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Bayerische Akademie der Schönen Künste

Offener Brief an die Ministerpräsidenten: Erklärung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zur Rechtschreibreform vom 28.3.2006

Verehrte Herren Ministerpräsidenten!

Nach dem öffentlich erklärten Willen der Kultusminister geht es bei der Ihnen zur Genehmigung vorgelegten Reform der Reform der deutschen Rechtschreibung durchaus nicht um die Aufhebung der durch die Kultusministerkonferenz höchstselbst verursachten beispiellosen Verwilderung der deutschen Orthographie, sondern in erster Linie um ein Exempel bundesrepublikanischer Staatsräson.

Daß weder den Kultusministern noch irgendeiner anderen staatlichen Autorität Eingriffe in den sich entwickelnden Sprachgebrauch zustehen, haben selbst Kultusminister bereits öffentlich bekundet. Konsequenzen aus dieser späten Einsicht zu ziehen, sind die Minister wie die Ihnen nun vorliegenden Resultate des Rates für deutsche Rechtschreibung beweisen gleichwohl nicht bereit.

Wir haben die von Ihnen zu ratifizierenden Vorschläge sorgsam geprüft und stimmen mit den kompetentesten Kennern der deutschen Sprachgeschichte und Orthographie in der Ansicht überein, daß die zur Befriedung empfohlenen Resultate des von Herrn Dr. Zehetmair geleiteten Gremiums in hohem Grade unbefriedigend sind. Ergebnisse dieser Art waren wegen der von den Kultusministern tendenziös festgelegten personalen Besetzung des Rates für deutsche Rechtschreibung leider zu erwarten: Mehrheitsbeschlüsse bei einem Übergewicht von Personen mit eingeschränkter Sachkompetenz und einer Überzahl von mitverantwortlichen und aus geschäftlichen Gründen an der Reform interessierten Befürwortern des mißratenen Regelwerks von 1996 lagen durchaus im strategischen Kalkül.

Wir ersuchen die Ministerpräsidenten mit dem gebührenden Respekt und der hohen Dringlichkeit, die uns die Verantwortung unserer Akademie für das sensibelste unserer Kulturgüter: die Sprache, gebietet , einem neu zu berufenden Rechtschreib-Rat die politische Unabhängigkeit und die notwendige Zeit zu gewähren, welche erforderlich sind, das durch die Anmaßung und Inkompetenz der Verantwortlichen angerichtete Chaos der deutschen Rechtschreibung zu beheben, um unserer Muttersprache ihr internationales Ansehen wiederzugewinnen, das eins ist mit dem Ansehen unseres Landes.

gez. Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer, Präsident

gez. Prof. Dr. Peter-Horst Neumann, Direktor der Abteilung Literatur


Original: www.badsk.de/text/M%8Arz12006.pdf (pdf)


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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR), Rolf Landolt, 2006-4-2