Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 7. 5. 2016 , 3. 4. 2016

Aus presse und internet

4. 6. 1979

Warten auf Wien. Der Spiegel, , nr. 23, s. 195 bis 198
Bonns bürokratie blockiert die rechtschreibreform, weil die DDR nunmehr über den alten bonner vorschlag der "gemäßigten kleinschreibung" (siehe nachstehenden text) mit allen deutschsprachigen ländern verhandeln will. […] Klein oder groß, das ist die frage, auf die sich inzwischen die diskussion um die rechtschreibreform zentriert hat. Und während in der DDR, in Österreich und der Schweiz schon weitgehend abgeschlossene reformkonzepte vorliegen, hat Bonn seine 1958 von dem "arbeitskreis für rechtschreibregelung" erarbeiteten "Wiesbadener empfehlungen" sang- und klanglos zu den akten gelegt, obgleich noch im mai 1973 die bundesdeutschen kultusminister einstimmig eine kleinschreibreform gefordert hatten – wie schon vor rund 70 jahren orthographie-papst Konrad Duden. […] Noch zeigte das bonner innenministerium kein reform-interesse. Die kultusminister wiederum verwiesen lediglich auf ihren beschluß von 1973 über die "gemäßigte kleinschreibung". Beide seiten, so staatssekretär Fröhlich am 17. november 1978, wollten erst einmal eine bestandsaufnahme abwarten, die Österreichs regierung übernommen hat.

29. 5. 1979

: Mässiges Interesse an der Kleinschreibung. SP-Postulat deutlich abgelehnt. Tages-Anzeiger, , 87. jg., nr. 122, s. 19
Die Mehrheit des Parlaments war mit Erziehungsdirektor Alfred Gilgen der Meinung, eine Rechtschreibereform könne nicht vom Kanton Zürich im Alleingang durchgeführt werden. Es gelte vielmehr, eine für alle deutschsprachigen Länder geltende Lösung anzustreben.

18. 4. 1979

: Die «eingeschränkte Kleinschreibung». Wolfgang Mentrup: «Die Gross- und Kleinschreibung im Deutschen und ihre Regeln». Neue Zürcher Zeitung, , nr. 89, s. 31, Feuilleton
Einen ausgefeilten, in Varianten durchdachten Versuch lieferte der Ostdeutsche Dieter Nerius 1975. Und nun legt der Westdeutsche Wolfgang Mentrup eine Kritik und eine Modifikation der Neriusschen Regeln vor. Diesen verwandelten Entwurf nennt er «eingeschränkte Kleinschreibung», eingeschränkt gegenüber der radikalen Kleinschreibung. Auch Mentrup lässt es nicht bei einem einzigen Vorschlag bewenden, sondern gibt gleich einen zweiten mit. […] Wolfgang Mentrup arbeitet unter dem Gesichtspunkt der «Benutzbarkeit» und hat es dar auf angelegt, ein narrensicheres und lückenloses, zudem äusserst knappes System zu schaffen. […] Wir haben ihm zu danken für die Aufklärungsarbeit, die er geleistet hat, auch wenn wir seinen Folgerungen nicht vorbehaltlos zustimmen können.

11. 1978

: Die rechtschreibreform ist überfällig. Deutsch-Blätter, , nr. 4, s. 10 bis 18 (ganzer artikel)
Es ist weder den barocken grammatikern noch ihren nachfolgern gelungen, genau zu umschreiben, was eigentlich unter einem substantiv zu verstehen wäre. Den begriff “nomen“, der die mittelalterliche grammatik beherrschte, konnte man leichter abgrenzen: Er umfasste alle wörter, die der deklination unterliegen, also neben den nomina propria vor allem auch die adjektive. Wohl unter dem einfluss der philosophischen substanzlehre hat sich dann aber das undefinierbare substantiv theoretisch verselbständigt, und es ist deutschem schulmeisterdenken und deutscher pedanterei (Grimm) gelungen, eine substantivweltanschauung aufzubauen.

20. 10. 1978

: Kommt die Kleinschreibung? Ergebnisse eines Kongresses in Wien. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 244
Der "Oesterreichischen gesellschaft für sprachpflege und rechtschreiberneuerung" ist es erstmals gelungen, vom 10. bis zum 12. Oktober in Wien Vertreter alle vier deutschsprachigen Länder (der BRD, der DDR, Oesterreichs und der Schweiz) am Verhandlungs­tisch zusammen­zuführen, vorwiegend Hochschul­dozenten und Pädagogen, und diese waren am Schluss ihrer Beratungen darüber einig, das Oesterreichische Bundes­ministerium für Unterricht und Kunst nachdrücklich zu bitten, über die politischen Kanäle die andern deutsch­sprachigen Länder einzuladen, gemeinsam eine Reform vorzubereiten und zuletzt zu beschliessen, ob man sie wolle oder nicht.

10. 1975

neu : Wie läßt sich die Schreibung der S-Laute sinnvoll vereinfachen? Sprachspiegel, , 31. jg., nr. 5, s. 138 bis 140, Rechtschreibreform (ganzer artikel)
Das „scharfe S“ (ß) […] wird in bestimmten (Auslaut-)Positionen wider­sprüchlich und will­kürlich auch nach kurzem Vokal verwendet, z. B. die Fässer – das Faß. Es ergibt sich besonders beim Konjugieren der Verba ein ständiges „Pendeln“ zwischen ss und ß, z. B.: ich fasse, du / er / ihr faßt, wir / sie fassen; ich faßte, habe gefaßt (statt: fassen – fasste – gefasst). Dieser Hokus­pokus bei der Um­wandlung von „ss“ in „ß“ nach kurzen Selbst­lauten muss endlich aufhören; es handelt sich dabei um eine Rechtschreib­regel der Kurrent­schrift. […] Schon seit über 100 Jahren fordern verantwortungs­bewusste Rechtschreib­reformer die sogenannte „reduzierte ß-Schreibung“, welche das „scharfe S“ (ß) auf seine ur­eigenste Aufgabe beschränkt: die Kenn­zeichnung eines „scharfen“ (stimmlosen) S-Lautes nach langem Selbst­laut und nach Zwielaut […]. Die Ab­schaffung des Längen­zeichens „ß“ und sein wider­sprüchlicher Ersatz durch das Kürze­zeichen „ss“ ist […] kein tauglicher Vor­schlag zu einer Rechtschreib­reform.

6. 1975

neu : ‘Gottfried Keller Straße’ oder ‘Gottfried-Keller-Straße’? Sprachspiegel (), , 31. jg., nr. 3, s. 82 bis 83
General-GuisanStraße, General Guisan-Straße, General-Gui­sanstraße, General Gui­sanstraße oder General Guisan Straße? Wer sich in unsern Städten und Dörfern umsieht, findet bald diese, bald jene dieser fünf Schreib­weisen, nur selten aller­dings die regel­richtige: General-Guisan-Straße. Nament­lich der erste dieser beiden Binde­striche ist allent­halben auf Wider­stand gestoßen. In Zürich ist er durch einen Stadtrats­beschluß vom 29. Juni 1951 sogar in aller Form weg­dekretiert worden. (Die PTT hat, wenigstens im roten Straßen­verzeichnis der Telefon­bücher, den Mut, sich über den unlogischen und zudem regel­widrigen Beschluß hinweg­zusetzen.)

3. 4. 1975

: Der Gefangene floh — Der gefangene Floh. Eine Ausstellung in der Zentralbibliothek. Der Landbote, , nr. 75 (486 wörter)
Man kann eine ernste Sache auch mit Humor anpacken. So stellt die Zentralbibliothek ihre am 1. April eröffnete Foyer-Ausstellung über die Rechtschreibereform unter die in unserem Titel wiederholte Schlagzeile mit dem variablen Floh/floh. […] Die lehrreiche Ausstellung wurde von R. Landolt vom Bund für vereinfachte Recht­schreibung in Zusammen­arbeit mit R. Diederichs von der Zentral­bibliothek Zürich zusammen­gestellt und aufgebaut.

1975

: Die lesbarkeit der kleinschreibung. Eine untersuchung von prof. dr. Herbert Haberl. die tribüne, , nr. 63
H. Haberl hat durch seine 2. untersuchung bewiesen, dass, gleichgültig ob es sich um erwachsene oder kinder handelt, die kleinschreibung schon nach kurzer gewöhnung leichter bzw. genau so gut gelesen wird wie die gross­schreibung.

5. 1974

: Die Schreibweise von Eigennamen. Komplizierung der Regeln und Verlagerung der Schwierigkeiten bei Anwendung der Kleinschreibung. Typographische Monatsblätter, , nr. 5, s. 363 bis 366 (1500 wörter)
Die Befürworter der Kleinschreibung sagen, andere europäische Sprachen kämen auch ohne Substantiv­großschreibung aus und die Benützer dieser Sprachen hätten weniger Schreibprobleme. Dies ist ernstlich zu bestreiten. Schreib­probleme haben zum Beispiel die Engländer und Franzosen […] mindestens so viele wie die Deutschsprachigen. Denken wir bloß an die Schwierigkeiten der Schreibung französischer oder englischer Laute […]. Und was die Verwendung der Großbuchstaben betrifft, so werden auch diese einem besondern, zum Teil sehr willkürlichen und unlogischen Regelwerk unterworfen. […] Wie soll in dieser Materie in den Druckereien eine einheitliche Schreibweise eingehalten werden, wenn vom Regelwerk her dem Chaos Tür und Tor geöffnet werden? […] Der also nicht gelungene Versuch zu einer befriedigenden Regelung der Eigennamen­schreibweise beweist, daß die heutigen (ich betone: abgesehen von einigen Spitz­findigkeiten nämlich nicht so sehr großen) Schwierigkeiten der Groß- und Kleinschreibung sich bei Einführung der gemäßigten Klein­schreibung verlagern würden auf das Gebiet der Eigennamen­schreibung und dort in verstärktem Maße aufträten. […] Eine Regelung der Recht­schreibung aber, die die Schwierigkeiten bloß verlagert, ist unerwünscht.

23. 1. 1974

: Gemässigte Kleinschreibung? Reform der deutschen Rechtschreibung; Interessierte Gremien konsultiert. Neue Zürcher Zeitung,
Mit der Frage einer Reform der deutschen Rechtschreibung hat sich dieser Tage in Zürich unter dem Vorsitz von Ständerat Dr. F. Stucki eine von ungefähr 20 Organisatoren beschickte Konferenz befasst.

18. 7. 1973

intern. hobby, das Magazin der Technik, , 21. jg., nr. 15, s. 1
Die geplante Einführung der gemäßigten Kleinschreibung hat uns im Ehapa-Verlag durchaus nicht überrascht. […] Gerade weil sich hobby an aufgeschlossene, technisch und populär­wissenschaftlich interessierte Menschen wendet, ist es vielleicht prädestiniert, einen solchen Schritt heute zu wagen. […] Zunächst soll die Veränderung der Recht­schreibung in hobby wirklich gemäßigt sein, indem wir vorerst nur die Hauptwörter klein schreiben wollen, Satzanfänge und Eigen­namen weiterhin groß (siehe hierzu S. 74: Die schönsten Tauchgebiete). Und dann soll's auch nicht das ganze Heft sein. Wenn sich aber herausstellt, daß unsere Leser diese neue Art der Recht­schreibung akzeptieren, können wir getrost weiter­gehen. und das ganze hobby in dieser Manier gestalten.

2. 4. 1973

Busen als Beweis. Der Spiegel, , nr. 14, s. 176 bis 177, Kultur
Für eine gemäßigte Kleinschreibung setzen sich immer mehr Pädagogen, Politiker und Privatleute ein. Deutschlands Orthographie-Papst Professor Grebe empfahl, schon vor einer Reform klein zu schreiben. […] In zahlreichen Landtagen brachten Abgeordnete klein geschriebene Anfragen ein: ob und warum nicht endlich die gemäßigte Klein­schreibung eingeführt würde. […] Mitte März einigte sich die gemeinhin kontrovers gestimmte Kultusminister­konferenz (KMK) auf die Vorab-Entscheidung, jetzt sei ein "günstiger Zeitpunkt" für die ersehnte Reform erreicht. Nur sei "ein gemeinsames Vorgehen in den Ländern mit deutscher Sprache nach wie vor erforderlich".

5. 3. 1973

Wie, wann, von wem. Der Spiegel, , nr. 10, s. 30, Deutschland
Pädagogen und Politiker opponieren in Hessen gegen neue Rahmen­richtlinien. Sie sehen darin "eine Anleitung zur permanenten Revolution im Klassenzimmer". […] lm Deutschunterricht verlören, ginge es nach den Richtlinien-Autoren, Literatur und Rechtschreibung ihren heutigen Rang. […] Als einen Appell an die Öffentlichkeit wollen die Richtlinien-Autoren ihre Forderung verstanden wissen, die Überbewertung der Recht­schreibung in der Schule abzubauen und sie nicht mehr zum Kriterium von Eignungs­beurteilungen und Versetzungen zu machen. Weil die Verhältnisse aber noch nicht so sind, sollen Schüler immerhin noch "Grundkenntnisse der Recht­schreibung erwerben", um – so die Autoren – "vor ungerechtfertigten Benach­teiligungen geschützt zu sein".

23. 2. 1973

: Gemeinsame Deutschstunde? Reform der Rechtschreibung, die DDR und die Germanistik. Die Zeit (zeit.de), , nr. 9, s. 18, Kultur
Jetzt, so meint Paul Grebe, könnte die Zeit gekommen sein: „Die Konstellation war noch nie so günstig“ Außer in der Bundes­republik nämlich arbeiten gegenwärtig ebenfalls in der Schweiz und in Österreich offizielle Rechtschreibkommissionen, was lange Jahre nicht der Fall war. Auch die DDR ist, wie Grebe aus persönlichen Informationen weiß, nicht grundsätzlich gegen eine Reform […]. Daß sich nun immer mehr Germanisten für eine Reform und den Abbau der Diskriminierung durch Sprache engagieren, ist auch deshalb erfreulich, weil die Germanistik im übrigen auch weiterhin als ein Fach in der Dauer­krise gelten darf.

22. 6. 1972

: Ständerat Dr. F. Stucki. Präsident der Bundeskommission für Rechtschreibereform. Glarner Nachrichten, , nr. 143 (114 wörter)
Das Eidgenössische Departement des Innern hat einen vorberatenden Ausschuß für Fragen der Rechtschreibereform eingesetzt. Dieser ist beauftragt, zusammen mit den in der Bundes­republik Deutschland und in Oesterreich zuständigen Organen die gegen­wärtige Lage und die Absichten hinsichtlich der Rechtschreibe­bestrebungen in diesen Ländern abzuklären […].

19. 5. 1969

. Der Spiegel (spiegel.de), , nr. 21, s. 93 bis 94, Deutschland, Bundesländer
Mit Altmeier, dem fülligen Duodezfürsten im Land des Schinderhannes und der Loreley, versinkt am Rhein eine Epoche – mit Kohl, dem emporstrebenden Manager der Christenunion, soll zwischen Rüben und Reben eine neue Zeit beginnen. […] Und als der CDU-Landtags­abgeordnete Helmut Adamzyk unlängst „die Klein­schreibung von Hauptwörtern in unserem Bundesland Rheinland-Pfalz“ forderte, hatte Kohl („Warum denn nicht?“) nichts dagegen. Vogel freilich durchkreuzte das Vorhaben.

25. 11. 1968

Es plumpst. Der Spiegel (spiegel.de), , nr. 48, s. 78 bis 81, Deutschland, Erziehung (828 wörter)
[…] der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Adamzyk, 42, […] ist der Urheber des Vorschlags: Er hat die „Abschaffung der Großschreibung“ angeregt. […] Als der Mainzer Landtag unlängst eine umfangreiche Verwaltungs­reform beschlossen hatte, nutzte Adamzyk die Gelegenheit für sein Kleinschreib-Projekt. Stolz verriet er dem Chef: „Ich bin schon dabei, die nächste Reform einzuleiten.“ Kohl („Warum denn nicht?“) gab Adamzyk grünes Licht.

11. 1966

neu : Hans Cornioley siebzigjährig. Sprachspiegel (), , 22. jg., nr. 6, s. 169 bis 171
Ganz besonders dürfen die Sprachfreunde dem Jubilar danken und gute Wünsche mitgeben auf den Weg in und durch das achte Jahrzehnt: Wie oft stand er an den Vortrags­pulten der Zweig­vereine des Deutsch­schweizerischen Sprach­vereins; wie oft bereicherte er die Spalten des „Sprach­spiegels“ mit seinen geschliffenen Aufsätzen zum Sprach­leben oder zur Sprach­politik; wie viele Vorträge hielt er vor Lehrern und für Lehrer, vor allem über Fragen der Jugend­literatur (noch steht er an vorderster Front im Kampf gegen die Schund­ware auf dem Bücher­markt); wie eifrig setzte er sich, ein überzeugter Anhänger der Klein­schreibung, für eine zeit­gemäße Reform der Recht­schreibung ein, usw.

1. 8. 1966

Rauschende Eichen. Deutsche Schrift. Der Spiegel (), , nr. 32, s. 33, Deutschland
Anstelle der „in ihrer Wirkung gefühlsarmen“ lateinischen Lettern sollten an Deutschlands Schulen wieder als Erstschriften die deutschtümelnde Fraktur als Druckschrift sowie die sogenannte deutsche Schreib­schrift gelehrt werden. […] Mit 800 Bundes-Getreuen kämpft Arndt dafür, daß „kostbares Erbgut“ zur „ersten Schreibschrift erklärt“, „in allen Schularten intensiv gepflegt“ und für „spätere Geschlechter“ gerettet werde.

7. 1966

neu : Fehler und Fehlendes im Duden (Schluß). Vorschläge für eine Neuausgabe des Rechtschreib-Duden. Sprachspiegel (), , 22. jg., nr. 4, s. 117 bis 122
Um Deutsch zu können, muß man vorher Griechisch, Latein und sogar noch Neger­dialekte lernen. […] Wer kann Päd-agoge, Trans-port, Manu-skript oder Kilima-ndscharo richtig trennen, wenn er nicht die etymo­logischen Bestand­teile dieser Fremd­wörter kennt? Aber wehe dem, der neun Jahre lang Latein und sechs Jahre lang Griechisch und von mir aus noch vier Jahre lang Ngudumbumbuli gelernt hat und meint nun, jetzt beherrsche er die deutsche Wort­trennung. […] Das Volk der Dichter und Denker nimmt die Wort­trennungen ein­mal etymologisch vor, dann wieder nach Sprach­silben. Ganz will­kürlich. […] Entweder wir trennen die fremden und die Fremd­wörter nach ihren etymolo­gischen Bestand­teilen (und lernen Griechisch, Latein und Kasavangdudu usw.), oder wir trennen sie nach Sprach­silben. Mit Rechtschreib­reform hat das Verlangen nach gleich­mäßigen Tren­nungen nichts zu tun.

1965

: Eigennamen und Gattungsbezeichnungen. Versuch einer Abgrenzung. Muttersprache, , 75. jg., s. 207 bis 213
Trotz der grossen Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben, dass Eigennamen als Gattungsnamen verwendet werden können, lässt sich also doch mit Hilfe einiger formaler Merkmale — vor allem durch den Artikelgebrauch — eine Begrenzung der Kategorie Eigennamen angeben.

24. 8. 1963

: Kleinschreibung der Hauptwörter abgelehnt. Schweizerische Depeschenagentur, (ganzer artikel)
Unter dem Vorsitz von Alt-Regierungsrat Wanner (Schaffhausen) und Ständerat Dr. Stucki (Netstal) tagte in Zürich am 20. und 21. August die von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren im Auftrag des Eidg. Departements des Innern einberufene Schweizerische Orthographiekonferenz. […] Sie empfiehlt die grundsätzliche Beibehaltung der bisherigen Großschreibregeln, allerdings gemildert durch eine Lockerung ihrer Handhabung in dem Sinne, daß in Grenzfällen zwischen dem großen und kleinen Anfangsbuchstaben die Wahl bleibt.

10. 5. 1961

A bis Zypressenzweig. Grimm-Wörterbuch. Der Spiegel (spiegel.de), , nr. 20, s. 65 bis 74, Kultur (7011 wörter)
Im März 1854, nahezu sechzehn Jahre nach Vertragsabschluß, konnte endlich der erste Band "auf des geliebten Vaterlandes Altar" (Jacob Grimm) gelegt werden. Er war von Jacob Grimm zusammengestellt und umfaßte den Buchstaben A und die erste Hälfte der mit B beginnenden Wörter und war als Gelegenheit benutzt worden, "den wust und unflat unserer schimpflichen, die gliedmaßen der sprache ungefügig verhüllenden und entstellenden schreibweise aus(zu)fegen" - will sagen: Jacob Grimm hatte die Kleinschreibung der Hauptwörter wieder eingeführt, wie sie in der Tat in fast allen Schriftsprachen üblich ist. Der Verleger fürchtete allerdings mit Recht, diese Eigenmächtigkeit könnte das Publikum verwirren; spätere - aber nicht alle - Bearbeiter haben dann auch wieder die bis heute gültigen Regeln der Orthographie respektiert.

Zum «wust und unflat» gehörte nicht nur die substantiv­gross­schreibung, sondern auch die fraktur. Beides war gleich umstritten.

12. 5. 1959

: Nur ein Traditionswert? Frankfurter Allgemeine Zeitung, (912 wörter)
Die scheinbar so unscheinbare Frage der Silben „hin“ und „her“ und „vor“ und „hier“ in Verbindung mit „auf“ und „ab“ und „an“ betrifft den Sprachgeist selbst. Und der ist mehr als „ein“ Traditionswert, er ist die Tradition selbst. […] Eine gewisse, vordergründige Ideologie der Modernität versucht den Verteidigern der Sprachtradition Traditionalismus nachzusagen. Bei wem verfängt das noch? Es machen sich überall so viele Pseudomodernisten breit, in der Architektur, im soziologischen Gerede, in der Dekoration und im Espresso- und Barstil, der doch wohl mit Avantgarde soviel zu tun hat wie Papierservietten mit einem gut gebratenen Stück Fleisch, daß man sich das Plakat „Reaktionär“ oder „Traditionalist“ oder was sonst gelassen vor die Haustür kleben läßt.

11. 1958

neu : Zur Frage der Groß- und Kleinschreibung. Sprachspiegel (), , 14. jg., nr. 6, s. 179 bis 181
Es wäre bedauerlich und müßte als Zeichen stumpf­sinniger Be­harrlichkeit gewertet werden, wenn der nunmehr seit mehr als einem Jahr­hundert von namhaftesten Germanisten geführte Kampf für die Klein­schreibung bei der er­strebten Reform der Orthogra­phie nicht sieg­reich beendet würde.

2. 1956

neu : Die Rechtschreibung unserer Rekruten. Bündner Schulblatt (), , nr. 15, s. 137 bis 143
Unsere besondere Aufmerksamkeit galt im Berichtsjahre der Recht­schreibung der jungen Soldaten. Es lag nahe, zu einer Zeit, da die soge­nannte Orthographie­reform nicht bloß die Schulwelt beschäftigt, die schrift­lichen Arbeiten der Rekruten etwas genauer im Hinblick auf Wort- und Zeichenfehler zu mustern. […] Unsere Erhebung bei den Rekruten zeigt, daß die Schule ihrer Aufgabe, der Jugend das Fundament der Recht­schreibung zu vermitteln, doch einiger­maßen gerecht wird. Sozusagen alle beherrschen die Groß­schreibung der eigentlichen Substantive; die Unsicherheit beginnt erst bei den dingwört­lich gebrauchten Tätigkeits- und Eigenschafts­wörtern. […] Was am wenigsten befriedigt, ist die Inter­punktion. […] Es gibt so vieles in der Recht­schreibung, das die Schüler lernen müssen, daß wir das, was im Hinblick auf die Gebrauchs­sprache entbehrlich er­scheint, in der Schule auch als entbehrlich behandeln. […] Es gibt auch in der Recht­schreibung eine eiserne Ration, ein Notgepäck. Die direkte Rede gehört nicht dazu. Es gehören ebenfalls nicht dazu die verzwackten Bestimmungen über die Groß- oder Kleinschreibung von Adjektiven und Adverbien, wie das Beste, am besten, aufs neue, etwas Neues, etwas anderes.

25. 1. 1956

Meer ist mehr als mer. Der Spiegel (spiegel.de), , nr. 4, s. 28 bis 34, Titel (4783 wörter)
Die Diskussion über das Rechtschreibproblem, über die Frage, ob in Deutschland und im gesamten Gebiet der deutschen Sprache, also auch in Österreich, in der Schweiz und in Luxemburg, etwa „ee" statt „Ehe", „kan" statt „Kahn" oder „kann" und – ausgenommen die Satzanfänge – alles klein geschrieben werden soll, ist bald nach dem letzten Kriege wieder aufgelebt. Ihren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung in den vergangenen beiden Jahren. Beide Seiten – die Fürsprecher einer von allen „Willkürlichkeiten“ der deutschen Rechtschreibung rigoros gereinigten „Stromlinien“-Schreibung und die Verteidiger der oft verwirrend schwierigen Rechtschreibregeln – haben sich in diesem Streitgespräch hoffnungslos ineinander verkrallt und führen es mit auffallender Gereiztheit, die sich in unsachlichen Argumenten und persönlichen Verunglimpfungen widerspiegelt.

17. 4. 1955

Beiträge zur Diskussion über die Orthographiereform. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1002 (20), blatt 3, s. A09, Literatur und Kunst
Die Fragen zur Orthographiereform sind allerorten weiter diskutiert worden […]. Aber keineswegs ist die Gefahr der «Reformsturmflut» vorüber, und die endgültigen Entscheidungen, die in naher Zukunft bevor­stehen, bleiben in beunruhigender Schwebe. Das ist der Grund dafür, daß wir noch einmal […] ins Gespräch eingreifen. Die geistigen, technischen, wirtschaftlichen Belange, die auf dem Spiele stehen, sind der höchsten Aufmerksamkeit des Publikums wert.
: Lagebericht. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1002 (20), blatt 3, s. A09, Literatur und Kunst
Zieht man aus der bisherigen Diskussion die Bilanz, so ist nicht daran zu zweifeln, daß eine Orthographiereform im Ausmaß der Stuttgarter Vorschläge keine Aussicht hat, durchzudringen. Das soll nun freilich nicht heißen, es müsse alles bleiben, wie es ist. Man wird im Gegenteil gut daran tun, den vorgesehenen Kongreß nicht etwa abzublasen; man soll ihn, wenn auch vielleicht etwas später, ruhig einberufen. Nach gut fünfzig Jahren ist es wohl an der Zeit, unsere Recht­schreibung wieder einmal gründlich zu bereden und die wirklich fälligen Aenderungen vorzunehmen.
Ein Gutachten. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1002 (20), blatt 3, s. A09f., Literatur und Kunst (1553 wörter)
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat über die Empfehlungen der «Arbeitsgemeinschaft für Sprachpflege zur Erneuerung der deutschen Rechtschreibung» vom 15. und 16. Mai 1954 ein Gutachten erstattet, das wir hier leicht gekürzt wiedergeben.
: Zwei Aspekte der «ortografireform». Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1004, blatt 5, s. A17f., lokales
Die Diskussion über die «Stuttgarter Vorschläge» zu einer Reform der Rechtschreibung darf nicht ruhen, bis dieser Vorstoß, der eine Sprach­vergewaltigung, noch krasser gesagt: eine Sprach­schändung darstellt, abgewehrt ist. […] Die neue «ortografi» begeht ein Verbrechen wider den Geist der deutschen Sprache.

2. 2. 1955

Zürcher Kalenderblatt. Vortragschronik. Neue Zürcher Zeitung, , s. C10, lokales
Die Gruppe Zürich der Neuen Helvetischen Gesellschaft veranstaltet am Mittwoch, 2. Februar, 20 Uhr 15, im Zunfthaus Königstuhl einen öffentlichen Diskussions­abend über die deutsche Orthographie­reform und die Schweiz.

11. 7. 1954

Beiträge zur Diskussion über die Orthographiereform. Eine Leseprobe. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1712 (31), blatt 3, s. A09, Literatur und Kunst
Um dem Leser eine Vorstellung zu vermitteln über die vorgeschlagenen Vereinfachungen und deren Auswirkung auf das Schriftbild, drucken wir nachstehend einen Ausschnitt aus Gottfried Kellers Novelle «Der Schmied seines Glückes» in der neuen Recht­schreibung ab. Da es für den Laien schwer halten dürfte, aus dem transkribierten Text die neuen Regeln zu erkennen, sei eine kurze Zusammen­fassung der wichtigsten, das Schriftbild am stärksten verändernden Vereinfachungs­maßnahmen vorangestellt […]. Allein da ich Si in solcher verlegenheit sah, glaubte ich mich dergestalt auf di natürlichste weise bei Inen einzufüren, insofern ich etwa di ehre habe vor herren Adam Litumlei zu stehen.
: Grundsätzliches zur Orthographiereform. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1712 (31), blatt 3, s. A09 bis A10, Literatur und Kunst
Der Erreger Orthographiereform ist in Nachkriegszeiten immer besonders virulent. Als in den aufgewühlten Jahren nach 1945 vor allem in Deutschland und Oesterreich der alte Ruf nach Orthographie­reformen aus der Abgeschlossenheit von mehr oder weniger sektiererisch anmutenden Reformbünden, von Berufs­verbänden des graphischen Gewerbes, von Lehrer­konventen immer vernehmlicher in die Oeffentlichkeit herübertönte, sich zu massiven Eingaben an die Behörden verdichtete und diese sogar bei uns zu orientierenden Schritten veranlaßte, zeichnete sich die Gefahr einer unkontrolliert losbrechenden, alle Grenzen von Vernunft und Herkommen überspülenden Reform­sturmflut ab. […] Die Behauptung, die deutsche Orthographie bedürfe heute einer Reform an Haupt und Gliedern, betrachten wir als maßlose Uebertreibung. Das schließt nicht aus, daß auch nach unserm Dafürhalten an vielen Stellen des orthographischen Systems Anlaß zu Ausbesserungen besteht, welche seine Handhabung wesentlich erleichter würden. Ueber ihre Dringlichkeits­hierarchie kann man in guten Treuen verschiedener Meinung sein; den wünschbaren Gesamtumfang setzen wir persönlich wesentlich niederer an als die Mehrzahl auch der Schweizer Teilnehmer an der Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft.
: Folgen der neuen Orthographie für das Buch- und Zeitungsgewerbe. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1712 (31), blatt 3, s. A09 bis A10, Literatur und Kunst
Das schroffe Nein, das die Zeitungsverleger- und Buchdrucker-Fachverbände als erste der geplanten Rechtschreib­reform entgegengeschleudert haben, bedarf der Begründung vor der Oeffentlichkeit. […] Niemand kennt die Schwächen der heutigen Orthographie besser und niemand empfindet ihre Unzulänglichkeit schmerzlicher als gerade die Buchdrucker. Wenn sie sich trotzdem in die vorderste Reihe derer stellen, die einer abrupten, tiefgreifenden Umgestaltung den Kampf ansagen, so vor allem deshalb, weil sie eine zwar keineswegs ideale, aber doch fest­gefügte und gut eingespielte Ordnung einer jahre-, ja gar jahrzehnte­langen Unordnung vorziehen. […] Kein Berufsstand – auch die Schule nicht – ist in so hohem Maße auf eine fest geordnete, allseits anerkannte Rechtschreibung angewiesen wie das Buch- und Zeitungsgewerbe; nirgends würde sich Unsicherheit, Neben­einander und Gegen­einander ganz verschiedener Regeln so unheilvoll auswirken wie in den Tempeln der Schwarzen Kunst. Die Tauglichkeit von Reform­vorschlägen darf also […] nicht allein vom Schreibtisch des Philologen oder gar nur von der Schulstube her beurteilt werden. […] In der Schweiz wird man übrigens gut tun, auf die große Konferenz hin mit Forderungen zu rechnen, die weit über das hinausgehen, was die «Arbeitsgemeinschaft» jetzt vorschlägt Diese Empfehlungen stellen ja ein Kompromißwerk dar, viel zu zahm, um jene einflußreichen Mitglieder der «Arbeitsgemeinschaft» zufriedenzustellen, die, wie ein Augenzeuge der Stuttgarter Verhandlungen schreibt, «die Orthographie so gründlich meucheln wollten wie nur möglich».
: Einige Betrachtungen zur Orthographiereform. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 1714, blatt 5, s. A17 und A21
Wenn trotz allem Schulmeisterfleiß die Schüler nicht parieren und nicht richtig, wollte sagen, nicht «recht»schreiben lernen, so soll eben die Sprache selbst parieren. Und zwar gründlich, ein für allemal. Die Flausen ihrer orthographischen Willkür sollen ihr für alle Zeiten ausgetrieben werden. Man will ihr statt des Faltengewandes, das so viel Freiheit und Unberechenbarkeit zuläßt, ein knapp bemessenes Röcklein auf den Leib schneidern, eng anliegend, sachlich wie ein Trikot. Das neckische Faltenspiel der bisherigen Schreibweise, das den gleichen Laut bald mit eu, bald mit ö, jetzt mit ah, dann mit aa, dann einfach mit a zeichnet, paßt einfach nicht mehr in die Zeit der zweckhaft glatten Stahlrohrmöbel und Atomraketen. […] Der Weg ist dann von da nicht mehr so weit zur allgemeinen Einführung der Comic-strips anstelle des Sprachunterrichts, zum radikalen Fernsehen und zu den reinen Bildmagazinen, so daß wir die Zeit schon nahen fühlen, wo die Menschen ohne alles lästige Schreiben und Lesen auskommen. Damit wird das Orthographieproblem dann seine endgültige Lösung gefunden haben. […] Natürlich würde zunächst einmal der allergrößte Teil der heute in Bibliotheken aufbewahrten Bücherschätze in kürzester Zeit unlesbar.

1954

: Die "stuttgarter empfehlungen" der "arbeitsgemeinschaft für sprachpflege". Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, , 8. jg., nr. 5/6, s. 346 bis 357
Die "empfehlungen" […] gehen wahrscheinlich weiter, als der schulausschuß der kultusminister-konferenz sich ursprünglich vorgestellt haben mochte. Doch ist er keineswegs so radikal, wie es in der presse schon öfters dargestellt worden ist […]. Er ist, da man von vorne herein ein praktisches ziel vor augen hatte, ein kompromißwerk.

1952

: Bilanz aus der vorschlägen zur reform der deutschen rechtschreibung von Menzerath, Haller, (bvr), Hiehle, Jessen & Klippel (Zeitschrift für fonetik 1948, heft 1/2 & 1949 heft 3/4). Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, , 6. jg., nr. 3/4, s. 164 bis 169 und 173 bis 179
Allen vorschlägen gemeinsam ist […] das verlangen nach der einführung der antiqua in schrift und druck, ferner anpassung gebräuchlicher fremdwörter an die deutsche schreibweise und drittens die beseitigung möglichst vieler doppelschreibungen. Für die gruppe, die nur annähernd oder grobfonetisch schreiben will […] ergibt sich als minimalprogramm folgendes: gemäßigte kleinschreibung […], teilweise abschaffung der dehnungsbezeichnungen […], fonetische anpassungen […]. Das minimalprogramm […] trägt auch der vernünftigen forderung rechnung, daß das bestehende schriftbild nicht allzu sehr verändert werden dürfe […].
: Das "Erfurter Rechtschreibungsprogramm", beschlossen 1931 vom 7. vertretertag des bildungsverbandes der deutschen buchdrucker in Erfurt. Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, , 6. jg., nr. 3/4, s. 169 bis 170
Die bedeutungsvollsten punkte dieses reformprogramms sind zweifelsohne der übergang zur gemäßigten kleinschreibung & die teilweise abschaffung der dehnungsbezeichnungen.
: Das reformprogramm des lehrerverbandes Niedersachsen. Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, , 6. jg., nr. 3/4, s. 171 bis 173
Es wird ein "bewußte, einsichtsvolle gestaltung der rechtschreibung gefordert, schon im hinblick auf ihre soziale bedeutung".

1. 1945

Eine neue Rechtſchreibung? Sprachspiegel, , nr. 1, s. 24 bis 29 (1886 wörter, in fraktur, ganzer artikel)
Aus Deutſchland kommt die Kunde, der Reichsminiſter für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung habe „von ſich aus“ in die Rechtſchreibung eingegriffen und Regeln erlaſſen, die in einem 96 Seiten ſtarken Büchlein in den nächſten Wochen den deutſchen Schulkindern eingehändigt würden. Über dieſe Regeln […] könnte man reden; ſie bringen außer dem ungewohnten Schriftbild vieler Fremdwörter keine großen Umwälzungen, z.B. nicht etwa die Kleinſchreibung der Dingwörter […]. Was aber das ganze Unternehmen als gründlich verfehlt erweiſt, iſt die Beſtimmung, daß „der gegenwärtige Schreibgebrauch vorläufig auch weiterhin in Geltung bleiben kann“. Das iſt ſo ziemlich das Allerungeſchickteſte, was man in dieſer Sache beſtimmen konnte, denn durch dieſe „Beſtimmung“ wird alles unbeſtimmt; jeder ſchreibt, wie er will […].

15. 10. 1944

: Wieder eine Reform der deutschen Rechtschreibung. Schweizer Graphischer Zentralanzeiger, , 50. jg., nr. 10, s. 2 bis 3 (ganzer artikel)
Nachdem die alte Schreibweise nach Duden „vorläufig“ weiterbestehen kann, wird nur ein Durcheinander entstehen. Der eine Autor schreibt so, der andere nach den neuen Regeln. Kommen zwei solcher Aufsätze in einer Zeitschrift zum Abdruck, dann wird mancher Uneingeweihte beim Lesen den Kopf schütteln und sich über die Arbeitsweise in der Druckerei seine Gedanken machen.

14. 9. 1941

: Die Reform der deutschen Rechtschreibung. Ein Vorschlag von Fritz Rahn. Das Reich, , s. 15 (ganzer artikel)
Ein Kulturvolk wie das deutsche, das sich mit dem Gedanken trägt, seine Rechtschreibung zu reformieren — und dies so bald wie irgendmöglich —, will durch Vereinfachung des Verwickelten sein geistiges Leben entlasten und ihm dadurch neue Kräfte und Wirkungsmöglichkeiten zuführen. Wir wissen, daß es sich da um ein gefährliches Unterfangen handelt, daß ein bißchen Zuwenig das Vorhaben um seine ganze Wirkung bringen kann und daß ein geringes Zuviel unabsehbare Verwirrung stiften, ungeahnte Gegenkräfte entbinden und unberechenbare Schwierigkeiten herbeiführen kann.

10. 11. 1928

: "die gerichtssprache ist deutsch." Berliner Tageblatt, (390 wörter, ganzer artikel)
[…] das Oberlandesgericht Köln musste sich mit dem exzeptionellen Fall beschäftigen. Es kam zu folgendem Ergebnis: "[…] Der Gebrauch der kleinen Anfangsbuchstaben beeinträchtigt nicht die Lesbarkeit und die Verständlichkeit der Klageschrift." (!!) Wodurch wieder einmal eine sehr wichtige Rechtsfrage in äusserst scharfsinniger und wie man zugeben muss, zufriedenstellender Weise gelöst ist.

25. 9. 1928

neu : Referat über die vereinfachung der deutschen rechtschreibung [teil 2]. Pionier: Organ der schweizerischen permanenten Schulausstellung in Bern, , 49. jg., nr. 7–8, s. 58 bis 63 (ganzer artikel)
Zwar hatte die vereinheitlichung und amtliche regelung sicher praktische vorteile, besonders für den buchdruck und auch für die schule. Anderer­seits wurde dadurch die weitere reform erschwert, wenn nicht unterbunden. […] Und als dann 1918 nach dem politischen zusammen­bruch des reichs eine mächtige reform­bewegung auf dem ganzen weiten feld des erziehungs­wesens einsetzte, kam auch die ortografie­reform wieder in fluss. […] Der neu­erwachte nationale chauvinismus steht einer reform nicht günstig gegenüber, und so ist vorläufig von Deutsch­land kein vorangehen zu erwarten. Dagegen hat der reform­gedanke in der Schweiz in den letzten jahren sich auszubreiten begonnen. […] Und im herbst 1924 fand dann endlich in Olten eine versammlung statt von freunden einer ortografie­reform, die zur gründung des «Bundes zur vereinfachung der recht­schreibung» führte. […] Verehrte kollegen, scheuen wir uns nicht, mit forderungen an die öffentlichkeit zu treten, auch wenn unser schritt da und dort noch kopfschütteln hervorrufen sollte.

18. 8. 1928

neu : Referat über die vereinfachung der deutschen rechtschreibung [teil 1]. Pionier: Organ der schweizerischen permanenten Schulausstellung in Bern, , 49. jg., nr. 5–6, s. 33 bis 41 (ganzer artikel)
Gehalten […] am 29. mai 1926 in Baden, an der interkantonalen konferenz zur besprechung der ortografiereform. […] Ich nehme an, dass sie alle sich in letzter zeit in irgend­welcher weise mit der ortografie­reform beschäftigt haben […]. Und ich darf auch annehmen, dass sie alle empfinden: wir stehen hier vor einer frage, die wichtig ist für das öffentliche leben und ganz besonders wichtig für die schule, der wir unsere arbeit und unser denken widmen. Ich will gleich auf die haupt­sache eingehen und zwei fragen stellen: 1. Ist eine reform, eine vereinfachung unserer gebräuchlichen deutschen recht­schreibung überhaupt wünschens­wert? 2. Ist eine solche möglich? […] In erster linie steht da die grosschreibung. […] Die grossschreibung der substantive ist wie viel anderes über­flüssiges in unserer schreibung ein kind der barockzeit […]. Das misslichste daran ist aber, dass man bei der grosschrei­bung der eigentlichen substantive nicht stehen blieb, sondern dass im 19. jahr­hundert nun auch alle möglichen substantivisch verwendeten ausdrücke der «ehre der grosschreibung» teilhaftig wurden […]. Dadurch aber kommen wir zu einer komplizierung der schreib­weise, die ans absurde grenzt […]. Ungefähr die hälfte aller schreibregeln betrifft denn auch die grosschreibung, und die fehler darin überwiegen weitaus. Davon habe ich mich letztes jahr durch einige statistische fest­stellungen in den heften meiner schülerinnen überzeugt.

1926

: Die enthauptung der hauptwörter. «O mein Heimatland», schweizerische kunst- und literaturchronik, (ganzer artikel)
Seitdem die frage der schreibreform wieder in fluss gekommen ist, richtet sich der ansturm der neuerer vor allem gegen die grossen anfangs­buchstaben der hauptwörter. Ist es bloss eine laune des demokratischen zeitgeistes, der wahn der allgemeinen gleichmacherei, der nicht dulden kann, dass die wörter einer bestimmten klasse eines hauptes länger seien als die andern?

4. 1920

neu : Zur neuen Rechtschreibung. Mitteilungen des Deutschschweizerischen Sprachvereins, , nr. 4, s. 1 (ganzer artikel)
Jedem Erwachsenen, der sich die Rechtschreibung an­geeignet hat, mutet eine Neuerung auf diesem Gebiet Opfer zu. Je älter er ist, desto schwerer wird ihm das. Es sind aber Opfer, die wir unsern Kleinen, den Kindern und Enkeln bringen. In der Uebergangs­zeit, zehn oder zwanzig Jahre lang, wird man jedem von uns noch ge­statten, bei der alten Uebung zu bleiben. Fürs Lesen aber werden wir uns sehr bald, in wenigen Jahren, voll­ständig an die neuen Wort­bilder gewöhnen.

15. 4. 1876

neu : Deutsche Rechtschreibung II. Pädagogischer Beobachter, Organ der zürcher. Volksschule (), , 2. jg., nr. 15, s. 58 bis 59
Eine weitere, ganz überflüssige Eigenthümlichkeit, ich möchte sogar sagen Unart in der deutschen Schreibweise ist der Gebrauch der grossen Anfangs­buchstaben bei den sogenannten Substanti­ven, wie es in keiner andern Sprache der Fall ist oder war. Die französische, italienische, englische, lateinische und griechische Schrift, die nur beim Anfang eines Satzes oder bei Eigen­namen die grossen Buch­staben brauchen, sind eben so verständlich, wie die deutsche, und die deutsche Schrift wird eben so verständlich werden wie jene, wenn wir uns der lateinischen Lettern bedienen. Fort also mit dieser Unart, die das Schreiben­lernen den Kindern so sehr erschwert und sogar den Gebildeten manchmal in Verlegen­heit bringt, zweifelnd ob er ein Wort, das an sich kein Substan­tivum ist, aber statt eines solchen als Subjekt oder Objekt im Satz gebraucht wird, gross oder klein schreiben soll […].

8. 4. 1876

neu : Deutsche Rechtschreibung I. Pädagogischer Beobachter, Organ der zürcher. Volksschule (), , 2. jg., nr. 14, s. 53 bis 55
Zur Verkehrs­erleichterung ändern wir unsere Münzen, Maasse und Gewichte und richten sie nach gewissen vernünftigen Grundsätzen ein, um sie allgemein zu machen und greifen damit stark in die alten Volks­gewohnheiten ein, aber einmal durchgeführt fühlt Jeder­mann den grossen Vortheil der Neuerung, weil sie den Verkehr erleichtert und auf einfachen, leicht zu begreifenden Prinzipien beruht, und so würde sich gewiss auch das Publikum bald darein fügen, wir dürfen sogar sagen sich darüber freuen, wenn eine recht einfache und natürliche Schreib­weise durch kompetente Behörden eingeführt würde.