Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2014-2-12

Wer ist wer in der reformdiskussion? Institutionen, zitate, anmerkungen.

Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung

bezeichnung in BVR-schreibweise

Deutsche akademie für sprache und dichtung, Akademie für sprache und dichtung

adresse

Alexandraweg 23, D-64287 Darmstadt

telefon

+49 6151-4092-0

elektronische post

sekretariat
deutscheakademie.de

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rechtsform

eingetragener verein, finanziert sowohl aus öffentlichen als auch privaten mitteln; etwa 90 prozent des etats aus zuwendungen der öffentlichen hand

zweck

«Die Akademie sieht es als ihre Aufgabe an, die deutsche Literatur und Sprache zu pflegen und, wo es sein muß, zu vertreten, nicht zuletzt neue Entwicklungen aufmerksam und kritisch zu verfolgen, nach Möglichkeit auch zu ermutigen und zu fördern.»


gründung

28. 8. 1949 in Frankfurt am Main

präsidenten

1966 bis 1972 Gerhard Storz
1996 bis 25. 10. 2002 Christian Meier
25. 10. 2002 bis 28. 10. 2011 Klaus Reichert
28. 10. 2011 Heinrich Detering


 

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Zitate

Gutachten der Deutschen aka­demie für sprache und dichtung zu den Empfeh­lungen zur Erneue­rung der deutschen Recht­schreibung, Neue Zürcher Zeitung, 17. 4. 1955

Die Deutsche Akademie lehnt eine Reform der Rechtschreibung im Sinne der genannten Empfehlungen ab. Sie beruft sich dabei auf den Bericht, den die «Kommission für Sprache» der Akademie erstattet hat. […]

Mit Sicherheit […] würde die Einführung einer so radikal veränderten Ortho­graphie höchst gefährliche Folgen haben: Künftige Generationen könnten diejenigen Bücher, die in der heute geltenden Recht­schreibung gedruckt sind, kaum noch benutzen. Bringt man dem­gegenüber in Ansatz, wie weit die Abkehr vom anspruchs­volleren Buch, ja vom Buch überhaupt, heute schon um sich gegriffen hat, so wird man das Abreißen der großen literarischen Ueber­lieferung und das völlige, rasche Heraufkommen einer neuen Barbarei befürchten müssen. Das in öffentlichen und privaten Bibliotheken bewahrte Schrift­tum wäre den meisten Menschen nicht mehr zugänglich, und die Nutzung der Volks­büchereien würde fast unmöglich gemacht […]. Bei Neuauflagen schon verlegter Bücher konnten die Matern in der alten Orthographie nicht mehr verwendet werden; der notwendige Neusatz würde eine nicht un­beträchtliche Erhöhung der Ladenpreise nach sich ziehen. […]

In Sachen der Orthographie ist Stetigkeit letzten Endes der wichtigste und ent­scheidende Gesichts­punkt, dem­gegenüber alle möglichen Bedenken grammatischer, vollends aber zeitökonomischer Art zurück­zutreten haben. Orthographie ist innerhalb einer Kultur­nation eine Fertigkeit, die im Kindesalter erlernt und hernach, unter Erwachsenen, nicht mehr beredet wird […].

Die Akademie ist der Meinung, gewissen Miß­lichkeiten sei auf gelinde Weise abzuhelfen, und macht folgende Vorschläge: 1. […] dort, wo die ursprüngliche Normierung einem deutlich anderen Gebrauch von heute entgegen­steht, außerdem für die in­zwischen neu auf­genommenen Wörter und Fremdwörter muß die Recht­schreibung neu fest­gesetzt werden. Hernach müßte die revidierte Fassung der Konvention von 1900 im Druck vorgelegt und erneut auf amtlichem Wege für verbindlich erklärt werden. […] Weiter­führung dieser Konvention (Schreibung neuer Wörter) hätte ausschließlich Obliegenheit einer ständigen Kommission zu sein, die von den beteiligten Staaten ein­zusetzen wäre. 2. In Verbindung mit einer solchen Revision der bestehenden Recht­schreibung könnte für das Erlernen in der Schule und infolgedessen ebenso für den allgemeinen Gebrauch der Grundsatz einer maßvollen Toleranz aufgestellt werden, und zwar vor allem im Bereich der Groß­schreibung. Er müßte etwa folgendermaßen lauten: Was von jedermann zweifelsfrei als Haupt­wort erkannt werden kann, muß mit großen Anfangs­buchstaben geschrieben werden. Wo solche Eindeutigkeit nicht besteht, wird die Entscheidung für großen oder kleinen Anfangs­buchstaben freigegeben, so daß beispielsweise «im Einzelnen» neben «im einzelnen» erlaubt sein würde. […]

Eben das Bestreben gewisser orthographischer Regelbücher, ganz und gar alles bis ins Letzte reglementieren zu wollen und überhaupt nichts mehr dem Nachdenken und individueller Entscheidung zu überlassen – eben dieser überhebliche Eifer hat aus der Wohltat der Orthographie eine Plage und wahr­scheinlich aus ihren ehedem zelotischen Bekennern verblendete Anarchisten gemacht. Denn das Fanatiker­tum der Reformer, das sich in jenen Empfehlungen bezeugt, läßt vermuten, daß sie die Rechtschreibung von jeher zu wichtig und nie für das genommen haben, was sie sein will und allein sein kann: als den Versuch, der Sprache ein einigermaßen adäquates Schriftbild gegenüberzustellen und wenigstens in der schriftlichen Fixierung zu erreichen, was gegenüber der Sprache selbst nie erstrebt werden darf, nämlich eine künstliche Normierung.

Christoph König, Frank­furter Allgemeine Zeitung, 21. 10. 1999

Die Akademie in Darmstadt ist eine Welt für sich. Ihr gehören hundert ordentliche Mitglieder und noch einmal so viele korrespondierende Mitglieder an, die im Ausland wohnen. Ihre Zuwahl erfolgt in der Ver­sammlung aller aufgrund eines Vorschlags, den drei unterstützen. Das temperiert. Meist wird eine schon vorhandene Anerkennung bestätigt: Germanisten aus anderen Ländern etwa sollen ihre Nation wie Diplomaten vertreten.

Peter Wapnewski, Süd­deutsche Zeitung, 3. 12. 1997

Man darf indes zweifeln,ob sie in dem hier in Rede stehenden Falle gefordert ist, denn „für Schreibung“ ist sie nicht eigentlich kompetent.

Hartmut von Hentig, Frankfurter Rundschau, 28. 8. 2000

Es muss eine Vermittlung in der Sache geben […]. Das geht nur mit Hilfe einer unabhängigen Instanz, also der schon mehrfach angeregten neu zu bildenden Kommission. Diese darf nicht mit Personen oder von Ein­richtungen beschickt werden, die den Streit in die gegenwärtige Ausweg­losigkeit getrieben haben. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung wäre die richtige Instanz hierfür. […] Aber nachdem die Akademie die Rückkehr der Frankfurter Allgemeinen stürmisch gefeiert und allen anderen Zeitungen, Verlagen und staatlichen Organen mit Verve empfohlen hat, wird man ihr die Richter­funktion nicht mehr einräumen.

Uwe Wittstock, Die Welt, 27. 10. 2003

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eilt nicht eben von Triumph zu Triumph. Zu ihren größten Nieder­lagen gehört die zweifellos unglückliche Rechtschreib­reform.

dradio.de (Deutschland­radio Kultur), 29. 10. 2011

Raus aus dem elitären Zirkel.

Joachim Güntner, Neue Zürcher Zeitung, 6. 5. 2013

Nützlich sein statt wichtig tun. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung steckt in einem selbstverordneten Transformationsprozess.