Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 22. 7. 2013 , 2. 8. 2012

Aus presse und internet

31. 1. 2004

: Rechtschreibrebell greift Reformkommission an. Weilheimer Lehrer Denk fordert Abschaffung des Gremiums zur Regeländerung der deutschen Sprache. Süddeutsche Zeitung, ausgabe Weilheim, , s. R1, Politik (278 wörter)
„Es ist ein Skandal, dass diese Kommission immer noch im Amt ist und weiter im Geheimen an der deutschen Sprache herumfummelt“, sagt der Deutschlehrer aus Weilheim. […] Kultusministeriumssprecher Thomas Höhenleitner sagte, die neuen Vorschläge setzten die bisherige Regelung nicht außer Kraft. Sie ließen vielmehr in einigen Zweifels­fällen weitere Varianten zu. Damit werde man dem „diffizilen System der deutschen Sprache“ gerecht. Gleichzeitig betonte der Ministeriums­sprecher, dass die bayerischen Schüler mit der Umstellung auf die neuen Regeln gut zurecht­gekommen seien.
: Geheimes Kommando „D“. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Feuilleton (236 wörter)
Die Nachricht, dass mit dem vierten Bericht der Kommission für die Reform der deutschen Rechtschreibung wiederum Änderungen an der deutschen Schriftsprache verbunden sein werden (siehe SZ vom 29. Januar), hat in der deutschen Öffentlichkeit großen Unwillen und Verärgerung ausgelöst.

30. 1. 2004

: Sprachdiktat. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 25, s. 35, Feuilleton (744 wörter)
[…] zwölf Apostel, die bislang in Anbindung an die Kultusministerkonferenz eine Botschaft in die deutschsprachige Welt hinaustragen. Jetzt will sich die Kommission dieser Aufgabe völlig losgelöst von irgendwelchen lästigen Rückbindungen widmen können, Ergebnisse sollen nur noch alle fünf Jahre berichtet werden. Dieser absonderliche Plan […] führt den Gedanken der beratenden Kommissions­arbeit endgültig ad absurdum — und sorgt auf seiten derjenigen, die zualler­erst mit der deutschen Sprache umgehen, für Bestürzung. Der Lyriker Reiner Kunze […] hat sich jetzt mit einem offenen Brief quasi auf die Barrikaden begeben. […] Die eminent politische Frage nach dem Umgang mit der Sprache wird nach Enzensbergers Beobachtung "hinter verschlossenen Türen abgehandelt — wie zu Metternichs Zeiten". […] Die Berliner Schrift­stellerin Monika Maron fühlt sich durch die "Entscheidungsherrlichkeit" der Kommission gar an DDR-Zeiten erinnert […]. Siegfried Lenz, von Beginn an scharfer Gegner der Rechtschreib­reform, quittiert die Angelegenheit mit einer gewissen Fassungs­losigkeit.
: Ganz schön belemmert. Reform der Rechtschreibreform? Lassen Sie sich nicht verwirren! Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (301 wörter)
Doch stets wenn die Kommission einen Zwischenbericht vorlegte, erhoben sich die Gegner mit dem Erlanger Linguisten Theodor Ickler an der Spitze und proklamierten den Untergang des Abend­landes. Jetzt kursiert eine Vorlage für eine unter Umständen entscheidende Sitzung am kommenden Donnerstag durch die Kultus­ministerien, und die Feuilletons der deutschen Großblätter wittern Verrat. Die "Süddeutsche" bezeichnet die Kommission gar als "obskuren Kader", der sich selbständig machen möchte, "als bräuchte dieses Land eine Sonder­behörde für Recht­schreibung mit nahezu geheim­dienstlichen Kompetenzen".
"Babylonische Verwirrung." Münchner Merkur (merkur-online.de), , Politik
Wenn in kommenden Jahrhunderten einmal ein Synonym für eine fatale Patt­situation gesucht wird, braucht man nur ein Wort seufzen: Rechtschreib­reform.

29. 1. 2004

: 120 Phoneme auf ein Fonem. Die Mannheimer Rechtschreibkommission legt ihren vierten Geheimbericht vor. Berliner Zeitung, , Feuilleton (648 wörter)
Die Kommission ist von der KMK damit betraut worden, auf die "Wahrung einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum" hinzuwirken. Diese Aufgabe zu erfüllen ist unmöglich, da die zu Beginn des 20. Jahrhunderts herbeigeführte Einheit der deutschen Orthographie durch die Reform zerstört wurde […]. Was das mangelhafte Regelwerk selbst betrifft, so glaubt die Kommission ihrem Auftrag zur "Wahrung einer einheitlichen Rechtschreibung" durch die Einführung immer neuer Schreibvarianten gerecht zu werden. […] Für die nähere Zukunft fordert die Kommission, weniger einschneidende Änderungen auch ohne vorherige Konsultierung der politischen Gremien beschließen und durchsetzen zu können. Da in der genannten Vorlage nicht definiert ist, welche möglichen Eingriffe "von grundsätzlicher Bedeutung und Tragweite" und damit weiterhin zustimmungspflichtig wären, würde ein entsprechender Beschluß der KMK die Kommission ermächtigen, eine Vielzahl bisher gescheiterter Vorschläge sukzessive einzuführen. Der Weg wäre grundsätzlich frei für "Ältern, Apoteke, Flopp" und "Pitza" […].
: Das geheime Sprachamt. Die Rechtschreibreform darf sich bald verselbständigen. Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 23, s. 13, Feuilleton (924 wörter)
Durch die Amtsstuben der Kultusministerien wandert in diesen Tagen eine Entscheidungsvorlage. Sollte die „Amtschefkommission Rechtschreibung“ sie auf ihrer Sitzung am 5. Februar billigen, so wird die deutsche Orthographie wieder einmal auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Formell soll das Papier, das dieser Zeitung vorliegt, den vierten Bericht der „Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung“ absegnen – ein Vorgang, der ärgerlich und lästig genug ist, weil er eine große Zahl neuerlicher Änderungen an der Schriftsprache zur Folge haben wird. Institutionell aber werden die Konsequenzen noch gravierender sein: stimmen die Amtschefs zu, dann wird in Zukunft allein die Kommission über Änderungen der Rechtschreibung entscheiden. Bislang benötigte sie dazu immer noch die Zustimmung der Kultus- und Bildungsminister.

28. 1. 2004

: An den Pranger. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 23, s. 8, Briefe an die Herausgeber (195 wörter)
Sollte man in der Beurteilung dieses Wechselbalgs nicht einmal versuchen, nach strafrechtlichen Gesichtspunkten vorzugehen? Der Katalog der in Frage kommenden Tatbestände ist lang und schwerwiegend. Er reicht vom öffentlichen Ärgernis über groben Unfug (zum Beispiel Schlussstrophe, Stofffetzen), Körperverletzung am Sprachkörper der deutschen Sprache, Freiheitsberaubung (Zwang zur Getrenntschreibung), Verschwendung öffentlicher Mittel bis zur Kollektivbeleidigung aller Benutzer der deutschen Schriftsprache.

27. 1. 2004

: Deutschland, deine Apostroph's. Spiegel Online, , Kultur, Zwiebelfisch
Zähneknirschend nahm man es hin, dass im trüben Fahrwasser der Rechtschreib­reform mit einem Mal "Helga's Hähncheneck" und "Rudi's Bierschwemme" höchste Ehren erhielten und offiziell sanktioniert wurden. Der von vielen gescholtene so genannte Deppen-Apostroph war über Nacht salon­fähig geworden. Nun ja, vielleicht noch nicht salonfähig, aber zumindest imbissbudenfähig. […] "Was habt ihr denn? Ist doch richtig so! Steht sogar im Duden's!" Tatsächlich: dort […] heißt es in Überein­stimmung mit den neuen amtlichen Regeln: "Gelegentlich wird das Genitiv-s zur Verdeutlichung der Grund­form des Namens auch durch einen Apostroph abgesetzt." Man beachte die Wortwahl: Gelegentlich. Das klingt wie: "Einige können es eben nicht lassen."
: Der Gebrauch des Apostrophs im Überblick. Spiegel Online, , Kultur, Zwiebelfisch
Schluss mit den Apostrophen-Katastrophen! Der "Zwiebelfisch" verrät, wo im Deutschen ein Apostroph gesetzt werden muss, wo man auf ihn verzichten kann und wo er schlichtweg "nicht's" zu suchen hat.

26. 1. 2004

: Urlaubsreife Stars — doch die Hatz geht immer weiter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 21, s. 28, Sport
"Deutschland ist Handballland" — korrekt nach der Rechtschreib­reform formuliert, konnte Brand am Freitag schwarz auf weiß auf dem Fan-Transparent lesen[…].
: Nur Feuchtes fault. Durch die Brille einer fragwürdigen Übersetzung: Nagib Machfus’ Roman „Der Rausch“. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Literatur
Als zusätzliche Belastung der Lesefreundlichkeit erweist sich die Unterwerfung unter die Rechtschreibreform. Durch die neue Sprach­bürokratie entsteht eine lächerliche Zweideutigkeit: „Was ist bloß los mit euch verheirateten Männern, ihr gebt den allein Stehenden keine Chance.“ Entweder gebe man den allein Stehenden Stühle oder stelle sie zumindest etwas näher zueinander! […] Jedes literarische Werk muss vielmehr als Maßstab verstanden werden können und jeder Verlag eine feste Burg zu sein trachten gegen den Verfall des sprachlichen Ausdrucks, zu dessen Zeichen die Rechtschreib­reform gehört, die unsere eigenen Literaten verdammen, der aber die fremd­sprachigen unterworfen werden.

24. 1. 2004

: Keine Chronik ohne einen Lektor. Süddeutsche Zeitung, ausgabe Freising, , s. R4
„Die nächste Rechtschreibreform wird das Werk des Lektors überflüssig machen.“ Mit dieser Prognose warb Karl-Heinz Zenker (FW) im Gemeinderat für einen Antrag des Arbeits­kreises „175 Jahre Hallbergmoos“: Die Entscheidung, für die Orts­chronik einen Lektor zu bemühen, sollte aufgehoben werden.

23. 1. 2004

: Aktuelles Lexikon. Goethe-Institut. Süddeutsche Zeitung, , s. 2, Themen des Tages
Die Pflege der deutschen Sprache im Ausland – das ist die Aufgabe des Goethe-Instituts. Keine leichte Aufgabe, hat das Deutsche doch den Ruf, besonders unpraktisch zu sein. Die Rechtschreibreform hat daran wenig geändert.

17. 1. 2004

: Propagandamärchen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 14, s. 9, Briefe an die Herausgeber (512 wörter)
Das bayerische Kultusministerium wirft den protestierenden Lehrern bezüglich des achtklassigen Gymnasiums (G 8) Desinformation vor. Leider ist es umgekehrt. Ich erinnere an die Einführung der Rechtschreib­reform. Da machte das Ministerium der Öffentlichkeit weis — und viele haben es geglaubt —, die Rechtschreib­fehler der Schüler würden nach Ein­führung der Reform um 50 Prozent zurückgehen. Das war Propaganda.

16. 1. 2004

: Besinnt euch! Preis für Reiner Kunzes Rechtschreibkritik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 13, s. 31, Feuilleton (133 wörter)
Der Schriftsteller Reiner Kunze ist in diesem Jahr einer der beiden Preisträger der Schweizer "Stiftung für Abendländische Besinnung". […] Kunze wird nach Angaben der Stiftung "für seinen Einsatz gegen die Unvernunft der Eingriffe in Sprache und Recht­schreibung" aus­gezeichnet und für seine "ebenso wert­vollen wie notwendigen Bemühungen im Umgang mit unserer Sprache und ihrer Schreibweise".
: Weite Wege zu weißer Pracht. Sächsische Zeitung, , Görlitz
Jedenfalls meldete Oybin gestern „keine Wintersportmöglichkeiten bei 20 cm Nassschnee“. Dank der Rechtschreib­reform übrigens wieder ein tolles Wort mit drei s: Nassschnee!

7. 1. 2004

: Autoren fordern «Auszeit» für Reform. St. Galler Tagblatt, (217 wörter)
Weitere knapp hundert Jahre später wird Dudens Werk immer lauter nachgetrauert. Der umstrittenen Reform der Recht­schreibung hat sich unlängst auch die Zeitschrift «Schweizer Monatshefte» gewidmet. Sie argumentiert unter der Regie des St. Galler Reformgegners Stefan Stirnemann durchwegs reform­kritisch.

3. 1. 2004

neu : So ist's recht. (Deutsche Welle), , Kultur
Niemand, der mit der deutschen Sprache zu tun hat, kommt am Duden vorbei. Pünktlich zum 175. Geburtstag seines Namens­gebers, Konrad Duden, am 3. Januar 2004 flammt eine alte Debatte wieder auf: Wie schreibt man richtig? […] Und wie zu Dudens Zeiten wird heftig gestritten über die Sprache - insbesondere seit der Einführung der Rechtschreib­reform 1998. "Kein schöneres Geburtstags­geschenk könnten wir Konrad Duden machen, als das Rechtschreib­chaos wieder zu beenden", erklärte der Schrift­leiter der Zeitung "Deutsche Sprachwelt", Thomas Paulwitz.
: Sprachverfall. Deutsche Linguistentagung in Rom. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 2, s. 32, Feuilleton
Die Universität "La Sapienza", das Istituto Italiano di Studi Germanici und die Casa di Goethe veranstalten am 6. und 7. Februar gemeinsam einen Kongreß, bei dem es auch um den ver­meintlichen Verfall der deutschen Sprache und die inkriminierte Rechtschreib­reform gehen soll.

1. 2004

neu : Duden – Namensgeber für ein Rechtschreibwerk. Konrad Duden zum 175. Geburtstag. Die deutsche Schrift (), , nr. 1, s. 3 bis 5
Wie Konrad Duden zu einer heutigen Rechtschreib­reform stünde, kann man nicht sagen. Gewiß ist allerdings, daß sich der „Vater der deutschen Einheits­schreibung“ mit den derzeit als Folge der „Reform“ zahlreich vorhandenen Haus­orthographien nicht anfreunden könnte.

Abgesehen davon, dass man wirklich nicht sagen kann, wie 175-jährige zum heute üblichen stehen, gibt und gab es hausortografien nicht nur wegen der reform.

neu : Zeitbombe Rechtschreib-„Reform“. Presseerklärung des Vereins „Lebendige deutsche Sprache“ vom 6. Januar 2004. Die deutsche Schrift (), , nr. 1, s. 12f.
Wie die erste Vorsitzende des Sprachvereins „Lebendige deutsche Sprache e.V.", Claudia Ludwig, durch unfassende Nach­forschungen herausfand, sind die Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung für die Kinder nicht zu erlernen. […] Und so müssen die Lehrer nun schlüssig erklären, warum „Kuss, Schluss, groß" und „Straße" den Regeln folgen, „was, bis, plus, Los, Mus“ oder „Preis“ aber nicht. Das können die Lehrer nicht, und deshalb können die Kinder nicht mehr richtig schreiben lernen, wie sehr sie sich auch anstrengen mögen. So steht immer häufiger in den Heften: wass, biss, Zeugniss … […] „Jeder, der einen inten­siveren Blick in das Regelwerk der neuen deutschen Recht­schreibung geworfen hat, ist entsetzt zur alten Recht­schreibung zurückgekehrt." Nur den Kindern lasse man keine Wahl. Die müßten sich jetzt mit dem völlig un­verständlichen, chaotischen und nicht lernbaren Machwerk der Reformer herumplagen.

Und wie haben die lehrer früher erklärt, warum „was, bis, plus, Los, Mus“ oder „Preis“ der regel nicht folgten, dass man also nicht „waß, biß, pluß, Loß, Muß“ oder „Preiß“ (und „Zeugniß“) schrieb? An der erklärung hat sich nichts geändert!