Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)


Aus presse und internet

26. 4. 2003

: Anguilla dermoglissum. Zürcher Unterländer, , s. 15 (467 wörter)
Die Regel sagt nämlich, dass bei zusammengefügten Wörtern immer alle Buchstaben zu schreiben seien, auch wenn drei gleiche Buch­staben hintereinander treffen. Leider ist das noch nicht überall durch­gedrungen. Auch beim Zürcher Regierungsrat nicht. Der behauptet nämlich — und hat das der Weltpresse per Dekret sogar verordnen wollen — dass das Tal, durch welches die Glatt fliesst, «Glattal» heissen müsse. Da irrt er sich aber. Denn das «Glatt-Tal» ist kein Name, sondern eine geografische Bezeichnung für eine geo­morphologische Formation. […] Wie trennt man eigentlich «Glattal»?

23. 4. 2003

: Der Kompromiss. Winkt jetzt der Rechtschreibfrieden? Basler Zeitung, , nr. 94, s. 39, Feuilleton (522 wörter)
So darf nun gestaunt werden über den erstaunlichen Pluralismus einer Akademie, die sich vor einiger Zeit noch als böse polemisierender Gralshüter der alten Orthographie exponierte. Nach langen Jahren hysterischen Gefuchtels gegen die Rechtschreib­reform hat man sich in Darmstadt klammheimlich zu einem «Canossagang» entschlossen. Oder eben — nach alter Schule — zu einem «Kanossagang».

22. 4. 2003

Von Roten Riesen und einigen Schwarzen Löchern ... Kalla Wefel konnte mit seinem neuen Kabarettprogramm „Klingelts endlich!“ in der Bad Nauheimer Brasserie „Überflieger“ nicht überzeugen. Kreis Anzeiger, , Lokales
Eingebettet in die Szenerie eines Klassenzimmers wollte Kalla Wefel beispielsweise die PISA-Studie […] auf die Spitze nehmen. Wie die Deutschen von Platz 22 der Rangliste der sprachlichen Fähigkeiten auf Platz 1 vorstoßen könnten? Nun, in dem sie endlich die Klein­schreibung übernähmen, das Zusammen- und Getrennt­schreiben bestimmter Wörter überdächten und, schließlich, wenn sie immer an den Stellen im Satz ein Komma setzen würden, an denen sie innerlich atmeten. Wer das witzig oder scharf­sinnig findet, nun gut.
: Plädoyer für die zweitbeste Lösung. Eine Verteidigung der Akademie. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Literatur (854 wörter)
Unser Grundsatz war, von der neuen Schreibung nicht nur zu übernehmen, was sinnvoll, sondern auch was ohne nennenswerten Schaden hinnehmbar ist. Das empfiehlt sich angesichts der Machtverhältnisse. Andererseits sollten alle gravierenden Mängel dieser Schreibung deutlich bezeichnet und zurückgewiesen werden. […] Daß über Einzel­heiten gestritten werden kann, versteht sich bei einer so komplizierten Materie von selbst. Dennoch lehnt Theodor Ickler das Projekt in Bausch und Bogen ab. Aber so einfach sind die Dinge nicht. […] Doch sollte man sich bei diesen Einzelheiten nicht aufhalten, stehen wir doch vor der Frage, ob man auf das Wunder hoffen soll, die bewährte Schreibung erlange wieder allgemeine Gültigkeit. Wie soll das gehen? Gewiß ist es nur allzu verständlich, daß viele mit guten Gründen an der so bewährten alten Schreibung hängen. Mir geht es genauso […].
: Mit Hacks auf dem Sofa. Thüringer Allgemeine, , Kultur
Auf fünfzehn Bände nämlich beläuft sich die Ausgabe von Peter Hacks: "Werke". […] Wer sich in Deutschland mit Kunst und Literatur einlässt, wer Dramen rezensieren oder Verse verfassen will, wer über die Bühnen des Landes räsonieren oder die neueren Unregeln der Recht­schreibung bewerten will — der wird an Hacks nicht vorbeikommen.

17. 4. 2003

: Letzte, letzter. Wörterbuch. Frankfurter Rundschau, , Deutschland
Zu guter Letzt — dass das so geschrieben wird, will die Rechtschreibreform — ist es dann Leipzig geworden.

Welche rechtschreibreform? Die von 1903?

: Orthografische Notbremse. Zwischenruf. Hamburger Abendblatt, , Hamburg
Habe im privaten Schriftverkehr penetrant weiter "daß", "muß" und "Imbiß" geschrieben. Aber wenn man täglich im Beruf "dass" und "muss" schreiben muss, brennt sich das Schriftbild mit der Zeit ins Gehirn. So bin ich inzwischen gegen meinen Willen mit einer orthografischen Berufskrankheit gestraft — dem Zwang, Schilder im öffentlichen Raum korrigieren zu wollen. […] "Mißbrauch strafbar". Ich lass es dann aber doch und sage mir: Bei der Bahn hat halt alles Verspätung, sogar die Rechtschreibreform.

16. 4. 2003

: Ein Schaffhauser mit Professur in Jena. Peter Gallmann: Karrieresprung. Schaffhauser Nachrichten, , 142. jg., nr. 89, s. 19, Region (255 wörter)
Dank seiner umfassenden Kenntnisse wurde er 1986 von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) als einer der drei Schweizer Vertreter in den Internationalen Arbeitskreis zur Reform der deutschen Rechtschreibung berufen.
: Abwesenheit von Qualität. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Leserbriefe (181 wörter)
Diese Akademie passt perfekt zu der mittlerweile in vielen Sparten unseres Lebens – Politik, Wirtschaft, Verwaltung – dominanten Abwesenheit von Qualität. Ickler kritisiert zu Recht die unnütze, schlampige Arbeit dieses Kollegiums.

14. 4. 2003

: Ein fauler Kompromiß. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 88, s. 10, Briefe an die Herausgeber (174 wörter
Bis dato ist nicht geklärt, wer oder was die Verantwortlichen letztlich veranlaßt hat, eine Rechtschreibung zu präsentieren, die nach dem nahezu einhelligen Urteil von Sprachwissenschaftlern und Schriftstellern an Miserabilität kaum noch zu überbieten ist und mittlerweile zu einem Chaos in Schule und Gesellschaft geführt hat.
: Dilettantische Lächerlichkeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 88, s. 10, Briefe an die Herausgeber (323 wörter)
Nur weil Eisenberg einiges an der Neuschreibung noch mißlungener erscheint als diese ss-Schreibung, sollen wir diese Warze auf der krummen Nase der "reformierten" Schreibung schön finden. Diese besonders häufig auftretende Verschandelung von Texten ist konsequent zurückzuweisen […]. Da die Neuschreibung durch die ss-Schreibung ihren deutlichsten Ausdruck fand, kommt ihr zudem ein symbolischer Wert zu. Als Geßlerhut der "Reform" steht sie am deutlichsten dafür, daß die mit Arroganz, Inkompetenz und der Haltung eines bedenklich gestörten Verhältnisses zu den Idealen der Volkssouveränität forcierte Zerstörung unserer einheitlichen Qualitätsorthographie unsere Demokratie und Sprachkultur erheblich und sichtbar geschädigt hat.
: Ein Regelflickwerk. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 88, s. 10, Briefe an die Herausgeber (109 wörter)
In allen europäischen Kultursprachen gibt es eine Rechtschreibnormierung, die für jedes Wort nur eine richtige Schreibung vorsieht. Das Deutsche hat den Kreis der Kultursprachen seit einigen Jahren verlassen, da infolge der "Rechtschreibreform" und ihrer zahlreichen Nachbesserungen nun mehrere "richtige" Varianten nebeneinander möglich sind.
: Amerika für Anfänger. Kathrin Rögglas USA-Stück in den Berliner Sophiensälen. Der Tagesspiegel, , Kultur
Harmlos und bemüht lustig beginnt Barbara Webers Inszenierung mit dem umständlichen Titel in modernistischer Kleinschreibung: „die 50 mal besseren amerikaner“.
: Rettet den Autor! Rainer Moritz kämpft (verlorene) Sprachkämpfe. Der Tagesspiegel, , Kultur
Ich zum Beispiel gehöre zur sprachkritischen Spezies […]. Die Welt ist für mich ein einziger Setz- und Druckfehler. Ausnahmen (wie die vor Ihnen liegende Tageszeitung) nehme ich kaum noch wahr, denn das Chaos der alten und neuen Rechtschreibung hat aus meinem Sprachbeobachtungstrieb einen Fulltimejob gemacht. Überall Verstöße, in Büchern (ach, die Verlage ...), Frauenmagazinen, Packungsbeilagen und an Imbissständen, wo mich die Aufforderung „Döner auch zum mitnehmen“ gar nicht mehr aufregt. Vor Jahren etwa führte ich einen einsamen Kampf gegen die Oswald-von-Wolkenstein-Gesellschaft, die sich trotz vehementem Briefwechsel mit mir nicht dazu bequemen wollte, die fälligen Bindestriche in ihrem „Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft“ nachzutragen.

13. 4. 2003

: Der pointierte Arzt. Thüringer Allgemeine, , Kultur
Der Erfurter Internist Dr. Siegbert Kardach […] präsentiert heute um 19.30 Uhr im Erfurter Haus Dacheröden sein zweites, mit Aphorismen und anderen Nachdenklichkeiten gefülltes Buch. […] Wir Fußgänger, die auch Autofahrer und Radler sind und zuweilen die Nase voll haben vom "getüvten Deutschland" und von der Rechtschreibreform nicht minder, wir Mitmenschen also, denen Kardach auch in kurzer Prosa den Spiegel vorhält, wundern uns vielleicht über die thematische Breite dessen, über die ein Mediziner literarisch verfügt.

12. 4. 2003

: Fragwürdiger Kompromiß. Berliner Zeitung, , s. 32, Leserbriefe
Ich sehe keinen Grund für einen Kompromiß in Sachen Rechtschreibreform. Es kann doch nicht das Maß der Dinge sein, etwas Unsinniges allein aus dem Grunde heraus nicht abschaffen zu wollen, nur weil es eben schon mal da ist. […] Die von der Akademie unter anderem favorisierten Kompromisse bezüglich des "ss"-Themas lösen bei mir Verwunderung und Unverständnis aus.

11. 4. 2003

: Missie, ist die Koffie klar. Kolossaler Schlamassel: Gerhard Seyfried erfüllt sich mit „Herero“ einen Traum. Süddeutsche Zeitung, , 59.jg., nr. 85, s. 16, Literatur
Seyfried hält sich an die Rechtschreibreform von 1903 und an die Schreibweise der Uhrzeit, er lässt historische Figuren auf fiktive Personen treffen und fügt Fotos ein, die Cecilie gemacht haben soll. Dieser Autor tut alles, um ein Buch aus dem Jahr 2003 wie einen Roman von 1903 aussehen zu lassen.

10. 4. 2003

: Ungebrochene Neugier der Grundschüler. Defizite in den weiterführenden Schulen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 85, s. 6, Politik
Gleichwohl birgt auch der jetzt vorliegende erste Teil der Iglu-Studie auf mehr als 300 Seiten viele interessante Einzelergebnisse. […] In Anbetracht dessen, daß die Lehrer angeben, ein Drittel des gesamten Deutschunterrichts auf Rechtschreiblehre zu verwenden, seien die Ergebnisse wenig befriedigend, meinen die Bildungsforscher. Aufschlußreich erscheint, daß alle Beispieltexte, die in der Iglu-Studie abgedruckt sind, die bewährte Zeichensetzung aufweisen und nicht die neue. Sollte dies einen lesefördernden Effekt besitzen?

9. 4. 2003

: Viele Fehler beim Schreiben. Ein Zeugnis namens Iglu. Stuttgarter Zeitung, , Politik
In unnachahmlichem Wissenschaftsdeutsch schreiben die Forscher: Wenn Rechtschreibregeln, die am Ende der zweiten Klasse schon beherrscht werden sollen, "nur von achtzig Prozent der Viertklässler sicher verschriftet werden", dann könne dieses Ergebnis nicht befriedigen — "schon gar nicht, wenn man die für den Rechtschreibunterricht aufgewendete Zeit berücksichtigt".
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (177 wörter)
Obwohl Herr Vitzliputzli auf deutschen Internetseiten schon jahrelang immer dasselbe sagt (auch mit denselben Beispielen), möchte ich für uneingeweihte Leser ein wenig erklären, worum es geht. Das Wörterbuch, das er so heftig bekämpft, stellt einfach die bisher übliche Schreibweise dar.

7. 4. 2003

: Gränzen der Wirksamkeit. Die Darmstädter Akademie und ihre Rechtschreibvorschläge. Berliner Zeitung, , s. 12, Feuilleton
Der von der Darmstädter Akademie vorgelegte Kompromißvorschlag ist weder Wörterbuch noch Regelwerk. Er basiert auch nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, auf der bewährten Rechtschreibung des Deutschen und ihren Entwicklungstendenzen. […] Die Motive für die Festlegungen des Kompromißvorschlags bleiben über weite Strecken dunkel […]. Der Kompromißvorschlag soll also die Rechtschreibreform nicht "grundsätzlich" infrage stellen. Daher gebricht es ihm in jeder Hinsicht an gedanklicher Konsequenz. […] Die Akademie hat es vorgezogen, ihren Diskussionsbeitrag in der bewährten Rechtschreibung zu veröffentlichen. Wer auf ihre Empfehlungen Wert legt, sollte ihrem Beispiel folgen. Das erspart viel unnütze Arbeit.

6. 4. 2003

: Platt gemacht. Nit schön, jar nit schön: Warum Dialekte verkümmern und selbst die Mundart einer Art Globalisierung anheim fällt. Neue Ruhr/Rhein Zeitung,
Ganz unproblematisch sei ein duldsamer Umgang mit der Mundart an Schulen allerdings nicht, weil die Rechtschreibung darunter leiden könne. "Die sagen statt Spaß nicht nur Spass, sie schreiben es auch so", sagt die Pädagogin.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (128 wörter)
Wenn Prof. Ickler von Rückkehr zur "alten Rechtschreibung" spricht, dann meint er in Wirklichkeit die Einführung seiner eigenen Rechtschreibung, wie er sie in seinem Rechtschreibwörterbuch veröffentlicht hat.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (73 wörter)
[…] Fälle wie "Gräuel" und "Gämse" gehören zur Minderheit der wenig durchdachten Neuerungen. Der Großteil ist jedoch akzeptabel und die Gegner sollten aufhören, sich ideologisch einzubunkern, schließlich ist der Unterschied zwischen alter und neuer Orthographie (ist so mit -ph- noch immer zulässig!) so, als ob man auf einen Nobelball mit Frack oder Smoking ginge.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (131 wörter)
Die "neue" Rechtschreibung ist inkonsistent und komplizierter als die bisherige.

5. 4. 2003

: Rechtschreibung: "Im Moment ist die Diskussion tot". Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung legt einen Kompromissvorschlag vor. Die Presse, , Kultur (348 wörter)
Nun unternimmt die Akademie den nächsten Versuch, "ein schlimmes Kapitel deutscher Kulturpolitik" zu beenden. […] Dass nach der Umstellung der Schulbuchverlage eine totale Rückkehr zur alten Rechtschreibung unmöglich ist, sehen die Autoren diesmal ein. Also versucht man es mit einer "zweitbesten Lösung", die die ärgsten Mängel beseitigen will […]. Dass der neue Kompromiss umgesetzt wird, bezweifelt man aber sogar in der Akademie: "Im Moment ist die Diskussion um die Rechtschreibung tot", so der ehemalige Präsident Christian Meier.
(Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (33 wörter)
die rechtschreibreform könnt ihr alle vorantreiben, indem ihr nur mehr die kleinschreibung verwendet.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (122 wörter)
Für mich ist es schlicht unverständlich, wieso große Publikateure und Zeitungen wie Die Presse nicht endlich einmal den kleinen Schritt zur Umstellung auf die neue Rechtschreibung machen und der gesamten kindischen Debatte ein Ende setzen.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (160 wörter)
Eine Rückkehr zur "alten" Rechtschreibung ist nicht nur möglich, sondern wäre auch die einfachste Lösung. […] Der Kompromißvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist von sachfremden Motiven bestimmt und fällt den deutschen Schriftstellern in den Rücken, die wie zum Beispiel Reiner Kunze mit aller Kraft und großer Sachkenntnis gegen die Reform kämpfen. Auch andere Mitglieder der Akademie haben mir versichert, daß sie "überfahren" worden sind und den Kompromiß keineswegs gutheißen.

4. 4. 2003

: Ein Meister der Abschweifung. Wenn Harry Rowohlt liest und erzählt. Mindener Tageblatt, , Kultur
In seine Polemik gegen die Rechtschreibreform ("Orthographie und Interpunktion waren immer die beiden einzigen Tugenden, die ich beherrschte. Wenn die nichts mehr gelten, was bleibt mir dann?") flechtet er perfekte Imitationen von Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass und Matthias Beltz ein.

3. 4. 2003

: "Graue Zellen" auf Trab bringen. Heilbronner Stimme, , Neckarsulm-Neckartal
Das Gedächtnistraining in Neckarsulm wird zehn Jahre alt […]. Um welche Themen geht es da? […] Nicht zu vergessen: die Rechtschreibreform oder der Wechsel von der D-Mark zum Euro.
: Aufwändig. Schwäbische Zeitung,
Gewiss, bei diesem "ä" stand der Aufwand Pate. Aber hätten die Reformer ein wenig mehr Sprachgefühl aufgewendet — wobei das "e" immer noch korrekt wäre, begreife es, wer kann —[,] sie hätten vielleicht wieder einmal gemerkt, dass Sprache nicht nur geschrieben, sondern auch gesprochen wird. Und da tut das "ä" in diesem Fall einfach weh.

Es gibt gewiss argumente gegen aufwändig, aber kein fonetisches. Was ist es denn konkret, was weh tut?

1. 4. 2003

Diskussion über die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 77, s. 1, Politik (68 wörter)
Der Erlanger Germanist Horst Haider Munske […] schließt sich dem Reformvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an. […] Munske weist jedoch darauf hin, daß der Reformvorschlag in der Praxis ohne große Folgen bleiben muß, solange er nicht als Rechtschreibprogramm für den Computer vorliegt.
: In der Rechtschreibung floriert die Schattenwirtschaft. Die Richtung stimmt: Zum Reformvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 77, s. 40, Feuilleton (1250 wörter)
Spät kommt er, doch er kommt — der lang angekündigte Vorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zur Reform der Reform in Sachen Orthographie […]. Im Jahre 2005 endet die Übergangszeit. Dann wird der Streit um die Rechtschreibung aufs neue entbrennen, wenn nicht rechtzeitig eine Verständigung gelingt. Deshalb begrüße ich den Akademievorschlag. […] Über manches Detail in den Akademievorschlägen könnte man trefflich streiten. Ich tue es nicht. Denn die Richtung dieser Vorlage stimmt. Das gilt auch für die Umsetzung, den empfohlenen Rückbau. […] das kann uns blühen: Die Rechtschreibkommission gibt in ihrem nächsten Bericht wieder ein kleines Stückchen nach, erklärt aber im übrigen die Reform von 1996 für erfolgreich. Die KMK setzt alles in Kraft und ist froh, die Rechtschreibreform endlich vom Hals zu haben. Was dann, verehrte Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung?
: Dem Bunde-strainer keine Chance. Ein Linguist hat ein Buch über den Bindestrich geschrieben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 77, s. 45, Die Hochschulseite (410 wöerter)
Leider, meint Dante Bernabei, wüßten die Deutschen die ordnende Kraft des Koppelzeichens nicht mehr richtig zu schätzen. In Zeitungen ebenso wie akademischen Publikationen wimmele es von zweideutigen Wortungetümen wie "Lehrerkenntnisse" und "Barkasse", "Reghettoisierung" und "Dichteinhomogenität". Als studierter Chemiker und Germanist weiß Bernabei nur zu gut, welche Grausamkeiten vor allem schreibende Wissenschaftler bisweilen an ihrer Muttersprache verüben. Grund genug für ihn, auf stolzen 220 Buchseiten für den Gebrauch des Bindestrichs zu werben. […] Das Koppeln ist nach Bernabeis Ansicht auch ein gutes Mittel, gewisse Härten der Rechtschreibreform, die er grundsätzlich gutheißt, zu mildern.