Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 27. 6. 2012 , 27. 1. 2012

Aus presse und internet

31. 10. 2005

: Auch die Groß- und Kleinschreibung. Der Rat für deutsche Rechtschreibung bestimmt seine Themen selbst und korrigiert mutig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 253, s. 12, Zeitgeschehen (656 wörter)
Bei der Trennung des "ck" konnte sich der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, […] Zehetmair (CSU), nicht durchsetzen. Es gibt also keine Rückkehr zur alten kk-Trennung […]. Für die weitere Arbeit des Rates ist nicht unerheblich, daß sich viele Praktiker, die nur ehrenamtlich im Rat sitzen, sprachwissenschaftlichen Argumenten verschließen. Das gilt etwa für ein weiteres Thema, das auf Antrag Österreichs neuerdings auch auf der Agenda des Rates steht: die ss-Schreibung. Vor kurzem hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, daß sich der Rat auch mit dieser Regelung noch einmal befaßt. Noch überraschender ist aber die Entscheidung des Rates, die Groß- und Kleinschreibung - jüngst von den Kultusministern als "unstrittig" bezeichnet und in den Schulen eingeführt - schon in der kommenden Sitzung zu behandeln.

29. 10. 2005

Mehr Kommas. Rechtschreibrat: Das Lesen erleichtern. Aargauer Zeitung, , s. 6 (222 wörter)
Beim Komplex Zeichensetzung wird wieder ein Komma bei einem erweiterten Infinitiv stehen. […] Zehetmair betonte jedoch, dass bei der Zeichensetzung eine Kann-Bestimmung für die Schulen vorgeschlagen werde.

Was dann genau das ist, was wir jetzt haben.

: Nachrichten. Mehr Kommas sollen helfen. Basler Zeitung, , s. 48, Letzte (116 wörter)
Der Rat für deutsche Rechtschreibung will mit neuen Vorschlägen das Lesen erleichtern.
: Die Reform der Reform. Der Bund, , s. 2, Meinungen, Punktum (264 wörter)
Nun gut, gleich alles kann dieser Rat für deutsche Rechtschreibung nicht anpacken. Er ist aber zuständig für die Reform der Rechtschreibreform — sicher eine sinnvolle Aufgabe, auch wenn man grundsätzlich Zweifel hegt, ob es seinerzeit richtig war, die Rechtschreibung überhaupt zu reformieren, und man sich Befürchtungen nicht ganz aus dem Kopf schlagen kann, dass nach der Reform der Reform ein neuer gescheiter Rat die Reform der Reform der Reform an die Hand nimmt.
: Rechtschreibung wieder lese-freundlicher. St. Galler Tagblatt, , s. 31 (148 wörter)
Mit den jetzt geplanten Änderungen zur Zeichensetzung und Silbentrennung sollen Sinnzusammenhänge wieder schneller erfasst werden können.

Der Tagesspiegel, 17. 6. 2005

: Ur-instinkt statt Urin-stinkt. Tages-Anzeiger, , s. 12, Kehrseite (168 wörter)
Zudem soll ck nicht mehr in kk getrennt werden, sondern wie beim Wort Dackel in Da-ckel.

Das freut aber die schüler — sie haben noch nie etwas von kk gehört.

: Rechtschreibrat: Mehr Kommata setzen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 252, s. 1, Politik (390 wörter)
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat weitere Empfehlungen zur Korrektur der Rechtschreibreform in den Bereichen Silbentrennung und Kommasetzung beschlossen. Es werde keine Abtrennung von Einzelbuchstaben mehr geben, sagte der Ratsvorsitzende und frühere bayerische Kultusminister Zehetmair (CSU) am Freitag nach einer Sitzung des Gremiums in Mannheim.
: Rechtschreibrat empfiehlt: Wieder mehr Kommas setzen. Die Welt, , nr. 253, s. 4, Deutschland (140 wörter)
Der Rat für deutsche Rechtschreibung will auch bei der Zeichensetzung und Silbentrennung den Sprachgebrauch wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. […] Außerdem sollen wieder mehr Kommas gesetzt werden, damit die Leser Sinnzusammenhänge leichter erfassen können.

Sprachgebrauch? Schreibgebrauch? Wenn zwischen dem schreiber und dem leser ein interessengegensatz besteht, wer ist dann der beste anwalt des lesers? Der schreiber!

28. 10. 2005

Das Ende des E-sels. FAZ.NET, , Politik (236 wörter)
So solle Urinstinkt nicht mehr „Urin-stinkt” und Analphabet nicht mehr „Anal-phabet” getrennt werden dürfen, sagte Zehetmair.

Und wie will herr Zehetmair das erreichen? Mit einer neuen, zusätzlichen regel? Die alten regeln konnten die beiden trennungen nicht verhindern. „In-stinkt” und „Al-phabet” waren korrekt. Die neuen regeln sind sogar besser: „Urins-tinkt”! Also, was soll das ganze? Übrigens kann man die wörter auch unklar aussprechen; nun wird wohl eine regel erfunden, die eine falsche aussprache verbietet.

: Die schöne Haut der Sprache. Horst Haider Munske weiß, warum wir schreiben, wie wir schreiben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 251, s. 38, Feuilleton (1003 wörter)
Die Unbrauchbarkeit der betreffenden Regeln ist zwar längst bekannt, aber dieser Umstand ist bis zu den verantwortlichen Politikern offenbar noch immer nicht vorgedrungen. Da könnte das neue Buch von Horst Haider Munske Abhilfe schaffen. Es ist ein Zaubermittel, denn es verhilft zum klaren Blick. […] Munske befiehlt nichts, er versucht zu verstehen. Er möchte zeigen, daß das, was dem Schreiber Schwierigkeiten macht, dem Leser das Verstehen erleichtert. Seine Haupterkenntnis ist, daß unser Schreibsystem von "unsichtbarer Hand" in dieser Richtung verändert wurde […]. Horst Haider Munske hat ein durch und durch lesenswertes Büchlein geschrieben, ein Büchlein der Freiheit. Er vertritt mit ihm die Freiheit der Sprache und stellt sich so, ohne es eigentlich zum Ziel zu haben, gegen die Regelungswut der Rechtschreibreform.

27. 10. 2005

: Was ein As war, ist nun ein Ass. Adliswil: Seit zwei Monaten gilt die Rechtschreibreform — mehr oder weniger. Sihltaler, , s. 3 (844 wörter)
Der Computer und die entsprechenden Rechtschreibe- und Grammatikhilfen seien zudem ein geeignetes Mittel, um im Unterricht die neuen Regeln anzuwenden und zu vermitteln, bestätigt Heinz Stadler, der letztlich den neuen Schreibregeln auch Positives abzugewinnen vermag: «Die Reform hat ja durchaus auch einiges endlich ins Lot gebrachte wie zum Beispiel, dass wir nummerieren mit Doppel-M schreiben oder platzieren genau gleich wie das Nomen ‹Platz› mit tz. Hätte ich wählen können, so wäre ich weiter gegangen und hätte das gemässigte Kleinschreiben durchgesetzt.
Auch Groß- und Kleinschreibung auf dem Prüfstand. Spiegel Online, (222 wörter)
Bei der Rats-Sitzung am Freitag in Mannheim will der Reformgegner Theodor Ickler dem Blatt zufolge beantragen, dass der Rat über Reform­schreibweisen wie "heute Abend" (vor der Reform: heute abend) und "im Übrigen" (im übrigen) diskutiert. Der Erlanger Sprach­wissenschaftler will eine weitgehende Rücknahme der Reform erreichen - auch bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung (Stengel statt heute Stängel) sowie bei den ss- und ß-Schreibungen sollten wieder die alten Regeln gelten.

25. 10. 2005

: Zur Politikverdrossenheit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 248, s. 11, Briefe an die Herausgeber (70 wörter)
Die unsägliche Rechtschreibreform und die dreiste Art und Weise, wie diese umgesetzt wird, tragen meines Erachtens erheblich zur Politikverdrossenheit und insgesamt eher depressiven Grundstimmung in diesem Land bei.

22. 10. 2005

: Kochs Zickzackkurs. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 246, s. 68, Frankfurt (281 wörter)
Wie Jochen Nagel […] die Kultusministerin Karin Wolff ausgerechnet bezüglich der Rechtschreibreform lobt, "daß sie diesen überflüssigen Zickzackkurs nicht mitgemacht hat", […] stellt die Tatsachen auf den Kopf. […] Koch hat nämlich in einem Brief vom 14. September 1995 - im übrigen zusammen mit Christoph Böhr, Peter Müller, Günther H. Oettinger und Christian Wulff, seinerzeit alle Fraktionsvorsitzende der CDU in ihren jeweiligen Landtagen - den damaligen Bundesinnenminister Kanther gebeten, "die Zustimmung zur Inkraftsetzung der neuen Rechtschreibregeln nicht zu erteilen". […] Recht so, nur hätten diese Politiker nunmehr die Gelegenheit gehabt, sich ohne Zögern ihren Kollegen Edmund Stoiber und Jürgen Rüttgers anzuschließen, die ja vor einigen Wochen einen verheißungsvollen Anlauf genommen und den Wahnsinn der Durchsetzung einer halbfertigen Reform in ihren Ländern gestoppt haben.

20. 10. 2005

Kulturschaffende reagieren auf die Wahl von Annoni. Tages-Anzeiger, , s. 5, Inland
Christoph Simon: «Der Berner Oberlehrer wird nun also Oberkulturförderer. Er hat im Kanton Bern die Übergangsfrist für die neue Rechtschreibung verlängert und sich so für die Vielfalt und die Freiheit des Ausdrucks eingesetzt. […]»

18. 10. 2005

: Der Orient und seine «versiegelte» Zeit. Tages-Anzeiger, , s. 52, Kultur
Die alles beeinflussende Religion in der islamischen Welt bewirkt, dass sich bis heute kein Verständnis von Fortschritt entwickelt hat. Dies zeigt eine grosse Studie von Dan Diner. […] Der Hochkultur folgt Stillstand. […] Die Zeit blieb stehen, um im Bild von Diner zu bleiben. Eine entscheidende Rolle misst der Historiker dem Buchdruck zu beziehungsweise der Tatsache, dass die islamische Welt ihn erst mit einer dreihundertjährigen Verspätung nachvollzog. […] die Hochsprache, die Sprache des Korans, sollte nicht durch mechanische Reproduktion entheiligt werden. So unterblieb die für die Entwicklung notwendige Reform der Sprache, damit sie sich für profanen Druck geeignet hätte. […] Dazu kam und kommt jene Mentalität, die rückwärts gewandt blieb. Gehören im Abendland seit der Neuzeit Entwicklung und Bewegung zum geschichtlichen Verständnis, ist die Zeit im Kontext des Islam, so Diner, sakral versiegelt.

Stillstand, ja eine sakrale versiegelung drohen auch unserer rechtschreibung, wenn es nach dem willen einiger reformgegner geht, die selbst vor religiösen argumenten nicht zurückschrecken.

17. 10. 2005

neu Konsekwent voor vereenvoudiging. , , jaargang 32, Veto 3204
Vorige week donderdag werd de nieuwe ‘Groene Bijbel’ voorgesteld. Zo schrijven we voortaan ‘paardebloem’ met een tussen-n. Minder uitzonderingen betekent een vereenvoudiging die niet alleen juffen en meesters in de lagere scholen met open armen zullen ontvangen. De Nederlandse taal is immers al komplex genoeg.

14. 10. 2005

: Der Lehrer hat immer r/Recht. Der Schweizerische Beobachter, , nr. 21, s. 44 bis 47, Brennpunkt (1062 wörter)
Die heutigen Schülerinnen und Schüler sind in der neuen deutschen Rechtschreibung oft sattelfester als die Lehrer, weil sie sich gar nicht bewusst sind, dass es eine Alternative geben könnte.» Livius Fordschmid, Deutschlehrer an der Kantonsschule Alpenquai in Luzern, hat wenig Verständnis für den Aufruhr, der momentan um die Rechtschreibreform gemacht wird. […] «Dass der Kanton Bern sich vorerst vom Entscheid der EDK distanziert hat, kann für den einzelnen Schüler Nachteile haben», sagt Lehrerverbandspräsident Zemp, «etwa dann, wenn eine Familie den Kanton wechselt.» Wenn es im gleichen Land verschiedene Richtlinien zur Rechtschreibung gebe, helfe das letztlich keiner der Parteien. […] EDK-Präsident Stöckling ist weniger besorgt: «Natürlich ist der Entscheid der Berner kein Musterbeispiel von Föderalismus, aber ein echtes Problem ist es auch nicht.»
Neue deutsche Rechtschreibung: Wer macht was? Der Schweizerische Beobachter, , nr. 21, s. 46, Brennpunkt, nebenartikel
Da die Reform nur für Schulen und Behörden verbindlich ist, darf der grosse Rest der Bevölkerung auch weiterhin jene Rechtschreibung anwenden, die ihm am besten passt. Diese Freiheit steht auch den Buch- und Presseverlagen zu. […] Diogenes – der grösste Schweizer Buchverlag – druckt Bücher für Erwachsene weiterhin nach alter, Kinderbücher aber nach neuer Rechtschreibung. Der Beobachter hält sich – mit wenigen Ausnahmen – an die neue Rechtschreibung.
: Reformgegnerin. Josephine Ahrens. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 239, s. 48, Feuilleton (533 wörter)
Den Überblick über die juristischen Schritte, die sie mit ihren Eltern seit 1998 gegangen ist, hat sie im Laufe der Zeit selbst verloren. […] Vor allem ärgert sie die Willkür, mit der die neuen Regeln verfaßt wurden. Manchmal sogar so sehr, daß sie die "sogenannten Experten" am liebsten besuchen und ihnen Ohrfeigen verpassen würde, um ihrer Wut über deren "stümperhafte Arbeit" Luft zu machen.

11. 10. 2005

: Der nette Herr Wulff. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 236, s. 21, Unternehmen
Von Schröder hat sich der 46 Jahre alte Jurist abgeschaut, wie man geschickt Themen besetzt. So stellte sich Wulff im Sommer an die Spitze der Gegner der Rechtschreibreform und drohte mit dem Ausstieg aus der Kultusministerkonferenz.

9. 10. 2005

: Lebensentwürfe aus dem Handgepäck. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 40, s. 59, Gesellschaft
Ich stelle das Radio schnell wieder aus, denn meine Freundin haßt Deutschlandfunk. Seit es diese dusselige Rechtschreibreform gibt, weiß ich nicht mehr, ob sie den Deutschlandfunk hasst oder haßt. Heißt es jetzt dußelig? Ich bin mir nicht sicher. Ich bin mir schon ziemlich lange nicht mehr sicher.

7. 10. 2005

: "Die arbeiten mit Tricks." Interview zur neuen Rechtschreibung. Spiegel Online, , UniSpiegel
Die Oldenburger Schülerin Josephine Ahrens, 16, klagte gegen die Rechtschreibreform - und bekam Recht. Im SchulSPIEGEL-Interview erzählt sie, warum sie sich von den Gerichten trotzdem übers Ohr gehauen fühlt und was ihr an den neuen Regeln nicht passt. […] Die Hauptsache ist vom Gericht noch nicht beschlossen. Ich hoffe, dass möglichst bald ein Urteil gefällt wird, bevor ich aus der Schule raus bin. Sonst entfällt der Klagegrund, und das Ganze wird zu den Akten gelegt. Meiner Meinung nach wurde da mit Tricks gearbeitet: Man schiebt meinen Fall so lange auf, bis er sich von selbst erledigt.
neu : Kurt Reumann, ein Journalist gegen die Rechtschreibreform. , , Forum
Reumann ist einer der wenigen Journalisten, die über die Rechtschreibreform berichteten und sie kommentierten. Er trug wesentlich dazu bei, daß die Rechtschreibreform in der FAZ auch von fremden Autoren kommentiert wurde.

4. 10. 2005

: Rechtschreibreform erneut vor Gericht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 230, s. 15, Briefe an die Herausgeber (559 wörter)
Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat mit seinem Beschluß vom 13. September einen Weg aufgezeigt, auf dem die Rechtschreibreform doch noch juristisch gestoppt werden könnte. […] Bleibt die herkömmliche Orthographie jedoch außerhalb der Schule weiterhin die allgemein übliche, sind die Schulen dauerhaft verpflichtet, beide Schreib­weisen zu lehren. Diese absurde Situation müßte dann wohl selbst die Kultusministerkonferenz zu der Einsicht bringen, daß eine Weiter­führung der Reform sinnlos ist und die von ihr selbst als notwendig beschworene Einheitlichkeit der Rechtschreibung nur dadurch erreicht werden kann und muß, daß sie ihre Beschlüsse zur Einführung der Rechtschreib­reform zurücknimmt.

Und dann sollte man endlich die leute vor den richter zerren, die die substantvgrossschreibung eingeführt haben.

1. 10. 2005

: Frankfurter Gesichter: Jochen Nagel. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 229, s. 68, Rhein-Main-Zeitung, Frankfurt
Verbissenheit ist dem Vater von zwei Kindern trotz soviel Gerechtigkeitsstreben allerdings fremd. Er habe überhaupt kein Problem damit, die CDU-Politikerin und Kultusministerin Karin Wolff zu loben, sagt Nagel und beweist es sogleich. Die Sache mit der Rechtschreibreform, "daß sie diesen überflüssigen Zickzackkurs nicht mitgemacht hat, das war gut".

30. 9. 2005

: Erst zerrüttet die Sprache, dann der Rest. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 228, s. 36, Feuilleton
Sprachstörungen, Sprachlosigkeiten, Ausdrucksarmut sind das Kennzeichen unserer Tage. Statt an der Rechtschreibung herumzudoktern, sollte man den Menschen von heute lieber ein Vokabelheft verordnen, in das sie jeden Tag zehn ihnen unbekannte deutsche Wörter eintragen müssen, damit sich ihr aktiver Wortschatz und damit ihre Ausdrucksfähigkeit erhöht.

Statt? Man?

29. 9. 2005

: Der Vorgesetzte Bonns. Alfred Grossers Einsichten über Frankreich und dessen Rolle. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 227, s. 7, Politische Bücher
Der Eindruck der Fremdartigkeit verstärkt sich noch, wenn man an anderer Stelle liest, welche Bedeutung Diktate nicht nur im Unterricht haben, sondern auch als das ganze Lande erfassender, vom Fernsehen übertragener Wettbewerb, an dem Hunderttausende teilnehmen. Kann man sich das in Deutschland vorstellen, wo das Diktat das Haßobjekt der Gesamtschulideologen darstellt? Bei diesem wachen Sinn für die Hochsprache kann es nicht überraschen, daß der "schier endlose Kampf" um die Rechtschreibreform "von Frankreich aus unverständlich ist".

28. 9. 2005

: Es lebe die babylonische Sprachverwirrung. Der Landbote, , s. 29, Leben (431 wörter)
Thalmayrs Leidenschaft irritiert andererseits da, wo er zu polemischen Rundschlägen gegen Rechtschreibereform und Duden-Grammatik ausholt. Wie wir längst wissen, verbirgt sich hinter dem Thalmayr-Pseudonym der Dichter und Essayist Hans Magnus Enzensberger, der seit längerem gegen die Duden-Reform ankämpft, als ob sie den Reichtum der Sprache kaputtregeln würde. […] Die Reform zielt ja nicht darauf ab, neue Regeln aufzubauen, sondern die alte Fehlerpaukerei einzudämmen und neuen Generationen von Kindern die Angst vor einer vitalen Sprache zu nehmen. Diesbezüglich verirrt sich Thalmayr/Enzensberger starrsinnig in unnötiger Polemik.

27. 9. 2005

: Deutsche Sprachnormierung in Zugzwang. Ein Dreiphasenmodell als mögliche Lehrmethode. Neue Zürcher Zeitung, , 226. jg., nr. 225, s. 63, Bildung und Erziehung (1291 wörter)
Die Krise der deutschen Orthographiereform ist nur ein Aspekt eines grundlegenden Problems einer unserer Landessprachen. Der Erwerb der Muttersprache sollte grundsätzlich ein dreiphasiges Didaktikmodell erhalten, das in seinem flexiblen Aufbau auch individuelle Abweichungen berücksichtigt. Dadurch wird die Bedeutung der Orthographie relativiert und die ungemütliche Lage besonders des Deutschunterrichts entschärft. […] Die Orthographiereform ist an sich besser als ihr Ruf. Die vielen Wahlmöglichkeiten, wie z. B. in der Zusammen- und Getrenntschreibung, lassen eigentlich das ehrliche Eingeständnis zu, dass Normen eben an Grenzen stossen.

22. 9. 2005

: Duden dient nur zur Dekoration. Rechtschreibereform: Die Klasse 3H der Kanti Baden beim Aufsatzschreiben beobachtet. Aargauer Zeitung, MLZ, , s. 27, Aargau (748 wörter)
Kaum eine Reform hat für so viel Aufregung gesorgt wie die Neuregelung der Rechtschreibung. Bei der Umsetzung ist davon wenig zu spüren. […] Die meisten der Klasse wissen, dass jetzt nur noch die neuen Regeln gelten, nervös sind sie deswegen aber nicht. […] Alle drei fühlen sich bestätigt: Die Noten bewegen sich im Rahmen des Gewohnten. «Viel hat sich nicht verändert», sagt auch Lehrer Anthamatten. Die Hauptfehlerquelle sei weiterhin die Gross- und Klein- sowie Zusammen- und Getrenntschreibung. «Auffallend ist, dass die Kommasetzung plötzlich kein Problem mehr ist.»

21. 9. 2005

: Der stille Reserve-Kanzler in Hannover. Christian Wulff: Kommt er für Merkel? Hamburger Abendblatt, , Politik
Er hat nicht nur schwindelerregende Popularitätswerte für einen Ministerpräsidenten, auch im Detail entsprechen die Umfragezahlen genau dem Anforderungsprofil für einen CDU-Frontmann: hohe Akzeptanz bis weit hinein in die Reihen der Wähler, die eigentlich andere Parteien bevorzugen. Erreicht hat er dies mit hoher Präsenz im eigenen Land […]. Das Salz in der Suppe aber sind publikumswirksame Provokationen wie sein Anrennen gegen die Rechtschreibreform oder das vermeintlich bürokratische Monster Kultusministerkonferenz. Solche Aktionen gefielen, und die Konsequenzen waren stets kalkuliert - also beherrschbar.

20. 9. 2005

: Freizügigkeit orthografisch. Lackmustest: Das Abstimmungsbüchlein zum 25. September im Licht der Rechtschreibreform. St. Galler Tagblatt, , s. 25, Kultur (591 wörter)
Das Abstimmungsbüchlein ist nämlich die erste offzielle Schrift, die uns ist Haus flatterte, seit am 1. August die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung für Schulen und Staat rechtskräftig geworden ist. Um es gleich vorweg zu sagen: Man muss sie suchen, die «reformierten Fälle», denn viele sind es nicht. […] Auch hier spielen die Autoren des Abstimmungsbüchleins also mit dem Freiraum, den die Regeln lassen, um verständlicher zu sein. Aufs Ganze gesehen ist die amtliche Rechtschreibung ein gut eidgenössischer Kompromiss: Man verhält sich regelkonform, nimmt aber bei Wahlfreiheit lieber das Bewährte.
: "Wir brauchen eine Kulturrevolution." Der Maler Jörg Immendorff über Deutschlands Zukunft, Bildung und neue Malerei. Die Welt, , s. 33, Kultur
Mit Reformen ist der allgemeinen Entwicklung nicht mehr beizukommen. Nehmen wir einmal das innerhalb Deutschland noch nicht standardisierte Abitur im globalisierten, erweiterten Europa. Oder die Rechtschreibreform, ein Moloch in Zeiten knapper Kassen, mit ungeheuerlichem ökonomischem Aufwand gegen die Betroffenen durchgezogen.
: Bitte mit Majonäse. Der Kinderkanal ließ höfliche Reporter ausschwärmen. Süddeutsche Zeitung, , s. 23, Medien
Dann schwärmen die Kinder-Reporter Peter und Paul aus, um dem Kanzler, der Kandidatin und anderen Politikern die wirklich wichtige Frage zu stellen: Wie wird das Wort, das früher Mayonnaise hieß, nach der neuen Rechtschreibung geschrieben? Der Kanzler war nett, weil der Reporter höflich war, schrieb das Wort aber zweimal falsch. Auch Gregor Gysi wusste es partout nicht und schaute bedröppelt. Richtig lagen nur zwei Frauen: Angela Merkel und Renate Künast tippten auf „Majonäse“ – das stimmt merkwürdigerweise.

17. 9. 2005

: Wer herkömmlich schreibt, macht keinen Fehler. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 217, s. 1, Politik (154 wörter)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg hat Gegner der Rechtschreibreform gestärkt. Das Gericht gab einer Schülerin aus Oldenburg teilweise recht, die weiter alte Schreibweisen verwenden will, ohne sie in Klassenarbeiten als Fehler angestrichen zu bekommen.

16. 9. 2005

: Weshalb die ganze Aufregung? Berner Zeitung, , s. 9, Ihre Seite (366 wörter)
Viele der vergangenen Sommertage konnten, mangels wichtiger Nachrichten, angenehm verbracht werden unter anderem mit der Lektüre von Leserbriefen zum Thema neue Rechtschreibung.
: Apostrophitis. Tages-Anzeiger, , s. 28, Leserforum (45 wörter)
Ein Beispiel: «Bitte nicht's hineinwerfen, wird gerade geleert». So gelesen beim Pet-Sammelbehälter in der Migros-Filiale am Limmatplatz in Zürich.

12. 9. 2005

: Bern verlängert Rechtschreibfrist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 212, s. 4, Politik (249 wörter)
Der Kanton hat sich damit Bayern und Nordrhein-Westfalen angeschlossen und das Moratorium verfügt, das Lehrer in der Schweiz und Deutschland gefordert hatten.
: Nichts ersetzt die Muttersprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 212, s. 11, Briefe an die Herausgeber
Versuchen nicht unsere Repräsentanten in Brüssel und anderswo bei ihren Reisen in die Welt mit ihrem angelernten Englisch zu brillieren? Wie wenig ihnen die deutsche Sprache wert ist, mag man dem Hin und Her in der Rechtschreibreform entnehmen.

11. 9. 2005

: Eine Vertrauenssache. Thüringische Landeszeitung,
Wie oft wir hier auch schon gegen dieses Bubenstück gewettert haben - heute nehmen wir alles zurück und behaupten das Gegenteil: Weil die Rechtschreibreform den realen Zustand der deutschen Sprache erfasst und ihren Trend auslotet, darf sie als das Standardwerk der Verwahrlosung unserer Sprachheimat gefeiert werden. Sie fügt endlich zusammen, was zusammen gehört, und zeigt uns als das, was wir längst sind: Anglisierte, global und digital heimatlos gewordene, virtuelle Nomaden der Sprache.

9. 9. 2005

: Die alte Schreibweise gilt noch nicht als Fehler. Berner Zeitung, , Kanton Bern (215 wörter)
Dass der Kanton Bern bei der neuen Rechtschreibung noch nicht mitmacht, wird vom Grossen Rat begrüsst. […] Weiterhin gelten die Bestimmungen von 1998. Will heissen: Der Unterricht darf zwar nach den neuen Regeln der Rechtschreibung erfolgen, jedoch dürfen die alten Schreibweisen nicht als Fehler gewertet werden. […] Mit 81 zu 40 Stimmen sagte der Grosse Rat zudem Ja zur Forderung, wonach die bernische Regierung die Schweizerischen Erziehungsdirektoren vor einer «übereilten Einführung der Rechtschreibreform» warnen solle.

Zu warnen ist vor übereilter grossschreibung: die schweizerischen Erziehungsdirektoren.

8. 9. 2005

Bern verlängert die Übergangsfrist für die neue Rechtschreibung. 20min.ch, (232 wörter)
Die EDK will die Übergangsfrist nur noch teilweise verlängern und zwar in den Bereichen, die heute umstritten sind. […] Der Kanton Bern verlängert die Übergangsfrist hingegen nicht nur in Teilbereichen, sondern für das gesamte Regelwerk. Die Berner Schülerinnen und Schüler werden damit nach den Regeln der neuen Rechtschreibung unterrichtet, doch alte Schreibweisen gelten nach wie vor nicht als Fehler.
: Wulffs Rezept. Warum ist er so beliebt? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 209, s. 4, Politik
Auch auf anderen Politikfeldern wußte Wulff immer wieder Schlagzeilen zu machen, die ihn nichts kosteten. So stellte sich Wulff an die Spitze der Gegner der Rechtschreibreform. Als sich dann aber die Möglichkeit bot, gemeinsam mit Bayern und Nordrhein-Westfalen die Reformen aufzuhalten, räumte Wulff die Stellung ebenso rasch und verteidigte seinen Rückzieher mit der formalen Begründung, die Korrektur der Beschlüsse der Kultusminister durch die Ministerpräsidenten wäre nur einstimmig möglich gewesen - als hätte er nicht seinen Kultusminister Busemann die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz mitbeschließen lassen.

7. 9. 2005

: Raus aus dem Sumpf! Berner Zeitung, , Leserbriefe (88 wörter)
Ich hoffe, dass beim Überarbeiten der neuen Regeln der gesunde Menschenverstand walten möge, damit wir wieder festen Boden unter die Füsse kriegen.

5. 9. 2005

: Deutsche Sprach, schwere Sprach. Aargauer Zeitung, MZ, , s. 2, Gastkolumne (369 wörter)
Eigentlich ist doch längst die Zeit reif, um die generelle Kleinschreibung einzuführen. Dies wäre eine echte Erleichterung und würde die deutsche Sprach den anderen westlichen Sprachen um einiges näher bringen. Zudem glaube ich kaum, dass sich die Herren Goethe und Schiller im Grabe umdrehen würden. Und wenn auch!
: Statt «ordre» «désordre». Berner Zeitung, , s. 32, Kanton Bern (140 wörter)
Die Quintessenz aller negativen Stellungnahmen zu dieser lächerlichen Reform bleibt: Was hatten sich die deutschen Politiker in die Rechtschreibung einzumischen? Zum Vergleich: Im Französischen ist neben «clef» auch «clé» erlaubt; aber diese Version wurde akzeptiert, weil immer mehr Leute «clé» schrieben, nicht wegen einer obrigkeitlichen Verordnung!

2. 9. 2005

: „Wir werden Spielräume schaffen.“ Was die CDU-Politikerin Annette Schavan für Bildung und Wissenschaft plant. Der Tagesspiegel, , Wissen & Forschen
Gerade wenn der Bund sich aus der Bildung zurückzieht, braucht Deutschland eine schlagkräftige Kultusministerkonferenz. Doch die Kultusminister werden von einigen Länderchefs nicht akzeptiert. Bayern und NRW gehen eigene Wege in der Rechtschreibreform, der Beschluss zur Exzellenzinitiative der Unis wurde von Hessen blockiert. Schreien solche Alleingänge nicht nach mehr Zentralismus? (Schavan:) Nein. Der Schlüssel für Qualitätsverbesserungen liegt im Wettbewerb des Föderalismus und – das darf nicht unterschätzt werden – natürlich in der Verständigung zwischen Bund und Ländern über Entwicklungen in der Bildung.