Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 3. 6. 2011

Aus presse und internet

30. 12. 2006

: Viel Wichtigeres. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 303, s. 21, Briefe an die Herausgeber (188 wörter)
Es war aus meiner Sicht höchste Zeit, daß die F.A.Z. den Kampf gegen die Rechtschreibreform beendete. Wie wir schon beim ersten Blick auf den Freundes- und Bekanntenkreis sehen konnten, hatte die Diskussion um die richtige Rechtschreibung die große Masse der Bevölkerung ähnlich wenig tangiert wie, sagen wir, die Einführung des Dosenpfandes: Man ärgerte sich kurz - aber da ist so viel Wichtigeres! […] Wir wollen in dieser Zeitung wieder Relevantes lesen und diskutieren […].
: "Ich sehe mein Engagement in Hessen noch nicht abgeschlossen." Roland Koch zu Unterrichtsgarantie, Studiengebühren, Flughafenausbau, Ypsilanti und einem vielversprechenden Ministerpräsidenten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 303, s. 55, Frankfurt
Das ist das letzte Interview mit Ihnen, das in der bewährten Rechtschreibung veröffentlicht wird. Wäre es nach den übereifrigen Reformern gegangen, die Sie letztlich unterstützt haben, wären Sie nur noch ein "viel versprechender" Ministerpräsident, aber kein "vielversprechender". — Ich bedanke mich bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, daß es Schülern in Hessen wieder leichter gemacht wird zu verantworten, daß sie die F.A.Z. lesen. — Eine wohlbedachte oder eine wohl bedachte Antwort? — Eine Antwort, die ich mir gut überlegt habe.

29. 12. 2006

: Trostpflaster. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 302, s. 9, Briefe an die Herausgeber (100 wörter)
Mußte dieses Einknicken vor einem unsinnigen Gesetz wirklich sein? Ich empfinde es als sehr betrüblich.
: Verstört. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , Nr. 302, S. 9, Briefe an die Herausgeber (197 wörter)
Seit über fünfzig Jahren bin ich Abonnent der F.A.Z., habe nie etwas auf sie kommen lassen und sie immer als die beste Zeitung Deutschlands bezeichnet. […] Ich war deshalb sehr erfreut, daß die F.A.Z. die unselige Rechtschreibreform nicht mitmachte, und erhoffte mir davon eine Signalwirkung hinsichtlich der Nachahmung durch andere Sprachfreunde. Leider mußte ich nun lesen, daß Ihre Zeitung doch nachgegeben hat.

28. 12. 2006

: Neue Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , Nr. 301, S. 15, Briefe an die Herausgeber (94 wörter)
Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank, daß Sie endlich entschieden haben, in wenigen Tagen die neue Rechtschreibung einzuführen. […] Die aufgelisteten Ausnahmeschreibweisen sollen Ihnen gegönnt sein.

27. 12. 2006

: Die letzte Bastion. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 300, s. 16, Briefe an die Herausgeber (152 wörter)
Es ist wahrlich eine schlechte Weihnachtsnachricht, daß nun mit der F.A.Z. auch die letzte Bastion für den Erhalt der bewährten, alten Rechtschreibung fällt. […] tröstlich ist Ihre auszugsweise wiedergegebene Liste von Beispielen, die die Redaktion vorhat, auch in Zukunft nach alter Schreibweise zu veröffentlichen.

24. 12. 2006

: Empfindsame Leser. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 51, s. 34, leserbriefe (170 wörter)
Nicht, daß die vorherige Orthographie ein Ideal hergäbe - eine Reform ist fraglos nötig, aber keine Pseudoreform. "Alt" oder "neu": man ist weit hinter vielem zurückgeblieben, was zum Beispiel 1974 und später zur besseren Neugestaltung in Betracht gezogen wurde. Ähnlich den DIN-Regeln in der Technik sind für die lebendige Sprache sicher - in Abständen zu ändernde - Normen vernünftig, deren Einhaltung allgemein zweckmäßig ist, doch sind ministerielle Schreibweisen-Vorschriften im wörtlichsten Sinne schwachsinnig […].

23. 12. 2006

: Hort der Sprachpflege. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 299, s. 10, Briefe an die Herausgeber (298 wörter)
Ich bedauere Ihre Absicht insbesondere auch deswegen, weil sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung für mich als Philologen […] bisher stets auch als ein Hort des sachgerechten und pfleglichen Umganges mit der deutschen Sprache erwiesen hatte und weil sie auch der fälschlichen Auffassung entgegengetreten war, daß sich die "lebendige" Sprache - um jeden Preis - in ein festes Regelwerk pressen ließe, das semantische Grundlegungen ebenso verleugnet wie die stete Weiterentwicklung von Sprache in einem quasinatürlichen Prozeß.

Wir bedauern, dass auch der vertreter des «Philologenverbands Niedersachsen» sprache und schreibung nicht auseinanderhalten kann.

22. 12. 2006

: Ganz egal. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 298, s. 11, Briefe an die Herausgeber (154 wörter)
Daß den Schülern mit Ihrer Entscheidung geholfen wird, wage ich zu bezweifeln. Den meisten ist die Schreibweise heute ganz egal. Erhalten sie ihretwegen Fehler angerechnet, wird eben geklagt. Und bei diesen Klagen fallen Lehrer, Direktoren und Schulverantwortliche in den Ministerien dann reihenweise um, und der Schüler bekommt recht.

21. 12. 2006

: Ein stolzer Erfolg. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 297, s. 8, Briefe an die Herausgeber (219 wörter)
So haben es die "Reformer" und die Kultusbehörden geschafft, die Einheitlichkeit der deutschen Recht­schreibung zu zerstören. Ein stolzer Erfolg! Es mag ja ein wenig tröstlich stimmen, daß Ihre Redaktion "nach Möglichkeit die wieder zugelassenen Schreib­weisen der bewährten Recht­schreibung verwenden" will, aber in Wirklichkeit folgt sie eben doch den "Reformern", sonst brauchte sie ja keine Umstellung anzukündigen.

20. 12. 2006

: Solchen Unsinn gänzlich vermeiden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 296, s. 8, Briefe an die Herausgeber (342 wörter)
Sie wollen sich um der Leser willen auf Kompromisse einlassen. Haben Sie die Leser gefragt? Die Sorge um die "Einheitlichkeit" der Rechtschreibung vermag solche Kompromisse nicht zu rechtfertigen. Überlassen Sie diese Sorge doch denen, die die Einheitlichkeit mutwillig zerstört haben. […] Nach meinem Eindruck […] haben die meisten Adepten der "neuen" Rechtschreibung ganz andere Probleme. Sie überlassen die Rechtschreibung sowieso der elektronischen Sprachprothese und folgen im übrigen eigenen Phantasieregeln.
: Mühseliger Kampf gegen Legasthenie. Immer mehr Schüler haben Probleme mit der Rechtschreibung. Merkur Online, , Specials
Weil die Schüler in der Grundschule die ursprüngliche Rechtschreibreform beigebracht bekommen haben, müssen die Deutschlehrer in der 5. Klasse behutsam nachsteuern. Zum Beispiel das „Du” beim Briefeschreiben: Die Fünftklässler wissen, dass es klein geschrieben wird. Die Korrektur der Korrektur – jetzt wird „Du” wieder groß geschrieben – haben sie nicht mitbekommen. Hinzu kommt, dass die Lehrbücher an dieser Stelle natürlich veraltet sind. Folge: „Die Schüler reagieren verunsichert.”

„Du” kann gross geschrieben werden, und das müssen nur die alten wissen.

19. 12. 2006

: Nicht schlüssig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 295, s. 7, Briefe an die Herausgeber (294 wörter)
Ihre Begründung, der Einheitlichkeit der Orthographie zu dienen, halte ich insofern nicht für schlüssig, weil es gerade die anderen Verlagshäuser waren, die durch Einführung der für sie ganz und gar nicht verordneten Neuorthographie diese Einheitlichkeit zerstört hatten. […] Neben der demnächst unleserlichen Orthographie können Sie sich auch Ihre Pseudofraktur mit dem fehlenden Lang-s sparen […].

18. 12. 2006

: Zwischenlösung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 294, s. 10, Briefe an die Herausgeber (245 wörter)
Daß Sie von der bislang vertretenen Position abrücken, bevor Sicherheit und Einheitlichkeit der Schreibung erreicht sind, erschüttert in meinen Augen Ihre Glaubwürdigkeit in hohem Maße. Wenn Sie sich tatsächlich diesem Kompromiß anschließen, werde ich erwägen, mein Abonnement zu kündigen. Ich täte das schweren Herzens - aber es gibt ja auch hochwertige Berichterstattung im Radio, rechtschreibfrei.

Was soll mit der kindischen drohung bewiesen werden? Dass es ohne FAZ geht? Es geht durchaus, aber es muss nicht sein. Dass es ohne rechtschreibung geht? Was, wenn es so ist (Leiss)? Beweist nicht gerade das radio, dass es ohne rechtschreibung geht? Anderseits: Ist es wirklich rechtschreibfrei? Wird dort nicht vieles aufgeschrieben (alt, neu, fehlerhaft?) und dann abgelesen?

16. 12. 2006

: Kein Schlußstrich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 293, s. 18, Briefe an die Herausgeber (499 wörter)
Bald wird also auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung "daß" mit vier Buchstaben schreiben. […] Man versteht durchaus, daß sie sich nicht länger als einzige deutschsprachige Tageszeitung außer der "jungen welt" gegen die von den Mächtigen hierzulande verordneten Schreibveränderungen wehren mag. Was aber bedeutet das für die Reformkritiker? […] So recht (Reformschreibung: "So Recht") die Kritiker auch hatten mit ihren Argumenten (die Rechtschreibreform war und ist in der Tat überflüssig, milliardenteuer, mißlungen, unpädagogisch, undemokratisch) - sie haben diese "Reform" nicht verhindern können. Die Kritiker haben also umsonst gekämpft im Sinn von "vergeblich", freilich nicht umsonst im Sinn von "kostenlos" […].
: "Fanmeile" ist Wort des Jahres. "Problembär" auf Platz sieben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 293, s. 7, Deutschland und die Welt
Der "Rechtschreibfrieden" auf Platz vier greift das Ende der jahrelangen Auseinandersetzungen über die Rechtschreibreform auf.

14. 12. 2006

: "is ja nich schlimm dass wir ne eigene sprache ham." Neue Osnabrücker Zeitung online,
In der OS-community ist eine Diskussion über die Jugendsprache entbrannt - als Reaktion auf unser gestern eröffnetes Leserforum. […] Den überwiegend jungen Nutzern der OS-community geht es eher um den Sinn und Unsinn der sprachlichen Verwirrung. […] "also hier im internet schreibe ik midder jugendsprache und ein bisschen habe ik dazu erfunden.. naja net würklich, aba inner schule schreibe ik ganz normal..." Ein gewisser "Jontef" bringt es auf den Punkt: "ganz so tragisch sehe ich das hier mit der rechtschreibung nicht! Die rechtschreibreform hat doch auch schon dazu beigetragen, dass viele verunsichert sind. Vielfach wird hier doch gezielt die umgangssprache geschrieben weil es witzig aussieht... Andererzeits ist bei manch einem schon deutlich zu erkennen, dass schreibdefizite da sind."

11. 12. 2006

: Das Gehirn vernebelt. Rauchen: Wie die Regierung versuchte, ein Verbot durchzusetzen. Hamburger Abendblatt,
Nun komme ich auf uns, auf Deutschland. Hier hat die Bundes­regierung die Backen gewaltig gegen das öffentliche Rauchen aufgeblasen. Doch inzwischen ist ein ähnlich chaotisches Getöse wie bei den jahrelangen Schlachten der Rechtschreibreform entstanden, von der Gesundheits­reform ganz zu schweigen. Wie um den Stängel wird jetzt um den öffentlich gepafften Glimm­stängel gerungen. Konnte man damals noch achsel­zuckend sagen, schön, dann hat für mich die Blume eben keinen Stängel, sondern einen Stiel, was eine Frage des Stils ist. […] Wo andere Entscheidungen treffen, richtige oder falsche, zerreden wir Deutschen als Bedenken­träger jahrelang alles, bis nur der Eindruck bleibt, wir hätten eine Regierung von Schwächlingen, denen Rauch­schwaden das Hirn vernebeln.

6. 12. 2006

: Orthographische Eintracht. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 284, s. 46, Feuilleton (203 wörter)
[…] und jetzt schwenkt auch die «FAZ» auf die allgemeine Linie der amtlichen Rechtschreibung ein. Die Reformgegner in Deutschland verlieren damit ihre wichtigste Bastion. Die «Süddeutsche Zeitung» («SZ») und die Blätter des Axel-Springer-Verlags praktizieren die neuen Regeln bereits. Alle drei Pressehäuser hatten anfangs die reformierte Orthographie eingeführt, störten sich an deren Ungereimtheiten jedoch so sehr, dass sie zur traditionellen Schreibung zurückkehrten. («Der Spiegel» kündigte ebenfalls eine Rückkehr an, beliess es dann aber bei Lippenbekenntnissen.)

Wie war das mit der SZ? Ein beweis mehr, dass niemand darauf achtet, in welcher ortografie eine zeitung erscheint.

neu : Rechtschreibreform. Münchner Merkur (merkur-online.de), , Leserbriefe
Professor Olbertz, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, erklärte zur Regelung der Rechtschreibung: „Dass die Politik damit betraut wurde, haben wir Kultusminister uns nicht ausgesucht. Wir haben den Auftrag dazu bekommen“ (Magdeburger Volksstimme, 28.8.2006). Ob die Öffentlichkeit wohl erfahren dürfte, wer der Auftraggeber war?

Wir! Wie auch immer – als das verfahren begann, gab es noch kein Sachsen-Anhalt. Und dass die politik mit der regelung der (amtlichen) rechtschreibung betraut wurde, ist noch ein bisschen länger her.

5. 12. 2006

: Die Nachrichtenagenturen passen ihre Schreibweise an. Vereinheitlichung bis zum August 2007. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 283, s. 2, International (199 wörter)
Laut einer Erklärung der AP haben sich die Nachrichtenagenturen in den vergangenen Monaten detailliert mit dem neuen Regelwerk befasst. Einzelfallentscheidungen waren nötig, weil das amtliche Regelwerk bei etwa 3000 Wörtern verschiedene Schreibvarianten zulässt. Um Wörter in unterschiedlichen Schreibweisen in den Agenturtexten auszuschliessen, wurde für diese Fälle eine agenturübergreifende Hausorthographie entwickelt. In ihr wird jeweils eine Variante festlegt.
: Agenturen passen Rechtschreibung an. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 283, s. 1 (145 wörter)
Die deutschsprachigen Nachrichten­agenturen AFP, AP, APA, ddp, Dow Jones, dpa, epd, KNA, Reuters und sid stellen ihre Recht­schreibung zum 1. August 2007 wieder um. Eine einheitliche Hausorthographie soll sich dann weitgehend auf die Wörterbuch­verlage Duden und Wahrig stützen. […] Die übrigen Wörter, bei denen die Empfehlungen von Wahrig und Duden nicht über­einstimmen, gehören hauptsächlich zum Bereich der Getrennt- und Zusammen­schreibung. Hier haben sich die Agenturen weitgehend für Schreibweisen entschieden, die vor der Rechtschreibreform galten.

4. 12. 2006

neu : Morgen früh nach dem Krieg. Die "FAZ" übernimmt jetzt doch die reformierte Rechtschreibung. die tageszeitung,
Die FAZ dreht also bei auf den Kurs der Reform, aber sie wäre nicht die FAZ, wenn sie nicht einen Vorbehalt anmeldete. Im Zweifelsfall hält man sich an den - gegenüber dem "Duden" - zurückhaltenderen "Wahrig". Das mündet direkt in ein apartes Rückzugsfecht, denn "die Ausnahmen" betreffen fast nur die "Volksetymologie" - also den Aberglauben. Bis ans Ende der Zeiten will die FAZ die "Quäntchen" und "Tollpatsche" genau "numeriert" und geächtet wissen. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Der wandert jetzt in die FAZ-Leserbriefspalten.

3. 12. 2006

: In eigener Sache. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 48, s. 2, Politik (128 wörter)
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wird ihre Rechtschreibung zum 7. Januar 2007 den in den Schulen gebräuchlichen Schreibweisen anpassen. Die Redaktion wird dabei, wo immer es möglich ist, die wieder zugelassenen Schreibweisen der bewährten Rechtschreibung verwenden.

2. 12. 2006

: F.A.Z. paßt Rechtschreibung an. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 281, s. 1 (110 wörter)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wird ihre Rechtschreibung vom 1. Januar 2007 an den in den Schulen gebräuchlichen Schreibweisen weitgehend anpassen. Die Redaktion wird dabei nach Möglichkeit die wieder zugelassenen Schreibweisen der bewährten Rechtschreibung verwenden.
: Um der Einheitlichkeit willen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 281, s. 1 (857 wörter)
Jeder, der mit Fragen der Rechtschreibung zu tun hat, wünscht sich nach langen Jahren des Streits und der Verwirrung nichts sehnlicher als ein klares und einheitliches Regelwerk. Das Hin und Her muß endlich ein Ende haben. Dieser Wunsch geht über alle Gräben hinweg […]. Erfüllen kann er sich jedoch nur, wenn alle Beteiligten die Einheitlich­keit der Rechtschreibung über die Einzel­heiten stellen, die nach wie vor strittig sind. Deshalb wird diese Zeitung vom 1. Januar 2007 an ihre Recht­schreibung weitgehend dem Schul­gebrauch angleichen. […] Wir fühlen uns auch den Kindern gegenüber in der Verantwortung, die in der Schule die reformierten Regeln erlernen müssen. Ihnen und allen anderen sind wir es schuldig, daß wir für die Einheitlich­keit der Recht­schreibung alles tun, was in unserer Macht steht.

Richtige entscheidung mit falscher begründung.

: Die Ausnahmen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 281, s. 2, Politik (261 wörter)
In zahlreichen Fällen nennen die Wörterbücher mehrere zulässige Varianten, wobei die Redaktion des "Wahrig" in der Regel die bewährten Schreibweisen empfiehlt […]. In Zweifelsfällen wird sich diese Zeitung deshalb künftig vor allem an Wahrigs Wörterbuch "Die deutsche Rechtschreibung" orientieren. Aber auch dieses Nachschlagewerk hat leider nicht alle Unsinnigkeiten der Reform rückgängig gemacht. […] F.A.Z.-Schreibweise […] behende […] greulich und Greuel […] numerieren, plazieren, rauh, Quentchen, schneuzen, Stengel, Tolpatsch.

15. 11. 2006

: Die Stunde der unbequemen Wahrheiten. Hamburger Abendblatt, , Hamburg
Einen Referenten der Spitzenklasse erlebten die Studenten des Instituts für Industriebetriebslehre gestern an der Uni Hamburg. Auf Einladung von Professor Karl-Werner Hansmann sprach der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, Heinrich von Pierer (65), im völlig überfüllten Hörsaal A des "WiWi-Bunkers". […] Qualitätsprobleme sieht von Pierer in Deutschland immer noch bei den Kindertagesstätten und Schulen. "Das sind Themen, über die eine Kultusministerkonferenz nächtelang diskutieren müsste", so von Pierer, "nicht über eine völlig überflüssige Rechtschreibreform."

13. 11. 2006

: Mit dem Paso doble kokettiert. Thurgauer Zeitung, , Kultur
Der italienisch-schweizerische Doppelbürger und Komiker Massimo Rocchi war am Freitag in der mit fast 500 Personen vollbesetzten artEffekt-Halle in Arbon in Circo Massimo auf der Suche nach seiner wahren Identität. […] Mit seinem Rede- und Wortschwall und damit eine seiner ureigensten italienischen Eigenschaften demonstrierend, zeigte er - obwohl selbst mindestens viersprachig - doppelzüngig oder bilingue seine Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache und der Rechtschreibreform.
: Gute Sprachpraxis. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 264, s. 18, Briefe an die Herausgeber
Sprache ist kein Organismus, der lebt und sich entwickelt. Vielmehr sind wir Sprachnutzer diejenigen, deren Handeln die Lebendigkeit einer Sprache ausmacht und ihre Entwicklung bestimmt. Auch wenn jeder nur ein Rädchen im Getriebe ist, sind wir nicht ohnmächtig. Das zeigt zum Beispiel die F.A.Z., die der re-re-reformierten Rechtschreibung trotzt.

11. 11. 2006

: Das Hinterstübchen als Dunkelkammer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 263, s. Z5, Literatur
Erst die gute Nachricht: Es gibt wieder junge deutsche Lyrik von Rang. Die schlechte: Sie wird kaum gelesen. Mit dem Debüt des Tübingers Nico Bleutge sollte sich das endlich ändern. […] Was neben der konsequenten Kleinschreibung sofort ins Auge fällt, ist das Fehlen eines lyrischen Ichs.
: "Ich würde gerne einen Vamp spielen." Neue Osnabrücker Zeitung, , Interviews
132 Zentimeter ChrisTine Urspruch stehen mit einem Taschentuch in der Hand am Eingang. Die 36-jährige Schauspielerin dreht gerade an einer neuen Folge des Münster-Tatorts […]. Fantasievoll ist auch die Schreibart Ihres Names. ChrisTine – weil Sie das Wechselspiel mit Groß und Klein mögen. Woher kam die Idee dazu? — Ich habe mich furchtbar über die Rechtschreibreform aufgeregt. Sprache wächst doch natürlich. Man kann sie nicht einfach reglementieren. Dabei habe ich festgestellt, Sprache ist auch etwas Persönliches. […] Die Schreibart meines Namens symbolisiert, sich über Regeln hinwegzusetzen.

5. 11. 2006

: Der Zwiebelfisch stinkt vom Kopf her. Warum der Sprachkritiker Bastian Sick so unglaublich nervt. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 44, s. 25, Feuilleton
Viel ist geschrieben worden über das Phänomen Bastian Sick, und anscheinend gibt es einen allgemeinen Konsens darüber, daß Sick genau der Mann sei, auf den all jene Deutschen gewartet haben, die, verwirrt und verunsichert vom Trash des Fernsehens, dem Chaos der sogenannten Rechtschreib­reform und den abenteuerlichen Kürzeln der E-Mails und SMS-Nachrichten, ganz vergessen haben, daß die deutsche Sprache über solche wunderbaren Möglichkeiten wie den Genitiv, den Irrealis oder das Semikolon verfügt.

4. 11. 2006

: Bülach intern. Tages-Anzeiger, , s. 20, Zürich
Nicht alle Redaktorinnen und Redaktoren in Bülach kennen Sitten, Gebräuche und Unterländer Orthografie bereits aus dem Effeff. Immerhin haben die alten Hasen ihren neuen Mitstreitern schon nachhaltig eingebläut, dass - Rechtschreibereform hin oder her - Glattal nie mit drei t geschrieben wird.

Das tal der Glatt wird natürlich mit 3 t geschrieben. Oder wollen die alten hasen am zeilenende Glat-tal trennen (lassen)?

: Ein Kämpfer für die aussterbenden Sprachen. Die Welt, , Kultur, Literarische Welt
Der flotte Titel der deutschen Ausgabe von Peter Burkes Buch "Languages and Communities in Early Modern Europe" führt in die Irre. "Wörter machen Leute" könnten eine Stillehre oder eine Anleitung zur Redekunst heißen […]. Da sich viele um den Zustand der eigenen Sprache sorgen - um die Reform der deutschen Rechtschreibung, um die Übergriffe des Englischen, um den Verfall des Genitivs -, sind sie leichter bereit, sich auch für die Entstehung der spanischen Grammatik zu interessieren, für die Vereinheitlichung der Orthografie durch den Buchdruck, für die Varianten des Portugiesischen in Übersee, für die Sprachenkenntnisse von Königen und Kardinälen in der frühen Neuzeit.

1. 11. 2006

: Ehre und Lehre. Financial Times Deutschland,
Eines der selten verwendeten Synonyme für Trainer ist das des Fußballlehrers, vielleicht wegen der Konsonantenballung in der Mitte des Worts, mit der seit der Rechtschreibreform nicht nur Fußballfans ihre Probleme haben, aber egal: Thomas Doll, Coach (noch so eins) des Hamburger SV, tut derzeit einiges, um dem guten alten Fußballlehrer zu etwas mehr Popularität zu verhelfen.