Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 30. 11. 2001

Aus presse und internet

31. 7. 2001

: Ein paar orthografische Sorgenkinder. Rechtschreibreform: Ruhe in der Schweiz. Schaffhauser Nachrichten, , Diverses
Das erste Dokument, das die Bundeskanzlei in neuer Rechtschreibung herausgab, war die 1.-August-Rede 1998 von Bundespräsident Cotti: Gerade mal ein Wort darin unterschied sich von der alten Schreibung, wie sich der zuständige Linguist Urs Albrecht erinnert. […] Auch in den Schulen — dem einzigen Bereich neben den Behörden, wo die neue Rechtschreibung verbindlich ist — werden die Regeln «erstaunlich gut» gehandhabt, wie Albrecht als Matura-Experte beobachtet hat.
: Sprachverwirrung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 175, s. 1, Politik
Fünf Jahre nach dem Wiener Rechtschreibabkommen der deutschsprachigen Länder und drei Jahre nach dessen offizieller Einführung kann nicht mehr geleugnet werden, daß die Rechtschreibreform ihr wichtigstes Ziel, die Einheitlichkeitder deutschen Rechtschreibung, verfehlt hat.

Nicht nur die schlussfolgerung, die rechtschreibreform habe ihr wichtigstes ziel, die einheitlichkeit der rechtschreibung, verfehlt, ist in frage zu stellen, sondern vor allem die annahmen, auf denen sie basiert. Zum einen wäre die definition von einheitlichkeit zu diskutieren, zum andern das «wichtigste ziel». «Schreibungen waren nie um ihrer selbst willen wichtig, sondern um den Zugang zu Texten möglichst rasch und unmittelbar zu eröffnen.» Dazu mag es von vorteil sein, wenn in Flensburg und Zürich sowie von professionellen und weniger gebildeten schreibern gleich geschrieben wird, was auch vorher nur sehr eingeschränkt der fall war. Das «wichtigste ziel» einer reform kann es allerdings höchstes zu kaisers zeiten gewesen sein. Einheitlichkeit, stabilität, sicherheit, «wissen, was richtig und falsch ist», disziplin usw. sind positive werte, aber es sind eben keine werte, sondern sekundärtugenden. Das ziel einer reform kann nur sein, etwas besseres zu schaffen.

30. 7. 2001

: Dohnanyi kritisiert Rechtschreibreform. «Sprachpflege Akademie für Sprache und Dichtung überlassen.» Yahoo-Schlagzeilen, , Politik
Der ehemalige Bundesbildungsminister Klaus von Dohnanyi hat gefordert, die Pflege der deutschen Sprache einer unabhängigen Akademie für Sprache und Dichtung zu überlassen. «Ich finde, diese Fragen sollten nicht mehr in die Hände der privaten Wirtschaft fallen. Das muss wirklich zu Ende sein», sagte der SPD-Politiker am Sonntag in der ARD-Sendung «Sabine Christiansen» in Anspielung auf Verlage. «Wir haben eine Akademie für Sprache und Dichtung und wir sollten versuchen, dieser Akademie die Zuständigkeit zu geben.» Auch die Kultusminister sollten nicht über die Sprache entscheiden. Zur Begründung führte Dohnanyi die Rechtschreibreform an. «Was da zum Teil gemacht worden ist, ist schrecklich.»

Und wer «gibt» die zuständigkeit?

29. 7. 2001

: Man spricht Deutsch — aber wie? Sabine Christiansen, ARD-fernsehen,
Deutsch hat sich zu „Denglisch“ entwickelt; viele Menschen fühlen sich, jenseits aller Deutschtümelei, nicht mehr heimisch in der eigenen Sprache. Und die Rechtschreibreform hat zu einem orthographischen „Chaos-Club“ geführt. Jeder schreibt, wie er will, alles ist möglich, fast alles erlaubt: vom flotten Werbespruch bis zur Politikerfloskel, vom Beamtendeutsch bis zur „Insider-Sprache“ der „New Economy“! Werden wir vom „Volk der Dichter und Denker“ zum „Volk der Analphabeten“? Oder ist das die normale Fortentwicklung einer lebendigen Sprache? Sollte die Politik diesen Prozeß durch Gesetze kanalisieren? Oder brauchen wir im Zeitalter von Computern und des „Simsens“ auf Handys gar kein Regelwerk mehr?

Wie kann man eine solche frage stellen und frau prof. Leiss nicht einladen?

28. 7. 2001

: Pater absconditus. Der Vater ist als Rollenfigur so verbraucht wie offen für eine Neuerfindung. Frankfurter Rundschau, , Feuilleton
In der 32. Auflage des Duden, sie wird 2053 erscheinen und nach drei gescheiterten Rechtschreibreformversuchen zur Orthographie und Grammatik von vor 1996 zurückkehren, wird es trotzdem eine epochale Neuerung geben. "Samenspender" und "Befruchter", vor allem aber "Inseminator" haben sich als Äquivalente für das erwiesen, was zuvor mit dem schwammigen Ausdruck "Vater" bezeichnet worden war.
: Es herrscht ein buntes Mischmasch. Kritische Zwischenbilanz der Rechtschreibreform. Kölnische Rundschau online, , Aus Aller Welt
"Für Schüler ist es kaum durchschaubar, warum es heilig sprechen, aber übrigbleiben heißt."

Wäre es, wenn es so wäre. Siehe auch fundsachen.

27. 7. 2001

: Rechtschreibreform in der Schweiz gut umgesetzt. www.news.ch,
Die Schweiz zeigt sich fünf Jahren nach der Reform gelassen. […] In Deutschland dagegen wurde die Debatte vor gut einem Jahr neu entfacht, als die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ mit viel Getöse zur alten Schreibung zurückkehrte.

26. 7. 2001

: Dieses „Buhsgeld“ bitte nicht bezahlen... Polizei warnt: Betrüger geben sich als Steuerfahnder aus. Gießener Anzeiger, , Lokales
Offensichtlich hatte der Verfasser des Schreibens mit der deutschen Rechtschreibung so seine Mühe, denn außer „Buhsgeldbescheid“ war noch von „Ermietlungen“ und „Beschludigten“ die Rede.
: Die Zentralregierung denkt nach. Rechtschreibreform für die Globalisierung: Bis man sich in Taiwan auf ein einziges Transkriptionssystem von chinesischen in lateinische Schriftzeichen geeinigt hat, herrschen Streit und babylonisches Sprachenwirrwarr. die tageszeitung, , nr. 6506, s. 17, Kultur
Taiwan macht derzeit das durch, was die Deutschen gerade hinter sich haben: eine erbitterte und leidenschaftliche Auseinandersetzung um eine Reform der Rechtschreibung.

25. 7. 2001

: Etablierte Verwirrung. Frankfurter Neue Presse, , Hintergrund
Bislang sei die Kommission "sehr zufrieden mit dem Grad der Umsetzung in so kurzer Zeit", sagt Geschäftsführer Klaus Heller. […] Die Akademie für Sprache und Dichtung will im Herbst einen Kompromiss­vorschlag machen. Als für alle "tragbare Lösung" soll er Konzessionen an die neuen Regeln machen, aber auch sinnvolle Regelungen der alten Schreibweise aufleben lassen, sagt Meier. Wenig diplomatisch fügt er hinzu, die Akademie arbeite "mit den besten Sprachwissenschaftlern Deutschlands" zusammen, während an der Reform "ziemlich minderwertige" Wissenschaftler beteiligt gewesen seien.

Die akademie hat im februar 1999 einen kompromissvorschlag gemacht, an den sie sich anscheinend schon selbst nicht mehr erinnert. Vielleicht hat sie damals die besten sprachwissenschaftler noch nicht gefunden, aber jetzt …

: Rechnen die Schulen mit dem Euro? Singener Wochenblatt, , Aktuelles aus der Region
Für ein Sparmodell hat sich dagegen die Rektorin der Beurener Grundschule, Ute Scharré-Grüninger[,] entschieden: »Ich bin nicht bereit, die Bücher jetzt auszutauschen«. Die Rechtschreibreform, die auch Einfluss auf die Mathebücher hat, hatte vor zwei Jahren schon ein Loch in den Etat gerissen.
: Heißt es nun Spaß oder Spass? Thüringer Landeszeitung,
Für größere Verwirrung sorgen jene, die sich der Reform widersetzen — und sich deshalb darauf versteifen, bei neuen Namensnennungen auf die alte Schreibweise durchzusetzen. So kam kürzlich im Westen Thüringens ein "Schloss" wieder zum "ß". Die nächste Generation wird den Kopf schütteln.
: Zusammen schreiben oder doch getrennt? Thüringer Landeszeitung,
Für Thüringer Schüler ist die neue Rechtschreibung längst Alltag […] Der erste Jahrgang hat die Regelschulen und Gymnasien erreicht. […] Die Beschwerdeflut in Deutschland ist inzwischen eingedämmt, Kritik hagelt es weiterhin.

23. 7. 2001

: Fußweg auf dem Holzweg. Westfälische Rundschau,
Der Fußweg zum Stadtbad-Mitte ist ein Sprung ins kalte Wasser der Rechtschreibreform: Während ein "ss" beim Wort muss längst ein Muss ist, bleibt beim Fußweg auch mit der neuen Rechtschreibung alles beim Alten.

Fuss statt Fuß fällt auf; auf dem holzweg ist das schild aber auch mit der nachgestellten beifügung: Stadtbad Mitte.

21. 7. 2001

: Kulissengeplauder. Südwest Presse, Schwäbische Donau Zeitung, , Ulmer Kulturspiegel
So streng wie früher wird es heutzutage mit der Rechtschreibung nicht genommen. […] Die Schulen gehen nicht immer mit gutem Beispiel voran. Nehmen wir die Eduard-Mörike-Schule in Böfingen. Die empfängt ihre Besucher mit einem Schild, auf dem der zweite Bindestrich fehlt, so dass sie nun "Eduard-Mörike Schule" heißt. […] Ein Ulmer Gymnasium wäre, würde man die ganze Strenge der Rechtschreibregeln walten lassen, gleich mit vier Bindestrichen geschlagen. Vernünftigerweise wurde entschieden, so zu schreiben: Hans und Sophie Scholl-Gymnasium. Eine ähnlich elegante Lösung haben die Wiener für den Platz gefunden, der dem Dirigenten von Karajan gewidmet ist. In Wien schreibt man Herbert von Karajan-Platz.

Die «Südwest[-]Presse, Schwäbische Donau[-]Zeitung» selbst geht auch nicht mit gutem beispiel voran. — Falls die regel nicht vernünftig ist, muss man sie ändern; andernfalls ist nicht einzusehen, warum man sich nicht daran halten soll (Zürich). Übrigens ist es in der Schweiz nicht üblich, schulen, kasernen usw. nach personen zu benennen. Damit erspart man sich «unelegante» lösungen, was vielleicht nicht nur eine folge, sondern ein grund ist.

: Weinpröbsche hier, Weinpröbsche dort. die tageszeitung, , nr. 6502, s. 16
Sommerloch liegt nordwestlich von Bad Kreuznach […], ein Kaff wie tausend andere, von den Nachbardörfern Wallhausen, Braunweiler, St. Katharinen kaum zu unterscheiden, wäre da nicht der medienträchtige Name ... […] Wir Medienleute leiden in diesen Wochen verschärft unter dem Sommerloch. Mit allen Mitteln muss es aufgefüllt werden. Zur Erinnerung einige Schlagzeilen aus der letztjährigen Nachrichtenflaute: "Der Prügelprinz, der im Sommerloch den Türkenpavillon anpinkelt" […]. Des Weiteren stopften Bimbes, Kampfhunde und Rechtschreibreform das 2000er Loch zu.

20. 7. 2001

: Pfennige im Portmonee. Remscheider GA, rga-online, , Lokales, Hückeswagen, Kommentar
Eigentlich schon seit Jahren bereitet das Wort Portemonnaie rechtschreibetechnische Probleme. […] Mit der Rechtschreibereform wurde Abhilfe geschaffen. Die Geldbörse heißt nun Portmonee, wie eigentlich auch immer schon gesprochen. Jetzt bereitet das Portmonee allerdings in anderer Hinsicht Probleme. Es wird immer dicker.

19. 7. 2001

: Hallo Kanzler, hier werden Sie geholfen. Veronas Achtpunkteplan: Urlaub, Baby, Buch und statt Werbeaufnahmen politische Auftritte. Bunte, , nr. 30, s. 24 bis 27, Politik & Show
Punkt 7: Dann möchte ich schwanger werden. Und während der Schwangerschaft möchte ich wie Hera Lind ein Buch schreiben. Es wird zwar kein Bestseller wie „Das Superweib“, aber ich möchte mich für die neue deutsche Rechtschreibreform speziell für Kinder und Jugendliche einsetzen und beweisen, dass es keine Rolle spielen muss, ob man das mit ß oder ohne ß schreibt, denn ich selbst beherrsche die Rechtschreibung nicht perfekt und aus mir ist trotzdem was geworden.
Feldbusch sucht ein Bundestags-Praktikum. "Gegen strikte Rechtschreibung." Der Tagesspiegel, , Aus aller Welt
Auch sei sie für eine weniger strikte Anwendung der Rechtschreibung.
: Die Gameshow-Offensive. Ein zartes TV-Pflänzlein rankt sich wieder durch die Fernsehlandschaft. die tageszeitung, , nr. 6500, s. 20, Die Wahrheit
Doch während die Privatwirtschaft Formate wie "Glücksrad" schon wieder sanft entschlummern lässt, haben mit mehrjähriger Verspätung Behörden, Körperschaften des öffentlichen Rechts und gemeinnützige Institutionen die Sympathieförderung via TV-Show entdeckt. Ein bunter Strauß an originellen Spielideen soll den mausgrauen Verwaltungsapparaten aus dem kilometertiefen Imageloch helfen. […] Wie aus Kreisen der Deutschen Rechtschreibkommission verlautet, wollen die Gralshüter der deutschen Sprache mit der neuen Spielshow "Deutsch ist heiß" endlich von ihrem Oberlehrerimage wegkommen und das Publikum auf spielerische Weise mit den Regeln der neuen Rechtschreibung vertraut machen. Geplant sind spannende Spiele rund um die vertrackte deutsche Orthografie, die das bisherige Reformdebakel "ausbügeln" sollen. Der Preis für den Gewinner des kniffligen Spiels steht auch schon fest: zwei Wochen Urlaub in der Dudenredaktion in Mannheim. Na denn, fiehl Spas!

18. 7. 2001

: Gelesen. Schräger Typ. Neues Deutschland,
Ärgerlich allein ist der Wahn der Verfasser, dass mit der Rechtschreibreform alle Straßen in Strassen umbenannt seien. Deren Namen sollen sie sich nun mal gegenseitig vorlesen. Viel »Spass« dabei, Leute!

Da das besprochene buch (Cool Guide Berlin) in Zürich erschienen ist, könnte es auch sein, dass das ß ganz fehlt; das wäre dann kein wahn, sondern ein alter brauch.

: Rosa-Luxemburg-Schriften als Lohn fürs Büffeln. Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung, , Lokales
Zum Zeugnis des Peter Hufe, das er uns vorgelegt hat: Dieses Dokument aus dem Jahre 1983 […], ausgestellt von der Bundeswehrfachschule Weingarten, ist ein Zeugnis über die „Abschlußprüfung des Realschullehrgangs“ und stammt, wie dem Titel unschwer zu entnehmen ist, aus der Zeit vor der Rechtschreibreform.

14. 7. 2001

: Kalenderblatt 2001: 14. Juli. Freies-Wort Online,
Blick in die jüngste Geschichte. […] 1998 — Das Bundesverfassungsgericht weist die Klage von Gegnern der Rechtschreibreform ab und erklärt die Reform für verfassungsgemäß
: Eltern protestieren gegen die Schließung der Schaibinger Schule. Passauer Neue Presse, , Lokalteil Passau-Land
Viel Sparen hätte man bei der unnötigen Rechtschreibreform können, rief eine Mutter.

Vgl. Fundsachen.

13. 7. 2001

: Worte wie Bojen. Der deutschen Sprache geht es besser denn je; ein Sprachschutzgesetz würde das ändern. Berliner Zeitung,
Auch heute schadet dem Deutschen der häufige Gebrauch von amerikanischen Begriffen nicht. Im Gegenteil: Der deutschen Sprache geht es, sieht man mal von der Rechtschreibreform ab, gut wie schon lange nicht mehr.
: Buchtipp. Alltagswörter Südwest Presse, , Feuilleton
Die Sprachwissenschaft rückt nur selten ins öffentliche Bewusstsein, und dann orientiert sich die Öffentlichkeit, wie zuletzt in der Debatte um die Rechtschreibreform, nur wenig an der Meinung der Wissenschaftler. Mit dem Wörterbuch Tesa, Tuc und Teddybär zeigt der Autor Hartwig Lödige nun ganz unaufdringlich etwas von der spritzigen Aktualität dieses altehrwürdigen Fachs.
: Die D-Mark bleibt Schülern erhalten. Thüringische Landeszeitung,
Eigentlich gilt bei Schulbüchern der Drei-Jahres-Rhythmus, "aber es wird — wie bei der Rechtschreibreform — auch Überschneidungen von neuen Regeln und alten Büchern geben" […].

12. 7. 2001

: Jahrelanger Kampf gegen „Unsinnsreform“. Friedrich Denk gibt den Widerstand nicht auf. Münchner Merkur,
„Mit medienwirksamen Promis wie Boris Becker oder Peter Maffay hätten wir mehr Erfolg gehabt.“

Wir auch — hätten . . .

Carell, John: Produkt der ungebildeten Hirnhälfte Halbgebildeter. Zu: "Die Rechtschreibreform ist am Ende"; Welt vom 29. Juni. Die Welt, , nr. 160, s. 9, Forum, Leserbriefe
Die pathetisch "Rechtschreibreform" titulierte Verunstaltung der deutschen Sprache wurde ganz offensichtlich von einem Haufen halbgebildeter Kultusminister mittels jener Hälfte ihres Hirns produziert, die nicht gebildet ist.

10. 7. 2001

: Krankenhaus St. Elisabeth feiert 100-Jähriges. Schwäbische Zeitung,
"Heute hat man ja leider Gottes manchmal den Eindruck, als seien gerade im Gesundheitswesen die Worte Humanität und Nächstenliebe der Rechtschreibreform zum Opfer gefallen", beklagte Widmaier.

Leider Gottes sind bei wörtern ab und zu opfer zu beklagen, etwa bei «worte/wörter», aber an allem ist die rechtschreibreform nicht schuld.

8. 7. 2001

: Herbert Knebel sein Herzklabaster. Mit dem neuen Programm "Unter Strom" begeisterte der Kabarettist aus dem Ruhrpott mit seinem Affentheater 1600 Besucher von Kultur Pur im Emmericher Theaterhof. Neue Ruhr-Zeitung,
Nein, die Grammatik ist nicht sein Ding, da hilft es auch wenig, dass er die Trennregel: "Trenne nie den S von das T" behalten hat und nach der Rechtschreibreform "datt" mit zwei "ss" schreibt.

7. 7. 2001

: Korbi, der Waldläufer. Passauer Neue Presse, , Lokalteil Passau-Land
Eine schöne Sache ist, dass der Stemplinger Sepp, der Stadtrat vom Freudensee, ein altes Kreuz tipptopp (so schreibt man das komischerweise nach der neuen Rechtschreibung) herrichten hat lassen.

So schreibt man das auch nach der alten rechtschreibung.

6. 7. 2001

: Die Zehn-Groschen-Oper. Die Personenwaagen auf den U-Bahnhöfen werden auf die Euro-Umstellung gefeilt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. BS2, Berliner Seiten
Schon seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts versehen die "Wagen" der Firma Sielaff, die früher in Neukölln ansässig war, auf den Berliner Bahnhöfen ihren Dienst. Erst die Rechtschreibreform von 1929 hat das Wort gewogen, als zu leicht befunden und ihm das zweite "a" beschert. Die Berliner Wiegeautomaten haben aber nach wie vor nur eines.

5. 7. 2001

: Einzug des Computerzeitalters. Fehraltorf: Ein Jahr nach dem Umzug der Wohnschule Zürcher Oberland. Der Landbote, , Region
Die Wohnschule – ein Bildungsangebot von Pro Infirmis – bereitet Erwachsene mit einer leichten geistigen Behinderung auf ein möglichst selbstständiges Leben vor. […] Dabei zeigten die Wohnschüler wenig Berührungs­ängste mit den modernen Technologien, im Gegenteil: Ein Mail zu schreiben ist für viele einfacher und unbelastender als das Schreiben eines Briefes – nur schon deshalb, weil man sich in einem Mail nicht um Gross- und Kleinschreibung zu kümmern braucht und damit in guter Gesellschaft ist.

Nicht nur mails kann man in einer menschenfreundlichen ortografie schreiben!

: Zum Tage. Frankenpost Online,
Müssen wir, angesichts des orthografischen Scherbenhaufens, nicht vermuten, die Erfinder der leidigen Reformrechtschreibung hätten sich angestellt wie die ersten Menschen? Durfte ihnen wirklich ihre Aufgabe so schwer fallen, als hätten sie das Rad neu erfinden sollen? Vor 100 Jahren, fast auf den Monat genau, bestand das Problem schon einmal und wurde ungleich souveräner gelöst.

4. 7. 2001

: Weiterbildungsangebote auf einen Blick. Kursprogramm: Herbst 2001. Schaffhauser Nachrichten, , Region
«Der KVS bietet auch verschiedene Seminare und Kurse für den Arbeitsalltag an: Mind Mapping, Briefe ohne Floskeln, Rechtschreibereform, Motivationsseminare, Verkaufsseminare, Seminare für Kaderleute sowie Finanzbuchhaltung und Tastaturschreiben», erklärt Ester Gmünder, Sachbearbeiterin für KVS-Weiterbildung.
: Optischer Gewinn für das Stadtbild Lampertheims. Aus Bushaltestellen werden moderne Informationssäulen. Lampertheimer Zeitung, Main-Rheiner, , Nachrichten aus der Region
Überall werden zurzeit blaue Infosäulen aufgestellt […]. Ein weiterer Fehler fällt nur denen auf, die gut in Rechtschreibung sind — „Straße“ wurde mit "ss" geschrieben. In alter wie in neuer Orthografie. Vielleicht wurde auch nur die nächste Reform vorweggenommen...

3. 7. 2001

: Unterschriften für Volksabstimmungen. Darmstädter Echo, Echo Online,
Dass „das Volk“ hinter der Einführung des Euro und der Osterweiterung der EU stehe, hält der Verein [„Mehr Demokratie“] für fragwürdig. Eine saubere, faire Volksabstimmung könnte das klären, meint Kittler. Das gelte zum Beispiel auch für die Rechtschreibreform.

2. 7. 2001

: „Fünf Jahre in der Giftküche des Gelehrten.“ Lichtenberg-Tagung in Darmstadt: Arnulf Zitelmann über die Liebe des Aphoristikers. Darmstädter Echo, Echo Online,
Nebenbei, mit dieser Ausgabe führt die Lichtenberg-Gesellschaft für ihr Jahrbuch „eine moderate Gestaltung der neuen Rechtschreibung“ ein, wie ihr Vorsitzender in einem Vorwort bekannt gibt, in dem er den Namenspatron der Gesellschaft mit seinen diversen pointierten Kommentaren zur Orthographie im Allgemeinen und Orthographiereformen im Besonderen zitiert und sich ein wenig an Christian Meier reibt, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der ja die Rechtschreibreform in ihrer gegenwärtigen Form radikal ablehnt. Die Lichtenberg entlehnte Überschrift „Wir werden hierin . . . allerdings sehr tolerant seyn“ zeigt, worum es Joost dabei geht.
: Rechtschreibchaos. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 12, Zeitgeschehen
Wann endlich wird der staatlich verordnete Analphabetismus beendet? Wer die Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung verhindert, darf sich über Sprachverfall nicht beklagen.

Würden wir ja auch nicht (Leiss).

: Wegsterben in Düren. Die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Michael Lentz bekommt den Ingeborg-Bachmann-Preis. Frankfurter Rundschau,
Der mit knapp 22 000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis geht an den 1964 in Düren geborenen Michael Lentz für seine Erzählung Muttersterben […]. Es ist eine Erzählung in Kleinschreibung […].
: Schüler müssen weiter mit der D-Mark rechnen. Währung / Bundesländer können sich keine neuen Mathe-Bücher leisten. Südwest Presse,
"Wir stehen vor dem gleichen Problem wie vor zwei Jahren mit der Rechtschreibreform", erklärte Sonja Markgraf, Sprecherin des Kultusministeriums in Hannover. "Von heute auf morgen können die Schulen ihr Lehrmaterial unmöglich gegen Euro-Ausgaben austauschen."
: Ablehnung von sinnvollen Neuerungen aus Eigensinn. Zu: „Die Rechtschreibreform ist am Ende"; Welt vom 29. Juni. Die Welt, , nr. 151, s. 9, Forum, Leserbriefe
Die Häme wegen Nachbesserungen ist überflüssig. Diese beweisen vielmehr, dass die Reform mitnichten am Ende ist.
: Zossen und Katzow. Zeitungsgruppe WAZ,
Was schickt die Pove? Wer diese Frage nicht gleich versteht und beantworten kann, hat keinesfalls die Rechtschreibreform verschlafen. Vielmehr handelt es sich um einen Ausdruck, der zu DDR-Zeiten unter Viehhändlern im Raum Thüringen verwendet worden sein soll.

1. 7. 2001

: Die Verhinderung des Weinens. Gegen den „Geschmacksterrorismus“: Mit dem Hauch einer Kontroverse endete der 25. Ingeborg-Bachmann-Literaturwettbewerb in Klagenfurt. Hannoversche Allgemeine Zeitung (online-ausgabe), , Kultur
Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2001 aber ist der Münchner Michael Lentz: In gedrängtem Stakkato und Kleinschreibung wälzt sich seine dichte Erzählung „Muttersterben“ schlusswärts.
: Meiste Schüler müssen weiter mit Mark rechnen. Nur Bayern stellt Schulbücher rechtzeitig um. donau.zet.net (Mittelbayerische Zeitung),
"Wir stehen vor dem gleichen Problem wie vor zwei Jahren mit der Rechtschreibreform. Von heute auf morgen können die Schulen ihr Lehrmaterial unmöglich gegen Euro-Ausgaben austauschen", sagte die Sprecherin des Kultusministeriums in Hannover, Sonja Markgraf.