Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)ziele → das grosse ziel

Das «grosse ziel» des BVR

Publiziert 1946 in Zürich unter dem titel «Die erneuerung der deutschen rechtschreibung».

Beispieltext aus «Hermann und Dorotea» von J. W. Goethe

Hab ich den markt und die strâssen doch ni so einsam geseen! Ist doch di statt wi gekert! wi ausgestorben! Nicht fünfzig, deucht mir, bliben zurükk fon allen unsern bewonern. Was di neugir nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder, um den traurigen zug der armen fertribnen zu seen. Bis zum dammweg, welchen si zi’n, ist’s immer ein stündchen, und da läuft man hinab im heissen staube des mittags! Möcht ich mich doch nicht rüren fom plaz, um zu seen das elend guter, fliender menschen, di nun, mit geretteter habe, leider, das überreinische land, das schöne, ferlassend, zu uns herüber kommen und durch den glükklichen winkel dises fruchtbaren tals und seiner krümmungen wandern. Trefflich hast du gehandelt, o frau, dass du milde den son fort schikktest mit altem linnen und etwas essen und trinken, um es den armen zu spenden; denn geben ist sache des reichen. Was der junge doch färt! und wi er bändigt di hengste! Ser gut nimmt das kütschchen sich aus, das neue, bekwemlich sässen fire darin und auf dem bokke der kutscher. Dismal fur er allein; wi rollt es leicht um di ekke! So sprach, unter dem tore des hauses sitzend am markte, wolbehaglich, zur frau der wirt zum Goldenen Löwen.


Rolf Landolt, 2000-2-7