Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 2001

Aus presse und internet

30. 6. 2001

: Ein Muß? Neues Deutschland,
Heute regt sich kaum einer noch über das neue Regelwerk auf. Was nicht unbedingt am Sinngehalt der Reform liegt.
: Lebendige Sprache. Die Rechtschreibreform hat durch Regelaufweichung einen Beitrag geleistet — Glosse. Die Welt, , nr. 150, s. 29, Feuilleton
Zu dieser Entwicklung in lebendiger Vielfalt — in der auch der Eigensinn einer Frankfurter Tageszeitung und einiger Buchverlage einen gern zuerkannten Platz findet — hat die Rechtschreibreform durch Regelaufweichung einen wesentlichen Beitrag geleistet. Sie ist eines der wenigen Deregulierungsprojekte, die den Deutschen gelungen sind.

29. 6. 2001

: Der Euro lässt Strafen teurer werden. Südbadischer Fußballverband stellt Währung um und erhöht gleichzeitig die Strafen für Vereine und Spieler. Südkurier, , Lokales
Nicht angepasst wurde die künftige SBFV-Satzung übrigens in Sachen amtlich gültiger Rechtschreibreform. Bei den Fußballern hat "dass" statt "daß" noch nicht Einzug gehalten.
: Die Rechtschreibreform ist am Ende. Gräuliche Entwicklung: Zahlreiche Änderungen in den neuesten Wörterbüchern kommen in großen Teilen einer Rücknahme der Reform gleich; warum deren Verteidigung nicht lohnt. Die Welt, , nr. 149, s. 8, Forum, Gastkommentar
Die Rückkehr zur Vernunft ist durchaus noch möglich, obwohl die Kosten gestiegen sind. Aber ein Weiterwursteln mit ständigen Nachbesserungen käme noch viel teurer.

27. 6. 2001

: Werbegrafiker mit wachem Pioniergeist. «Max Bill: Typografie/Reklame/Buchgestaltung» – Auftakt einer Gesamtausgabe. Der Landbote, , 165. jg., nr. 146, s. 17, Feuilleton
Pioniergeist bewies er auch als Förderer der Kleinschreibung: «wir schreiben alles klein, denn wir sparen damit zeit.» Zu Kompromissen mit Verlegern bereit, wandte Bill allerdings die Gemischtschreibung sogar beim eigenen Buch «Form, eine Bilanz über die Formentwicklung um die Mitte des XX. Jahrhunderts» (1952) an.
: Sprachwissenschaft aktuell: Safari in Dr. Oetkers Hexenküche. [Rezension Lödige: Tesa, Tuc und Teddybär; das große Lexikon der rätselhaften Wörter.] www.stern.de,
Die Sprachwissenschaft rückt nur selten ins öffentliche Bewusstsein, und dann orientiert sich die Öffentlichkeit, wie zuletzt in der Debatte um die Rechtschreibreform, nur wenig an der Meinung der Wissenschaftler. […] Lödige selbst liefert schließlich dutzendfach fröhliche Argumente für die allgegenwärtigen, jedoch immer umstrittenen Anpassungen der Sprache, wie sie zuletzt auch offiziell durch die Rechtschreibreform vollzogen wurden.

24. 6. 2001

: «Dann sollen sie mich eben ausbürgern.» Österreichs Kultmusiker Hubert von Goisern über das Nationalsozialistische der Volksmusik, Dummheit und die Rufe von wilden Schimpansen. Sonntags-Zeitung, , Sonntagsgespräch
«Fön» wird als Ihre bisher beste CD gehandelt. […] Fön ohne h — dazu assoziiert man auf Anhieb Belangloses wie Dauerwellen. von Goisern: Der Titel war mein Beitrag zum Chaos der neuen Rechtschreibung. Das meiste darin ist einfach blödsinnig. Aber wenigstens kann man endlich auch mit der Sprache machen, was man will.

Das konnte man schon immer!

23. 6. 2001

: Maupaßant. Kölner Stadt-Anzeiger, , Kultur, Kommentar
Da die "FAZ" die Reform ablehnt, schreibt sie noch immer "daß" und "laß". Solcher Mut zum Bewahren kann freilich zur einer Anpassung in die andere Richtung führen. In ihrem Freitag-Fernsehprogramm passierte es der "FAZ", dass aus dem Autor Maupassant Maupaßant wurde.
: Drei Schwimmregeln. Vor 100 Jahren rund um Spremberg; 25. Woche 1901. Lausitzer Rundschau, , Spremberg
Die große Rechtschreib-Konferenz hatte getagt und befunden: "Thor, Thier — ohne h; und ie in regieren bleibt. Große Buchstaben bleiben auch erhalten. Damit sind alle Länder-Unterschiede in deutschen Landen beseitigt." In hundert Jahren konnte eine weitere große Rechtschreibreform kommen. Wir wissen heute, dass sie nur für die Buchindustrie Bedeutung hatte. Wenn sie vielleicht bald rückgängig gemacht wird, ist das doppelter Gewinnen für die Duden-Hersteller.

22. 6. 2001

: Kleine Meldungen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 4, Politik
Die Gegner der Rechtschreibreform in Niedersachsen haben eine weitere Niederlage erlitten.
Ministerium siegt mit Rechtschreibreform. Im jahrelangen juristischen Streit um die Rechtschreibreform haben deren Gegner in Niedersachsen eine weitere Niederlage erlitten. Hannoversche Allgemeine Zeitung,
Das Kultusministerium will der Schule Josephines jetzt aufgeben, den Übergang von der bisher gelernten alten Rechtschreibung zur den neuen Regeln „behutsam“ zu vollziehen. Ministeriumssprecherin Sonja Markgraf erinnerte auf Nachfrage daran, dass bis zum Ende der Übergangsfrist Mitte 2005 alte Schreibweisen in schriftlichen Arbeiten nur als überholt gekennzeichnet und nicht als Fehler gewertet werden.
: Juristischen Schlussstrich gezogen. Gericht: Auch Josephine Ahrens muss neue Rechtschreibregeln lernen. Nordwest-Zeitung,
Das Verfahren, in dem es um den Anspruch der heute zwölfjährigen Josephine Ahrens ging, nach den alten Rechtschreibregeln unterrichtet zu werden, endete mit einer Niederlage der Klägerin Gabriele Ahrens (Elsfleth), Mutter des Mädchens.
: Josephine schreibt trotzdem «belemmert». NZ Netzeitung, netzeitung.de,
Genau erinnert sich Gabriele Ahrens an einen Tag vor etwa drei Jahren, als ihre Tochter mit einem Diktat nach Hause kam. Josephine ging damals in die dritte Klasse und hatte ein Wort falsch getrennt. In der Verbesserung sollte sie «Zu-cker» schreiben. «Da sind wir wach geworden», sagt Gabriele Ahrens. Schreibweisen wie «Potenzial», «Tollpatsch» oder «belämmert» durchzusetzen, das sei ein «unglaublicher Vorgang». «Dadurch soll das Volk verdummt werden.» […] Josephine wird in den Sommerferien trotzdem keine neuen Schreibregeln pauken, sondern auch im nächsten Schuljahr schreiben wie immer.
: "Unsere Sprache hat sich immer verändert." Die Ministerin und die Rechtschreibung — Ein Interview. Die Welt, ausgabe Bayern, , Gesellschaft
Hohlmeier: Ich habe mich dabei ertappt, früher schon das ein oder andere Mal die neuen Regelungen angewandt zu haben — unbewusst. Selbst die Gegner der Reform, deren Briefe mich ja auch erreichen, schreiben oft in der neuen Form, ohne es selbst zu wissen. […] Von Anarchie kann keine Rede sein. Und auch das Ende der Übergangsfrist im Jahr 2005 ändert nichts Entscheidendes an der gewohnten Situation: Für Schüler galt früher ein verbindlicher Rechtschreibstandard. Das ist heute so und wird auch nach 2005 so sein.
: Der Rechtschreib-Papst. Seine Chaostheorie zur Rechtschreibreform hat Theodor Ickler den deutschen Sprachpreis eingebracht. Die Welt, ausgabe Bayern, , Gesellschaft
Fazit des Professors: "Wir sind das einzige Volk, das von Amts wegen seine Sprache nicht beherrscht."

21. 6. 2001

: Trostpreis für Rechtschreiber. Hannoversche Allgemeine Zeitung,
Ickler […] ist öffentlich vor allem mit pointierten Fundamentalverrissen der jüngsten deutschen Rechtschreibreform hervorgetreten. […] Hier hat die Preisvergabe eine hübsche polemische Note. Dass sie zugleich tröstlichen Beistand leisten will, verrät Paragraph 3 der Satzung: „Auch gilt es, dem Preisträger bei seinen berechtigten Bestrebungen das Gefühl der Vereinsamung und der Verlassenheit zu nehmen.“
: Von A bis Z. Nicht zu knapp. Die Welt, , nr. 142, s. 30, Feuilleton
ß ist der deutscheste aller Buchstaben […]. Seit der Rechtschreibreform darf man ß auch als Großbuchstaben verwenden […] Die Rechtschreibreform hat die Regeln für die Schreibung des ß vereinfacht. […] Dass man statt daß jetzt dass schreiben muss, ist keine Erleichterung, sondern ein Taschenspielertrick, denn die Kinder machen nun keine das/daß-Fehler mehr, dafür aber das/dass-Fehler, und das nicht zu knapp.

20. 6. 2001

: Nürnberger Universitäts-Professor geehrt. Preis für deutsche Sprache geht an Kritiker der Rechtschreibreform. Bocholter-Borkener Volksblatt, , Kultur
Icklers Schriften zur deutschen Orthographie knüpften wie all seine Werke in ihrem Sachverstand, ihrer philologischen Akribie und ihrem wissenschaftlichen Ethos an die guten Traditionen deutscher Sprachwissenschaft an.
: Richtige Schreibung. Ickler erhält Deutschen Sprachpreis. Süddeutsche Zeitung, , s. 20, Feuilleton
Die Stiftung würdige „die vielfältigen und richtungsweisenden Arbeiten eines bedeutenden deutschen Sprachwissenschaftlers, vor allem auf dem Gebiet der Orthographietheorie und -geschichte“, heißt es in der Begründung.

19. 6. 2001

: Wird Sprachforschung ignoriert? Neue Zürcher Zeitung, , nr. 139, s. 69, Briefe an die NZZ
Neuere Untersuchungen […] belegen die Schwierigkeit der englischen Sprache für Kinder, da das Englische in Wort und Schrift bekanntlich nicht übereinstimmt.[…] Ich meine mit gesundem Menschenverstand behaupten zu dürfen, dass das Frühenglisch in der Schule sich nachteilig auf den gesamten Sprachlernprozess auswirkt.
: Gesetzmäßigkeiten der Standardisierung. Frankfurter Rundschau, , Forum Humanwissenschaften
Englisch hat seine Stellung nicht aufgrund inhärenter Gütekriterien erlangt, sondern durch Machtpolitik. Seine heutige Unverzichtbarkeit erklärt sich zudem aus Gesetzmäßigkeiten der Standardisierung, ähnlich dem Sieg Microsofts über Apple. Englisch hat eklatante Defizite: eine chaotische Orthographie ebenso wie Lücken im Wortschatz.
: Grass raucht im Rathaus. Neue Presse,
Am Montag Abend hat der Literaturnobelpreisträger Hannover besucht. […] "Ohne Günter Grass ist Deutschland nicht denkbar", sagte Landtagspräsident Rolf Wernstedt (61) voller Anerkennung — und fügte schmunzelnd hinzu: "Allerdings habe ich mich einmal sehr mit ihm über die Rechtschreibreform gestritten."
: "Dat tut man nich mehr mit scharfem -s- schreiben." Westdeutsche Zeitung, , Kreis Neuss
Mit "Unter Strom" sorgten Herbert Knebel und sein Affentheater für beste Unterhaltung im Einstein-Forum. […] der beabsichtigt falsche Umgang mit der deutschen Sprache gehört zu seinen Paradedisziplinen. Etwa wenn der passionierte Fan von "Schwarz-Gelb Dortmund" […] in der Halbzeitpause der Partie gegen das benachbarte Altenheim mit seinen Spielern über die Rechtschreibreform fachsimpelt.
: Deutscher Sprachpreis 2001 an Theodor Ickler. Berliner Zeitung, , Bildung und Hochschule
Mit seiner umfassenden und konstruktiven Kritik an der Rechtschreibreform, so die Begründung, sowie mit seiner vorbildlichen Aufbereitung der allgemein üblichen Rechtschreibung habe Ickler der deutschen Sprachgemeinschaft und ihrer Kultursprache einen großen Dienst erwiesen und den Weg gezeigt, der aus der Krise der deutschen Rechtschreibung herausführen könne.
: Rechtschreiber. Deutscher Sprachpreis an Theodor Ickler. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 139, s. 49, Feuilleton
Seit 1996 hat Ickler in mehreren umfangreichen Essays in dieser Zeitung die eklatanten Widersprüche der Rechtschreibreform dargelegt und auch die im vergangenen Jahr erschienene 22. Auflage des "Duden" einer detaillierten Kritik unterzogen.
: Deutscher Sprachpreis an Theodor Ickler. Stuttgarter Zeitung, , Kultur
Die von der Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft vergebene Auszeichnung ist mit 15000 Mark dotiert.
Sprachpreis für Germanisten Theodor Ickler. Die Presse, , Kultur
Der Erlanger Professor Theodor Ickler, einer der prominentesten Kritiker der Rechtschreibreform, erhält den diesjährigen Sprachpreis der Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache.

Schön, aber bei «Reinheit der deutschen Sprache» denkt unsereins an Leiss.

18. 6. 2001

: Abschreckendes sprachliches Kunterbunt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 57, Briefe an die Herausgeber
Eine der möglichen Antworten auf die Frage, warum immer weniger junge Franzosen Deutsch lernen möchten, könnte in der Rechtschreibreform begründet sein.

Ist aber nicht; vgl. Frankfurter Rundschau vom 19.

: Fußtritte für den "Fussweg". Schilderstreich am Pragsattel. Stuttgarter Nachrichten, , Stuttgart
Am Pragsattel hat die Leserin den Schildbürgerstreich entdeckt. Dort heißt es: "Fussweg zum Robert-Bosch-Krankenhaus." […] Erst kürzlich sei das Schild ausgewechselt worden. Früher habe man den richtigen "Fußweg" lesen können. […] Der Schilderwechsel habe nichts mit der Rechtschreibreform zu tun.

17. 6. 2001

: Fußball Intern. Welt am Sonntag, , Sport
Als "angestellter von schalke 04" schreibt Profi Yves Eigenrauch, 31, regelmäßig Kolumnen für die alternative "taz". In kleinen Lettern — Eigenrauch ignoriert konsequent die Orthographie — erinnerte sich der Abwehrspieler jetzt an seine große Verbitterung beim DFB-Pokalfinale gegen Union Berlin, bei dem er nur auf der Tribüne sitzen durfte.

16. 6. 2001

: Schließt die Hochschulreferate. Die Autonomie der Universitäten steht in Deutschland nur auf dem Papier von Festrednern. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 46, Feuilleton
Die Erneuerung der Hochschulen erinnert fatal an die Rechtschreibreform. Bestimmt wird sie nicht von den Betroffenen, sondern von Lobbyistenzirkeln und Ministerialbeamten.
: Mit Links. Was bringt die kommende Woche? Silke Hohmann sagt's Ihnen! Mit Links im virtuellen Netz. Frankfurter Rundschau, , Magazin
Am 17. Juni 1901 legte die Konferenz zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung Regeln für Deutschland, die Schweiz und Österreich fest, die sich in Konrad Dudens "Orthographischen Wörterbuch" manifestieren (www.rechtschreibreform.com).
Überflüssig wie ein Kropf. Nordwest-Zeitung,
[…] Kandidatenkür zur Wahl des künftigen FH-Präsidenten, betroffen der Kandidat Carsten Ahrens aus Oldenburg. Ihm wurde angeblich das Etikett „Nicht präsidiabel“ angepappt […]. Ahrens, der sich außerhalb der Hochschule vor allem durch seinen Einsatz im Kampf gegen die Rechtschreibreform einen gewissen Ruhm erworben hat, gilt auf dem Campus als Mann des offenen, mitunter vielleicht voreiligen Wortes, der den Streit nicht unbedingt sucht, ihm aber auch nicht aus dem Wege geht.

15. 6. 2001

: Nie mehr zurückblättern. Rainer Moritz über die neue Freizügigkeit im Buch. Der Tagesspiegel, , Kultur
Wertkonservative Menschen führen gerne Klage über die allenthalben waltende Sittenverrohung. […] und so fällt es den Zivilisationskritikern nicht schwer, mit Inbrunst schlimmste Verfallsindizien aufzulisten: "Big Diet", die neue Rechtschreibung, die Schwulenehe, Kurt Biedenkopfs Wohnverhältnisse, der Zustand des deutschen Feuilletons ...

14. 6. 2001

: Reformer im Stillen. www.rechtschreibreform.com/Perlen/KraftBank/KraftBank.pl?ThuJun1405:43:37PDT2001,
Ohne Gerhard Augst hätte es keine Rechtschreibreform gegeben, denn die 68er hatten längst resigniert. […] Der kleine Kreis unermüdlicher Reformer, der über viele Jahre hinweg im Stillen an der Rechtschreibreform gebastelt hat, ist ausschließlich sein Werk.

Das (aus unserer sicht verdienstvolle) wirken von Gerhard Augst ist zweifellos einzigartig, aber diese kollegenschelte illustriert das sonst eher einfachen leuten eigene monokausale denken einiger reformgegner.

13. 6. 2001

: Der Kaiser ließ am „Thron“ nicht rütteln. 1901 wurde eine einheitliche Rechtschreibung eingeführt — Die jüngste Reform, ein Fall von „Regelungsgewalt“? Augsburger Allgemeine, , nr. 134
Gern verweisen heutige Reformer auf die „Zweite Orthographische Konferenz“ vom 17. Juni 1901. […] Der Erlanger Sprach­wissenschaftler Prof. Theodor Ickler vermutet, man wolle damit einen Präzedenz­fall staatlicher Ortho­graphie-Lenkung schaffen, der quasi legitimatorisch auf die heutige Reform abstrahle.
: Schreibreform wohin? Augsburger Allgemeine, , nr. 134
Einst galt: Die Schule soll den Schülern jene Rechtschreibung beibringen, die "in den gebildeten Kreisen des Volkes zur festen Gewohnheit geworden ist".

Wo steht das, was hier in anführungszeichen steht? Es ist die meinung von reformgegnern. Dass es je gegolten habe, bei der rechtschreibung oder anderswo, ist wunschdenken — zum glück.

: Von den Leuten, denen wir die Rechtschreibreform verdanken. Interesse für nix. Landshuter Zeitung,
Auf alle Fälle sind das die Leute, denen wir die Rechtschreibreform zu verdanken haben. „Ach, rauh schreibt man dann hinten ohne h? Hat man das bisher anders geschrieben? Interessiert doch keinen.“

So wie das regieren ohne volk einfacher wäre, hätten wir vielleicht weniger probleme mit der rechtschreibung, wenn sich das blöde volk so sehr dafür interessieren würde wie die gebildeten kreise. (Nur vielleicht, denn die ehrlichen gebildeten fühlen sich nicht so erhaben.) Wenn man nicht in sekundärtugenden verliebt ist und das tadelnde zitat mit distanz betrachtet, kann man daran nichts negatives erkennen; "Interesse für nix" ist eine interpretation der autorin.

: Ganz wie in alten Zeiten. Rechtschreibreform: Gespräch mit Kommissionsleiter Augst. Mannheimer Morgen, , Kultur
Vor 100 Jahren fiel in Berlin der Beschluss, in ganz Deutschland eine einheitliche Rechtschreibung einzuführen. Und vor fünf Jahren folgte die Entscheidung für die Rechtschreibreform. In einer ersten Bilanz sehen die Reformer ihr Werk als Erfolg an. "Nach Behörden und Medien verwenden auch immer mehr Bürger privat die neue Rechtschreibung", sagt Professor Gerhard Augst, Leiter der Zwischenstattlichen Rechtschreibkommission. Er sieht darin eine historische Parallele: Auch vor 100 Jahren war die Einführung der einheitlichen Rechtschreibung heiß umstritten.
: Nur am Thron wird nicht gerüttelt. Offenbach-Post, , Kultur
In der Geschichte der Rechtschreibung werde sich auch ein anderer Einschnitt wiederholen, meint Duden-Redaktionsleiter Wermke. "1995/96 hat es sehr viel Kritik gegeben. Von Aufregung beim Publikum ist bei der Duden-Redaktion aber nichts mehr zu bemerken." In diesem Jahrzehnt würden bereits die ersten Schüler, die nach der neuen Schreibung gelernt hätten, die Schulen verlassen. "Das war auch damals der endgültige Durchbruch der einheitlichen Rechtschreibung."
Namen — Notizen. Südwest Presse, , Politik
Zitat des Tages: Der Thron ist immer noch der Thron. Daran darf man nicht rütteln, auch wenn wir schon lange Republik sind. Auch die neue Rechtschreibung habe an der alten Schreibweise nichts verändert, so Gerhard Au[g]st von der Rechtschreibkommission.

12. 6. 2001

: "Dinosaurier der Poesie" und Jongleur der Idiome. Heute wäre der österreichische Autor H. C. Artmann 80 Jahre alt geworden. Donaukurier, , Kultur
Seine Kleinschreibung hatte übrigens simple ästhetische Gründe: "Deutsch hat zu viele Oberlängen", bekannte er einmal.

9. 6. 2001

: Zum An-die-Wand-Werfen. Sehr enttäuscht, ziemlich aufregend. Aus den Leserzuschriften der letzten Woche. junge Welt, , Feuilleton
Bitte stellt das Thema »Euro« ins Zentrum der Berichterstattung. […] Es deutet sich schon jetzt ein ähnliches finanzielles Desaster an, wie bei den von oben dilettantisch durchgesetzten Aktionen EXPO, Krieg im Kosovo, Rechtschreibreform, Privatisierung der Bahn u. a. All diesen Aktionen haftet etwas Staatsstreichartiges an und mißlang den Nieten in Nadelstreifen.

7. 6. 2001

: Rechtschreibreform und Nationalsozialismus. Eine glänzende Studie — trotz gewisser Demagogie. Neue Zürcher Zeitung, , 222. jg., nr. 129, s. 68, Feuilleton
Soweit passt alles zusammen. Und doch ist es entweder Demagogie oder Unkenntnis der Historie, die Unterordnung der Schrift unter phonetische Prinzipien als nationalsozialistisch zu brandmarken — zumal wenn dies mit der Suggestion einhergeht, dass jeder, der dem phonetischen Primat huldige, braunes Gedankengut pflege.

5. 6. 2001

: «Heute kommunizieren wir ganz anders als vor 30 Jahren.» Schulpsychologin Edith Rederer spricht über den SMS-Boom und eine neu entstandene Sprache. Liechtensteiner Volksblatt, , Inland
Was ist charakteristisch für die SMS-Sprache? […] Rechtschreibregeln spielen keine Rolle. Alles wird mehr oder weniger klein geschrieben, die Schriftsprache wird mit Umgangston vermischt.
: «Abenteuerliche Ergebnisse.» Betriebe beklagen schlechtes Niveau der Bewerber. Berliner Morgenpost, , Wirtschaft
Dafür sind äußere Form der Bewerbung und Rechtschreibung […] besser geworden. Hier zahlt sich offenbar die wachsende Verbreitung von Computern aus.
: Eine Offenbarung. rechtschreibreform.com (http://www.rechtschreibreform.com/Perlen/KraftBank/KraftBank.pl?MonJun422:44:57PDT2001, nicht mehr aktiv), , Kommentar
Wenn es nicht lächerlich wäre, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, könnte man Herrn Landolt einiges entgegenhalten.

2. 6. 2001

: Da weiß man, was man hat. Status-quo-Präferenz, Besitzeffekt, Verlust-Aversion: Die Psychologie der Reformblockaden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 15, Die Ordnung der Wirtschaft
Verluste tun manchmal mehr weh als Gewinne gut. Das Problem jeder Reform ist, daß mit ihr eine Änderung des Status quo verbunden ist, der aber als solcher hohe Wert­schätzung genießt. Viele Nachteile des Status quo haben den Charakter von Opportunitäts­kosten (ent­gangenes Wachstum, entgangene Einkommens­zuwächse, entgangene Beschäftigungsmöglichkeiten), die in der menschlichen Beurteilung aber nicht in dem Maße durchschlagen. Demgegenüber haben die Kosten von Reformen oft den Charakter einer direkt spürbaren pekuniären Belastung (Abbau von Sozial­leistungen und Subventionen), die im psychologischen Kalkül stärker zu Buche schlagen. […] Eine zentrale Rolle darin spielt der Widerstand der Reformverlierer, der oft politisch wirksamer ist als die Unter­stützung der Reformgewinner für Veränderungen. Die Psychologie bietet mit ihren Erkenntnissen über die Verlust-Aversion eine Erklärung für diese Asymmetrie. Verlust-Aversion ist eine Beurteilungs­weise, bei der eine Verschlechterung in bezug auf einen Referenz­wert intensiver erlebt wird als eine nach dem Betrag gleiche Verbesserung. […] Die Verlust-Aversion erklärt die Durchschlags­kraft der Reform­verlierer: Diese erleben die Verluste intensiver als Gewinner ihre Verbesserungen. […] Status-quo-Präferenz, Besitzeffekt und Verlust-Aversion haben eine Paradoxie zur Folge: Wenn Wähler im Ausgangspunkt zwar noch Reformen ablehnen, würden dieselben Wähler nach Reformen möglicherweise nicht zum ursprünglichen Zustand zurückkehren wollen […]. Eine Rückkehr zur alten Situation würde von den Reform­gewinnern nun als Verlust betrachtet, der ungleich intensiver erlebt würde als umgekehrt der Gewinn durch die Reform.

Zum beispiel bei jeder rechtschreibreform: Der (übrigens begründete) verzicht auf zu weit gehende rein grafische bedeutungsdifferenzierung wird beklagt. Anderseits bejubelt niemand den gewinn an anderer stelle (eindeutigkeit von stillleben, rückauflösung der ck-/kk-trennung), weder die gegner noch (in einem vergleichbaren ausmass) die befürworter.

: Europhobie. Frankfurter Rundschau, , Magazin
Die haben Ihnen die Rente geklaut und jetzt wollen sie Ihnen die Deutsche Mark nehmen. Der Euro kommt. Aber nicht mit Ihnen! Die Kontakt­versuche Ihres Bank­beraters wehren Sie ab wie ein Soldat, genauso die Regierungsinfos. Das hat bei der Rechtschreib­reform gezogen, mit Konsequenz und Ignoranz schaffen Sie auch die Währungsreform. Aber leider liegt da ein Irrtum vor. Der Euro kommt. Auch ohne Sie.

6. 2001

: Schreibreform: Wird die Mogelpackung wieder aufgeschnürt? Die neuen Regelungen werden in der breiten Öffentlichkeit nicht akzeptiert — Die zwischenstaatliche Rechtschreibkommission soll nun schon im Jahre 2002 statt 2005 Änderungsvorschläge machen — Eigentliches Ziel ohnehin verfehlt. Druck + Papier, , 139. jg., nr. 6—7
Das Wort der Druckindustrie scheint allerdings — erneut — nicht gefragt zu sein. […] Allerdings dürfen sich die in der Druckindustrie Verantwortlichen nicht darüber wundern, dass sie nicht gefragt werden, haben sie doch mit der vielfältigen Abschaffung oder Ausdünnung der Korrektorate und Überlassung der Verantwortung für die Rechtschreibung in den Druckerzeugnissen an Agenturen, Autoren und Auftraggeber massiv an Kompetenz eingebüßt.
: Sprachwart: Grießbrei, Reisbrei usw. Druck + Papier, , 139. jg., nr. 6—7, s. 10
Wie die Schreibpraxis in der Schweiz zeigt, geht es auch ganz ohne ß!
: 100 Jahre deutsche Einheitsschreibung. www.duden.de,
In der Schweiz wurde übrigens bereits seit 1894 offiziell nach dem »Duden« geschrieben. […] Für Konrad Duden, den Pragmatiker, war mit dieser Regelung sein wichtigstes, über lange Jahre konsequent verfolgtes Anliegen der Herbeiführung einer einheitlich geregelten deutschen Rechtschreibung zwar erfüllt. Von der Sache her waren ihm die Ergebnisse allerdings nur ein Zwischenziel. […] Die Ergebnisse der II. Orthographischen Konferenz wurden, wie könnte es anders sein, nicht von allen positiv bewertet. Den einen blieben sie auf halbem Wege stehen, den anderen waren sie ein Bruch mit dem Gewohnten. […] Im Guten wie im Schlechten – werden manche sagen – hat sich die Geschichte wiederholt.