die Reform gut für Anfänger, weil nicht mehr Einzelregeln wie früher existieren.
: "Lasst die Finger von einer Rechtschreibreform!" Deutschlandradio, Deutschlandfunk (), , Campus & Karriere (834 wörter)
Die Rechtschreibung habe unter den Reformen 1996 und 2006 sehr gelitten, sagt Hans Zehetmaier, Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung. Im Internetzeitalter mit Twitter und SMS müsse man froh sein, wenn sich noch jemand um deutsche Sprache in gepflegter Form bemühe.
: Wörterbuch zum Selberschreiben. Sprachwissenschaftler über den Duden im Internetzeitalter. Deutschlandradio (), sendezeit: , Radiofeuilleton: Thema
Der Blogger Anatol Stefanowitsch hält das "Wiktionary" - ein Online-Wörterbuch, an dem jeder Internetnutzer mitwirken kann - für zeitgemäßer als den altbekannten Duden. Bei der multimedialen Zusammenarbeit könne "eine Dynamik entstehen, die eine Redaktion heute gar nicht mehr leisten kann." […] Haben wir eine relativ kurze historische Epoche der strengen Standardisierung erlebt und geht es jetzt wieder zurück in die Sprachanarchie aus voraufgeklärter Zeit? Stefanowitsch: Ich kann es mir vorstellen. Andererseits ist es natürlich so, dass die Sprachtechnologie inzwischen einen Stand erreicht hat, die es möglich macht, dass man die Orthografie gar nicht mehr dem Autor auflastet, der Autor kann im Prinzip schreiben, wie er will, und man könnte sich ohne Probleme vorstellen - zum Teil gibt es das auch schon -, dass dann ein Redaktionssystem eben das in die Rechtschreibung übersetzt, die der Leser gerade möchte. Also, man kann sich durchaus vorstellen, dass derselbe Text von verschiedenen Lesern in verschiedenen Orthografien dann gelesen werden kann, ohne dass der Autor sich da groß Sorgen machen muss.
: Recht auf Unbelehrbarkeit. Nie mit Duden: Autor Peter Schneider lehnt Rechtschreibreform teilweise ab. Deutschlandradio (), sendezeit: , Ortszeit: Interview
Hat aber Rechtschreibung nicht auch eine soziale, dann unter Umständen auch eine Ausgrenzungsfunktion, oder sehen Sie korrekte Rechtschreibung einfach als Teil klarer Sprache und somit eben auch Teil klaren Denkens? Schneider: Ich muss Ihnen sagen, ich finde diese Ordnungsfunktion - wahrscheinlich ist das Wort Ausgrenzungsfunktion genauer -, die finde ich gar nicht so dringlich und auch gar nicht so wünschenswert. Die Leute sollten sich doch dann bitte ansehen, wie unsere großen Geister - Goethe, Schiller und die klassischen deutschen Autoren, die nun wirklich Weltliteratur geschaffen haben -, wie die geschrieben haben! Ich habe in den frühen Briefen von Schiller zum Beispiel an seine Frau, habe ich entdeckt, dass der manchmal im selben Satz das selbe Wort in zwei verschiedenen Rechtschreibungen benutzt. Dasselbe gilt für Goethes "Urfaust", und wohin Sie blicken, diese großen Männer […], die sind doch nicht geistesverwirrt gewesen oder haben an zu wenig Ordnung gelitten. Die wussten ganz genau: Was sie da schreiben, das wird verstanden. Und ich finde, diese Oberlehrerattitüde, die leider mit der Rechtschreibreform einher geht - es muss sozusagen für alle eine verbindliche Rechtschreibung geben … wozu? Muss es überhaupt nicht!
: Gute Sprache, kluger Kopf! Focus, , nr. 31, s. 71, Kultur & Leben (449 wörter)
Nur wer historisch denkt, wird begreifen können, weshalb Sprache und Rechtschreibung gerade für Deutsche von so großer Bedeutung sind. Viel zu lange war das Land geprägt von politischen Spaltungen: Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein bestand Deutschland aus etlichen Kleinstaaten, nach dem Zweiten Weltkrieg trennte 40 Jahre lang eine tödliche Grenze Bundesrepublik und DDR. Die Klammern, die trotz allem die Bevölkerung zusammenhielten, waren Kultur, Sprache und Schrift.

Abgesehen davon, dass nicht nur in Deutschland deutsch gesprochen wird – wer historisch denkt, wird begreifen können, dass das hohle frasen sind. Alle gewinnersprachen (Leiss) sind von grosser bedeutung; italienisch, russisch, chinesisch, französisch usw. sind für ihre nationen nicht weniger wichtig. Zur rechtschreibung haben die franzosen keineswegs ein lockereres verhältnis. Wenn die rechtschreibung für die deutsch­sprachigen so wichtig wäre, würden sie versuchen, ihre schreibkompetenz zu verbessern.

: »Wer sich auf Computer verlässt, steht schnell verlassen da.« Focus, , nr. 31, s. 72, Kultur & Leben (542 wörter)
Bildung fliegt uns nicht zu, erklärt die ZDF-Journalistin und Sachbuchautorin Petra Gerster. Und plädiert für kluge Vermittlung von Rechtschreibung. Denn erst eine geordnete Sprache bringt Gedanken in eine präzise Form. […] Gerster: Rechtschreibung schult die sprachliche Disziplin, deshalb halte ich sie für überaus wichtig. Kinder benutzen ihre Muttersprache ja zunächst intuitiv, ohne nachzudenken. Durch den Sprach- und Rechtschreibunterricht bekommt die Sprache für sie eine begreifbare Struktur. […] Und Rechtschreibung sorgt ja nicht nur für Ordnung auf dem Papier, sondern auch dafür, Ordnung im Denken zu schaffen. So ist es leichter, seine Gedanken in eine präzise Form zu bringen. […] Die Rechtschreibreform hat vor allem Unsicherheit geschaffen. […] Wenn die Reform die Rechtschreibung verständlicher und einfacher gemacht hätte, wäre sie gut. Aber das erscheint mir zweifelhaft. […] Wittstock: Die Macht der Bilder nimmt zu. Glaubt die Gesellschaft nicht mehr an die Rechtschreibung? […] Gerster: Das Problem ist: Bilder bilden nicht. Die wachsende Unlust vieler Jüngerer, Bücher und Zeitungen zu lesen, ist ein ernstes Warnsignal.

Schade, dass frau Gerster keine lust hat, Leiss zu lesen.

So gut ist Ihr Deutsch! Focus, , nr. 31, s. 74 bis 78, Kultur & Leben (1909 wörter)
Der Rechtschreib-Check-up von Focus und Duden: Fragen zu den neun wichtigsten Problemzonen unseres Sprachalltags und ein Kurzdiktat […].
So gut ist Ihr Deutsch! [Umfrage.] Focus, , nr. 31, s. 74 bis 78, Kultur & Leben
85 % der Deutschen halten korrekte Rechtschreibung für wichtig. […] Für 52 % der Deutschen spielt die Rechtschreibung im Alltag eine große Rolle. 64 % der Deutschen beschweren sich darüber, dass die korrekte Rechtschreibung »immer weniger beachtet wird«. Nur 33 % der Deutschen halten die Rechtschreibreform für richtig.
: Peinlich wie ein Ketchup-Fleck. Focus, , nr. 31, s. 79, Kultur & Leben
Selbst in einer Zeit, die sonst wenig Wert auf überlieferte Formen legt, ist eine sichere Rechtschreibung von großer Bedeutung. […] Der beste Rechtschreibunterricht ist gewiss, viel zu lesen. Da ergibt sich die Gewöhnung an die richtige Schreibweise, die eigentümliche Gestalt der Wörter von selbst, ohne je als Zwangsjacke empfunden zu werden.
: Umfrage: Mehrheit gegen Rechtschreibreform. , , Kultur
62 Prozent halten sie noch immer für falsch. […] Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte 1001 repräsentativ ausgewählte Personen.
: "Schreib, wie du sprichst!" Konrad Duden zum 100. Todestag. (Hessischer Rundfunk), , Literatur
Ob Duden an den amtlichen Regeln der umstrittenen Rechtschreibreform der Jahre 1996 bis 2006 Freude gehabt hätte, ist nicht sicher. Er wollte ja durch Vereinfachung das Schreiben leichter lehr- und lernbar machen.
: Ausnahmen bestätigen die Regel. Vor fünf Jahren trat die Rechtschreibreform in Kraft; doch ist es mit einem Regelwerk allein nicht getan. Neues Deutschland (), , s. 5, Inland
Auf die Frage, ob Lehrer und Behörden heute die neue Rechtschreibung beherrschen, sagt Dr. Kerstin Güthert, die Geschäftsführerin des Rates für deutsche Rechtschreibung: »Es gibt nach wie vor gewisse Umsetzungsschwierigkeiten.« […] Danach gefragt, ob die fortwährenden Änderungen, Korrekturen und nachträglichen Klarstellungsversuche am Ende nicht zu Verunsicherung und Ratlosigkeit bei vielen geführt haben, meint Güthert: »Im Gegenteil.« Gerade deswegen sei man 2006 »weitgehend zurückgekehrt zu den alten Regeln«, sagt sie. »Seit 2006 ist relative Ruhe eingekehrt.« Dennoch bleibt die Frage, wozu es überhaupt einer Reform bedurfte, wenn man sich heute weitgehend an den alten Regeln orientiert. Selbst Kerstin Güthert meint: »Wer hat vor 1996 über Rechtschreibung gesprochen? Das wollte kein Mensch.«
: Das langsame Sterben des Kommas. , , Kultur
Dem Komma droht das Verschwinden. Noch hält es sich hier und da, vor allen bei professionellen Texten, obgleich es oft schon nicht mehr nach festen Regeln, sondern nur noch nach dem Zufallsprinzip gesetzt zu werden scheint. Aber in der privaten Kommunikation, die im Internet allerdings immer auch eine öffentliche ist, haben allzu viele Autoren vor den Kommaregeln kapituliert und verzichten deshalb zur Sicherheit lieber ganz auf dieses Satzzeichen. […] Offenbar ist im Internetzeitalter der Kipppunkt erreicht, an dem sich unser Schreiben und Lesen wieder zur schriftlichen Mündlichkeit wandelt. […] Bei den schriftlichen Äußerungen in der alltäglichen Kommunikation spielt die regelgemäße Zeichensetzung sowieso fast keine Rolle mehr. Hier erodiert auch die Rechtschreibung. Die Autoren erleichtern sich die Arbeit zusätzlich, indem sie konsequent kleinschreiben.
: Angefressen vom Analogkäse. Wörter des Jahrzehnts – Eine Duden-Auswahl im 100. Todesjahr Konrad Dudens. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Literatur
Der Ruhm anderer, wie etwa der des Philologen Georg Büchmann, dessen Sammlung „Geflügelter Worte“ als „Büchmann“ bekannt wurde, verblasst allmählich. Aber die wichtigste Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung bleibt der „Duden“. Dessen Autorität haben selbst die Wirren und Debatten im Gefolge der Rechtschreibreform nicht gefährden können.
Peter Schneider ignoriert Duden-Rechtschreibung. , , Kultur
Nach der Rechtschreibreform hat sich aus Sicht Schneiders Vieles bewährt, «anderes überhaupt nicht». Er finde das Doppel-S in «dass» absolut nachvollziehbar. Die drei F in Schifffahrt widersprächen aber seinem Schönheitssinn.

8. 2011

: Zu Schlaglicht - Manbrif in Sachen Murks - NZZ-Folio Velo (07/11) XI. , , Leserbriefe (549 wörter)
Dass sich «das Haus NZZ weigert, den Unsinn der Rechtschreibreform mitzumachen», wie sich korrektor Remund plakativ ausdrückt, ist etwas übertrieben.

Vollständiger text: stellungnahme.

: Zu Schlaglicht - Manbrif in Sachen Murks - NZZ-Folio Velo (07/11) X. , , Leserbriefe (101 wörter)
Die Erläuterungen "Das Folio und die Rechtschreibung" von Urs Remund zeigen, dass das Folio mutig ist und Albernheiten wie Tipp, Tollpatsch, nummerieren und dergleichen nicht mitmacht.
: Zu Schlaglicht - Manbrif in Sachen Murks - NZZ-Folio Velo (07/11) IX. , , Leserbriefe (83 wörter)
Grossen Dank an Theodor Ickler für seine hervorragende Zusammenfassung!