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Wichtigste Regeln der Rechtschreibung

Mackensen, Lutz: > Deutsche Rechtschreibung. 1968

Wörter, die wir anders zu schreiben empfehlen als frühere Regelbücher und die Schulbehörden, erhielten einen mit S: gekennzeichneten Zusatz mit der ursprünglichen Schreibung.

Groß- und Kleinschreibung

Wir schreiben groß

Wir schreiben klein

das erste Wort im Satz, d. h. am Anfang eines Absatzes, nach einem Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen und nach Doppelpunkt, wenn ein in sich geschlossener Satz folgt:

 

Die Mutter kommt. Ich gehe ihr entgegen. Freust du dich? Laut rief er: „Ja! Sehr!”

Er schrieb ihm Storms Worte „Hehle nimmer mit der Wahrheit!” ins Stammbuch. (Satzzitat)

in der Überschrift:

Das Haus in der Sonne. Alles um Liebe. Lieber Onkel! (Brief) – Er trug Schillers Gedicht „An die Freude” vor.

in mehrgliedrigen Namen oder Titeln:

nach Doppelpunkt, wenn kein in sich geschlossener Satz folgt:

Er sammelt alles: gute, schlechte, schöne und häßliche Bilder.

nach Ausrufe- oder Fragezeichen, wenn kein neuer Satz beginnt:

„Komm bald!” rief er mir zu. „Gehst du schon?” fragte die Hausfrau.

das Fleißige Lieschen (Pflanze), die Ewige Lampe; die Rote Beete (S: rote Beete), der Graue Star (S: graue Star), der Blanke Hans (S: blanke Hans), die Rote Rübe (S: rote Rübe) (Großschreibung, wenn das Wort als Teil des Namens aufgefaßt wird!), das Schwarze Meer.

aber: das große Los (weder Name noch Titel); zum ewigen Gedächtnis; ein schwarzes Loch; die großen Brüder; das deutsche Wunder.

Merke! Besteht der Name aus mehreren Wörtern, werden alle groß geschrieben:

das Deutsche Archäologische Institut

aber: Gesellschaft für deutsche Sprache; Importfirma für japanische Waren (der Name bildet einen Satz!).

alle Hauptwörter, also jedes Wort, das nach einem Geschlechtswort (der, die, das – ein, eine – kein, keine) steht oder stehen kann:

der Ofen, die Liebe, das Rad, ein König, eine Mutter, kein Glück, keine Hoffnung, zwei Häuser, viele Gänse, ein Paar Schuhe (zwei zusammengehörige Schuhe).

am heutigen Morgen, gestern am Nachmittag, des Abends, die ganze Zeit meines Lebens.

Daher empfehlen wir:

außer aller Acht lassen; daher auch: außer Acht (S: acht) lassen; in Obacht nehmen; daher auch: in Acht (S: acht) nehmen; auf allen Seiten; daher auch: auf Seiten (S: seiten); das Haus ist mein Eigen; daher auch: du bist mein Eigen (S: eigen) u. ſ. w.

Hauptwörter, die in andere Wortklassen übergegangen sind, nämlich z. B. unbestimmte Zahlwörter:

ein paar Kirschen (einige Kirschen). ein bißchen Geld (ein wenig Geld),

oder Umstandswörter:

heute morgen, gestern nacht, übermorgen abend, Mittwoch morgen. Es entscheidet sich morgen mittag; morgens, mittags, nachmittags, abends, einmal, keinmal, jederzeit, jedesmal, dienstags, sonntags, zeit meines Lebens, etwas ernst nehmen.

Also auch:
ich schlage (schlug) Rad,
ich fahre (fuhr) Rad
ich schreibe (schrieb) Maschine
ich halte (hielt) Haus (S: haus)
ich spreche (sprach) Hohn (S: hohn)

aber: radschlagen
radfahren
maschineschreiben
haushalten
hohnsprechen

Mittel-, Umstands-, Zahl- und Fürwörter nach einem Geschlechtswort:

das Obenstehende; im Bisherigen (S: bisherigen); das Drunter und Drüber; das Auf und Ab; der Dritte (im Bunde); daher auch: der Eine (S: eine), der Andere (S: andere); Fritz ist mein Einziger; daher auch: du bist mein Ein und Alles (S: ein und alles), und: das ist das Einzige (S: einzige), was ich verabscheue u. ſ. w.

Eigenschaftswörter auf „er”, die von Orts- und Ländernamen abgeleitet sind:

Stolper Jungchen, Danziger Goldwasser, Edamer Käse.

alle Mittel-, Umstands-, Verhältnis-, Binde-, Geschlechts-, Zahl- und Fürwörter:

feststehend, gestern, immer, längs, angesichts, laut, seitens, auf, und, aber, auch, trotzdem, der, ein, kein, drei, acht, fünftens, der erste Schlag, ich, mein, jene, dieser, manche, wenige.

Eigenschaftswörter auf „(i)sch”, sofern sie auf die Frage „wessen?” antworten, d. h. auf einen Urheber oder Besitzer deuten:

die Kantschen „Kritiken”, der Pythagoreische Lehrsatz, das Schillersche Gedicht.

Merke! Alle anderen Eigenschaftswörter auf „(i)sch” werden klein geschrieben:

englische Zigaretten, schwedische Zündhölzer, hegelsche Methoden, homerisches Gelächter, goethesche Heiterkeit, kopernikanische Wende.

Zeit- und Eigenschaftswörter nach einem vorhandenen oder zu ergänzenden selbständigen oder in ein Verhältniswort einbezogenen Geschlechtswort (im, beim, zum, aufs, überm), ferner nach allerlei, alles, etwas, genug, nichts, viel, wenig usw.:

Er verträgt das Klettern nicht. Im Überlegen kam ihm ein Plano

alle Zeit- und Eigenschaftswörter:

klettern, überlegen, nachdenken, bitten, wünschen, hoffen.

das beste Wort, ein ganzer Kerl, der äußerste Entschluß, die letzte Hoffnung, eine besondere Anstrengung, manche witzige Bemerkung, etwas Gutes essen, genug schöne Kleider, viele rühmliche Taten.

Daher empfehlen wir:

Das Beste, was er sagte; das Allerbeste (S: es ist das allerbeste, daß …; die Torte ist das Allerbeste, was …; jenseits von Gut und Böse; aufs Ganze gehen, das Schöne. Zum Äußersten gebracht, wagte er das Letzte. Etwas Allgemeines sagen, nichts Besonderes bemerken, wenig Schmeichelhaftes sagen, allerlei Witziges vorbringen, etwas Gutes tun, genug Schönes behalten, nichts Schädliches planen, viel Rühmliches vollbringen, im Finstern (S: finstern) tappen, im Großen (S: großen) verkaufen (betreiben), im Guten (S: guten) sagen, es beim Alten (S: alten) belassen, um ein Bedeutendes (S: bedeutendes) zunehmen, der erste Beste (S: beste); an alles Mögliche denken; also auch alles Mögliche (S: mögliche) tun; tu dein Möglichstes (S: möglichstes); ein Gleiches tun, also auch: ins Gleiche (S: gleiche) bringen, aufs Gleiche hinaus kommen; ins Klare (S: klare) kommen; im Klaren (S: klaren) sein; über ein Kleines (S: kleines); den Kürzeren (S: kürzeren) ziehen; des Langen und des Breiten (S: langen und breiten); der Letzte des Monats; also auch: der Letzte (S: letzte), der … ; die Meisten (S: meisten) u. ſ. w.

Merke! Eigenschafts-, Zahl- und Fürwörter, auch wenn sie nach einem Geschlechtswort stehen, werden klein geschrieben, sofern sie sich auf ein vorangehendes Hauptwort beziehen:

Dieser Schüler ist der beste. Dieser Vorschlag ist der letzte, den ich machen kann. Die Kranken, von denen die meisten gesundeten, … Zehn Bücher nehme ich mit, die übrigen lasse ich zurück. Die Reiter gingen durchs Ziel, als erster …

Deine Frau ist blond, die meine brünett.

Merke! Man schreibt immer klein, wenn der Charakter des Eigenschafts- oder Umstandswortes unbezweifelbar ist, obgleich ein selbständiges oder einbezogenes Geschlechtswort vorhergeht:

im allgemeinen (= ganz allgemein), nicht im geringsten (= keineswegs), im übrigen (= übrigens), aufs beste, am besten, zum besten haben, zum mindesten, aufs neue, arm und reich, groß und klein, gleich und gleich, über kurz oder lang, durch dick und dünn.

Fremdwörter

die sich eingebürgert haben, schreiben wir in deutscher Schreibung, also empfehlen wir auch Schreibungen wie: Schofför, Frisör, Installatör (S: Installateur), Limusine (S: Limousine); Montör (S: Monteur); Raudi (S: Rowdy); Remulade (S: Remoulade); Schikoree (wie Schi, Schlachta, Schimäre) (S: Chicorée); Stenograf, Telefon, Telegraf, visavis (S: vis-a-vis aber Visavis); Neu York; Biskaja (S: Biscaya); Käte.

> Drei gleiche Mitlaute

dürfen nach der Schulregel nur nebeneinander ſtehen, wenn ein Mitlaut auf ſie folgt. Dieſe Regel iſt u. E. ſehlecht begründet. Wir ſchlagen daher vor, drei gleiche Mitlaute zu meiden:

Schnelläufer, Füllager, Pralluftschiff, Wetturnen, aber auch Ballettruppe (S: Baletttruppe), Kreppreis (S: Krepppreis), Rohstoffrage (S: Rohstofffrage); Sauerstofflasche (S: Sauerstoffflasche); Stoppreis (S: Stopppreis); Treffläche (S: Trefffläche); der 3. Mitlaut erscheint in der Silbentrennung wieder: Füll-lager; Rohstoff-frage; Treff-fläche.

Zusammen- und Getrenntschreibung

Wir schreiben zusammen

einfache unzusammengesetzte Wörter:

Haus, rufen, tanzen, schwarz, grün, sieben, zwölf, jeder.

 

zusammengesetzte, zweigliedrige Wörter, die dadurch entstanden sind, daß zwei Begriffe zur Bildung eines dritten, neuen Begriffs aneinandergerückt werden. Auch sie geben einen einzigen Begriff wieder. –

Haustür, Regenbogen, Grundfarbe, Konversationslexikon, aufgehen, rabenschwarz, knallrot, siebenhundert, jedenfalls.

zusammengesetzte Zeitwörter, wenn das Bestimmungswort ein Verhältniswort ist:

anlaufen, aufstellen, ausgehen.

wenn das Bestimmungswort in der Beugung nicht vom Grundwort getrennt wird, obgleich es kein Verhältniswort ist, sondern einer anderen Wortklasse angehört:

frohlocken (ich frohlockte, er hat frohlockt), schulmeistern (er schulmeisterte mich immer, er muß immer schulmeistern), hohnlachen (er hohnlachte, er hat hohngelacht); schifahren, schilaufen (wie radfahren) (S: Schi fahren (laufen)).

zusammengesetzte, mehrgliedrige Wörter, die gleichfalls zweipolig sind, aber aus mehr als zwei Begriffen bestehen:

Haustürschlüssel, kohlrabenschwarz, hinausgehen, siebenhundertdreiundzwanzig, Ortskrankenkasse, Invalidenversicherungsschein, Kleinkinderbewahranstalt, Lebensmittelhandlung, Lastenausgleichskasse, Lampenschirmpapier.

Merke! Wird eine Zusammensetzung zu lang, so kann ein Bindestrich an der Begriffsschwelle stehen.

Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz (aber nicht: Arbeiterunfall-Versicherungsgesetz), Einkommensteuerveranlagungs-Kommission (aber nicht: Einkommen-Steuerveranlagungs-Kommission), Gemeindegrundsteuer-Veranlagung (nicht aber: Gemeindegrund-Steuer-Veranlagung); das Auf- und Abspringen; also auch das Auf- und Abgehen (S: Aufundabgehen).

wenn Grund- und Bestimmungswort ihre ursprüngliche Bedeutung zu Gunsten einer dritten, neuen aufgegeben haben (d. h. übertragen gebraucht werden):

feststellen (stellte fest, festgestellt: der Sprecher denkt weder an fest noch an stellen, sondern meint „konstatieren”, etwas fertigbringen, fertigmachen, fertigstellen ; also auch; fertigwerden (S: fertig werden) mit jemandem; sitzenbleiben (= nicht geheiratet werden; aber: sitzen bleiben = nicht aufstehen); bekanntgeben; bekanntmachen; bekanntwerden (aber: mit meiner Frau bekannt machen; als ich mit seiner Frau bekannt wurde).

Wo dies nicht der Fall ist, schreiben wir getrennt:

Still sein (sitzen, werden); also auch: still bleiben (8: stillbleiben); sauber machen; also auch: sauber halten (S: sauberhalten); lieb sein (werden) also auch: lieb behalten (gewinnen, haben) (S: liebbehalten, liebgewinnen, liebhaben) ; es leicht haben; das wird leicht werden (sein); also auch: leicht nehmen (S: leicht-nehmen) u. ſ. w.

Wir schreiben zusammen

Wir schreiben getrennt

zusammengesetzte Zeitwörter mit betontem Bestimmungswort:

Er hat seinen Bericht recht schöngefärbt (d. h. er hat den Bericht zu günstig abgefaßt). Wir wollen es ihm zuvortun (d. h. wir wollen es besser machen als er). Wir wollen alle Beweise zusammenholen (= sammeln); aufrechterhalten; also auch: instandhalten (S: instand halten).

zusammengesetzte Zeitwörter mit betontem Grundwort:

Das Kleid war schön gefärbt. Wir müssen noch etwas zuvor tun (d. h. Wir müssen etwas vorher erledigen). Wir wollen die Braut zusammen holen (d. h. wir alle, und nicht nur einer, wollen sie holen). Sie verabredeten, aneinander zu denken.

das Mittelwort in attributiver Stellung:

Sie trug ein blaugestreiftes Kleid. Er rettete den leichtverwundeten Freund aus der Feuerlinie, aber: er war leicht gekränkt.

das Mittelwort in prädikativer Stellung:

Das Kleid war blau gestreift. Otto war nur leicht verwundet; leer stehen; dann aber auch: leer stehend (S: leerstehend); nichts ahnend.

zusammengesetzte Zeitwörter, bei denen sich Bestimmungs- und Grundwort nicht (durch eine Zwischenfügung oder Wortumstellung) trennen lassen:

Er ist immer mit uns mitgelaufen. Wir sind unbeirrt weitergegangen. Wir wollen uns morgen wiedersehen.

zusammengesetzte Zeitwörter, bei denen sich Bestimmungs- und Grundwort (durch eine Zwischenfügung oder Wortumstellung) trennen lassen:

Wir sind mit (ihnen) gelaufen. Wir sind weiter (als sie) gegangen. Ich habe das schon wieder (einmal) gesehen.

zusammengesetzte Zeitwörter, bei denen das Bestimmungswort gesteigert oder durch ein anderes Wort ergänzt wird:

Er hat ihn mausetot geschlagen (aber: er hat ihn totgeschlagen). Die Stellungen wurden weiter zurück verlegt (aber: die Stellungen wurden zurückverlegt). Sie schienen näher zu kommen.

hin, her mit dem Bestimmungswort, wenn eine Richtung oder eine Dauer bezeichnet wird:

Das Wetter scheint herzuziehen. Wir wollen um das Haus herumgehen. Du sollst hingehen! In den Saal hineingehen; von rechts her; also auch: rechts her (S: rechtsher); rechts herum (S: rechtsherum); er ging nicht links, sondern rechts (um das Haus) herum; also auch: links herum (S: linksherum).

hin, her von dem Bestimmungswort, wenn sie nicht zum Zeitwort, sondern zu einer diesem zugefügten Ergänzung gehören:

Von Osten her zieht ein Wetter auf. Um das Haus herum geht ein Zaun. Vor sich hin träumen, in den Tag hinein leben.

hin, her von Zeitwörtern, die schon zusammengesetzt sind:

Sie sind nach links hin ausgewichen.

Wir schreiben getrennt

aneinander, beieinander, durcheinander, gegeneinander, miteinander, nebeneinander, voneinander von Zeitwörtern:

miteinander leben; also auch: aneinander geraten (S: aneinandergeraten) ; nebeneinander legen, also auch: nebeneinander legen (S: nebeneinanderlegen); voneinander scheiden; also auch: voneinander gehen (voneinandergehen); beisammen sein; also auch: beisammen sitzen (S: beisammensitzen); bereit halten; also auch: bereit machen (S: bereitmachen); darüber stellen; also auch: darunter legen (S: darunterlegen) u. ſ. w.

Wir schlagen vor:

bestehen bleiben (S: bestehenbleiben); bleiben lassen (S: bleibenlassen); kennen müssen; also auch kennen lernen (S: kennenlernen); kleben bleiben (S: klebenbleiben).

Wir schreiben:

unter Tage; also auch: zu Tage (S: zutage); an Hand (neben: anhand); an Stelle (neben: anstelle); zu meinen Gunsten, also auch: zu Gunsten (S: zugunsten) meines Onkels.

Der Bindestrich

Wir setzen einen Bindestrich bei

Wortzusammensetzungen, bei denen durch die Zusammenschreibung Mißverständnisse entstehen können:

Druck-Erzeugnis (nicht Druckerzeugnis oder Drucker-Zeugnis), Ur-Teilchen (nicht Urteilehen).

Wortzusammensetzungen, in denen drei gleiche Selbstlaute zusammenstoßen:

Klee-Ernte (nicht Kleeernte), Tee-Ei (nicht Teeei), Kaffee-Ersatz (nicht Kaffeeersatz).

Wortzusammensetzungen, bei denen das Bestimmungswort von zwei oder mehr Namen gebildet wird:

Rhein-Rhône-Kanal; Weser-Ems-Schiffahrt; Stolze-Schrey-System; Goethe-Schiller-Archiv.

aber:

Spreeathen (S: Spree-Athen) (wie: Sundainseln).

Werden die bei den Namen durch „und” verbunden, können auch drei Bindestriche gesetzt werden:

Rhein-und-Ruhr-Zeitung; Sturm-und-Drang-Jahre.

Straßennamen, die aus mehreren Namen gebildet sind:

Wilhelm-Raabe-Straße, Friedrich-Ebert-Straße; Präsident-Wilson-Straße.

zwei Namen, die einen Begriff bilden:

Schnellzug Hamburg-Basel; Kurzschrift Stolze-Schrey; Luftschiff Schutte-Lanz.

Zusammensetzungen, deren einer Bestandteil nur einmal gesetzt wird und ergänzt werden muß:

Haupt- und Staatsaktion; sang- und klanglos; Hin- und Rückfahrt, bergauf und -ab; entgegengehen und -fahren.

Wortzusammensetzungen, in denen das eine Glied von einem einzelnen Buchstaben gebildet wird:

I-Punkt; T-Eisen; Dehnungs-h; Lang-s.

Namen, vor die ein bestimmtes Beiwort als fester Bestandteil tritt:

Jung-Stilling; Alt-Berlin; Neu-Babelsberg; Groß-London.

Firmennamen, zu denen das Wort „Aktiengesellschaft” tritt:

Verkehrs-AG; Phywe-Aktiengesellschaft.

Wortzusammensetzungen, in denen eine Zahl zu dem Bestimmungswort tritt:

10-Pfennig-Marke (auch Zehnpfennigmarke, aber nicht 10-Pfennigmarke); 50-Mark-Schein (auch: Fünfzigmarkschein, aber nicht: 50-Markschein); 10000-Tonnen-Schiff (aber nicht 10000- Tonnenschiff).

Merke! Werden Abkürzungen gebraucht, so stehen auch beide Bindestriche:

10-Pf-Marke; 50-DM-Schein; 10000-t-Schiff.

Länder- oder Städtenamen, auf die ein weiterer Name als Erklärung folgt:

Hessen-Darmstadt; Bonn-Poppelsdorf; Berlin-Pankow (aber: Westindien, Südafrika, Altengamme, Neuruppin, München 23, Berlin W 20, in Berlin W wohnen).

Merke! Der Bindestrich steht immer nur zwischen den beiden gekoppelten Namen, niemals zwischen den Gliedern eines der beiden Namen:

Rote Erde/Aachen-Rote Erde (nicht aber: Aachen-Rote-Erde); Grüner Jäger/Lüneburg-Grüner Jäger (nicht: Lüneburg-Grüner-Jäger).

Die Silben

werden im Deutschen grundsätzlich nach Sprechtakten getrennt:

Haus-tür, Pfor-te Kind-lein Müt-ter-chen, fürch-ter-lich.

Dabei kommt ein einzelner Mitlaut auf die 2. Zeile:

Le-ber, Sa-ge, rei-sen, wa-gen.

sch, st und ph gelten als ein Laut:

wa-schen, rü-sten, Stro-phe.

Stehen mehrere Mitlaute nebeneinander, so tritt der letzte auf die 2. Zeile:

lis-peln, On-kel, sie hin-gen, Stät-ten, Städ-te, kämp-fen, trot-zen, Blit-ze, die Bekann-ten, Drechs-ler, die And-ren, die Unſ-rigen, sie häng-ten, lal-len, bim-meln, Rog-gen, Spar-ren.

aber:

voll-en-den.

ck wird als k-k getrennt:

spuk-ken (aber: spucken), wak-keln (aber: wackeln), Wik-ke (aber: Wicke).

Ein einzelner Selbstlaut wird nicht abgetrennt, weder am Beginn des Wortes:

übel (nicht ü-bel), oder (nicht o-der), Igel (nicht I-gel)

noch am Schluß des Wortes:

Aue (nicht Au-e), aber Ru-he.

Diese Regel gilt sinngemäß auch für das Zeilenende; man trennt ent-adeln (nicht: enta-deln), Ab-ali-ena-ti-on (nicht: Aba-lie-na-tion), ver-öden (nicht: verö-den).

Der bei der Zusammenschreibung unterdrückte 3. Mitlaut erscheint in der Silbentrennung wieder:

Schnell-läufer (aber: Schnelläufer), Rohstoff-frage (aber Rohstoffrage) (S: Rohstofffrage).

Vorsilben werden abgetrennt:

an-kommen, aus-tragen, be-freundet, emp-fehlen (für älteres ent-fehlen), er-spähen, zer-trampeln.

Nachsilben, die mit einem Selbstlaut beginnen, ziehen den vorangehenden Mitlaut bei der Trennung zu sich:

Ver-seh-rung,. Ver-wun-dung, Wand-lung, Hei-mat, Kar-tei, Mei-ste-rin, üb-rig.

Zusammengesetzte Wörter werden bei der Trennung in ihre Bestandteile zerlegt:

her-ein, dar-um, hier-in, wor-über, ein-an-der, be-ob-ach-ten, voll-enden.

Fremdwörter fügen sich im allgemeinen diesen Regeln, soweit die bis jetzt übliche Aussprache nicht die Trennung der Herkunftssprache beibehalten hat.

Wir trennen also:

An-ar-chie, An-ämie, Gym-kha-na, Hy-drat, Par-rhe-sie, Par-ochie, Syn-op-se, syn-onym,

empfehlen aber „gelehrte” Trennungen zu Gunsten deutscher Trennungsregeln nach Möglichkeit aufzugeben.

Zeichensetzung

Wir setzen einen Punkt

ans Ende eines Aussagesatzes:

Heute scheint die Sonne. Karl hustet. Morgen ist Richtfest.

hinter Abkürzungen, wenn sie nicht aus Großbuchstaben bestehen:

u. dgl., o. ä., z. B.

aber:

UNO, DIN, UdSSR

hinter Ordnungszahlen:

Wilhelm II., am 28. Februar; 2. behauptete er, daß …

Wir setzen ein Fragezeichen

ans Ende eines selbständigen (vollständigen oder verkürzten) Fragesatzes:

Was sagst du? Kommt Karl heute? Wie bitte? Warum?

ans Ende eines Wunschsatzes:

Ach, käme er doch! Oh, hätte ich doch Geld!

ans Ende eines Befehlssatzes:

Komm her! Wirst du wohl kommen!

ans Ende eines Ausrufesatzes:

Wie ist das schön! Was habe ich für Kopfschmerzen!

Merke! Nach indirekten Fragen steht kein Fragezeichen:

Er fragte Karl, ob er käme.

ans Ende eines mit besonderem Nachdruck gesprochenen Satzes:

Das sage ich dir ganz unmißverständlich! Davon kann und will ich nicht abgehen!

nach Ausrufen:

Donnerwetter! Pfui Teufel! Ach!

hinter die Anrede in Briefen:

Liebe Tante! Sehr geehrter Herr Meier! Verehrter Freund!

Wir setzen einen Beistrich (ein Komma)

zwischen Haupt- und Nebensatz, wenn sie hintereinander stehen:

Die Bahn fuhr ab, ehe ich ankam. Als die Sonne aufging, langten wir am Gipfel an. Ich bin froh, daß du gekommen bist.

wenn der Hauptsatz den Nebensatz umschließt:

Karl, der wieder nicht zugehört hatte, sagte: … Er kam, als ich rief, zurück.

zwischen einander beigeordneten Satzgliedern, die (ohne durch „und” oder „oder” verbunden zu sein) eine Aufzählung bilden oder sich ergänzen:

Rote, gelbe und weiße Tulpen. Dicht, schwarz und unergründlich stand der Wald. Seine großen, leuchtenden, blauen Augen … einmal rechts, einmal links; bald ernst, bald fröhlich; jetzt hier, nun dort …

vor und nach der Anrede:

Dich, lieber Karl, möchte ich bitten … Er bat sie, Agnes, früher zu kommen …

vor und nach Beifügungen:

Karl, mein bester Freund, meinte … Das Schneeglöckchen, dies bezaubernde Kind des Frühlings, … Am Montag, dem 3. März, wird die Schule ausfallen …

vor und nach Infinitivsätzen mit „zu”, falls sie erweitert sind:

Ich nahm sein Angebot, zu ihm nach Berlin zu kommen, gern an. Er vermochte nicht, ihr die Wahrheit zu sagen.

aber:

Sie fühlten die Notwendigkeit zu handeln. Sie weigerten sich umzuziehen.

vor und nach Infinitivsätzen mit „um zu”:

sie zogen sich zurück, um sich umzuziehen. Sie fuhren in den Harz, um dort zu wandern.

vor und nach Infinitivsätzen mit „anstatt zu”:

Du solltest, anstatt zu murren, lieber helfen! Anstatt im Vortrag fortzufahren, schwieg er.

zwischen Nebensätzen, wenn sie hintereinander stehen:

Die Sonne, die schon aufgegangen war, als wir aufbrachen, … Nachdem die Kinder die Tante begrüßt hatten, die eben eingetroffen war, …

zwischen Nebensätzen, von denen der eine den anderen umschließt:

Der Vater, der, als die Mutter ihn rief, sich gerade rasierte, … Da ich, der ich doch immer dein Freund war, dich bitte, …

vor und nach Infinitivsätzen mit „ohne zu”:

Ohne dich kränken zu wollen, muß ich dir sagen. … Er ging vorbei, ohne zu grüßen.

zwischen vollständigen Hauptsätzen, wenn sie eng zusammengehören:

unverbunden

Die Lerchen jubeln, die Krokusse leuchten, der Frühling ist da!

verbunden durch „aber”

Sie wollte gehen, er aber wollte bleiben. Er kam, aber er kam zu spät. verbunden durch „denn”, „deshalb”, „darum”, „deswegen” Ich freue mich, denn der Vater kommt. Er weigerte sich zu gehen, deshalb blieb sie doch. Es wird kalt, darum wollen wir nun aufbrechen.

verbunden durch „trotzdem”

Es wird kalt, trotzdem will ich bleiben.

verbunden durch „oder”

Er wird Goethe vortragen, oder seine Frau wird – wenn er verreist ist – vorlesen. Wir wollen spielen, oder müssen wir schon gehen?

aber:

Er wird Goethe oder Schiller vortragen. Wir wollen spielen oder singen.

verbunden durch „und”

Der Winter naht, und nun werden die Abende wieder lang. Karl spielt Geige, und Otto begleitet ihn auf dem Klavier.

aber:

Der Winter naht mit Dunkel und Kälte. Karl spielt Geige und Otto Klavier.

Wir setzen einen Strichpunkt (ein Semikolon)

wenn ein Punkt zu stark und ein Beistrich zu schwach erscheint:

Er ging über die Straße; da geschah das Unglück.

zwischen unverbundenen selbständigen Sätzen, die zusammen eine Aussage bilden:

Reden ist Silber; Schweigen ist Gold; oft vor nur, allein, dennoch, aber, dagegen, doch, also, daher:

Er ſchwieg; allein man fühlte ſeinen Widerſtand. – Ich. bin krank; alſo kann ich nicht kommen.

bei Aufzählungen zur Kennzeichnung der Untergruppen:

Folgende Sportler hatten Erfolge: die Lang-, Kurzſtrecken- und Hürdenläufer; die Ruderer, Segler und Schwimmer; die Boxer, Ringer und Gewichtheber.

Wir setzen einen Gedankenstrich

vor und hinter Einfügungen, die wir auch durch Beistriche einrahmen könnten, die wir aber hervorheben möchten:

Die Seuche – sie kam in diesem Jahr zum dritten Male-verlief diesmal gelinder. Karl – der sonst so fleißige Karl! – schlief fest.

für einen unterdrückten Gedanken oder einen unvollendeten Satz:

„Oh – – –!” sagte er zweifelnd. Beeile dich, oder –. Er hob die Axt und –. Aber es kam anders.

Merke! In diesem Fall werden auch oft mehrere Pünktchen gesetzt:

Er hob die Axt und … Aber es kam anders.

Wir setzen einen Doppelpunkt (Kolon)

vor wörtlich angeführter Rede:

Sie fragte: „Hast du das getan?” Mit den Worten: „Das werden Sie bereuen!” verließ er mich.

vor vielgliedrigen Aufzählungen:

Zu unserem Verein gehören: Müller, Meier, Brand, Schröder …

statt eines Punktes zwischen Hauptsätzen, wenn der zweite Hauptsatz vorher Gesagtes zusammenfaßt:

Lassen Sie mich wiederholen: ich denke nicht daran zu verzweifeln! Seine Bücher, Schriften, Aufzeichnungen und Sammlungen, kurz: alles hat er verloren.

statt eines Punktes zwischen Hauptsätzen, wenn der zweite Hauptsatz eindeutig aussagt, was der erste angedeutet oder umschrieben hatte:

Er behielt recht: Karl kam nicht. Die Folgen blieben nicht aus: Frieda erkrankte schwer.

Wir setzen Anführungsstriche

vor und nach wörtlich angeführter Rede:

Er fragte mich: „Woher kommst du?”

vor und nach wörtlichen Zitaten:

Das Wort „Mehr sein als scheinen” stammt aus der Antike.

vor und nach Buchtiteln und Überschriften:

Nietzsches „Zarathustra” Goethes „Erlkönig”.

Für Anführungen innerhalb einer Anführung stehen verschiedene Formen von Anführungsstrichen zur Verfügung:

Aus dem Bericht. des Ministers: „die Außenpolitik erstrebt – nach einem Wort des Kanzlers – die »Integration Europas«.”

„Denk nur”, sagte Karl, „Anna hat in Mailand ,Rigoletto‘ gehört!”

vor und nach Wörtern, die in einem besonderen, unalltäglichen Sinn (als Fachwörter, ironisch usw.) gebraucht werden. (man kann „sogenannt” ergänzen):

… das, was Heidegger das „Sosem nennt … Seine „Redlichkeit” ist nicht immer unantastbar. Der alte Handwerker nannte die Vorsteckstifte „Lünsen”. Die „Gebildeten” können darüber nicht mitreden. Der Oberleitungsomnibus („Obus”).

Wir setzen Klammern

vor und nach Einfügungen statt der Gedankenstriche:

Die Nacht (sie kam schnell) wurde stürmisch.

vor und nach erklärenden Zusätzen:

Ein Kraftwagen (Mercedes) hatte das Unglück verursacht. Eine Deutsche (Hamburgerin) errang den Preis.

Soll in die Einfügung eine zweite Einfügung eingeschaltet werden, benutzt man runde oder eckige Klammern:

Obst wurde reichlich angeboten (Äpfel [60 Pf. – 1,20 DM]); Birnen (80 Pf. – 1,35 DM), Zitrusfrüchte [Apfelsinen, Zitronen]).

Bildet die Einfügung einen geschlossenen Satz, hat sie natürlich auch – innerhalb der Klammer! – ihre eigene Zeichensetzung:

Er ritt fehlerlos (und das, obwohl er sich einen schmerzhaften Muskelriß zugezogen hatte!).


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Rolf Landolt, 2010-3-7