Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 27. 4. 2017 , 20. 12. 2016

Aus presse und internet

31. 10. 2000

neu : Die Oralprimaten. Rechtschreibung aus dem Geist der Schriftverachtung. Frankfurter Rundschau, , s. 18, Feuilleton (969 wörter)
Anlass, die eigenen Ansichten über die NS-Kultur­politik zu über­prüfen, gibt die Unter­suchung Rechtschreib­reform und National­sozialismus (Wallstein Verlag) von Hanno Birken-Bertsch und Reinhard Markner reichlich. Die Absicht der Autoren be­schränkt sich aber nicht darauf, Gründe zu liefern, einige Nazi-Klischees zu kassieren. Ihre Re­konstruktion eines "Kapitels aus der politischen Geschichte der deutschen Sprache" zielt auf die zentralen Vor­aussetzungen der aktuellen Rechtschreib­reform und lässt eine pro­grammatische Kontinuität erkennen, die man schlecht wird ignorieren können. Die ent­scheidende Über­einstimmung zwischen der Reform von 1944 und der anno 1996 besteht im Primat, das beide der ge­sprochenen Sprache einräumen.
: „Also, ääh“. Rolf Miller am Abend. Nürnberger Zeitung, , Feuilleton
Würden in Millers Repertoire nicht ab und an Wörter wie „Rechtschreib­reform“ oder „Handy“ auftauchen, könnte man sich vollends in die kabarettistischen Achtziger zurückversetzt fühlen.

30. 10. 2000

: Die Tagung fiel aus, der Büchnerpreis bleibt. Die Akademie in Klausur und Volker Braun auf der Bühne. Neue Zürcher Zeitung, , 221. jg., nr. 253, s. 30, Feuilleton
«Rechtschreibreform und National­sozialismus» heisst das Buch, […] dessen suggestiver Titel sich vorzüglich dazu eignet, Aufmerksamkeit und böses Blut zu stiften. Als 1998 das Bundesverfassungs­gericht seine Anhörung zur Rechtschreib­reform durchführte, hatte Christian Meier auf die Reform­versuche des nationalsozialistischen Erziehungs­ministers Rust in den vierziger Jahren hingewiesen und pointiert, das gegenwärtige Bestreben, eine bei der Bevölkerung unerwünschte Orthographie staatlich durch­zusetzen, erinnere doch sehr an die Ambitionen der Nazis — ein Vergleich, für den er sich ent­schuldigen musste und den er jetzt in Darmstadt auch nur wiederholte, um ihn zu verneinen. Mit dem nun vorliegenden Buch freilich bleibt die Suggestion in der Welt. […] Hoch ging es her in Darmstadt, es war die lebhafteste Veranstaltung der Akademie seit langem.
: Gute Tradition. Akademie gegen Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, , 56. jg., nr. 250, s. 17, Feuilleton
Mit Ausnahme der Rechtschreib­reformen der Nationalsozialisten 1941 und 1945 sei es bisher eine "gute deutsche Tradition" gewesen, nichts gegen den Willen des über­wiegenden Teils der Sprach­gemeinschaft zu tun.
unterm strich. die tageszeitung, , nr. 6283, s. 14
Und wo wir schon bei Nazis sind: Auch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung setzt ihren Anti-Reform-Alarmismus fort. "Rechtschreib­reform und National­sozialismus" heißt ihre jüngste Publikation, von der die Akademie uns schreibt, sie provoziere mit dem Ergebnis, dass die 1996 beschlossene Neuordnung der deutschen Orthographie in ungebrochener Kontinuität auf den Reform­bemühungen der Nazis aufbaut, und liefere so einen tabu­brechenden Beitrag für die aktuelle Diskussion. War uns gar nicht bekannt, dass Dämlichkeit ein deutsches Tabu ist.

28. 10. 2000

: Immer diese neue Rechtschreibung. Berner Zeitung, , nr. 253, s. 47, Kultur, Kultour
Mit einer Attacke gegen die Reform der deutschen Rechtschreibung hat sich die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zu Wort gemeldet.

27. 10. 2000

: Reinhard Mey. Zeitgeist getrotzt. Kölnische Rundschau, , Kultur
Aus Überzeugung hält der Berliner an Alt­bewährtem fest. Und das sind nicht nur seine Cowboy-Stiefel mit Metall­beschlag. "Ich singe nach der alten Recht­schreibung, lasse mir mein ß nicht wegnehmen und ein ph, das wie f klingt, habe ich auch unter­gebracht", raunt Mey trotzig.
APA/df: Reich-Ranicki über Handke, Computer und Mahnmäler. Kurier online,
Bei einem Bankett im Presseclub Concordia machte Marcel Reich-Ranicki wieder einmal Rundumschläge. […] Alle 100 Jahre darf einmal die Recht­schreibung reformiert werden.

25. 10. 2000

neu : Erkenntnisse moderner Leseforschung ignoriert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 77, Feuilleton
Zum Artikel von Wolfgang Illauer […] (F.A.Z. vom 5. Oktober) […]. Nicht genug damit, daß sich der Augsburger Lehrer als antifaschistischer Kämpfer gegen die nach "Verhaltens­mustern totali­tärer Macht­haber" agierenden Kultus­minister stilisiert und mit scharfer Feder deren Geiseln - seine "kleine fünfte Klasse" - gegen solche "erpresserischen" Maß­nahmen zu ver­teidigen sucht, belästigt er auch noch Ihre Leser mit einem Aufruf zum "Kampf" gegen die Orthographie­repressalien der Willkür­herrscher. Ist diese martialische Rhetorik wirklich nötig? Abgesehen davon, daß sie die skurrile Vorstellung einer orthographie­terroristischen Avantgarde bei mir weckt, an deren Spitze Illauer und die F.A.Z. den Schulter­schluß üben, muß man sich angesichts der auch von ihm selbst zu­gestandenen Erkenntnis, daß die Rechtschreib­reform im Grunde "un­bedeutend" sei […], fragen, ob dieser Grad der Exaltation der Reform angemessen ist.
Umfrage: 58,8 Prozent für die alte Rechtschreibung. Giessener Anzeiger,
Es gibt in Stadt und Kreis Gießen eine klare Mehrheit für die Rückkehr zur alten Recht­schreibung.

21. 10. 2000

: Das Wunderbare der deutschen Sprache. Kabarettisten-Duo Michael Angierski und Elmar Thüner untersuchten im Pub Wortgebilde Lampertheimer Zeitung (Main-Rheiner), , Nachrichten aus der Region
Aufs Korn genommen wurden Rechtschreib­reform und die Gefährdung der Arbeitsplätze, egal wie sich die Menschen verhalten.
: Gemischtes Doppel. Gremliza und Tomayer auf der Buchmesse Frankfurt. Main-Echo Online, , Kultur
[…] liefern sie bissige Polemik: Über jenes bedeutende Blatt Deutschlands, das gewichtig mit der Rechtschreib­reform aufmachte, obgleich zum gleichen Zeitpunkt in Düsseldorf ein fremden­feindlicher Anschlag erfolgte […]

20. 10. 2000

: «Qu'est-ce-que you have gseit?!?» Gedanken zur Sprachendiskussion links und rechts von neuer Rechtschreibung und Frühenglisch. Zofinger Tagblatt,
Die Frage «Bist du reformiert oder katholisch?» ist schon lange der Frage «Schreibst du kennen lernen getrennt oder zusammen?» gewichen. […] Weshalb man bei der rechtschreib­reform nicht gleich nägel mit köpfen gemacht statt alten wein in neuen schläuchen verkauft hat, bleibt im verborgenen (ja, kein überlegen, ob gross oder klein!).
: Man spricht (noch) Deutsch in Tschechien. An den Schulen des Nachbarlandes läuft Englisch unserer Muttersprache langsam den Rang ab. Der neue Tag, Oberpfalznetz,
Bei der Tagung […] ging es auch um die Rechtschreib­reform mit ihren Fall­stricken, die aber den Tschechen, wie sich herausstellte, weniger Probleme bereitet als vielleicht erwartet. "Man kann's lernen", meinte eine Seminar­teilnehmerin. Das gelte für Schüler wie für Lehrer.
: In die rechte Ecke geschoben. Klar, schlicht und stark; SZ vom 2./3. Oktober (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 15, Briefe an die SZ (136 wörter)
Weil ich die Rechtschreib­reform zumindest zum großen Teil befürworte […], bin ich tief in meinem Innersten ein Nazi und arbeite von mir unbemerkt daran, zum „späten Vollstrecker des NS-Willens“ zu werden. […] Seit längerer Zeit ist zu beobachten, dass den Reform­gegnern anscheinend die Argumente ausgehen, und so greift man zur vermeintlich schärfsten Waffe […].
: In die rechte Ecke geschoben. Klar, schlicht und stark; SZ vom 2./3. Oktober (II). Süddeutsche Zeitung, , s. 15, Briefe an die SZ (142 wörter)
Ich würde mir wünschen, dass Sie diesen Weg der kritischen Aus­einandersetzung mit Sach­argumenten weitergehen würden[,] und hoffe sehr, dass Sie sich am Ende dieser Auseinander­setzung dazu durchringen, dem Schritt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die alte Recht­schreibung zu verwenden, zu folgen.

Einschliesslich kommaregeln, alt oder neu.

: In die rechte Ecke geschoben. Klar, schlicht und stark; SZ vom 2./3. Oktober (III). Süddeutsche Zeitung, , s. 15, Briefe an die SZ (144 wörter)
Hans Kriegers Artikel ist ein Beispiel für die politische Unkultur in unserem Land. […] Versuchten die Gegner der Rechtschreib­reform ursprünglich, die Reformer als Alt-68er hinzustellen, die nachträglich ihre sozialistischen Utopien durch die Reform umsetzen wollten, so sollen sie jetzt als Nazis diffamiert werden.

19. 10. 2000

: Kreuzdonnerwetter! Kann man auf Deutsch nur Befehle brüllen? Über den unwiderstehlichen Singsang und die Rechtschaffenheit unserer Muttersprache. Weltwoche, , 68. jg., nr. 42, s. 45f, Literatur
Jedenfalls ist die deutsche wie jede Sprache jederzeit politisch und ästhetisch zu missbrauchen, partiell im Wortschatz verschlissen und in einigen Fällen für eine Weile unbenutzbar geworden durch un­erträgliche Assoziationen […]. Trotzdem sollte man ihre Karikatur, dazu gehören die Wort­vergewaltigungen einer Bürokratie­sprache durch ungehemmten Prä- und Suffix­gebrauch wie auch die Highlights der aktuellen Rechtschreib­reform, nicht mit ihr selbst verwechseln.
: Rechtschreibreform — personelle Identität und Kontinuität. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 57, Feuilleton
Merkwürdig finde ich es, nebenbei, daß niemand von einer anderen Orthographiereform redet, die tatsächlich stattgefunden hat. Natürlich ist es im strengen Sinn keine Orthographiereform, aber doch etwas in die Nähe Kommendes. Ich meine die Einführung der lateinischen Schrift und die gleichzeitige Abschaffung der bisherigen, der Sütterlin-Schrift. […] Gut, dies ist ein anderes Kapitel, aber daß es in Zusammen­hang mit der Rechtschreib­reform überhaupt nie aufgemacht wird, ist schon ein wenig überraschend. […] Man kann auch gegen die Klein­schreibung sein, aber daß dies eine wirkliche Reform gewesen wäre und auch eine wirkliche Vereinfachung — jedenfalls fürs Schreiben — kann wirklich nicht bestritten werden. Als dies nicht ging, da konnten nur noch Kinkerlitzchen bleiben, die nun irritieren.

Zur fraktur: «Überhaupt nie» ist nicht ganz richtig, wie eine suche nur schon auf diesen seiten zeigt.

: CDU fordert mehr Geld für Schulbücher. Kölner Stadt-Anzeiger, , Rhein/Wupper
Heinz Wilgenbusch, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, begründete den Antrag mit der Rechtschreib­reform […]
: Ein altersweiser Mey. Oberbayerisches Volksblatt, , Kultur
Und er sang, wie er augenzwinkernd erzählte, «nach der alten Rechtschreibung».

18. 10. 2000

: Deutsche greifen weiter zum Reformduden. Rechtschreibdebatte hat die Käufer von Wörterbüchern nicht verunsichert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 20, Wirtschaft
Die 22. Auflage des Recht­schreib-Duden verkauft sich nach Angaben des Mann­heimer Biblio­graphischen Instituts überdurch­schnittlich gut. […] Die Hamburger Thalia-Buch­handlung verkauft den Duden zehnmal so oft wie die "Deutsche Recht­schreibung" von Bertels­mann. […] Im Gegensatz zu 1996 zeigten sich die Käufer diesmal nicht ver­unsichert. "Damals haben die Leute noch nach der alten Recht­schreibung gefragt", erinnert sich eine Hugendubel-Mit­arbeiterin. Inzwischen habe man sich gewöhnt - auch Gerüchten, daß möglicher­weise wieder alles anders werde, begegneten die Kunden mit Ge­lassenheit.
neu : Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden. Der Olifant moderner Paladine: Sigmund Freuds „Geheimes Komitee“ in seinen Rundbriefen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 75, Neue Sachbücher
Die auf vier Bände angelegte Edition soll im Herbst 2003 ab­geschlossen sein. In der vor­liegenden Form kann sie aller­dings nur als verderbt be­zeichnet werden: Selbst der verhängnis­volle Hinweis am Schluß der Einleitung, daß die Orto­graphie „behutsam und still­schweigend“ den heutigen Regeln „notabene vor der Rechtschreib­reform“ angepaßt worden sei, entpuppt sich an­gesichts von schönen Archaismen wie „Versandt“, „hienüber“, „etz.“ als irreführend […].

17. 10. 2000

: «Regeln benutzerfreundlicher umgesetzt.» Dudens Neuauflage der deutschen Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 242, s. 68, Feuilleton
Es scheint, als ob aus dem Duden-Wörterbuch, von dem erwartet wird, das es richtungweisend für die Rechtschreibung sein soll, ein Verzeichnis der Möglichkeiten geworden ist. Wer ob der Vielfalt der Möglichkeiten irritiert wird, den verweist der Duden-Verlag auf das im Oktober 1998 erschienene Praxis­wörterbuch zur neuen Recht­schreibung, «denn es zeigt für alle Wörter in der Regel nur eine Schreib­variante».
: Übernimm dich nur nicht, Onkel Staat. Michael Oakeshotts ungläubige Politik . Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. L39, Literaturbeilage
Der Skeptiker hat laut Michael Oakeshott eine Begabung, […] sich eine Katastrophe vorzustellen, ein Gespür für fernes Donnergrollen. Dieses Talent, durch Erfahrung geschult, findet im Horizont seiner Erfahrungswelt auch seine Grenze, und so hat man Oakeshott, den Bürger der glücklichen Insel, nicht des naiven Optimismus überführt, wenn man feststellt, daß er sich ein Fiasko wie die deutsche Rechtschreib­reform nicht hat vorstellen können. In dem nachgelassenen Manuskript über zwei Grund­tendenzen neuzeitlicher Politik, das Timothy Fuller herausgegeben hat, dient die Verein­fachung der englischen Schreibregeln als Beispiel einer skeptischen, die Textur der Überlieferung respektierenden Reform und wird mit der Reform des englischen Rechts verglichen, die sich auf die Harmonisierung von Verfahrens­regeln beschränkte. Der Versuch, die Verfahren der Politik zu vereinfachen, entspräche nach Oakeshott dagegen dem Unternehmen, die Sprache selbst simpel zu machen durch Beschneidung des Wort­schatzes und Verstümmelung der Syntax. […] Wie das deutsche Experiment gezeigt hat, genügt eine Änderung der Schreibregeln, um den Wortschatz zu berauben und die Syntax zu malträtieren. Der Skeptiker darf sich auch bestätigt sehen, wenn seine schlimmsten Befürchtungen überboten werden. Man kann die deutsche Rechtschreib­katastrophe als klassisches Beispiel für die Verheerungen des von Oakeshott in einem Essay von 1962 geschilderten "Rationalismus in der Politik" betrachten.
: An der Ostfront begann der «Holokaust». Guido Knopps ZDF-Dokumentation schildert in sechs Teilen den Mord an den europäischen Juden. Berliner Morgenpost, , TV & Medien
Die Schreibweise ist kein Irrtum und hat auch nichts mit der umstrittenen Rechtschreib­reform zu tun. Die ungewohnte, «eingedeutschte» Schreibung ist vielmehr Programm: «Das Verbrechen ist von deutschem Boden ausgegangen.

16. 10. 2000

vor der buchmesse: gesamtbuchstabenmenge liegt über höchstgrenze. die tageszeitung, , nr. 6271, s. 19
Der Grund: die von den deutschen Verlagen immer häufiger angewandte Rechtschreib­reform. […] Die wenigen eingesparten Kommata reichen kaum aus, um das diesjährige Buchstaben­gesamtgewicht der Messe unter die zulässige Höchsttonnage zu drücken. Das Buchstaben­gewicht hat sich durch die teilweise Abschaffung des "ß" zugunsten von "Doppel-s" deutlicher erhöht als zunächst vermutet.
: Felerquoten! Sprach Spiele. Die Welt, , Feuilleton
Angesichts der rauhen/rauen Wellen, die die Orthografie­glaubensfrage derzeit schlägt, heißt es gegenüber den wahren Tücken: Ruhe bewaren. Entschuldigung: Rue bewahren. Nein, auch falsch. Unerhört schwierig, keine Fehler zu machen.
: Aus dem Maximilianeum. Anmerkungen zur Landespolitik. Die Welt, , Bayern
Es umfasst knapp 500 Seiten, wiegt zwei Kilo und hat einen himmelblauen Plastikeinband: Das offizielle "Handbuch des Bayerischen Landtages". […] Wie gewissenhaft der Landtag seine Informationen überarbeitet, zeigt auch der Blick auf die neue Rechtschreibung: Der gute alte "Ausschuß" (sic!) heißt ab sofort "Ausschuss", genauso wie aus dem SPD-Abgeordneten Johannes Straßer (sic!) ein Strasser wurde — auf eigenen Wunsch, wie der Landtag betont, "er hat sogar sein Geburts­register ändern lassen".

15. 10. 2000

: "Ein Walser veröffentlicht nicht im Internet." Die Konkurrenz der elektronischen Medien, die Rechtschreib­reform und die literarische Bildung: Fragen an Deutschlands wichtigsten Verleger, Siegfried Unseld. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , s. 9, Sonntagszeitung
Ich wäre sehr für eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung. Ob wir das bei unseren Kultusministern schaffen? Ich glaube nicht, denn Minister wollen sich ungern revidieren.

14. 10. 2000

: Lesefieber bei Glarner Harry-Potter-Fans. Der vierte Band «Harry Potter und der Feuerkelch» erscheint heute auch im Glarnerland. Südostschweiz Glarus, , nr. 241, s. 3, Glarnerland
«Um neun Uhr morgens werden die Camions geladen, und dann werden die Buchhandlungen in der Schweiz beliefert», so Hanspeter Joos, Leiter der Verlags­auslieferung, im Vorfeld. […] Und auf die Frage, ob er schon mal einen solchen Run erlebt habe, meinte er: «Höchstens, als der neue Duden aufgrund der neuen Rechtschreibung erschien.»

13. 10. 2000

: Ein Wortverliebter, der etwas zu erzählen hat. Reinhard Mey stellte im fast ausverkauften Stadtcasino sein mittlerweile 21. Album «Einhandsegler» vor. Basler Zeitung, , nr. 239, s. 44, Kultur aktuell
Meys auf die Rechtschreibereform gemünzte Bemerkung «Ich bin schon zu alt, um umzulernen» («Haben Sie gehört — im letzten Lied waren einige Phs drin»), lässt sich ohne weiteres auf sein ganzes dichterisches Selbst­verständnis übertragen.
: Produktive Unruhe geht von den Alten aus. Die überregionale deutsche Tagespresse in Bewegung. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 239, s. 77, Medien und Informatik
Vor allem aber inszeniert das «FAZ»-Feuilleton mit Inbrunst und grossen rhetorischen Gesten gesellschaftspolitische «Debatten» und besetzt selbstbewusst viele der Themen mit, die Traditionalisten eigentlich für politische Ressorts reservieren möchten. […] Ohne Scheu hat Frank Schirrmacher, der junge für Kultur verantwortliche Herausgeber, eine etwas skurrile Kampagne für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung losgetreten. Mancher Leser wäre freilich schon dankbar, wenn die Zeitung beim Redigieren der Artikel etwas mehr Sorgfalt walten liesse und nicht so viele Druck- und Grammatikfehler produzierte.
: Hamburg zeigt Flagge in Berlin. Neue Landesvertretung eröffnet — Alt-Kanzler Schmidt warnt vor neuer Gigantomanie und falscher Europapolitik. Berliner Morgenpost, , Berlin
Aber auch in der Bundesrepublik sei der Föderalismus ausgehöhlt wie seit 1949 nicht. Neben der Finanzpolitik sei «der ballonartig aufgeblähte Apparat der Kultusministerkonferenz dabei ein Hauptschuldiger. Die Konferenz gehöre abgeschafft, inklusive der überflüssigen Rechtschreib­reform», forderte Schmidt unter spontanem Beifall des Auditoriums.
: "Recht guter Jahrgang". Thüringer Allgemeine,
Der Nobelpreis für den gebürtigen Weimarer Herbert Kroemer hat nicht nur das Rathaus bewegt. Alte Schulfreunde, das Schiller­gymnasium und ehemalige Nachbarn kramen in Erinnerungen und suchen nach Spuren des plötzlich weltberühmten Wissenschaftlers. […] Auch der Mathe-Leistungskurs der zwölften Klassen hat einen Brief geschrieben. "Dabei haben wir uns entschlossen, die Rechtschreib­reform außen vor zu lassen. Damit kann der Professor bestimmt nichts anfangen", fanden die Schüler. In dem Brief heißt es: "Wir sind sicher, daß es nicht nur in unserem Interesse liegt, Sie willkommen zu heißen. Wir vermuten, auch Sie sind neugierig, wie das Friedrich-Schiller-Gymnasium und Weimar heute aussehen."
: Helmut Schmidt warnt vor zu viel Macht für Brüssel. Ausufernde "Mischkompetenz und Mischfinanzierung" löse ein tiefes Misstrauen der Bürger aus. Die Welt, , nr. 239, s. 4, Politik, Deutschland
In diesem Zusammenhang, so sein Vorschlag, könne auch umgehend die "aufgeblähte Bürokratie der Kultusminister­konferenz abgeschafft werden" — einer Einrichtung, die auch noch eine überflüssige Rechtschreib­reform geschaffen habe. Die Kultusminister­konferenz habe keine Existenz­rechtfertigung: "Wenn etwas bundes­einheitlich zu regeln ist, ist das Sache von Bundesregierung und Bundestag."

12. 10. 2000

: Ales ferkehrd. Facts, , nr. 41, s. 46ff, Schweiz
Unsere Kinder sind von der deutschen Sprache total überfordert, ihre Kenntnisse katastrophal. Statt Frühenglisch wäre Frühdeutsch nötig. […] Von Orthografie und Grammatik, Konjugation und Deklination scheinen viele Schul­abgänger nichts begriffen zu haben. Statt­dessen behelfen sie sich mit fonetischer Schreib­weise […].
: Schloßstraße wird zur Schlossstraße. In Aachen werden 61 Straßenschilder ausgewechselt. Aachener Nachrichten online, , Nachrichten aus Aachen
Getilgt wird flächendeckend jeder Straßenname, der unzeitgemäßerweise ein "ß" hinter kurzem Vokal aufweist […]. 17 Aachener Straßen sind betroffen […]. Angesichts von etwa 3000 Straßennamensschildern in Aachen (bei einer Gesamtzahl von 30.000 Verkehrs­zeichen) findet die Rechtschreib­reform nur relativ geringen Niederschlag im Stadtbild. Dennoch gibt es kritische Stimmen, die fragen, ob es in Zeiten leerer Kassen so dringend nötig sei, einige tausend Mark wegen ein paar Veränderungen am deutschen Schriftgut auszugeben (die Lebens­dauer eines Schildes beträgt in der Regel zehn bis 15 Jahre).
: Williges Werkzeug des bayerischen Kultusministeriums. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, Politik
Der Bayerische Philologenverband ist seit langer Zeit ein williges Werkzeug des bayerischen Kultus­ministeriums. […] Daß es an den deutschen Schulen auf Jahre hinaus zu einem unerträglichen Rechtschreib­chaos gekommen ist, liegt am Desinteresse oder an der Inkompetenz von Verbands­funktionären, die keine Germanisten sind.
: Polemik auf Wolters Homepage. Frankfurter Neue Presse, Höchster Kreisblatt, , Lokales
[…] die Internetseite des CDU-Bürgermeisterkandidaten Ralf Wolter. Der letzte Eintrag übrigens stammt vom CDU-Kreis­vorsitzenden und Landtagsabgeordneten Axel Wintermeyer. Der äußert sich […] lobend über Wolters Internet-Seiten. Allerdings hat er seinen gesamten Beitrag ohne Großbuchstaben abgefasst. Ein neuer Vorschlag zur Reform der Rechtschreib­reform?
: Vier gute Argumente für den "Hohenbogen". Schreibweise, wie sie die Geschichte nahelegt. Kötztinger Zeitung (Straubinger Tagblatt, Landshuter Zeitung), , Regionalnachrichten
"Hoher Bogen" oder "Hohenbogen"? Mit dieser Frage setzte sich Ludwig Baumann in seinem Vortrag am Dienstag beim Wald-Verein in Kötzting auseinander. […] Die Getrennt­schreibung […] ist eine Mode unserer Zeit. […] Das Sprach- und Schreib­wirrwarr um den "Hohen Bogen" gehört für unsere Redaktion seither der Vergangenheit an, zumal "Hohenbogen" für Transparenz und Vereinfachung sorgt. Was man von vielen Bestandteilen der Rechtschreib­reform nicht gerade behaupten kann.
: Und ire libe zur perfekzion, naja. Warum es in Deutschland mehr Schlangen gibt als am Amazonas: Tengelmann, die Expo und der schwierige Umgang mit der Post. Süddeutsche Zeitung, , s. 19, Feuilleton
Von wegen wolstand in Deutsch­land. Richtig, man kann hir zimlich alles kaufen, aber wievil stunden braucht man dazu! […] Vor 10 jaren dachte man, nach der wider­vereinigung würde sich der osten an den westlichen standard anpassen, aber wenn ich die schlangen hir se, muss ich sagen, es is wol verkeert rum gelaufen.

10. 10. 2000

: Warten auf Harry Potter: Fans rüsten sich mit Butterbier. Rhein-Neckar-Zeitung, rnz-online, , Kultur
Der erwartete Run auf das Buch sei wohl nur mit dem Sturm auf den neuen Duden nach der Rechtschreib­reform vergleichbar, heißt es in einer großen Düsseldorfer Buchhandlung.

9. 10. 2000

: Landtag bleibt bei neuer Schreibung. Sindelfinger Zeitung, , Landesnachrichten
Nur die rechtsextremen Republikaner fordern, im Südwesten zu den alten Rechtschreibregeln zurückzukehren.
: Warten auf Harry Potter: Fans rüsten sich mit Butterbier. Südkurier, , Nachrichten
Deutschland ist im Harry Potter-Fieber: Tausende lesehungrige Fans des Zauberers zählen die Tage bis zum Erscheinen des vierten Bandes «Harry Potter und der Feuerkelch» an diesem Samstag. […] Der erwartete Run auf das Buch sei wohl nur mit dem Sturm auf den neuen Duden nach der Rechtschreib­reform vergleichbar, heißt es in einer großen Düsseldorfer Buch­handlung.

8. 10. 2000

: Rechtschreibung nach Nazi-Vorbild? Die Art und Weise der Rechtschreib­reform von 1996 zeigt große Ähnlichkeiten mit den Reformplänen, die 1941 im Auftrag Hitlers ausgearbeitet wurden, fanden zwei Forscher heraus. Welt am Sonntag, , nr. 41, s. 38, Zeitgeschehen
Anders als die Reformer von heute hätten sich die National­sozialisten aber nicht getraut, ihre Pläne gegen die Öffentlichkeit durch­zusetzen.

Wir haben den vätern der neuregelung immer vorgeworfen, dass sie zu sehr auf die akzeptanz schielten. Oh, wie haben wir uns getäuscht! Es waren die zartbesaiteten nationalsozialisten, denen die akzeptanz das höchste war. Eine Rechtschreib­reform lag oberhalb, der millionenfache mord dagegen unterhalb der akzeptanzschwelle. Eine interessante geschichtsauffassung! In dieser abstufung nimmt sich das, was sich die heutigen reformer getrauen, entsprechend schlimm aus. (Nicht zu reden von dem, was der BVR will.) Jetzt verstehen wir, warum gegner wie Jürgen Frielinghaus nur noch beten können.

7. 10. 2000

: Rückbau. Berliner Morgenpost, , Feuilleton, Glosse
Im Ernst, der Präsident der Akademie sollte uns verraten, was er im Sinn hat. Will er Korrekturen, die «leid» und «Leid» betreffen, oder will er die Rechtschreib­reform zu Klumpatsch schlagen? Merke: Ein Euphemismus ist eine besonders tückische rhetorische Figur.
: Wenn das der Führer wüsste. Berliner Zeitung, , Feuilleton
Mit der von Hitler gestoppten Rechtschreib­reform war eine andere von ihm gewollte Reform einhergegangen: Die Abschaffung der Fraktur­schrift […]. Wir empfinden diese Modernisierung nicht als Willkürakt der Diktatur. Auch sie ging auf die Brüder Grimm zurück. In der Einleitung zum Deutschen Wörterbuch hatte Jacob Grimm die deutsche Schrift als "unförmlich und das auge beleidigend" bezeichnet und zur Orthographie bemerkt: "in den letzten drei jahrhunderten, trägt die deutsche schreibung so schwankende und schimpfliche unfolgerichtigkeit an sich, wie sie in keiner anderen sprache jemals statt­gefunden hat, und nichts hält schwerer als diesen zustand zu heilen. Berlin 2. merz 1854." Merke: Geschichte ist kein ideologischer Selbstbedienungs­laden.
: Ausblick auf Herbsttagung. Darmstädter Echo,
Die Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung steht vor der Tür […]. Am Freitag (27.) gibt es um 14.30 Uhr im Maritim-Konferenz­hotel eine Buchvorstellung: „Rechtschreib­reform und National­sozialismus“.
: Gedämpfte Hoffnung auf Besserung. Die Kultusminister beobachten die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 233, s. 5
Erst am Ende ging Lemke auf die Rechtschreib­reform ein. […] In dem Gesamtbericht soll sie [die kommission] Ende 2001 auch die Ergebnisse ihrer Gespräche mit Schulbuchverlagen, Zeitschriftenverlagen und Nachrichtenagenturen berücksichtigen. Von Literaturverlagen ist nicht die Rede. Daß überhaupt Bewegung in die bislang auf die Verteidigung der Reform konzentrierte Kultusminister­konferenz kam, ist nach dem Urteil von Beobachtern der Rückkehr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur alten Rechtschreibung und dem Engagement der hessischen Wissenschafts­ministerin und FDP-Vorsitzenden Wagner zu verdanken.
: Rechtschreibung wird 2001 geprüft. Kölner Stadt-Anzeiger, , Kultur
Bereits Ende des Jahres 2001 werden die Erfahrungen mit den neuen Rechtschreib­regeln zusammengefasst.
: Nur Mut, Kultusminister. Kölner Stadt-Anzeiger, , Kultur, Kommentar
Die Kultusminister sehen nach den jüngsten Protesten Handlungs­bedarf. Jetzt muss ihnen Mut zugesprochen werden, vor allem Mut dazu, die unseligen Getrennt­schreibungen wieder abzuschaffen.
: Greuel darf in Gladbach Greuel heißen. Neue Rechtschreibung lässt die Stadt kalt. Kölnische Rundschau, Bergische Landeszeitung, , Lokales
Ob man Schlossstraße oder Schloßstraße schreibt? In der Mannheimer Dudenredaktion reagiert man auf die Frage routiniert: "Am 1. August 2005 ist die neue Rechtschreibung maßgeblich für Behörden, dann sollten die Straßenschilder geändert sein", erklärt die freundlich-kompetente Stimme am Beratungstelefon (01 90/87 00 98). […] In der "Schloss-clinic" in Bensberg (Schloßstraße 20) sieht man das nicht ganz so locker: Zwar habe man sich 1999 beim Einzug für das Doppel-S im Namen entschieden, erzählt Ulrike Gelker, weil das Schriftbild besser aussehe. Die Straßenschilder aber sollten bleiben, wie sie sind, meint sie: "Briefbögen, Außenschilder, Stempel, Prospekte. . . . alles müsste geändert werden. Nein Danke, auf die Kosten können wir verzichten!" Das findet grundsätzlich auch Sigrid Mommer. Sie wohnt im Greuel. […] Muss das nach neuer Recht­schreibung nun Gräuel heißen […]? […] 01 90/87 00 98 weiß auch da Rat: "Klarer Fall von historischer Schreibung", sagt sie kurz und knapp. Also: Greuel kann Greuel bleiben.
: Minister stützen Schreibreform. Experten-Kommission soll aber Bericht früher vorlegen. Süddeutsche Zeitung, , s. 8, Nachrichten
Die Kritik an den neuen Regeln bewerten die Minister als eine „von einzelnen Medien während der Sommermonate hervor­gebrachte“. Es gebe wichtigere Bildungs­fragen als die Rechtschreib­reform, sagte KMK-Präsident Lemke.
: Unterm Strich. Die Samstagskolumne. Südkurier, , Villingen, Lokales
Ratsrechtsaußen Jürgen Schützinger hat da einmal ins bildungspolitische Feld hinein geschnüffelt und als — vermutlich — ohnehin Anhänger altgermanischer Runenschrift die innig diskutierte Rechtschreibe­reform auserkoren. […] So recht mochte freilich nicht mal der Hinweis ziehen, dass solches Aufständlertum nach innen nichts kostet und nach außen kostenlose Werbung bringt. Zwar, grummelte Alt-OB Gebauer zum Thema, könne auch er der modernisierten Fassung deutscher Recht­schreibung nicht sonderlich viel Positives abgewinnen, noch weniger allerdings der Aussicht, dass sich Villingen-Schwenningen gegen die neue Recht­schreibung ausspricht, Donaueschingen vielleicht dafür, während ein dritter Ort möglicherweise den heilenden Ausweg im Esperanto sieht. Und ein gesellschaftpolitisch bedeutsames Thema auf dem Altar der schnellen Schlagzeile zu opfern? Nein, irgendwie hat man sich unter den Kommunalpolitikern unter medial wirksamen Events etwas anderes vorgestellt.
: Neue Rechtschreibung wird früher reformiert. Kultusminister beschließen: Kommission muss schon bis 2002 Änderungsvorschläge vorlegen. Die Welt, , Politik, Hauptstadt
Zu dem jetzt beschlossenen Verfahren sagte Wagner der WELT, die Termine für die "Reform der Reform" würden um mehrere Jahre vorgezogen. So solle die zwischenstaatliche Rechtschreib­kommission in Mannheim bereits im nächsten Jahr eine "Bilanz" der Reform vorlegen. Schon im Jahr 2002 werde sie dann ihre Änderungs­vorschläge präsentieren.
: Schlechte Zensuren für Reformgegner. Kultusministerium hält NS-Vergleich in Münchener Appell für niveaulos. Welt Online, , Bayern
"Wir möchten zu dem Appell keine Stellung nehmen, weil sich nichts Neues daraus ergibt", sagte die Presse­sprecherin des Ministeriums, Brigitte Waltenberger, auf Anfrage der WELT. "In den vergangenen fünf Jahren haben wir uns ausführlich mit der neuen Recht­schreibung befasst und sie en détail diskutiert. Die Reformgegner sind nach wie vor dieselben und tragen mit ihrem Appell keine neuen Fakten zur Diskussion bei."
Schreibreform: Die Deutschen bleiben ihr treu. Die Presse, , nr. 15.792, s. 33, Kultur
Trotz massiver Kritik hält die deutsche Kultusministerkonferenz an der Rechtschreib­reform fest.
: Die Kerkermauern fallen. Nie wieder amtliche Rechtschreibdiktatur. , , forum, Kommentar
Eine kleine Nebenbemerkung für die Reformer: Daß Eure Volks­belästigung zu 100% ver­schwinden muß, bedeutet, daß sie völlig, komplett, von A bis Z eliminiert werden muß! Verstanden? Bei Euch weiß man ja nie, ob Ihr das kleine Einmal­eins beherrscht, Ihr 0,05%-Theoretiker. Merkt Euch: Mit Eurer Rechtschreib­folterei seid Ihr ein paar Jahr­hunderte zu spät dran. […] Die Ku-Minister wollten uns in einen Rechtschreib­kerker sperren. Doch wir sind das Volk[,] und wo der Wille des Volkes sich Bahn bricht, da fallen Mauern und Stacheldraht […].

6. 10. 2000

: Mehr Achtung vor den Lehrern verlangt. Stuttgarter Zeitung, , nr. 231, 56. jg., s. 2, Politik
Hessens Wissenschaftsministerin Ruth Wagner (FDP) hatte zuvor in der "Welt" gefordert, die KMK müsse dafür sorgen, dass die geplante Überprüfung der Rechtschreib­reform durch eine zwischenstaatliche Kommission nicht erst 2003 erfolge. KMK-Präsident Lemke wandte sich gegenüber der StZ gegen eine Reform der Reform. Denkbar seien allenfalls kleinere Korrekturen am Regelwerk.
: Strobel gegen alle. Ein emeritierter Hamburger Professor sorgt mit seinen Attacken gegen CDU und SPD für den erhofften Wirbel. Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Themen
Wer in der Parteispendenaffäre gräbt, darf sich vor gut gemeinten Hinweisen nicht fürchten. So gab am 31. Januar diesen Jahres ein Apotheker der Wiesbadener Staats­anwaltschaft den Tipp, die anonymen Zahler in den Reihen der Großverlage zu suchen, die mit der Rechtschreib­reform kräftig Kasse gemacht hätten. Angesichts des Unsinns der Reform müssten hohe Bestechungs­gelder geflossen sein.
: Stadt schreibt weiter reformiert. Südkurier, , Villingen
Die Rechtschreib­reform ist ein Flop und soll wieder abgeschafft werden, fordert Stadtrat Jürgen Schützinger. Der Rechtsaußen hat einen förmlichen Antrag gestellt.
: Landtag hält an der Rechtschreibreform fest. Nur "Republikaner" für Sonderweg in Baden-Württemberg. Südwest Presse, , Südwestumschau
An der umstrittenen Rechtschreib­reform sollte nach dem Willen einer großen Mehrheit im Landtag festgehalten werden.
: Kultusminister bleiben hart. Spiegel Online, , Kultur
Grundsätzlich brauche die Umstellung allerdings Zeit. Eltern und Lehrer dürften nicht durch eine neue Änderungs­diskussion verunsichert werden, wie es bei der turnus­mäßigen Konferenz der Schul- und Wissenschafts­minister am Donnerstag in Bremen hieß.

5. 10. 2000

: Keine Rückkehr zu alten Regeln. Badische Zeitung, , Baden-Württemberg/Aus der Region
Dem hielt Kultusstaatssekretär Rudolf Köberle (CDU) entgegen, die „Republikaner“ versuchten lediglich eine überflüssige Sommerlochdebatte zu verlängern.
: Die Kultusminister haben vor der nationalen Aufgabe kapituliert. Das Deutschland-Bild spaltet die Länder. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 3, Politik
Anstatt weiter um Verständigung zu ringen, warf sich die Kultusministerkonferenz 1995 auf die Reform der Rechtschreibung, auf die sie sich Ende des Jahres einigte. Man tritt dem Präsidenten der Konferenz, Reck, nicht zu nahe, wenn man feststellt, daß er das Ausmaß und die Wirkung des neuen Regelwerks nicht durchschaute. Sein Nachfolger im Präsidenten­amt, der nieder­sächsische Kultusminister Rolf Wernstedt (SPD), war unglücklich darüber, daß er sich 1996 vornehmlich mit der Rechtschreib­reform herum­zuschlagen hatte und als "Rechtschreib­präsident" in die Geschichte einzugehen drohte. Viel lieber hätte der in der DDR geborene und zur Schule gegangene Politologe seine Kollegen, aber auch Lehrer und Schüler zum "Nachdenken über Deutschland" angeregt.
: Die ungeliebte Rechtschreibreform. Chronik einer Überwältigung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 8, Politik
Die Geschichte der Rechtschreib­reform läßt sich mit einem Staffellauf vergleichen, bei dem der Stab unabhängig davon weiter­gereicht wurde, ob in Deutschland eine Monarchie, eine Diktatur oder eine Demokratie den Herrschafts­rahmen abgab. Unablässig variierten die "Neuerer" alte Vorschläge; nur die ideologische Verbrämung änderten sie von Fall zu Fall. Sie waren sich bewußt, daß die Öffentlichkeit ihre Pläne nicht billigen werde.
: Die neue Rechtschreibung in der Schule und in der Zeitung. Widerlegung der Argumente der Kultusminister und Reformer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 231, s. 10, Die Gegenwart (2926 wörter)
Manchmal zeigt sich bei scheinbar harmlosen Kleinigkeiten Erschreckendes, geradezu Unheimliches. Es gibt viele Beispiele für diese Binsenweisheit, eines davon ist die Einführung der Rechtschreib­reform. Das Ausmaß an arroganter Machtausübung, an Manipulation […], an hartnäckiger Desinformation und Irreführung der Öffentlich­keit, das sich unsere vorbildlich demokratisch gesinnten Kultusminister bei der Durchsetzung der Reform geleistet haben und immer noch leisten, hätte ich nicht für möglich gehalten. Es ist unheimlich, wie da Verhaltens­muster totalitärer Machthaber aufblitzen.
"Münchner Appell" der Gegner der Rechtschreibreform. Einheit der Schriftsprache angemahnt; Sprecher rückt Rechtschreiberefom in Nazi-Zusammenhang. Süddeutsche Zeitung Online,
Die Initiative "Für eine vernünftige Rechtschreibung" hat am Dienstag in der bayerischen Landes­hauptstadt den Münchner Appell "Für die Einheit der Schriftsprache" veröf­fentlicht. Zu den Erstunter­zeichnern gehören die Schriftsteller Siegfried Lenz, Ilse Aichinger, Ota Filip, Elfriede Jelinek, Günter Kunert und Reiner Kunze.
: Wagner: Die Rechtschreibreform in Teilen zurücknehmen. Die hessische Wissenschaftsministerin kritisiert die Schreib-Verunsicherung und plädiert für eine Reform der Reform. Die Welt, , nr. 232, s. 4, Deutschland
Die neue "ß/ss"-Regel ist ziemlich inkonsequent. […] Wir schrieben bisher die Anrede "Du" groß. Und da sagen die nun: Wenn man jemanden duzt, dann besteht kein Anlass, ihm eine besondere Ehrerbietung zu bezeugen — also klein schreiben! Aber wenn ich jemanden duze, dann bezeuge ich ihm ja gerade besondere Ehre.

Wissen das mit der besonderen ehre alle? Wenn ja, muss man es nicht jedes mal mit dem grossbuchstaben signalisieren. Wenn nein, wie löst man das problem in der gesprochenen sprache? Ein gross geschriebenes Sie würde es deshalb auch nicht brauchen, und man würde es auch kaum neu erfinden, aber man behält die unterscheidungsschreibung bei.

4. 10. 2000

: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (I). Tages-Anzeiger, , nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum
Mit einem riesigen Aufwand haben die Reformer nur ein paar Mängel durch andere ersetzt.
: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (II). Tages-Anzeiger, , nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum
Es wäre jetzt wünschenswert, dass möglichst alle mitmachen würden; wer nicht umlernen will, verweigert dies in der Regel einfach aus Bequemlichkeit. Dass beim und nach dem Umgewöhnen noch Fehler passieren werden, ist selbst­verständlich und nichts Schreckliches.
: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (III). Tages-Anzeiger, , nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum
Peter Gallmann und die so genannte Expertenkommission zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung wollten also die geschriebene Sprache vereinfachen — warum haben sie es nicht getan?
: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (IV). Tages-Anzeiger, , nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum
Die Lobeshymnen der Rechtschreib­reform beschränken sich immer auf ein paar ein­leuchtende Beispiele, die breiten Beifall finden. Ich bringe ein paar andere […].
: "Münchner Appell" zur Einheit der Schriftsprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 231, s. 1
Die Reform […] "ist ein obrigkeits­staatlicher Eingriff in die lebendige Sprache, wie es ihn bisher nur in der NS-Zeit gegeben hat", heißt es in dem Aufruf.
: Das Gift für die Einheit. „Münchner Appell“ gegen die Rechtschreib­reform. Süddeutsche Zeitung, , s. 47, München
Die vielen Professoren, Schriftsteller und Pädagogen hatten kaum Platz am langen Konferenztisch, und ihre Ansprachen trieften nur so von Untergangs­szenarien […].
: Der virtuelle Willi will den echten Otto. die tageszeitung, taz Bremen, , nr. 6261, s. 24
Inzwischen ist Werder-Willi Senator. Wenn er chattet, lässt er heute schreiben — am Montag von einem Mitarbeiter des Internet-Vereins "politik-digital" […] zum Thema Bildungs­politik. Lemke liest die Fragen von "spaceboy", "hamburgerjung" oder "sakarus" […], diktiert routiniert druckfrische Politiker-Sätze über die Verbeamtung der Lehrer, darüber, dass er die Orientierungs­stufe in Bremen "auf den Prüfstand" stellen möchte und dass es wichtigere Themen als die Rechtschreib­reform gebe.
: Die Kleinschreibung spart 35 000 Tonnen Blei. Die Rechtschreib­reform wurzelt nicht in der NS-Zeit; aber ihre Ziele wollte schon der Reichsminister für Volksbildung realisieren. Die Welt, , nr. 231, s. 33, Feuilleton
Was von den Reformpädagogen der 68er-Bewegung als Waffe gegen ein repressives Bildungssystem verstanden wurde, war seinem Ursprung nach ein Erzeugnis des repressivsten Staatswesens, das in Deutschland je regiert hat.

«Ursprung» würde ja wohl bedeuten, dass es vorher nichts gegeben hat. Unser Bund für vereinfachte rechtschreibung wurde 1924 gegründet, und die angelegenheit war damals schon ein alter hut.

"Münchner Appell" gegen Schreibreform. Die Presse, , nr. 15.789, s. 30, Kultur und Medien
Namhafte Kritiker der Rechtschreib­reform haben am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in München auch eine Rückkehr zur Einheit der deutschen Schrift­sprache gefordert.

3. 10. 2000

: Unnötige Reform. [Leserbrief zu:] BB 32: Sind Sie für die neue Rechtschreibung? Brückenbauer, , nr. 40, s. 26, Ihre Meinung
Mich ärgert an der neuen Rechtschreibung besonders, wie sie eingeführt wurde — nämlich wie in einer Diktatur.

Und wie hätte man es machen sollen?

: PK 3. 10. 2000 in München (Münchner Appell). , , forum
[…] selbst­verständlich ist, daß wir uns nicht mehr von Amts wegen vorschreiben lassen, wie wir zu schreiben haben.

2. 10. 2000

: Professor fragt Künstler: du lieben den deutschen sprach? Philip Tiedemann inszeniert Jandls "Humanisten" am BE. Berliner Zeitung, , Feuilleton
Jandl rührt durch seinen kindlichen Ton, die Rechtschreib­reform des Herzens.
: Einladung zum Geburtstag. 1990 verschwand die deutsche Frage von der Tagesordnung. Sie ist nicht erledigt, aber nicht mehr von Belang. Berliner Zeitung, , Sonderbeilagen
Wenn wenigstens die Rente sicher wäre und der nächtliche Gang durch die Fußgänger­unterführung, wenn zumindest der Euro stabiler wäre und der Ausweg aus der Globalisierungsfalle erkennbar, wenn die Klimakatastrophe nicht wäre und die Hypothek auf dem Eigenheim, der hohe Ölpreis und die Wachstums­rate, das Desaster der Rechtschreib­reform und der persönliche Haar­ausfall, wenn — mit anderen Worten — die Dinge anders lägen in Deutschland, dann wäre der 3. Oktober 2000 ein Tag der Freude.
: Die Vergangenheit von "kuss" und "keiser". Die heimliche Rechtschreib­reform der Völkischen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 229, s. 9, Politische Bücher
Birken-Bertsch und Markner arbeiten überzeugend heraus, daß die National­sozialisten sich dabei von praktischen und ideologischen Erwägungen leiten ließen.

Wer hätte das gedacht!

: Klar, schlicht und stark. Sollen wir schreiben wie die Nationalsozialisten? Das verdrängte Vorbild der Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Feuilleton
Licht in ein dunkles Kapitel der Sprachgeschichte, das in allen historischen Darstellungen der Rechtschreib­problematik geflissentlich ausgespart blieb, bringen jetzt zwei junge Wissenschaftler aus Jena und Halle. […] Das vielleicht Erschreckendste jedoch ist der Nachweis der Studie, wie stark die Denkmuster von damals unerkannt bis in die Gegenwart fortwirken.

Hoffentlich wird wenigstens im buch nicht ausgespart, dass es noch eine Schweiz gibt, in der auch deutsch gesprochen wird. Vgl. z. b. «20 jahre Bund für vereinfachte rechtschreibung» aus dem jahr 1944.

: Lehrer patzen bei Rechtschreibung. Studie: Die meisten künftigen Pädagogen beherrschen neue Regeln nicht. Die Welt, , nr. 230, s. 4, Deutschland
Marx stellte eine bislang noch nicht veröffentlichte Untersuchung vor, bei der 200 Lehramts­kandidaten für den Grundschul­unterricht auf ihre Kenntnisse der neuen Rechtschreib­regeln getestet wurden. Danach verstehen und handhaben nur 60 Prozent der künftigen Lehrer die neue Regel für die "ß/ss"-Schreibung richtig.
: Mehr Interesse an Bewahrung der Sprache. Dr. Uwe Försters Abschied vom Zweigverein Wiesbaden der GfdS mit dem „Forum der Jugend“. Wiesbadener Tagblatt (Main-Rheiner), , Nachrichten aus der Region
Das Publikum äußerte sich anschließend zu den „Top-Themen“ Sprachverfall, Anglizismen und Rechtschreib­reform […].

10. 2000

: Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung im Kontext von Deutsch als Fremdsprache und Auslandsgermanistik. Deutsch als Fremdsprache, , nr. 4, s. 199 bis 209
Abstract: Da die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung mit Blick auf die Fremdsprachler kaum diskutiert wird, möchte der Beitrag aus der speziellen Sicht des Lehrens und Lernens von Deutsch als Fremdsprache zur Diskussion beitragen – vor allem hinsichtlich des Grundkonzepts der Reform, ihres Werdegangs, ihrer Rezeption und besonders der neuen Regeln und Einzel­festlegungen. Trotz gewisser Unstimmigkeiten in der Reform ist das Fazit positiv: Die Rechtschreibung ist in vieler Hinsicht einfacher, weil systematischer geworden (z. B. infolge konsequenterer Schemakonstanz). Die Neuregelung vereinfacht das Schreiben und erleichtert damit das Vermitteln, Erlernen und Behalten.