Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 21. 6. 2016

Aus presse und internet

31. 10. 2006

: Fragebogen: Gérard A. Goodrow, Direktor der Art Cologne. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 253, s. K6, Kunstmarkt extra
Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die Rechtschreib­reform, weil sie der größte sprach­wissenschaftliche Schwachsinn ist.

28. 10. 2006

: Haben Sie heute schon gehunken? Die Welt, , nr. 43, Literarische Welt, s. 2, Porträt
Bastian Sick kennt die Fallstricke der verflixt schwierigen deutschen Sprache. […] Er ist der freundliche Deutsch­lehrer der Nation. […] Sein Vorteil: Er ist einer der wenigen, die die Regeln tatsächlich noch beherrschen. Das reicht heut­zutage, nach all' den verwirrenden Debatten über Rechtschreib­reform und reformierte Rechtschreib­reform, über PISA und Unterschichten­deutsch schon aus, um respektiert zu werden. […] Der Bedarf nach dem Thema Sprache ist riesig, vermutlich gerade weil die Rechtschreib­reform und die sie begleitende Diskussion so lang und undurch­sichtig war. Sicks Erfolg ist ein Kollateral­schaden der allgemeinen Sprach-Ver­unsicherung, die die einen nutzen, um völlig regelbefreit vor sich hin zu fabulieren, andere aber bis ins Mark trifft.

27. 10. 2006

: FDP prangert Verschwendung an. Hamburger Abendblatt, , Hamburg (73 wörter)
Sylvia Canel, bildungspolitische Sprecherin der FDP Hamburg, spricht sich gegen das bundesweit geplante Schülerregister aus. "Nachdem die Kultusminister­konferenz jahrelang Steuergelder für ein überflüssiges Rechtschreibchaos verschleuderte, bahnt sich ein neuer Skandal von Verschwendung, Inkompetenz und Überregulierung zulasten der Schüler und auf Kosten der Steuerzahler an" […].
: 40 Personen im Rechtschreibtest. suedkurier.de, , Villingen
Spätestens nach der Reform der Reform der deutschen Recht­schreibung herrscht in vielen Köpfen heil­loses Durch­einander. Zwei Schülerinnen stellten die Rechtschreib­kenntnisse von rund 40 Testpersonen mit zwei Sätzen auf die Probe […]. Im Generationen­vergleich zeigt sich, dass die 50- bis 60-Jährigen die weitaus besseren Ergebnisse erzielten, und das, obwohl sie die Rechtschreib­reform nur passiv miterlebt haben.

19. 10. 2006

: Allzu zaghafte Rechtschreibrefom. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 243, s. 44, Briefe an die NZZ (258 wörter)
Die normative Kraft des Faktischen wird wohl dazu führen, dass wir in absehbarer Zeit nur noch klein schreiben wie im Englischen […]. Das umfangreiche Wörterbuch der deutschen Sprache (32 Bände) der Brüder Grimm kennt übrigens auch nur die Klein­schreibung, und es ist ohne Probleme zu lesen. Das wäre ein echter Reform­schritt gewesen, der der deutschen Sprache im Zeitalter der Globalisierung und der mangelnden Integration der Ausländer geholfen hätte.

18. 10. 2006

: Laute Kritik an den neuen Regeln. Basler Zeitung, , bazkulturmagazin, s. 3 (90 wörter)
Nach dem Inkrafttreten der neuen Rechtschreibung am 1.8. hat sich die Schweizer Ortho­graphische Konferenz (SOK) zu Wort gemeldet und kritisiert «zahlreiche hand­werkliche Mängel», die das dritte amtliche Regel­werk wie auch die neuen Wörter­bücher von Duden und Wahrig aufwiesen.

17. 10. 2006

: Orthographische Konferenz stösst sich an Mängeln. St. Galler Tagblatt, (204 wörter)
Ein Hauptfehler sei die falsche Auffassung von orthographischer Variante, schreibt die SOK in einem Communiqué. Beispiel: «Wohl bekannt» sei nicht eine ortho­graphische Variante zu «wohlbekannt», sondern drücke eine andere Bedeutung aus.

Ja, und bedeutung drückt eine andere bedeutung aus als bedeutung, weil es mal importance und mal meaning heissen kann. Was nun?

14. 10. 2006

: Geist der Reform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 239, s. 9, Briefe an die Herausgeber (75 wörter)
Nach allem, was man […] über die neue Bibelübersetzung in Erfahrung bringen konnte, drängt sich die Frage auf: War hier letztlich der Geist am Werk, der uns schon die Rechtschreib­reform gebracht hat?

«Ein jegliches hat seine zeit.» Prediger Salomo, 3, 1.

: Beibehalten. junge Welt, , s. 14, Leserbriefe (94 wörter)
Mein Kompliment, daß Sie sich nicht dem angeblichen, in Wirklichkeit aber gar nicht existenten Diktat dekadenter selbsternannter Sprach»experten« und arroganter, rechtsbeugender Kultus­minister gebeugt haben und weiterhin Ihre Schrift in der lese(r)freundlichen, hoch­entwickelten Orthographie belassen (haben). Bitte, bitte, bleiben Sie dabei!

11. 10. 2006

: Stetiger Lehrermangel. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 236, s. 11, Briefe an die Herausgeber (153 wörter)
Die größte "Leistung" der deutschen Kultusministerien der letzten Jahre war die sogenannte Rechtschreib­reform, von niemandem gewollt und auch nicht benötigt.

10. 10. 2006

: Herkömmliche Varianten haben Vorzug. Die amtliche Rechtschreibung seit dem 1. August und die Praxis der NZZ. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 235, s. 15 (1048 wörter)
Auch jetzt ist längst nicht alle Unzufriedenheit getilgt, aber der zwischen Reformern und Traditionalisten erzielte Kompromiss hat die grössten Steine des Anstosses aus dem Weg geräumt. Längerfristige Verbindlichkeit scheint möglich. […] Keine Änderungen hat der Rechtschreibrat im Bereich der Zuordnungen von Lauten und Buchstaben vorgenommen. […] Die NZZ folgt diesem Usus weitgehend, jedoch nicht bei einigen Einzelfällen mit Umlauten. Aus der Gams wird bei uns nicht die «Gämse», sondern weiter­hin die Gemse […]. Den Grundgedanken, dass Bindestriche der besseren Lesbarkeit von Wort­zusammensetzungen dienen sollen, teilt die NZZ und ist daher in einem Punkt sogar progressiver als das Reformwerk […]. Die reformierte Zeichen­setzung in der Fassung von 1996 hatte vor allem für Ärger gesorgt […]. Die NZZ hat hier immer an der traditionellen Schreibung fest­gehalten […]. Die von vielen Traditionalisten bekämpfte Trennung von st und die Abtrennung von ck […] behalten ihre Gültigkeit, doch dürfen Einzel­buchstaben nun nicht länger einsam ans Zeilenende zu stehen kommen. Auch sind sinnwidrige Trennungen, wie sie die Reform erlaubt hatte, jetzt untersagt. […] Heute dürfen die Pronomina «Du» und «Deiner» in Briefen wieder gross geschrieben werden; das Gleiche gilt für feststehende Begriffe […]. Der «Neuen Zürcher Zeitung» geht diese Erlaubnis, die auch Kuriosa wie das «Neue Jahr» einschliesst, zu sehr ins Uferlose […]. Zusammengeschrieben wird, wenn die Verbindung eine übertragene bzw. eine neue Gesamtbedeutung erhält […].

9. 10. 2006

: Interview: „Sehr kinderlieb bin ich nicht“. profil, , nr. 41, s. 136, Kultur
Autorin Christine Nöstlinger, die am 13. Oktober 70 wird, über ihre Abneigung gegenüber Streberkindern, Gusenbauers Schulvorschläge und ihre Defizite in Sachen Popmusik. […] profil: Wie stehen Sie zur Rechtschreibreform? Nöstlinger: Die ist mir völlig Blunzn: Ich schreibe, wie ich will, habe aber nichts dagegen, wenn ein Lektor meine Rechtschreibung ändert. Früher hat es auch keine festeren Regeln gegeben. Ich habe ein handschriftliches Manuskript von Goethe gesehen, in dem er Kraft mit drei f geschrieben hat. Solange man kapiert, was mitgeteilt wird, soll jeder schreiben, wie er will.

8. 10. 2006

: funzen. Das Wortporträt. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 40, s. 34, Feuilleton
Die schlimmste Rechtschreibreform findet im Internet statt. Davon kann sich jeder überzeugen, der sich in ein Forum abseilt […]. Dort unten, im Abgrund des Netzes, kann man jene Dramen mitverfolgen, die sich immer nur um eines drehen: ob es "funzt" oder ob es nicht "funzt". Das nämlich ist alles, was vom ursprünglichen "funktionieren" übriggeblieben ist […].

7. 10. 2006

: Unverständnis in Italien. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 233, s. 42 (143 wörter)
Im übrigen habe ich den Eindruck gewonnen, daß niemand in Deutschland genau weiß, was unter dem Begriff "neue Rechtschreibung" zu verstehen ist.

Das gegenteil von «alte rechtschreibung». Für das kind, das die rechtschreibung lernt, gleichbedeutend mit «rechtschreibung». Für die alten ist es etwas komplizierter, aber das ist bei allem so.

6. 10. 2006

: Günter Grass bekocht tote Persönlichkeiten. news.ch,
Grass plädierte für eine weitgehende Freigabe der Schreibweise: Sprache sei immer im Fluss.

5. 10. 2006

: Von Sprachmüll, Deichbau und bedenklichen Symptomen. Die Tagespost, (1562 wörter)
Organisationen wie der „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) reden bereits vom Aufkommen einer neuen Misch­sprache, dem „Denglischen“. […] Immerhin gehören dem VDS mittler­weile mehr als 27 000 Mitglieder an. Sie sind empört über den Qualitäts­verlust des Deutschen (hierzu zählt für viele auch die misslungene Rechtschreib­reform), seine stark abnehmende Ausstrahlungs­kraft und die bisherige Untätigkeit der Politik.

2. 10. 2006

: Salzkorn. St. Galler Tagblatt,
Die «Macht der Sprache» beschwört das Goethe-Institut, um die deutsche Sprache im In- und Ausland zu fördern. Das ist wohl auch bitter nötig. Wer will denn heute noch Deutsch lernen, wenn Englisch leichter ist und man damit weiterkommt? Und die Rechtschreibe­reform ist auch nicht gerade förderlich.

Doch, und eine echte reform wäre der sache noch förderlicher. Übrigens gilt das auch für das englische.

1. 10. 2006

: Weiter Wirrwarr um Rechtschreibreform. Der Tagesspiegel, , Kultur (526 wörter)
"Das ist bloß der vorläufige Abschluss der Rechtschreibreform", ist sich Peter Mießen sicher. Der 27-jährige Student ist seit vier Jahren wissenschaftliche Hilfskraft beim Grammatischen Telefon und hat das Wirrwarr der Reformschritte hautnah erlebt. "Es besteht eine generelle Verwirrung. Nach dem jüngsten Reformschritt sind viele Schreibvarianten hinzugekommen. Dann ist eben vieles richtig."

26. 9. 2006

: Jeder vierte Europäer spricht Deutsch. Frankfurter Rundschau, , s. 15, Feuilleton
Mit dem weltweiten Projekt "Die Macht der Sprache" versucht das Goethe-Institut zur Zeit, die Rolle und die Bedeutung von Sprache in einer globalisierten Welt zu beleuchten. […] Trotz der Allgegen­wärtigkeit von Sprache in der Diskussion um Sprach­tests und Rechtschreib­reform gebe es in der Politik ein mangelndes Bewusstsein für die Bedeutung von Sprache.

25. 9. 2006

: Keine weiteren Empfehlungen. Rat für deutsche Rechtschreibung betrachtet Überarbeitung der Reform offenbar als abgeschlossen; "Markt und Menschen beruhigen". Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 223, s. 4, Politik (598 wörter)
Nach der Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung am vergangenen Freitag hat sich der Eindruck erhärtet, daß die Über­arbeitung der Rechtschreib­reform als abgeschlossen betrachtet wird und keine weiteren Änderungen mehr geplant sind. […] Noch vor einem Jahr hatte Zehetmair bekräftigt, der Rat werde es sich nicht nehmen lassen, sich mit anderen Feldern der Reform zu beschäftigen, um auch hier Ungereimtheiten zu beseitigen. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede.

22. 9. 2006

Lehrerverband bemängelt Rechtschreibleistungen der Schüler. Verbandschef Kraus beklagt eine anhaltende Verunsicherung an den Schulen nach der Rechtschreibreform. Deutschlandradio, Deutschlandfunk (dradio.de), , Sendung: Kultur heute
Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat nach den ersten Wochen im neuen Schuljahr beklagt, dass die Reform der deutschen Rechtschreibung nicht zu einer Vereinfachung für die Schüler geführt hat. Angesichts der vielen Nachbesserungen "hat man in der Schule resigniert", sagte Kraus im Deutschlandfunk.

12. 9. 2006

: Die Liberalität siegt. Rechte Politiker scheitern mit ihren Hasstiraden gegen Homosexuelle. Frankfurter Rundschau, , s. 36, Wissen & Bildung
In Deutschland hat mich in den achtziger Jahren eine öffentliche Äußerung des bayerischen Kultus­ministers Hans Zehetmair besonders empört. Er sagte, gegen Homo­sexuelle gerichtet: "Diese Rand­gruppe muss ausgedünnt werden, weil sie naturwidrig ist" (Süddeutsche Zeitung vom 7. April 1987). Nach öffentlichen Protesten versuchte er, seine Äußerung zu "differenzieren". Diese "Differenzierung" ist ein Dokument der sprachlichen Verdrehung, der intellektuellen Ver­knödelung und der moralischen Verkommenheit. Zehetmair, der heute wegen seines feinen Sprach­gefühls für die Rechtschreib­reform zuständig ist, erläuterte schriftlich: "… dass man für Homosexualität Verständnis aufzubringen hat, auch wenn man sie, wie ich persönlich, als naturwidrig und ein im Grunde krankhaftes Verhalten ansieht. Meine Aufgabe kann und darf es nicht sein, um Verständnis für Homo­sexualität und damit für Rand­gruppen unserer Gesellschaft zu werben. Sondern sie muss vielmehr in erster Linie darin bestehen, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst wenig junge Leute in diesen durch Aids besonders gefährdeten Randbereich hineingeraten. Wir müssen den Schutz der Vielen in der Bevölkerung als zentrales Ziel im Auge sehen und uns nicht nur darum bewegen, wer am Rand noch besser verstanden werden kann. Dieser Rand muss durch Aufklärung dünner gemacht bzw. ausgedünnt werden, denn er stellt für die Jugend keine Zukunftsperspektive dar. Nur zur Ergänzung darf ich Sie auf die Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofs­konferenz, Kardinal Höffner, (…) hinweisen. Darin heißt es, dass homo­sexuelle Ver­bindungen nicht mit der Lebens­form Ehe und Familie gleich­zustellen seien. Sie verstießen nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern leisteten damit auch der Verbreitung der Immunschwäche-Krankheit Aids Vorschub."

9. 9. 2006

neu : Inkonnsekwänt. Leipziger Volkszeitung, , s. 9, Kultur
66 Prozent lehnen sie [die Rechtschreib­reform] ab, nur 14 Prozent befürworten sie. Alles nach­zulesen in Die Deutsche Sprachwelt […]. Wie konnten die guten zwei Drittel sich nicht wehren können gegen das böse Siebtel? […] Wir sind nämlich in­konsequent. Auch ab­zulesen am Zahlen­werk der Sprach­welt. Denn wenn 57 Prozent der Deutschen so unter Fehlern leiden, müssten doch, Konsequenz voraus­gesetzt, 57 Prozent der Deutschen fehler­loses Deutsch sprechen oder schreiben.

4. 9. 2006

: Spreng: Wähler, glaubt uns nicht! Hamburger Abendblatt, , Deutschland
Glaubt nicht, was wir gestern gesagt haben - das ist das eine Prinzip der Großen Koalition; versteht nicht, was wir heute machen, scheint das andere zu sein. Zumindest gilt das für die Gesundheits­reform. Sie ist das unver­ständlichste Reform­werk seit der Rechtschreib­reform.

9. 2006

: Vereinsleben. Kleinschreibung. NZZ Folio, , nr. 9, s. 17 (250 wörter)
Herr Rolf Landolt, Sie sind Vorsitzender des BVR (Bund für vereinfachte rechtschreibung). Was genau soll vereinfacht werden? Ganzer artikel

31. 8. 2006

Zackige Rechtschreibreform. (Deutsche Welle), , Kultur (69 wörter)
In Deutschland schleppt sich die Reform der Recht­schreibung seit Jahren hin, in Weiß­russland will der autoritäre Präsident Alexander Lukaschenko das Problem in zwei Wochen regeln.

30. 8. 2006

: Mehr sortiert, weniger verbrannt. Süddeutsche Zeitung, , s. 37, Bayern
Wenn demnächst auf Tausenden Plakaten, auf 180 Müllautos und auf allen 390 000 Restmüll-, Bio- und Papier­tonnen die Silben­trennung prinzipiell gegen die Grammatik verstößt [z. b. Gril-lasche], ist das nicht eine weitere Wende in der Rechtschreib­reform, sondern die neue Kampagne der Stadt zur besseren Müll­trennung.

21. 8. 2006

: Rechtschreibreform: Wie wird sie an Schulen umgesetzt? Hamburger Abendblatt, , Hamburg (72 wörter)
Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dittmar Lemke will mit einer kleinen Senatsanfrage die genaue Handhabung der Rechtschreib­reform an den Schulen erkunden.

19. 8. 2006

: Günter Grass (V) - GG , SS und Eszett. WamS.de-Blogs, Apocalypso, , Nebenwidersprüche
Bekanntlich haben die Schweizer bei der Rechtschreibreform für sich einen Dispens hinsichtlich des Eszett herausgehandelt: Sie brauchen ihn auch fürderhin nicht zu verwenden, und nicht einmal Günter Grass konnte sie dazu zwingen.

17. 8. 2006

: Der Planet ist rund ... ... und es gibt mindestens zwölf davon im Sonnensystem; so schlägt es eine internationale Astronomen-Kommission vor. Berliner Zeitung, , Wissenschaft
Die Debatte unter Astronomen erinnert ein wenig an die Rechtschreib­reform: Jahre­lang wird über ein für viele Menschen recht be­langloses Thema mit großer Leidenschaft gestritten. […] Markus Landgraf vermutet jedoch, dass die Diskussion auch nach einer Entscheidung nächste Woche weitergeführt wird: "Ich bin sicher, dass das nicht das letzte Wort sein wird." So ähnlich lief es ja auch bei der Rechtschreib­reform.

Das hat die wissenschaft eben so an sich, dass ein letztes wort erst gesprochen ist, wenn unser sonnensystem verglüht. Wahrscheinlich.

16. 8. 2006

: Das S-Wort. Eine EnthÜllung. Der Tagesspiegel, , Kultur
So erklärte gestern ein anonymer Germanist, auch Grass’ vehemente Ablehnung der Rechtschreibreform müsse im Lichte seiner Waffen-SS-Mitgliedschaft neu bewertet werden. Der Wissen­schaftler wies schlüssig nach, Grass habe die Reform des Regelwerks vor allem deshalb zu verhindern getrachtet, weil die weit­gehende Ersetzung des Buch­stabens ß durch den Doppel­konsonanten ss ein „biografisches Trauma des Schrift­stellers berührt“ habe.

15. 8. 2006

: Rosenholtz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 188, s. 6, Briefe an die Herausgeber (78 wörter)
Es hat zwar nichts mit der Rechtschreibreform zu tun, aber mit korrekter Schreibweise eines Namens: Es muß "Rosenholtz" heißen und nicht "Rosenholz".

13. 8. 2006

: Das neue Schul-Alphabet. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 32, s. R2, Rhein-Main
Nach den Ferien wird zwar nicht alles, aber einiges anders an Hessens Schulen. […] Recht­schreibung: Mit Beginn des neuen Schuljahres gilt die amtliche Regelung der Rechtschreibung in der Fassung von 2006 als verbindliche Grundlage für den Unterricht an allen hessischen Schulen. […] Nach einem Erlaß des Kultus­ministeriums vom Mai dieses Jahres werden jedoch bis zum 31. Juli 2007 Schreib­weisen, die duch die amtliche Reglung überholt sind, nicht als Fehler markiert und bewertet.

10. 8. 2006

: Apropos. March-Anzeiger, , s. 3, Ausserschwyz (253 wörter)
Am 12. Februar 1890 ereiferte sich schon ein Leser in unserer Zeitung über die ständigen und uneinheitlichen Reformen der deutschen Rechtschreibung. Und so meint dann jeder, er wisse selbst am besten, wie etwas zu schreiben sei: «Wenn er nun flözen und ritzen einander gegen­übersteht und meint, beide sollen entweder mit tz oder beide nur mit z geschrieben werden, so zeigt er zwei Dinge: 1) dass er auch die alte Recht­schreibung nicht kennt (...) 2) dass er vermuthlich Einsiedler ist, denn nur in Einsiedeln flötzen mit kurzem ö gesprochen.»

8. 8. 2006

: Sie können's nicht. Britische Studenten schreiben schlecht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 182, s. 34, Feuilleton (158 wörter)
Die Rechtschreibung und Grammatik britischer Studenten ist derart schwach, daß die neue Ausgabe des "Compact Oxford English Dictionary for Students" ein Sonderkapitel mit den elementarsten Regeln enthält. […] und die Eisenbahn­gesellschaft Network Rail sagte, sie lehne fünfzig Prozent der Bewerbungen von Graduierten schon deswegen ab, weil sie so schlecht geschrieben seien.

6. 8. 2006

: Zurück in Garbassen. Editorial. Welt am Sonntag, , Politik
Alle, die sich ihre Sprache nicht vom Staat vorschreiben lassen wollen, haben mit der Reform der Reform einen Sieg errungen.

stellungnahme

5. 8. 2006

: Der Professor im Praxistext. Der Übersetzer Volker Oldenburg liest Umberto Ecos großen Übersetzungs-Essay und übersetzt David Mitchells "Wolkenatlas". Die Welt, , nr. 181, Literarische Welt, Buch der Woche, s. 3
Eines von Mitchells Stilelementen ist zum Beispiel, bei allen Wörtern, die auf "Ex" beginnen, das "E" wegzulassen. Die x-losen Italiener haben damit ein echtes Problem, während ich beruhigt "Xemplar" und "xtra" schreiben kann. Bei einer anderen stilistischen Besonderheit, der häufigen Groß­schreibung von Substantiven, bin wiederum ich derjenige mit dem Darstellungsproblem, denn im Deutschen werden, im Unter­schied zu allen anderen Sprachen, Substantive bekannter­maßen immer großgeschrieben. Ein klassischer Verlust also. […] Diese Verluste muss ich als Übersetzer hinnehmen, aber ich kann auch versuchen, sie auf anderer Ebene wettzumachen. Indem ich […] ein Element einfüge, das im Original nicht vorhanden ist. So habe ich mich beispielsweise dazu entschlossen, die erste "Wolkenatlas"-Episode in der Recht­schreibung des 19. Jahr­hunderts zu verfassen, ein Element, das es im Englischen nicht gibt, weil es dort keine Rechtschreib­reformen gab.

4. 8. 2006

: Chaos in der Rechtschreibung. Warum die Reform der Orthographie-Reform kaum Bestand haben wird. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 178, s. 15, Schweiz (1070 wörter)
Hans Ambühl, Generalsekretär der Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK), nannte die erneuten Änderungen der Reform der Rechtschreibreform «marginal». Wenn das Wort ernst genommen wird, treffen die Neuerungen also den Rand (lateinisch margo) der Neuregelung, nicht ihren Mittelpunkt. Das ist falsch. In Wahrheit sind nun alle Wörterbücher unbrauchbar, welche die EDK erst im letzten Sommer für verbindlich erklärt hatte. […] Das hat es noch nie gegeben, dass Wörter­bücher Schreib­weisen aufnehmen, die der Bedeutung und dem Schreib­gebrauch widersprechen, also falsch sind […].
: Mehrheit von Rechtschreibung verunsichert. Die Welt, , nr. 180, s. 23, Feuilleton (87 wörter)
79 Prozent der Befragten erklärten nach Angaben von n-tv vom Donnerstag, sie seien "eher unsicher" wie man nach den neuen Regeln schreibe.

3. 8. 2006

: Und Schluss. Die Reform der Rechtschreibreform tritt in Kraft; was lehrt der lange Streit um »ss« oder »ß«? Die Zeit, , nr. 32 (612 wörter)
Auch die plötzlich verklärte alte Rechtschreibung war nur das Ergebnis einer vielfältig nachgebesserten, im Kern aber staatlich verordneten Reform vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Schriftsteller zuvor haben anders geschrieben; bei Fontane beispielsweise findet man all die Groß- und Getrennt­schreibungen, deren Übermaß man der jetzigen Reform zum Vorwurf macht.

2. 8. 2006

: Denkmal für die Rechtschreibreformer. Tages-Anzeiger, , s. 42, Kultur (46 wörter)
Für die Urheber der Rechtschreibreform hat die reformkritische Sprachzeitung «Deutsche Sprachwelt» ein Internetdenkmal geschaffen. Auf einer Homepage mit einer Gedenktafel […] stellt sie mit charakteristischen Zitaten die Hauptverantwortlichen der Reform vor.

Zitate im internet? Das haben wir schon lange: Das aktuelle zitat, frühere zitate.

1. 8. 2006

: Eine Reform, besser als nichts! Bild, , nr. 177, s. 2, Gast-Kommentar (191 wörter)
Die Reform ist, wie die meisten Reformen in Deutschland, wenn sie zurück­reformiert werden, besser als nichts. Vorher, als Reform, war sie schlechter. Also leben wir mit der Verbesserung und hoffen auf weitere Einsicht. Zurück in die Zukunft! Vorwärts in die Ver­gangenheit.

Gemeint ist natürlich nicht die vergangenheit, sondern die eigene bequemlichkeit. Vergangenheit könnte z. b. eigennamengrossschreibung bedeuten.

Die neue Rechtschreibreform. Ab heute im Abendblatt. Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (342 wörter)
Ab sofort finden Sie in Ihrem Hamburger Abendblatt nur noch Schreibungen, die sich im Rahmen der von den Kultus­ministern unumkehrbar verabschiedeten reformierten Recht­schreibung bewegen. […] Trotz Ablehnung der Reform können wir als Verlag nicht weiter­hin in einer Weise schreiben, die Kindern in der Schule zukünftig als fehlerhaft ange­strichen wird.
: Zur Gams gehört jetzt eine Gämse. Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (1155 wörter)
Da die Reformer insgesamt nur 0,5 Prozent des deutschen Wort­schatzes angefasst haben, wird sich das Erscheinungs­bild der Abendblatt-Texte nur in einer über­schaubaren Anzahl von Fällen ändern. Wir zeigen Ihnen hier in einer Auswahl, was sich geändert hat.
neu : Große Verwirrung. Leipziger Volkszeitung, , s. 1, Politik, Leitartikel
Man sollte dem Slogan, der auf Wahrigs Wörter­buch prangt ("Endlich Sicherheit") nicht allzu großes Vertrauen schenken, es wäre dies einiger­maßen fatal. Die vorläufig ange­nehmere Art, sich im Dickicht der deutschen Recht­schreibung zurecht­zufinden, ist letztlich philo­sophischer Natur, die Idee findet sich bei Nietzsche. Der gab einmal zu Protokoll, es gäbe keine Fakten, nur Inter­pretationen. Mit anderem Wort: Auf das Talent, Regeln klug anzuwenden, kommt es an. Nicht auf die Regeln an sich.
: Schreibreform lässt Firmen kalt. Erleichterung bei Buchverlagen über Ende des Streits; ansonsten geringes Interesse. Südkurier, , Wirtschaft
Die ab heute geltende Reform der Rechtschreibreform sorgt bei den Buchverlagen für Erleichterung. Doch den großen Rest der deutschen Unternehmen interessieren die Änderungen kaum. Das ist das Ergebnis einer Handelsblatt-Umfrage. […] "Wir wollten von Anfang an eine verständliche Entscheidung. Das Hin und Her hat den Verlagen geschadet", sagte eine Sprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buch­handels in Frankfurt. […] Einen Umsatzschub durch die neue Regelung erwarten die Schulbuchverlage nicht. "Die Etats der Schulen wachsen nicht. Und die Eltern halten sich mit Buchkäufen sowieso zurück", sagt Wolf-Rüdiger Feldmann, Geschäftsführer bei Cornelsen. Auch der Langenscheidt-Verlag in München rechnet nicht mit Impulsen. "Das wird kein Zusatz­geschäft. Wir erwarten durch die Rechtschreib­reform sogar unterm Strich ein Verlust­geschäft", sagte ein Sprecher des traditions­reichen Verlages.
: Das kreative Schreibchaos. Die neue Rechtschreibreform gibt der Sprache Luft zum Atmen. die tageszeitung, , nr. 8036, s. 9, Meinung und Diskussion, Kommentar (379 wörter)
In der Schreibanarchie, in der sich noch Goethe und Schiller austobten, sind wir damit zwar nicht angekommen. Aber die neu gewonnene Freiheit wird die Toleranz der Leser erhöhen, Schreibvarianten zu akzeptieren, die sie vorher noch nie gesehen haben. So könnte im Laufe der kommenden Jahrzehnte "von unten" das erreicht werden, was die Rechtschreibreform nie erreicht hat: die Orthografie sinnvoller und einfacher zu gestalten.
: Die Reform der Reform. Nach den Ferien müssen Deutschlands Schüler wieder umdenken: Ab heute wird die in einzelnen Punkten revidierte Rechtschreibreform Grundlage ihres Unterrichtes. die tageszeitung, , nr. 8036, s. 4, Themen des Tages (695 wörter)
Die jetzige Reform ist eine Reform der 1998er-Reform. Vor allem aber ist sie ein Schritt zurück. Nach jahrelangem Hickhack um Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung und Worttrennung wurden die größten Streitfälle umschifft: Nun sind in vielen Fällen beide Schreibweisen möglich. […] Wie sollen die Lehrer und Lehrerinnen die erneuten Änderungen vermitteln? Der stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, bereitet das keine Kopfschmerzen. […] Die jetzigen Veränderungen seien doch vergleichsweise "Peanuts". […] Den Schülern dürfte schwer zu vermitteln sein, dass es nun eine ganze Reihe von möglichen Schreibvarianten geben wird.
: So schreiben Sie richtig. die tageszeitung, , nr. 8036, s. 4, Themen des Tages (246 wörter)
Bei vielem/Vielem ist die Großschreibung Trend. Alle Adjektive, die in Kombination mit einem Substantiv irgendwas Eigenständiges ausdrücken sollen, dürfen großgeschrieben werden, selbst der Schwarze Mann im Schornstein, der Heilige Krieg egal welcher Religion, Kleine Anfragen, Große Koalitionen oder der Weiße Sport.

Einiges ist ganz neu. Der informationsgewinn ist gewaltig: Der "weisse Sport" ist ein gefärbter sport, also z. b. weisser fussball, dagegen handelt es sich beim "Weissen Sport" eindeutig um tennis oder eindeutig um schifahren. Oder wie oder was.

: "Wir müssen weiter diskutieren." Der Orthografiexperte Rolf Landolt hält die Rechtschreibreform für unfertig. die tageszeitung, , nr. 8036, s. 4, Themen des Tages, Interview (622 wörter)
Glauben Sie, dass es nach zehn Jahren Diskussionen um die Rechtschreibung überhaupt noch den Willen in der Bevölkerung für weitere Reformen gibt? Vielleicht eben gerade, weil man gesehen hat, dass zu viele Kompromisse auch nicht gut sind. Da könnte sich der Gedanke durchsetzen, dass man es beim nächsten Mal richtig macht.
Liebe Leserinnen und Leser. Die Welt, , nr. 177, s. 1 (210 wörter)
Immer wieder hatte die Axel Springer AG an die Vernunft der Politik und der Reformer appelliert, eine Korrektur der durch kultus­bürokratische Über­regulierung verursachten Fehlentwicklung der Rechtschreibreform vorzunehmen - leider vergeblich. Die im März 2006 endgültig beschlossene Reform erlaubt nun eine solche Vielzahl von Schreibvarianten, dass die Einheitlichkeit der deutschen Recht­schreibung gefährdet ist.

Überregulierung oder zu grosse vielzahl von schreibvarianten, also zu wenig regulierung? Den einen kann man es nie recht machen.