Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2006-4-2

Bayerische Akademie der Schönen Künste

Offener Brief an die Ministerpräsidenten: Erklärung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zur Rechtschreibreform vom 28.3.2006

Verehrte Herren Ministerpräsidenten!

Nach dem öffentlich erklärten Willen der Kultusminister geht es bei der Ihnen zur Genehmigung vorgelegten Reform der Reform der deutschen Recht­schreibung durchaus nicht um die Aufhebung der durch die Kultusminister­konferenz höchst­selbst verursachten beispiellosen Verwilderung der deutschen Orthographie, sondern in erster Linie um ein Exempel bundes­republikanischer Staatsräson.

Daß weder den Kultus­ministern noch irgendeiner anderen staatlichen Autorität Eingriffe in den sich entwickelnden Sprach­gebrauch zustehen, haben selbst Kultus­minister bereits öffentlich bekundet. Konsequenzen aus dieser späten Einsicht zu ziehen, sind die Minister – wie die Ihnen nun vorliegenden Resultate des Rates für deutsche Rechtschreibung beweisen – gleichwohl nicht bereit.

Wir haben die von Ihnen zu ratifizierenden Vorschläge sorgsam geprüft und stimmen mit den kompetentesten Kennern der deutschen Sprach­geschichte und Orthographie in der Ansicht überein, daß die zur Befriedung empfohlenen Resultate des von Herrn Dr. Zehetmair geleiteten Gremiums in hohem Grade un­befriedigend sind. Ergebnisse dieser Art waren wegen der von den Kultus­ministern tendenziös fest­gelegten personalen Besetzung des Rates für deutsche Rechtschreibung leider zu erwarten: Mehrheitsbeschlüsse bei einem Übergewicht von Personen mit ein­geschränkter Sachkompetenz und einer Überzahl von mit­verantwortlichen und aus geschäftlichen Gründen an der Reform interessierten Befürwortern des miß­ratenen Regelwerks von 1996 lagen durchaus im strategischen Kalkül.

Wir ersuchen die Minister­präsidenten – mit dem gebührenden Respekt und der hohen Dringlichkeit, die uns die Verantwortung unserer Akademie für das sensibelste unserer Kulturgüter: die Sprache, gebietet –, einem neu zu berufenden Rechtschreib-Rat die politische Unabhängigkeit und die notwendige Zeit zu gewähren, welche erforderlich sind, das durch die Anmaßung und Inkompetenz der Ver­antwortlichen angerichtete Chaos der deutschen Recht­schreibung zu beheben, um unserer Muttersprache ihr inter­nationales Ansehen wieder­zugewinnen, das eins ist mit dem Ansehen unseres Landes.

gez. Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer, Präsident

gez. Prof. Dr. Peter-Horst Neumann, Direktor der Abteilung Literatur


Original: www.badsk.de/text/M%8Arz12006.pdf (pdf)