Bund für vereinfachte rechtschreibungchronik → Entschließung des Deutschen Germanistentages vom 14. Februar 1973

Entschließung des Deutschen Germanistentages vom 14. Februar 1973

1. Die Sektion I des Deutschen Germanistentages schließt sich der NRW-Resolution "Kleinschreibung in der Grundschule" an. Die Durchführung dieses Punktes hält sie für unabdingbar.

2. Die Sektion I stimmt folgenden Erweiterungen dieses Reformvorschlages zu:

a) Kommasetzung erfolgt nach Sinn- und Sprecheinheiten gemäß Aussageabsicht und im Hinblick auf kommunikative Relevanz.

b) ß kann durch ss ersetzt werden.

c) Pronomen und Konjunktion werden einheitlich "das" geschrieben.

d) Hinsichtlich der Silbentrennung und Getrenntschreibung schließt sich die Sektion I den Wiesbadener Empfehlungen in den Punkten 3 und 6 an.

3. Die Sektion I des Germanistentages fordert die Kultusminister aller Bundesländer auf, anzuordnen, daß Rechtschreib­leistungen weder im Primar- noch im Sekundarbereich der Schule als Kriterium der Versetzung gewertet werden dürfen. Das schließt ein, daß Diktate nur noch als Übung, nicht mehr als Klassen- und Prüfungsarbeiten geschrieben werden.

4. Die Sektion I des Germanistentages fordert alle Deutschlehrer auf, Verstößen gegen die Rechtschreibnorm geringeres Gewicht als bisher beizumessen.


Rolf Landolt, 2010-2-24