Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 2017-5-24

Aus presse und internet

31. 7. 2004

: Je Sommer, desto konflikter. Neues Deutschland, , Berlin/Brandenburg
In Sommerlöchern wird alles wichtig, sonst werden Zeitungen nicht voll. […] Ein Kuddelmuddel an Konflikten, wie beim Thema Rechtschreib­reform nicht anders zu erwarten, entstand parteien­querbeet. Als Bildungs­senator zuständig, zeigte sich Klaus Böger »verblüfft«. Er habe zwar selbst Mühe mit den neuen Regeln, aber »Sprache ist ein lebendiger Prozess«. Das sieht der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ganz anders, er will, dass an der Reform nicht mehr gerüttelt wird. Dessen Landes­parteichef Müller hat sich praktischerweise für eine Mischung aus Alt und Neu entschieden. Und Kultur­senator Thomas Flierl fände eine »vorsichtige Reform der Reform« nicht schlecht. Gut, dass privat jeder schreiben kann, wie er will.
: „Deutsche Hanswurstiade.“ Süddeutsche Zeitung, ausgabe Wolfratshausen, , s. R2 (283 wörter)
Gerhard Augst verweist auf eine Erhebung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Derzufolge kamen im Jahr 2002 rund 75 Prozent der neu erscheinenden Bücher mit der neuen Rechtschreibung auf den Markt. Daran sei deutlich erkennbar, findet er, dass sich die neue Recht­schreibung flächendeckend durchgesetzt habe. Die derzeitige Aufregung sei daher völlig unangemessen, die Reaktionen einiger Ministerpräsidenten „merkwürdig“. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger wirft Lehrern vor, „sklavisch“ an unsinnigen Vorschriften festzuhalten. Verleger und Redakteure wiederum hätten sich in voraus­eilendem Gehorsam dieser „deutschen Hanswurstiade“ gebeugt.
: Alles, was Recht ist. Wem die deutsche Sprache wirklich am Herzen liegt, der hat Wichtigeres zu tun, als Schreibreformen zu reformieren, meint Franzobel. Die Welt, , nr. 177, Literarische Welt, s. 1 (1299 wörter)
Nun ist die einheitlich normierte Rechtschreibung im Deutschen gerade einmal 100 Jahre alt, sind diese Dinge eher Lappalien oder, sofern sie nicht schon längst unmerklich in Fleisch und Sprachblut übergegangen sind, wenigstens an einem Vormittag erlernbar. Von der ursprünglichen Forderung nach einer konsequenten Kleinschreibung, einer phonetischen Transkription und der Abschaffung des Beistrichs war dieser Reförmling ja sowieso noch weit entfernt, trotzdem wurden ein paar Freiräume geschaffen, die jetzt zu revidieren völlig blödsinnig wäre. Ohne gleich Zé de Rocks "Neusprach" zu verfallen, wäre statt der Rücknahme eher eine zweite, konsequentere Reform zu überdenken. […] Diskussions­würdiger ist eher, ob eine normierende Rechtschreibung, die rechtsprecherisch unentwegt in falsch und richtig einteilt, überhaupt Sinn ergibt - ob es nicht vernünftig wäre, die an die korrekte Rechtschreibung geknüpften Vorurteile und Bewertungen zu hinter­fragen. Denn von dieser oder auch der nächsten Rechtschreib­reform wird die deutsche Sprache kaum und die Dichtung schon überhaupt nicht bedroht, da machen mir die Budget­kürzungen der Goethe-Institute, der Abbau der Auslandslektorate, der Kulturteil- und Feuilleton-Schwund sowie die Total-Anglisierung schon größere Sorgen.

30. 7. 2004

: Unvermutet Oberwasser. Gegner der Rechtschreibreform gestärkt. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 175, s. 40, Feuilleton (356 wörter)
Es ist schon erstaunlich, was für Tiraden die Rechtschreibreform auf sich zieht. Als skrupellose «Mafia, die sich vor Jahren in irgendwelchen Hinterzimmern zusammen­gerottet hat, um mit der deutschen Sprache gründlich aufzuräumen», sahen sich die Betreiber der Reform vergangenen Montag in der «FAZ» beschimpft. Die politisch verantwortlichen Kultusminister seien Legastheniker und Ignoranten, die ihnen gehorchenden Schullehrer servile Feiglinge, schäumte Hans Magnus Enzens­berger. Vielleicht muss man Schrift­steller sein, um über Misshandlungen des Sprachkörpers, wie sie die Reform verübt, derart die Contenance zu verlieren.

Vielleicht könnte man bei dieser gelegenheit erkennen, wer hier was verübt.

: Vorschlag zur Güte. Oltner Tagblatt, , Front, Kommentar (321 wörter)
Unlogische Schreibweisen sind durch plausiblere, eingänglichere zu ersetzen. Aber die verheissene Befreiung von wirklichen oder vermeintlichen Fallstricken will, milde ausgedrückt, nur partiell gelingen. […] Und ein derart un­ausgegorenes, in­effizientes und unpopuläres Reformwerk soll am 1. August 2005 für Schulen und Universitäten verbindlich werden. Positiv ausgedrückt bleibt also noch ein Jahr Zeit, das Beste daraus zu machen. Vernünftige, auch gefühlsmässig überzeugende Anpassungen sind beizubehalten; absurde, erzwungen wirkende Neuerungen hingegen zu widerrufen. […] Wer das Sprachempfinden fördern und respektieren will, darf es nicht einer abgehobenen Prinzipien­reiterei unterwerfen.
: Aus Fehlern nichts gelernt. Die KMK schreibt Recht: Eine Bilanz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 175, s. 31, Feuilleton (1450 wörter)
Woran die Reform eigentlich krankt, das drückt die Beschlußvorlage der KMK sehr deutlich aus. Sie nennt es "das tragende Prinzip der Neuregelung, die korrekte Schreibung möglichst von einer Regel ableiten zu können". In Wirklichkeit leitet kein Schreibkundiger die korrekte Schreibung von Regeln ab; die Regeln, wie sie etwa im Duden stehen, sind den meisten Duden­benutzern unbekannt. Regeln werden aus dem Usus abstrahiert, sie sind sozusagen die Theorie zu den Tatsachen der Ortho­graphie. Theorien können falsch sein, Tatsachen nicht. Die Reformer sind aber erklärter­maßen ausgezogen, die Wirklichkeit im Namen ihrer Theorien zu "korrigieren" und dafür die "Regelungsgewalt" des Staates in Anspruch zu nehmen. Das ist fehl­geschlagen, mußte fehlschlagen. Aber selbst das Bundes­verfassungsgericht, das dieses bedenkliche Vorgehen aufgrund eines falschen Bildes von der Sprache genehmigte, verbietet nicht, aus Fehlern zu lernen.
: Bitte um ein bisschen Anarchie. Die Welt, , s. 8, Forum, Kolumne (616 wörter)
[…] wenn von den Verteidigern der alten Orthographie an ausgesuchten Beispielen die Dummheit der Reform mit einem Scharfsinn vorgeführt wird, der schon fast fürchten lässt, weil man eine in Kompetenz und Präzision verwandelte Wut und Aggressivität spürt, die mir zwar deplatziert vorkommt, aber sehr real ist. […] Besser als früher kann ich mir inzwischen vorstellen — um doch auch einmal zu großen Worten zu greifen —, wie Religions­kriege einmal geführt oder mit welchem persönlichen Einsatz und mit welcher Erbitterung Weltanschauungen im 20. Jahrhundert vertreten wurden.

29. 7. 2004

: Die Deutschen mehrheitlich gegen die Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , s. 2, Ausland (132 wörter)
Vor allem Bürgerinnen und Bürger mittleren und höheren Alters wollten zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Bei der Umfrage waren nur die unter 30-Jährigen mehr­heitlich für die Beibehaltung der neuen Schreibweise.
: Die Reform erneut ein Thema der deutschen Kultusminister. Neue Zürcher Zeitung, , s. 2, Ausland (72 wörter)
Nach einem entsprechenden Antrag des saarländischen Kultusministers Schreier von der CDU wird die Reform Tagesordnungs­punkt der nächsten KMK-Sitzung am 14. und 15. Oktober sein.
: Deutsches Sommertheater. Soll die Rechtschreibreform wieder zurückgenommen werden? Tages-Anzeiger, , s. 7, Analyse (854 wörter)
Die Reform allerdings, die 1998 […] eingeführt wurde, hat viele Schwächen — was auch daran liegt, dass in einem schmerzhaften Abstimmungsprozess ein Kompromiss nach dem anderen gemacht wurde. Dieser Prozess setzte sich nach 1998 fort; in der Praxis zeigten sich Ungereimtheiten und Widersprüche […]. Im vergangenen Jahr beschloss die deutsche Kultusminister­konferenz eine Reihe von Modifizierungen und erlaubte Schreibweisen, die sie zuvor abgeschafft hatte. Diese Modifizierungen bewegten sich (wie überhaupt die ganze Reform) im minimalen — für Mathematiker: im infinitesimalen — Bereich. […] Weil so wenig verändert wurde, konnte sie die Reform­willigen nicht überzeugen, die Konservativen aber empören. […] Drittens haben die Reformer nie die Meinungs­führerschaft erlangen können — was übrigens für alle in Deutschland gegenwärtig diskutierten Veränderungen gilt.
neu : Die neue Freiheit. Die Rechtschreibreform erlöst von der Regelwut und bewahrt doch die Tradition der deutschen Sprache; sie muss bleiben. Die Zeit, , 59. jg., nr. 32, s. 1, Dossier (816 wörter)
Sprache ist etwas Gewachsenes; eine verbindliche Schreibung dagegen immer ein Hoheitsakt. Wer zu einer alten Ortho­grafie zurückkehren will, müsste erklären, warum er aus­gerechnet die Duden-Schreibung nach 1901 will und nicht etwa zu Johann Christoph Adelungs Wörter­buch von 1786 zurück­möchte. Die Reform­gegner haben nur die Bequemlich­keit ihrer Generation auf ihrer Seite. Sie könnten sich aber auch an der neuen Libera­lisierung erfreuen.
neu : Die letzte Schangs. Die Rechtschreibreform ist überflüssig, teuer, widersprüchlich und unvermittelbar; bloß weg damit! Die Zeit, , 59. jg., nr. 32, s. 1, Dossier (798 wörter)
Heute gibt es mehr Rechtschreib­unsicherheit als je zuvor. Selbst die Prä­sidentin der Kultusminister­konferenz konnte, von Jour­nalisten gefragt, das Wort Husten nicht trennen.

Soll das ein argument gegen die reform sein? Die alte dame darf weiterhin Hu-sten trennen oder auch Hust-en oder H-usten. Die frage ist, ob man die sieben­jährigen weiterhin mit einer veralteten und unnötigen st-regel belästigen soll.

24. 7. 2004

: Kritik an Rechtschreibung. Der Bund, , s. 10, Kultur (125 wörter)
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) räumte ein, es sei wohl ein Fehler gewesen, dieses wichtige Thema allein der Kultusminister­konferenz zu überlassen[,] und setzt sich ein für eine Rückgängig­machung der Reform.

Zurück zu was? Zu dem hier?

15. 7. 2004

: Dass oder daß, wen schert’s. Lächerliche Debatten wie die um die Rechtschreibreform lenken von den echten Bildungskatastrophen ab. Financial Times Deutschland, , Deutschland, Kolumne (817 wörter)
Die erste Aufführung im diesjährigen politischen Sommertheater war dem Lied "Wir wollen unsere alte Rechtschreibung zurückhaben" vorbehalten. Einige Medien, unterstützt von einer Reihe Unions-Ministerpräsidenten, machen Stimmung für eine Aufhebung der Reform. Nach sechs Jahren, in denen sich die meisten Bürger an die neuen Schreibweisen gewöhnt und viele Schüler danach schreiben gelernt haben, soll der Uhrzeiger zurückgedreht werden, fordert ein Chor selbst ernannter Bildungsbürger. Die Initiative […] wäre keine Zeile wert, gäbe sie nicht ein weiteres schlechtes Beispiel für deutsche Bildungs­debatten ab. […] Ernsthafte Bildungs­politik sollte sich um andere Probleme kümmern. Was ist mit den Millionen Kindern in Deutschland, die eine andere Mutter­sprache haben oder deren Eltern Deutsch nur unvollkommen beherrschen? Für einen Handwerksmeister ist nicht wichtig, ob sein Azubi "aufwändig" oder "aufwendig" schreibt. Der Lehrling muss eine komplizierte Betriebs­anleitung verstehen und E-Mails verfassen können.

14. 7. 2004

: Deutsches Sprachchaos. Basler Zeitung, , s. 4, Ausland (111 wörter)
In Deutschland ist eine neue Diskussion um die Rechtschreibreform entbrannt. Der bayerische Regierungschef Edmund Stoiber warnte in der «Bild»-Zeitung vor Anarchie in der Schriftsprache […].

13. 7. 2004

: Teure Reform der Reform. Basler Zeitung, , s. 29, Feuilleton (48 wörter)
Die Schulbuchverlage protestierten gegen den Vorstoss einiger deutscher Ministerpräsidenten, wieder zur alten Orthografie zurückzukehren.
: Bereichernd. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 160, s. 36, Briefe an die Herausgeber (137 wörter)
Ich halte die Rechtschreibreform und vor allem die vielen neuen Optionen für ganz ausgezeichnet. […] Gut finde ich auch die vielen Optionen mit "8-fache", "8-Fache", "achtfache", die je nach der Verwendung in Roman, Brief, Notiz, Tabelle und so weiter ihre Be­rechtigung haben sollten. Mich würde interessieren ob die F.A.Z. für abweichende Meinungen zur klaren, reinen und originalen Sprache Maulkörbe verteilt.
: Oberhalb der Schulwelt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 160, s. 36, Briefe an die Herausgeber (336 wörter)
Das eigentliche Politikum hat Ministerpräsident Wulff bereits einmal früher genannt: Eine schulische Entscheidung trifft eine ganze Kulturnation, und diese Reichweite haben die Kultusminister nicht ins Kalkül gezogen. Sie und ihre Beamten sind gewöhnt, Beschlüsse zu fassen und Lehrpläne zu beschließen, die nur für die Schulen gelten.

Auch eine schulische nichtentscheidung trifft eine ganze kulturnation, und diese reichweite haben die kultusminister zum glück einmal ins kalkül gezogen.

: Auf dem Abstellgleis. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 160, s. 36, Briefe an die Herausgeber (179 wörter)
Zu "Hessen gegen Rücknahme der Rechtschreibreform" (F.A.Z. vom 30. Juni) ist anzumerken, daß der Zug wohl abgefahren sein mag, doch wegen einer falschen Weichenstellung auf dem falschen, nämlich einem Abstellgleis.
: Ungeliebte Rechtschreib-Reform soll doch noch fallen. Unionspolitiker machen gegen neue Regeln mobil. Rheinische Post, RP Online, , Bildung (563 wörter)
Angeführt durch Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff sehen die Reformkritiker mit der neuen Rechtschreibung Sprachchaos und Beliebigkeit einziehen. Doch ihr Vorstoß hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. […] "Mit der Rechtschreibreform ist erhebliche Unsicherheit eingetreten", sagte Bayerns Minister­präsident Edmund Stoiber (CSU) der "Bild"-Zeitung: "Es kann nicht sein, dass im Ergebnis jeder schreibt, wie er will". Und sein nieder­sächsischer Kollege Wulff erklärte im gleichen Blatt: "Wir dürfen nicht zulassen, dass ein so hohes Kulturgut wie die deutsche Sprache verhunzt wird." Auch der Minister­präsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), und sein saarländischer Kollege Peter Müller gelten als Reformgegner. Nun soll die Ministerpräsidenten­konferenz im Herbst entscheiden, wie es weiter geht.

Wir schreiben schon lange so, wie wir wollen, nicht erst im ergebnis.

12. 7. 2004

: Antje Vollmer gegen Rechtschreibreform. Basler Zeitung, , s. 23, Feuilleton (36 wörter)
Die Reform habe von Anfang an «Züge von Willkür» getragen, sagte die Grünen-Politikerin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

11. 7. 2004

: Umstrittene Reform I. Neue Zürcher Zeitung, , s. 20, Leserbriefe (116 wörter)
Mein grösstes Problem ist die Trennung. Oft muss man einen Satz mehrmals lesen, um die verstümmelten Wortgebilde sinngerecht zusammenfügen zu können.
: Umstrittene Reform II. Neue Zürcher Zeitung, , s. 20, Leserbriefe (65 wörter)
Bei «Private», dem Magazin für Vermögensberatung und Private Banking, haben wir uns von Anfang an entschieden, diesen Blödsinn einer sogenannten Rechtschreib­reform nicht mitzumachen. Wir werden auch nach dem offiziell dekretierten letzten Termin für die Umstellung am 1. 8. 2005 an der alten, richtigen Rechtschreibung festhalten.

Ganz schön rebellisch, böser Norbertli, sich so über die schulbehörden hinwegzusetzen! Aber dein lehrer wirds nicht merken: In deinen letzten 4 aufsätzen, äh editorials, musste er nur 4 mal zum rotstift greifen. Davon aber 2 mal auch nach der «alten, richtigen Rechtschreibung».

8. 7. 2004

: Wasser im Wein. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 156, s. 6, Briefe an die Herausgeber (344 wörter)
Angesichts des offenbaren Unwillens der Kultusminister-Konferenz, eine Revision ihrer eigenen Beschlüsse herbeizuführen, setzen Sie wesentlich auf die Minister­präsidenten als die "Vorgesetzten" der zuständigen Fachminister. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß die KMK ihre Beschlüsse 1996 der Minister­präsidenten-Konferenz zur Beschlußfassung vorgelegt hat und daß diese […] zustande kam. Auch das Bundes­kabinett hat in derselben Angelegenheit keine Einwände erhoben (und sei es mangels Rechtsgrundlage) […]. Etwas mehr Gedanken zu einem "Ausstiegs­szenario" müßte man (auch die F.A.Z.) sich schon machen.
: Beratungsresistent. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 156, s. 6, Briefe an die Herausgeber (180 wörter)
Die F.A.Z. berichtete über den lobens- wie unterstützungs­würdigen Vorstoß des niedersächsischen Ministerpräsidenten, die Rücknahme der "Reform", das heißt die Rückkehr zur wirklichen Rechtschreibung, zur Chefsache der Minister­präsidenten zu machen. […] Um so mehr verwundert und verärgert es mich in höchstem Maße, daß der Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, "den Zug für abgefahren hält" und er daher nichts zu unternehmen gedenkt.

7. 7. 2004

: Norddeutsch ist nicht Hochdeutsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 155, s. 6, Briefe an die Herausgeber (277 wörter)
Ihre Glosse "Mehr übersetzen" […] nehme ich zum Anlaß, Ihnen einmal ganz herzlich für Ihren konsequenten Einsatz für die deutsche Sprache — in den letzten Wochen wieder insbesondere für eine vernünftige Recht­schreibung — zu danken. Ich hoffe, daß Sie Ihre Bemühungen trotz der Borniertheit der Verantwortlichen in den Kultus­ministerien fortsetzen werden.

6. 7. 2004

: Rechtschreibanarchie. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 154, s. 6, Briefe an die Herausgeber (245 wörter)
In der F.A.Z. vom 30. Juni ist ein nur allzu wahres Wort gefallen: Rechtschreib­anarchie. […] Andererseits kann man aber auch von einer Sprach­anarchie sprechen. Wie die deutsche Sprache verhunzt und zunichte gemacht wird, das ist eine Schande.

5. 7. 2004

: Andere müssen folgen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 153, s. 6, Briefe an die Herausgeber (146 wörter)
Es ist ja nicht nur so, daß Schulkinder umlernen müssen, sondern Millionen von Erwachsenen werden dazu verdonnert, eigentlich neu lesen und schreiben zu lernen. Da ich aber keinen Satz zügig lesen kann — besonders die Silbentrennung irritiert sehr —, findet alles ohne mich statt. Ich kaufe weder ein Buch noch eine Zeitung mit der neuen Rechtschreibung.

4. 7. 2004

: Stoppt diese behemmerte neue Rechtschreibung. Die Reform der deutschen Rechtschreibung ist gründlich misslungen; nun sind eine rigorose Denkpause und ein demokratischer Neustart nötig. Neue Zürcher Zeitung, , s. 19, Meinungen (759 wörter)
Die Initiative zu einer Veränderung des Regelwerks zu ergreifen, ist dagegen nicht Sache der gelehrten und politischen Obrigkeit. Die muss von der Basis kommen, und Veränderungen müssen vor einer Sanktionierung Punkt für Punkt sorgfältig evaluiert werden. So hat das früher der Duden gehalten.

Wie ist das mit der «gelehrten und politischen obrigkeit» und der «basis»? Der duden gehört nicht zu ersterem? Und der Bund für vereinfachte rechtschreibung? Da lebt der herr professor wohl zu sehr in dem von ihm selbst zitierten «elfenbeinturm».

2. 7. 2004

: Politische Aufgeregtheit. Süddeutsche Zeitung, , s. 40, Leserbriefe (307 wörter)
Jede Orthographie bildet die grammatischen Verhältnisse (Bedeutungen) mehr oder weniger genau und angemessen ab. Gleiches gilt für die Wiedergabe der lautlichen/phonematischen Verhältnisse in einer Sprache (und ihren Varietäten/Dialekten) mit Hilfe der Schrift. Da die Sprache sich ständig weiterentwickelt und wandelt, muss auch die Orthographie fortlaufend angepasst werden. Das hat nichts mit Unverbindlichkeit zu tun.

29. 6. 2004

: Wulff: Die Rechtschreibreform ist gescheitert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 148, s. 1 (366 wörter)
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Ministerpräsidenten­konferenz mit der Rechtschreib­reform zu befassen. Die Zuständigkeit der Kultusminister­konferenz für die neue Rechtschreibung müsse beendet werden, forderte Wulff im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die kultusministerkonferenz ist nicht für die rechtschreibung zuständig, sondern für den lehrplan der volksschule. Dafür soll die ministerpräsidenten­konferenz das geeignetere gremium sein?

25. 6. 2004

: Das Streiflicht. Süddeutsche Zeitung, , nr. 144, s. 1
Damit soll nicht gesagt sein, dass das Ketchup, unbeschadet seiner halbherzigen Eindeutschung zu Ketschup bei der Rechtschreib­reform, eine deutsche Errungen­schaft sei.
: Monument aus Papier. Das Grimmsche Wörterbuch wird 150. Der Tagesspiegel, , s. 28, Wissen & Forschen
Von ihrem Werk, in dem sie die Kleinschreibung konsequent anwandten, hatten die Brüder Grimm die romantische Vorstellung, es könne "mit andacht und verlangen" als eine Art Hausbuch gelesen werden.

21. 6. 2004

: Schreib-Freiheit. Neues Deutschland, , Meinung (189 wörter)
Dass eine Mehrheit der Deutschen gegen die Rechtschreibreform ist, war schon klar, ehe sie beschlossen wurde. Der Ehrgeiz von Experten traf sich mit dem Hochmut von Politikern, die träge Masse Mensch eben zu ihrem Glück zu zwingen. Solches geht meistens schief, wie man weiß. Den Abc-Schützen konnte man sagen: So schreibt man das jetzt! Aber allein schon die Schriftsteller wollten sich nichts befehlen lassen.

Was will uns die autorin damit sagen? Dass jemand den schriftstellern etwas befehlen wollte? Dass man den früheren abc-schützen (z. b. den heutigen schriftstellern) nichts sagte? Dass die heutigen abc-schützen nie erwachsen und schon gar nicht schriftsteller werden?

: Mehrheit will alte Rechtschreibung. Wahnsinn. Die Welt, , Kultur (61 wörter)
Einer Umfrage zufolge ist die Mehrheit der Deutschen (66 Prozent) dafür, die Rechtschreibreform rückgängig zu machen.

20. 6. 2004

: Mehrheit der Deutschen will alte Rechtschreibung. Kleine Zeitung, , Kultur (79 wörter)
Nur 29 Prozent wollen demnach an den neuen Schreibweisen festhalten, so wie es die Kultusministerkonferenz beschlossen hat. Allerdings wollen der Umfrage zufolge 60 Prozent der unter 20-Jährigen lieber nach den neuen Regeln schreiben.

19. 6. 2004

: Apropos. ß. Die Südostschweiz, ausgabe Glarus, , nr. 141, s. 2, Glarnerland, kommentar (293 wörter)
Es gibt eine Handvoll zumeist intellektuell wirkende Einsender, die uns ihre Beiträge unter Verwendung des Zeichens «ß» schicken. Wir filtern dann dieses Gebilde möglichst aus den Texten raus, da wir es nicht im regulären Gebrauch haben. […] Auch der jüngste «Sprachspiegel» […] bezeichnet es als «Überbleibsel aus der deutschen Schrift (Kurrentschrift und Fraktur)». Nichtsdesto­trotz plädiert der dortige Autor dafür, dass wir uns «der bereinigten deutschen ss/ß-Regelung anschliessen». Nun ist besagtem Autor wohl beizupflichten, wenn er ausführt, in der Schweiz wolle man mit dem Buch­staben «ß» aus «unsachlichen Gründen» nichts mehr zu tun haben. Vielleicht erstreckt sich diese Unsachlichkeit sogar darauf, dass man sich von de Deutschen nicht ein erneutes SS-Problem aufhalsen lassen will. […] Und so schicken wir im schöne Grüße (!), wenn’s sein muss auch Küsse (!), und lassen es dann am liebsten so, wie wirs gewohnt sind.

15. 6. 2004

: Kaum konstruktive Kritiken. Vortrag: Peter Gallmann zur neuen Rechtschreibung. Schaffhauser Nachrichten, , Region (483 wörter)
In seinem temporeichen, aber klar strukturierten Referat erläuterte Peter Gallmann zunächst die Notwendigkeit von Normen in der Rechtschreibung und die verschiedenen Typen von Regeln. Danach stellte er die von der Reform erreichten Ziele den auf­getretenen Problemen gegenüber, um schliesslich noch kurz auf Anpassungen und Diskussionen mit Kritikern der Neu­regelung einzugehen. Die Neuregelung der deutschen Recht­schreibung von 1996 hat aus Sicht der beteiligten Experten einige der gesteckten Ziele erreicht.

14. 6. 2004

: Zur Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 135, s. 26, Briefe an die NZZ (384 wörter)
Das Chaos ist entstanden, weil eine Kommission von Dilettanten ohne Sensibilität für Sprache eine Reform beschlossen hat, die schlicht unsäglich ist. […] Was uns nun aber als Reform präsentiert wird, verdient diesen Namen nicht; man mag sie als Etiketten­schwindel, Alibiübung oder gar als Schwachsinn bezeichnen, ein schlechter Kompromiss ist sie auf jeden Fall. […] Warum fällt bei Fremd­wörtern das ph mal weg, mal nicht: Ortografie, aber Philosophie, Stopp im Text, auf der Verkehrstafel Stop?

Bevor man andere leute als dilettanten bezeichnet, sollte man etwas genauer hinschauen: «Ortografie» schreibt man (leider) nicht so, und «Stopp» galt schon vorher. (Strassenverkehrszeichen sind nicht lokalsprachlich.)

13. 6. 2004

: Erster Ministerpräsident will Rechtschreibreform kippen. CDU-Vize Wulff fordert: Schluss mit dem Chaos! Bild am Sonntag, , 51. jg., nr. 24, s. 2f., Politik (379 wörter)
Doch jetzt stellt sich überraschend der erste Spitzenpolitiker hinter die Kritiker. Der niedersächsische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Chef Christian Wulff fordert, im letzten Moment die Notbremse zu ziehen und die Rechtschreibreform zu kippen! "Deutschland sollte bis auf wenige Ausnahmen zur alten Rechtschreibung zurückkehren und einen Schlussstrich unter diese unselige Diskussion ziehen", so Wulff zu Bild am Sonntag. […] "Nie wurde beachtet, dass Sprache gewachsenes Kulturgut und dem Zugriff der Politik in hohem Maße entzogen ist."

Nie wurde beachtet, dass die in der schule gelehrte amtliche rechtschreibung einfach so gewachsen ist und einfach so weiter wächst. Als vor jahren die realschule Muttenz BL die kleinschreibung einführte, beachtete der staat leider nicht, dass das ihm in hohem masse entzogen ist.

11. 6. 2003

: Wo Busfahrer zu "Bussis" werden. Kabarettist Zé do Rock und die deutsche Sprache. Allgemeine Zeitung, Main-Rheiner,
Besonders die Rechtschreibreform bekam eines auf den Deckel: "Gültig, bis der Letzte, der so schreibt, ausgestorben ist", kommentierte der Brasilianer.

10. 6. 2004

: Rechtschreibreform: «Ratlosigkeit». St. Galler Tagblatt, , Kultur (241 wörter)
In Deutschland ist die Rechtschreibreform abgesegnet, bei uns im Prinzip auch — aber damit geben sich die Gegner der Reform nicht zufrieden. Die deutschen Kultusminister haben entschieden, die Reform — mit einigen zusätzlichen Freiheiten — nach der Übergangs­frist definitiv einzuführen auf August 2005. Dieser Entscheid mache die Lage für die Schweiz jedoch nicht klar, erklärt der St. Galler Reform­gegner Stefan Stirnemann vom «Arbeits­kreis Orthographie» auf Anfrage. «Der springende Punkt ist, dass im nächsten Jahr nicht die Regeln von 1996 verbindlich werden sollen, sondern veränderte.» […] Von einem solchen Moratorium will die EDK allerdings nichts wissen.

6. 6. 2004

: Zum Diktat. Die Bagatelle. Darmstädter Echo, , Kultur (206 wörter)
Gerade haben die Kultusminister beschlossen, die Orthographie müsse liberaler werden. Im Namen von Kommissionen, Konferenzen und Konsens: Weg von der Rechtschreibung, hin zur Freischreibung. Getrennt oder zusammen, groß und klein, mit oder ohne Bindestrich – das kann man künftig so oder so halten. Ob mehr Beliebigkeit den Geist des jungen Menschen für die selbst­bestimmte Freiheit jenseits der Haus­aufgaben stärkt? Man mag’s nicht glauben. Ein Rat für Recht­schreibung soll nun klären, wie viel Orthographie in diesem Lande überhaupt noch sein muss.

5. 6. 2004

: Liebigschüler holen „Andorra“ ins heute. Darmstädter Echo,
Abseits der Rahmenhandlung witzelt ein Schüler über Alcopops und Rechtschreibreform und macht Anspielungen auf das Lio-Schulleben.
: Schreiben nur mit neuen Regeln. Am 1. August 2005 wird die Rechtschreib­reform an allen deutschen Schulen und Hoch­schulen endgültig verbindlich sein. Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (285 wörter)
Die Kultusminister hatten am Donnerstagabend einstimmig die seit 1998 an den Schulen und am 1. August 1999 in fast allen Medien eingeführte Rechtschreibreform bestätigt und auf Empfehlung von Experten abschließend marginale Änderungen an den neuen Schreib­weisen vor­genommen. […] Der neue "Rat für die deutsche Rechtschreibung" wird die bisherige Zwischenstaatliche Kommission ersetzen. Über die Zusammen­setzung des neues Rates sollen bis Dezember Gespräche geführt werden. Dabei müssen die an der Reform beteiligten Länder Österreich, Schweiz und Liechten­stein noch zustimmen. Das neue Gremium soll die Schreib-Entwicklung in der Bevölkerung beobachten und künftig alle fünf Jahre Bericht erstatten.

4. 6. 2004

: Die Alpen-Gämse. Basler Zeitung, , s. 45, Natur, Bücher (162 wörter)
Und sie ist auch zum Problem geworden - nicht für die Landschaft, aber für die Schüler, die sich mit der Rechtschreibereform von der Gemse verabschieden und die Gämse kennen lernen mussten.
: "Die Sprache wird zerstört." Der Linguist Peter Eisenberg meint: Man kann die Orthografie der Bevölkerung nicht überstülpen. Tagesspiegel, , s. 29, Wissen & Forschen (767 wörter)
Man muss sich ansehen, wie Sprache und Schrift sich entwickeln und welche Ver­einheitlichungen sich dabei herausbilden. Nichts anderes hat Konrad Duden jahrzehntelang gemacht. Er wäre nie auf die Idee gekommen, seine Regeln am Schreibtisch zu konstruieren und sie dann der Sprache überzustülpen. Die Kommission dagegen hat sich nie die Mühe gemacht zu beobachten, wie die Menschen wirklich schreiben.

Konrad Duden kam auf sehr interessante ideen, die er später zu gunsten der einheit aufgab. Die kommission dagegen hat nichts konstruiert, sondern in erster linie beobachtet, wie die menschen wirklich schreiben. Aus unserer sicht hätte sie etwas mehr am schreibtisch (= teoretisch fundiert) konstruieren (= konsequenter regeln) können.

hintergrund. die tageszeitung, , s. 14, Sonstiges (88 wörter)
Auch sechs Jahre nach ihrer Einführung scheiden sich an der neuen Rechtschreibung die Geister. […] Heute werden die Kulturminister der Länder in Mainz einen Beschluss zum Bericht der KMK fassen.

3. 6. 2004

: Aufruf für ein Moratorium. Der Bund, , s. 16, Kultur (191 wörter)
Lanciert wurde der Aufruf vom «Arbeitskreis Orthographie» St. Gallen und vom Verein «Sprachkreis Deutsch» in Bern. Zu den Erst­unterzeichnern gehören neben acht Mittelschul­lehrern der Schriftsteller Adolf Muschg und der Basler Sprach­wissenschaftler Rudolf Wachter […].

2. 6. 2004

: Aufruf für ein Moratorium. Rechtschreibreform «Echte Anhörung» gefordert. Aargauer Zeitung, , Kultur (161 wörter)
Bei 150 Mittelschulen werden zurzeit Unterschriften gesammelt, wie Peter Zbinden vom Sprachkreis Deutsch auf Anfrage sagte.
: Lehrer wollen Reform bremsen. Die Südostschweiz, , s. 17, Kultur (189 wörter)
Eine Gruppe von Schweizer Gymnasiallehrkräften ruft die Erziehungsdirektoren­konferenz (EDK) zu einem Moratorium bei der 1996 eingeleiteten Rechtschreib­reform auf.

1. 6. 2004

: Sprachpflege. Sprachecke. Darmstädter Echo, , Kultur (434 wörter)
Schon vorher gab es Reformen, etwa die von 1901, die das th in Wörtern wie Tier abschaffte. Auch hier war eine staatliche Kommission tätig. […] Die Rechtschreibreform von 1998 wurde nicht widerspruchslos hingenommen. Wir leben ja schließlich in einer Demokratie, wo jeder seine Meinung sagen darf. Vor hundert Jahren, sollte man meinen, war das anders. Der Kaiser befahl und alle gehorchten. Weit gefehlt – die Diskussionen gingen weiter. […] Wäre es gut, wenn es eine Behörde gäbe, die Sprachsündern endlich einmal die Meinung sagte, dem Überhand­nehmen von Fremdwörtern wehrte und dem Missbrauch von Apostrophen ein Ende setzte? Das wäre ein tiefer Eingriff in die Meinungs- und Presse­freiheit und würde zu noch mehr Unruhe führen als die letzte Rechtschreib­reform.

6. 2004

: Editorial. Schweizer Monatshefte,
Die Wirkungen der neuen Regeln mögen im Alltag nicht so augenfällig sein; dort aber, wo Genauigkeit des Ausdrucks verlangt wird, in den Wörter- und Schul­büchern, in der Fach- und schönen Literatur, sind die Folgen über­wiegend negativ.