Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 27. 1. 2012

Aus presse und internet

30. 6. 2010

Fit in Sachen Rechtschreibung: WAHRIG bringt Rechtschreibtrainer aufs iPhone. bildungsklick.de,
"WAHRIG Deutsches Wörterbuch", erstmals 1966 erschienen, wurde als "Der WAHRIG" zur Institution und ist als Standardwerk zu allen Fragen der deutschen Sprache im In- und Ausland etabliert. […] Zu einem weiteren Standardwerk wurde "WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung", das 1996 unter dem Namen "Bertelsmann Die neue deutsche Rechtschreibung" als erstes deutsches Wörterbuch die Rechtschreibreform umsetzte.
: Bilder bringen die Dinge zur Sprache. mz-web.de (Mitteldeutsche Zeitung), , Kultur und Medien
Zu den Kollateralschäden der deutschen Rechtschreibreform gehört fraglos das Wort "Stilleben". Wo die frühere Unschärfe auch an ein Dasein mit Stil denken ließ, wird man durch das dritte "l" nun in eine eindeutige Richtung gewesen: Still soll es sein in jenen künstlerischen Arbeiten, die dem Genre zuzuordnen sind. Und das "Leben" soll sich im Arrangement von Blumen und toten Tieren, von Attributen menschlicher Existenz und von Vergänglichkeit zeigen.

29. 6. 2010

neu : Ihr Mann in der FR. Bronski. Frankfurter Rundschau Online (), , Wir über uns
Bei ihm landet, wer tadeln möchte, wer loben will, wer Verbesserungs­vorschläge hat... […] Manchmal vergaloppieren sich die Leser aber auch. Zum Beispiel dieser Leser aus Frankfurt, der eine Formulierung falsch fand. Die FR hatte geschrieben: "Zum Verkauf standen drei Viertel der Ölfirma Juganskneftegas, dem Kernstück des umkämpften Jukos-Konzerns." Wir hätten hier den Genitiv nehmen können, haben uns aber für den Dativ entschieden. Das ist weniger elegant, aber grammatikalisch nach der Rechtschreib­reform trotzdem richtig.

Wer hat sich da wohl vergaloppiert? Von einer grammatikreform ist uns nichts bekannt.

22. 6. 2010

: „Ein Akt nationaler Notwehr.” Die Machtergreifung der Medien. taz.de, , Leben, Medien
Die Pressegeneräle erläutern nach der Machtergreifung der Leitmedien ihr Programm. Diekmann, Matussek und Schirrrmacher verkünden das "Ende der Gleichheit". Eine Vision von Tom Schimmeck. Zwei Wochen nach dem spektakulären "Presseputsch" mühen sich Deutschlands neue Machthaber um eine Beruhigung der Lage. Kai Diekmann (vormals Bild), am vergangenen Mittwoch nach einer stürmischen Nachtsitzung im ehemaligen Kanzleramt zum Vorsitzenden des "Rates der Pressegeneräle" gewählt, sprach von einer "notwendigen Konsolidierung". […] Gerüchte, der scheidende Süddeutsche-Chefredakteur Hans Werner Kilz sei unter Hausarrest gestellt worden, wurden nicht offiziell bestätigt. "Der gute Kilz", hieß es allerdings im Umfeld des für Kultur und Forschung zuständigen Befehlshabers Frank Schirrmacher (ex FAZ), sei "ein Methusalem", habe schon 2004 beim Kampf von Bild, Spiegel und FAZ gegen die Rechtschreibreform gezaudert.

19. 6. 2010

: Von einem, der ungewöhnlich lebte, alles klein schrieb – und verstoßen wurde. Märkische Allgemeine, , Lokales, Prignitz
Bei unserem Gemeindeausflug in dieser Woche nach Salzwedel und Arendsee wurden wir mit Gustav Nagel, dem „Gesundheitsapostel und Tempelwächter von Arendsee“ bekanntgemacht. […] Einfach leben wollte er. In diesem Zusammenhang stand auch seine Rechtschreibreform. Manche Buchstaben, weil sie nicht gesprochen wurden, kamen bei ihm nicht vor. Alles schrieb er klein. Und über sein Leben selbst schrieb Nagel: „ja in meiner brust kwilt eine geheimnis folle kraft, eine kraft di mich durch alle hinderniße, durch jarelange entberung spot und hon, verstoßen und überfallen sein, gefängnis und irrenhausleben und durch di dreijärige entmündigung wie durch so file andere entmutigungen mit geduldigem ergeben innigem aufschauen zu got dem fater aller erkwillenden lebenskraft sicher fürte.“ Die Autorin eines Buches über Gustav Nagel – einst selbst Deutschlehrerin – bemerkte uns gegenüber: „Wahrscheinlich hätten viele Schüler heute gute Zensuren in Rechtschreibung. Denn auch sie schreiben oft so, wie sie sprechen.“

12. 6. 2010

: Psychotherapie per Post. Vorschau: Autographen bei Stargardt in Berlin. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 133, s. 44, Kunstmarkt
Mit Amüsement liest man die Handschreiben des Fürsten Gebhard Leberecht Blücher von Wahlstatt, der mit seiner originellen Orthographie überrascht; an seine Frau schickt er aus dem Hauptquartier in Altenburg einen Bericht über den Feldzug: "wihr haben täglig gefegte, die auch immer guht aus Fallen . . ." (1600).

11. 6. 2010

: Sprachabmischung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 132, s. 38, Feuilleton (273 wörter)
Thorsten Roelckes "Geschichte der deutschen Sprache" rekonstruiert diesen langen Einheitsweg des Deutschen konzise und einsichtig. Der Autor gibt sich optimistisch, was die Selbsterhaltungskraft des Deutschen im globalen Sprachgemisch betrifft. Das Gespenst der Beliebigkeit sieht er von innen kommen: von der Permissivität der Rechtschreibreform.

8. 6. 2010

: Saumarkt wird wieder zur Feierzone. Augsburger Allgemeine,
Die Bezeichnungen und Schreibweise für den Saumarkt wechselten bei den Ratschreibern hin und her, wie Ratsprotokolle von 1539 bis 1585 beweisen. Jeder, der damals des Schreibens mächtig war, schrieb, wie ihm das Maul gewachsen war - von Rechtschreibreform keine Spur.

6. 6. 2010

: Privatwahnsinn sucht Publikum. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 22, s. 58 bis 61, Wissenschaft
Arbeit am Mythos: Vierzig Jahre lang galt Arno Schmidts Hauptwerk "Zettel's Traum" als schwer zugänglich. Jetzt erscheint es in völlig neuer Gestalt - eine echte editorische Herausforderung und ein Glücksfall für uns Leser. […] "Zettel's Traum", keine Frage, war ein Mythos vor Erscheinen und ist ein Mythos geblieben. In ihm kulminierte alles, was Schmidts Person und Werk den hartnäckigen Ruf des Sonderbaren eingetragen hat, von der speziellen Orthographie angefangen bis hin zu den gern kolportierten Lebensumständen eines in der Heide lebenden Menschenfeindes, belesen, arbeitsam und arm.

6. 2010

: Ein passender Stein in Merkels Machtmosaik. Die Kandidatenkür verrät viel über den Zustand der Politik; dabei wäre gerade jetzt die Orientierungskraft eines starken Bundespräsidenten gefragt. Die Tagespost, , Politik und Zeitgeschehen
Politologe Werner Weidenfeld über fehlende Konsequenzen aus Köhlers Rücktritt, die Sinnkrise des Landes und die Suche nach Typen, die keine Schwierigkeiten machen. […] Für Union und FDP wird Christian Wulff kandidieren. […] Übrigens: Noch vor kurzem wurde aus der Umgebung von Frau Merkel auf die fehlende Durchsetzungsfähigkeit von Ministerpräsident Wulff hingewiesen, wann immer man ihn nachdrücklich lobte. Er habe doch für die Auflösung der Kulturministerkonferenz plädiert – ohne Konsequenz. Er habe gegen die Rechtschreibreform votiert – ohne Konsequenz. Bisher wurde von Angela Merkel die politische Gestaltungskraft des niedersächsischen Ministerpräsidenten nicht sonderlich positiv beurteilt. Es wird bei der Kandidatenkür aber offenbar vor allem darauf geschaut, welcher Personentyp macht mir im Alltag die geringsten Schwierigkeiten.

31. 5. 2010

: Gut drauf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 123, s. 27, Feuilleton
Es ist ein paar Jahre her, da schrieb die "taz" über Jörg Tauss, es müsse schon einiges passieren, bis dem Abgeordneten das Lachen vergehe: "Vor zehn Jahren zog der Mann für die SPD in den Bundestag und ist seither dermaßen gut drauf, dass selbst Mitglieder anderer Fraktionen ihn als ,das beste Unterhaltungs­programm in der Berliner Republik' bezeichnen." […] Er war zeitweise der Ab­geordnete mit den meisten Zwischenrufen. In der Bundestags­debatte zur Rechtschreib­reform erklärte der frühere DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke von der CDU: "Die Kultusminister haben sich in politischer Regelungswut am Heiligsten einer Kulturnation vergriffen: der Sprache." Zwischenruf Tauss: "Ach, du lieber Gott!"

29. 5. 2010

: Ansprache hilft. Zahlreiche Projekte und Angebote fördern Schüler beim Lesen und Schreiben. Der Tagesspiegel,
Da das Regelwerk der Deutschen Sprache für viele Schüler eine große Heraus­forderung ist, sind Esels­brücken gefragt […]. Die Rechtschreib­reform hat nach Peter May vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schul­entwicklung keine Erleichterung für unsichere Schüler gebracht.

Für unsichere zeitungen auch nicht, wie man sieht.

27. 5. 2010

: Abbruch einer Ordnung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 120, s. 7, Politik, Die Gegenwart
Nachdem die DDR im Wettstreit der Systeme unterlegen war, war auch von ihren Einrichtungen alles entwertet, was zum Teil gar nicht so schlecht war, was man teilweise sogar durchaus hätte übernehmen - oder zumindest hätte belassen können. Auf einmal schien alles fragwürdig. Nichts war mehr was - außer dem geerbten Vermögen, etwa an Häusern und Grundstükken, das vor allem die Leute im Westen wieder an sich nehmen konnten. […] Der Verfasser ist Historiker und emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Universität München. Er besteht darauf, dass sein Text in der "bewährten Rechtschreibung" gedruckt wird.

Dafür beglükkt uns das FAZ-archiv mit «Grundstükken».

26. 5. 2010

«Mehr Musikunterricht statt Mathematik.» 15 Fragen an Katharina Suske. Der Bund, , s. 36, Der kleine Bund
Die in Bern lebende Grazerin ist Gründungsmitglied und künstlerische Leiterin des Barockensembles Die Freitagsakademie. Als Oboistin wirkt sie in vielen namhaften Ensembles für Alte Musik mit […]. Wenn Sie König der Schweiz wären: Was würden sie als Erstes befehlen? [Katharina Suske:] […] Freigabe der deutschen Rechtschreibung.

22. 5. 2010

: Das Problem ist wohlbekannt. Die Schweizer Orthographische Konferenz SOK bilanziert den Stand der Rechtschreibe-Unordnung und kritisiert den Schülerduden. St. Galler Tagblatt, , Leben
Allerdings: Viele Schülerinnen und Schüler kämpften heute mit Schreibproblemen auf elementarster Ebene; im Vergleich dazu diskutierten die Reformkritiker auf Champions-League-Niveau.

Ja, so abgehoben, aber in grümpelturnierqualität.

21. 5. 2010

: Frauenhilfe: Die guten Geister der Gemeinde. derwesten.de,
Die Herzkamper „Frauenhülfe” gibt’s seit 100 Jahren. […] Irgendwann bekam die Frauenhilfe das Ü gegen das I getauscht. Und was die Frauenhilfe sonst noch erlebt hat - außer bei ihrer Schreiweise, die auf die Rechtschreibreform von 1901 zurückzuführen ist - das wollte die 1. Vorsitzende der Einrichtung, Annegret Wasel (58), wissen.
: Strengere Regeln lassen weniger Spielraum. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 116, s. 39, Immobilienmarkt
Die Immobilienbewerter im Lande arbeiten künftig auf einer überarbeiteten Grundlage. Der Bundesrat hat zu Beginn dieses Monats die Novelle der Wertermittlungsverordnung verabschiedet. […] Praktiker wie der Berliner Sachverständige Eberhard Stoer sehen in dem nun vorliegenden Regelwerk vor allem eine notwendige Präzisierung und Anpassung an den zeitgemäßen Sprachgebrauch. Er fühlte sich während des Gesetzgebungsverfahrens etwas an die Rechtschreibreform erinnert: "Viel Gedröhne, und das Ergebnis ist dünn."

18. 5. 2010

: Ein Pädagoge packt aus. donaukurier.de,
"40 Jahre Lehrer – ein Pädagoge packt ein", heißt das Programm des Musikpädagogen und Kabarettisten Hans Klaffl. "Han’s Klaffl" ist da zu lesen, denn Klaffl hat im Vorgriff auf eine mögliche Rechtschreibreform der verbreiteten Apostrophierungsseuche Tribut gezollt. […] Mit einem Rotstift korrigiert er nun die Probearbeiten, bei denen unter anderem nach dem Wort Rhythmus gefragt war. Schorschi hat Rütmuß geschrieben. Markus hat es als einziger richtig. Aber er ist Legastheniker. Schreibt er es deswegen richtig, oder trotzdem? Vermutlich war er sich nicht sicher, also: Bei dem ist es ein Fehler.

17. 5. 2010

neu : Das richtige Deutsch gibt es nicht. Die Goldküste – eine Hochburg der Mundart. Tages-Anzeiger, RSE Rechtes Ufer, , s. 21
Der Meilemer Rudolf Schwarzenbach, Titularprofessor für deutsche Sprachwissenschaft mit Schwerpunkt Schweiz, hat von 1983 bis 2005 an der Zürcher Uni gelehrt […]. Die Vorstellungen von dem einen akzentfreien Hochdeutsch ist ein Leitbild aus dem 19. Jahrhundert, als Konrad Duden eine Einheitsschreibung entwickelte und Theodor Siebs in seiner Deutschen Bühnenaussprache eine «reine Hochlautung» festschrieb. Sie hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch nie durchgesetzt. […] Wohlbefinden, die Abwesenheit von einengenden Normen: Damit erklärt Schwarzenbach auch, weshalb junge Leute heutzutage ihre SMS-Botschaften in Dialekt verfassen. So spontan, wie man redet, so spontan will man auch schreiben. Ohne alte oder neue Rechtschreibung.
: Blockademusik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 112, s. 27, Feuilleton
Im Moskauer Literaturarchiv sind Kompositionen des Musiktheoretikers Boris Asafjew (1884 bis 1949) aufgetaucht, die der Gründervater der sowjetischen Musiktheorie während der Leningrader Blockade schrieb […]. Im Januar 1942 beendete Asafjew, dem wieder die Klosterchöre seiner Kindheit in den Ohren tönten, drei jetzt mit großer Andacht vorgetragene Kirchengesänge, die der Verfasser sogar in vorrevolutionärer Rechtschreibung notierte.
: Butter bei die Fische. Kennenlernen und schwimmen lernen: Linguistik als Waffe gegen die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 112, s. 32, Feuilleton (389 wörter)
Als Peter Eisenberg Linguist wurde, blühte sein Fach. […] Dann kam die Rechtschreibreform als schwere Prüfung. Hier musste der Autor einer Duden-Grammatik und eines Zweifelsfälle-Dudens erfahren, wie viele Fachkollegen durch seine Grundstudiumsklausur geflogen wären, wenn sie etwa keinen Unterschied zwischen "kennenlernen" und "schwimmen lernen" sehen konnten. Eisenberg - "Aus der Geschichte des Deutschen ist kein vergleichbarer Angriff auf das Sprachsystem bekannt" - verließ unter Protest die zwischenstaatliche Kommission, die für die Umsetzung der Reform zuständig war […]. Am 18. Mai wird Peter Eisenberg siebzig Jahre alt.

15. 5. 2010

: Demokratie auf Abwegen?. Schwetzinger Zeitung, , Leserbriefe
Nach dem Eurodesaster und der sehr hohen Zahl von Wahlverweigerern wird mehr und mehr deutlich, dass unsere so viel gelobte und beschworene parlamentarische Parteiendemokratie an ihre Grenzen stößt. […] Mit einem Mehr an Sachkompetenz sowie Einbindung plebiszitärer Ansätze wären - fernab vom Parteiengemauschel - die besseren Grundlagen und Voraussetzungen für eine angemessene Bandbreite demokratischer Entscheidungen geschaffen. Wir hätten wahrscheinlich keinen Krieg in Afghanistan, keine staatlich finanzierten Bad Banks, keinen maroden Euro und eine fragwürdige und teure Rechtschreibreform wäre uns auch erspart geblieben.

12. 5. 2010

: Kein Zuckerl nit. Wie die Mozarts mit Gottsched Hochdeutsch lernten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 109, s. N4, Natur und Wissenschaft, Geisteswissenschaften
Leopold Mozart war nicht nur Komponist und Musikpädagoge, sondern auch Sprachkritiker. Wolfgangs Frau Constanze fürchtete, ihr Schwiegervater würde sie "über ihre orthographie und Concept auslachen", und zögerte deshalb, ihm überhaupt zu schreiben.

7. 5. 2010

: Rechtschreibreform fiel in seine Amtszeit. Geburtstag: Früherer Minister und Landtagspräsident Rolf Wernstedt wurde 70. NWZonline (Nordwest Zeitung, Oldenburg),
Er gilt als Sozialdemokrat der alten Schule, hat im Landtag viele bedeutende Reden gehalten und bei der Rechtschreibreform eine große Rolle gespielt. […] In seine Zeit als Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) 1997 fielen die Debatte um die Rechtschreibreform und die Beteiligung Deutschlands an der Pisa-Studie.
: Ein Leben für den starken Satz. Wolf Schneider zum 85. Süddeutsche Zeitung, , Medien
Wenn es um Sprache geht, kommt in Deutschland keiner an ihm vorbei: Wolf Schneider, der Konservator, wird 85. […] Wolf Schneider hat sich allem Anschein nach damit abgefunden, dass alle Welt über eine Summe von "über 10.000 Euro" schreibt, wenn "mehr als ..." gemeint ist. […] Schneider hat's getrommelt und gepfiffen, genutzt hat es so wenig wie seine seinerzeitigen Proteste gegen die Rechtschreibreform.

28. 4. 2010

: Austs Pläne an Springers Tropf. Neues Magazin. stuttgarter-zeitung.de, , Kultur
Noch betonen alle Partner, es sei ja längst noch nichts entschieden. Doch dafür nimmt das neue Magazin des ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust schon sehr deutliche Formen an. […] Die mögliche Allianz von Aust und Springer überrascht dabei nur auf den ersten Blick. Man kennt sich, und schon zu Austs "Spiegel"-Zeiten kam es zur Annäherung. Gemeinsam kämpfte man seit 2003 - erfolglos - gegen die Rechtschreibreform, 2004 präsentierten "Spiegel" und "Bild" die Premiere des Films "Die Kinder des Monsieur Mathieu" in der neuen Axel-Springer-Passage in Berlin.

14. 4. 2010

: Der deutsche Schilderwald. Mannheimer Morgen,
[…] das Stoppschild in seiner heutigen Form existiert erst seit 1971. Das achteckige, rote Stopp-Zeichen mit nur einem "p" überlebte auch die deutsche Rechtschreibreform.

… die in diesem punkt nichts geändert hat (vgl. stichwort stopp).

: Sprachpannen im Festtrubel als hinterfotzige Rache. nz-online.de (Nürnberger Zeitung),
Freunde der Deutschen Sprache und deren korrekter Rechtschreibung kommen während des Frühlings­festes ganz auf ihre Kosten. Denn während reduzierte Fahrpreise am Familiennachmittag nur von zeitlich begrenzter Dauer sind, kann der Sprachpurist am Dutzendteich unbeschränkt Geisterbahn fahren – und das auch noch umsonst: »Herein Spaziert» wirbt da das Fahrgeschäft […]. Dass die Deutsche Rechtschreib­reform eine altvertraute Groß- und Klein­schreibweise über den Haufen geworfen hat, die sich auf mancher Schaubude tapfer gegen das Vergessen stemmt, lässt einen in dem Trubel ganz sentimental werden.

So sentimental, dass man nicht mehr weiss, wie man «deutsch» schreibt.

11. 4. 2010

: Die Frage der Rechtschreibung. jungefreiheit.de, , Kolumne
Inzwischen hat die Tagespresse auf die reformierte Reform umgestellt oder folgt einer eigenen Haus­orthographie. Doch nach wie vor werden Zeit­schriften und Bücher in traditioneller Recht­schreibung gedruckt, dazu gehört zum Beispiel ein Drittel der 15 Neuerscheinungen, die für den Preis der Leipziger Buchmesse 2010 benannt waren […]. Anspruchs­lose Bücher hingegen wie Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ (Ullstein) erscheinen selbst­verständlich in Reform­schreibweise. Das weitere Nutzen der bewährten Qualitäts­rechtschreibung ist jedoch richtig und wichtig, denn: „Einige müssen an der bis 1996 gültigen Schreibung festhalten, sonst gibt es eines Tages nichts mehr, woran man sich orientieren kann.“ Das meint jedenfalls der Dichter Reiner Kunze.

Eines tages wird sich das von selbst erledigen – wie damals bei der unentbehrlichen fraktur. (Vgl. Der Bund, 10. 8. 2000 und Neue Zürcher Zeitung, 30. 10. 2001.)

9. 4. 2010

neu : Sokrates reloaded. Tages-Anzeiger, , s. 11, Analyse
Nie wurde die Schrift so flüchtig gehandhabt wie heute. […] Kein Wunder, beklagen die Könner ihrer Generation – Grass, Enzensberger, Muschg – den Verfall der Schrift­kultur. […] Andrea Lunsford, Professorin an der Stanford-Universität, recherchierte. […] Nie zuvor hat eine Generation mehr ge­schrieben als die heutige. […] Was sich im Netz abspielt, schliesst Lunsford, ist nicht Verfall: «Wir befinden uns in der Mitte einer literarischen Revolution, wie sie die Welt seit den alten Griechen nicht mehr gesehen hat.» […] Das Klügste im Chaos ist: Man schreibt keine stilistisch gefeilten Aufsätze. Sondern redet miteinander.
: Blauäugig. Eine Erinnerung. Schrift & Rede, sprachforschung.org, , Mein Rechtschreibtagebuch
In den ersten Jahren der Reform habe ich gedacht, Aufklärung könne nirgendwo schaden, und deshalb unbefangen auch zweimal in der "Jungen Freiheit" veröffentlicht […]. Diese ganze Richtung stand und steht mir politisch noch viel ferner als das "Neue Deutschland", wo ich ebenfalls veröffentlicht habe. Aber bald wurde mir klar, daß all dies völlig vergeblich war. Ich glaube, es geht diesen Leuten gar nicht um die Sprache […]. Im Gegenteil, das vorgebliche Engagement solcher falschen Mitstreiter führte dazu, daß unsere Reformkritik von einigen Leuten ebenfalls als "rechtsextrem" diffamiert werden konnte.

7. 4. 2010

«Heine lesen - und es ihm nachmachen.» «Faszination Lesen»-Interview mit dem Sprachkritiker Wolf Schneider. pressetext.de,
Thema Rechtschreibreform. Hat sie die deutsche Sprache zum vogelfreien Objekt individueller Sprachgewalt gemacht? [Schneider:] Das nicht. Aber sie war und ist so wahnsinnig überflüssig.